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diebobsi

vor 4 Jahren

(7)

Okay, wie immer! Keine Klappentextwiederholung oder Nacherzählung. Wofür auch? Wer bis zu den Rezis vordringt ist doch schon längst bestens darüber informiert, also lieber gleich zum wichtigen Teil-meiner Meinung ;)


Das Cover finde ich sehr hübsch und richtig passend. Es verrät, genau wie der Titel, in welche Richtung sich die Seiten dahinter bewegen.


Ich gebe es zu, zur Zeit habe ich eine ausgeprägte Schwäche für Engel-Romane. Ich kann gar nicht genug davon bekommen und freue mich jedes mal wie bekloppt, wenn mich eine weitere Geschichte, um die geflügelten Wesen begeistern, unterhalten und sogar überraschen konnte.

Sephonie – Zeit der Engel“ ist irgendwie anders. Kikis Erlebnisse werden aus ihrer Ich-Perspektive wiedergegeben und so passieren natürlich ein paar Dinge, die ihr und somit auch uns als Leser vorerst verborgen bleiben. Das machte den ersten Einstieg auch so richtig interessant!

Es steht Young Adult Romance drauf und genau das ist auch drin.

Gina, eine Freundin die Kiki im Verlauf kennen und schätzen lernt ist immer so ein bisschen schlüpfrig und auch etwas versaut. Nicht unanständig, oder so, sondern nur teenagermäßig! Das war sehr erfrischend und echt lustig.

Die Liebe zwischen Raphael und Kiki hatte so viele Hindernisse zu überwinden und so viele Geheimnisse zu lüften, dass die Geschichte immer wieder aufs Neue eine Wendung nahm, wo ich gerne Mal „Scheiße“ gerufen hätte.

Normalerweise fiebere ich immer dem finalen Showdown entgegen, doch hier war es so, dass der Weg bis dorthin, noch mindestens 200 Seiten mehr gehabt haben könnte.

Nur so viel zum Ende und das war für mich wirklich ungewöhnlich. Kiki ist nicht dabei und sieht den Kampf zwischen gut und böse, wie viele andere Menschen auch, im Fernsehen. Das gab dem ganzen ein leicht frustrierendes Gefühl, da man scheinbar noch weniger Einfluss auf dass Geschehen nehmen konnte. Das ist irgendwie Unsinn, ich weiß, die Geschichte ist ja geschrieben und nimmt egal wie ich mich dabei fühle ihren von der Autorin vorbestimmten Lauf, doch genau so hatte es sich für mich angefühlt


Nun zu meiner Lieblingsstelle. Eigentlich mache ich mir diese Arbeit mit so viel Text abschreiben nicht gern, doch Jennifer Wolf hat es verdient und deshalb kommt der Ausschnitt, der mich ganz schrecklich zu Tränen gerührt hat und der dieses Buch zu einem richtigen Schatz in meiner Sammlung macht.

Ausschnitt aus Kapitel 8

Seite 106-109 von 312 ebook-Seiten

Seine Augen fixierten mich. „Ich habe noch nicht die richtigen Worte gefunden, um mich bei dir zu entschuldigen, Kira.“

Bitte, Kiki.“

Er sah erneut verlegen zu Boden.

Du musst dich bei mir nicht entschuldigen. Wofür denn?“ Ich lachte künstlich. „Du solltest dich eventuell bedanken. Wer weiß, wo du sonst mit Alina gelandet wärst.“

Raphael sah mich an, als hätte ich ihn geohrfeigt. „Danke.“ Es klang sehr wackelig. „Ich w... wäre jetzt gern allein.“

Ich habe Michael versprochen auf dich aufzupassen. Du siehst nicht so aus, als würdest du klarkommen.“

Kiki, bitte.“ Er sah mich müde an. „Ich brauche einen Moment für mich und ich ... Es ist schwer für mich in deiner Gegenwart.“

Ich beobachtete ihn einen Moment und entschied, dass er die Wahrheit verdient hatte. „Als ich dich und Alina gesehen habe, habe ich gedacht, ich sterbe.“

Die Müdigkeit wich aus Raphaels Gesicht, der Mund blieb ihm offen stehen.

Es hat unendlich wehgetan.“ Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Ich habe mir eingeredet, dass du mich nur ins Bett bekommen wolltest. Habe mir vorgemacht, dass du mir nichts bedeutest, aber das war purer Selbstbetrug. Was in meinem Bauch leise mit einem Kribbeln Begann, ist zu einer unbändigen Sehnsucht herangewachsen.“ Meine Hände zitterten. „Ich kann nicht mehr schlafen. Essen und Trinken ist eine Qual. So sehr ich dich hassen möchte, so sehr vermisse ich dich. Jede Minute. Bei jedem Atemzug.“

Er kam langsam auf mich zu, sah mit großen Augen in meine.

Wenn ich meine Augen schließe, sehe ich ständig dich und Alina. Das raubt mir noch das letzte Bisschen Verstand. Weißt du, wie gern ich jetzt dein Gesicht berühren möchte? Aber ich kann es nicht, weil ich glaube, dass ich verbrennen würde, wenn ich dich anfasse. Es ist alles hoffnungslos und es führt nirgendwohin. Du bist unsterblich. Ich nicht. Dabei möchte ich nichts lieber, als dir nahe sein. Ich habe den ganzen Tag den armen Colin missbraucht, um mir vorzustellen er wäre du.“ Fluchtartig verließ ich das Zimmer. Ich hoffte inständig, dass er meinen wirren Gedanken hatte folgen können, denn ich hatte das weder geplant noch vorbereitet. Den Weg zu meinem Zimmer rannte ich fast. Ich hatte Angst, dass er mich verfolgen könnte, wollte nur weg. Erleihtert atmete ich aus, als ich die Tür hinter mir zuschlug. Gina, Colib und Marc sahen mich erstaunt an.

Und?“, fragte Gina.

Ich habe reinen Tisch gemacht und ihm gesagt, wie weh er mir getan hat.“ Ich kämpfte gegen dir Tränen.

Colin stand auf. „Was hat er dazu gesagt?“ Er zog mich in die Arme.

Sofort fing ich an, zu weinen. „Ich ... ich bin abgehauen.“

Och Kiki“, sagte Marc jammernd, „du musst ihm schon die Chance geben sich zu äußern.“

Colin strich mir über den Kopf und brummte zustimmend. Die Tür ging ohne Vorankündigung auf. Ich presste mich an Colins Schulter, um mein weinendes Gesicht zu verbergen. Als er gegen meinen Rücken tippte, wusste ich sofort, wer hereingeplatzt war. Ich drehte mich um und sah in Raphaels gehetztes Gesicht.

Du kannst nicht so etwas sagen und dann einfach gehen, Kiki!“

Er hatte sich wieder angezogen. Warum hatte er dafür ausgerechnet diesen schönen, vertrauten Cardigan gewählt? Marc schloss die Tür hinter ihm und baute sich davor auf. Offensichtlich würden wir das jetzt und hier austragen. Mit meinen Freunden als Zeugen.

Raphael sah sich um und atmete tief durch. Unter großen Schmerzen kniete er sich hin und ließ den Kopf sinken. „Ich weiß nicht, wie ich das je wieder bei dir gut machen kann. Es tut mir unendlich leid. Ich glaube, du kannst dir nicht vorstellen wie sehr.“ Er breitete die Arme aus und sah mich aus glasigen Augen an. „Wenn es dir hilft, beschimpfe mich, bespuck mich von mir aus. Mach mit mir, was du willst, um die Wut los zu werden. Ich verlange nicht, dass du mir jemals verzeihst, aber ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass ...“ Seine Augen wurden nass.

Ich schluckte und kämpfte gegen das Brennen in meinen Augen an. Er bewies Größe, sich vor meinen Freunden sich bloßzustellen. In seinen zittrigen Händen vergrub er das Gesicht. Ich konnte an seinen Ohren sehen, wie peinlich ihm das war. Es schien, als wäre dieses Zimmer für ihn ein Hort der Peinlichkeiten. Keiner meiner Freunde sagte etwas. Nicht mal Gina. Als ich zu ihr sah, blickte ich in ein erschrockenes Gesicht und Augen, die sich mit Tränen füllten.

Sie bemerkte, dass ich sie beobachtete. „Kiki, wenn du ihn nur noch eine Sekunde das weinen lässt, trete ich dich.“ Eine Träne lief über ihre Wange.

Colin gab mir einen kleinen Schubs. Ich kniete mich vor Raphael und hob zittrig die Hand. Es dauerte eine ewige Sekunde, bis ich es schaffte, sie auf seinen Kopf zu legen. Kaum hatte ich seine Haare berührt, schrie alles in mir. Ich umfasste sein Gesicht mit beiden Händen. Mit vor Sehnsucht zusammengebissenen Zähnen legte ich die Stirn an seine. Er war so warm, fast fiebrig. Ich spürte, wie er nach mir greifen wollte, aber entmutigt die Arme zurückzog. Mit fiel ein, was Michael über ihn gesagt hatte. Fast die ganze Welt hatte undankbar auf ihm herumgetrampelt. Ihm wurde unfair wehgetan ... von mir, von Gina, von Maria ... von Gott. Die Last, die dieser Engel auf seinem Rücken und seinen Flügeln herumgetragen hatte, hatte ihn zu Boden gedrückt. „Ich kann dir nicht versprechen, dass ich es so schnell vergessen kann“, sagte ich schließlich. „Denn es tut weh, aber ich verzeihe dir.“

Raphael begann so bitterlich zu schluchzen, dass ich dachte, er erstickt. Panisch zog ich ihn in die Arme, presste seinen Kopf an meine Schulter und genoss es, seinen warmen Körper zu spüren. Der Duft seiner Haut prickelte in mir wie eine Droge. In mir schrie eine Seite jubelnd aus, die ich bisher versucht hatte, zu unterdrücken. Endlich! „Hey, was ist los?“ Er schien sich nicht zu beruhigen. „Ich habe doch gesagt, dass ich dir verzeihe.“

Raphaels Arme schlossen sich um mich. Er war unfähig zu sprechen, also hielt ich ihn und verdrückte die eine oder andere Träne. „Tu ich dir weh?“ Mir fiel auf, wie fest ich ihn hielt, und ließ locker. So wie sein Oberkörper ausgesehen hatte, musste er Höllenqualen in meinem Klammergriff erlitten haben. Dennoch schüttelte er den Kopf und schien sich ein wenig zu beruhigen. Sanft strich ich ihm durch die Haare, als er schließlich den Kopf hob und mir ins Gesicht sah. Er war so nah an meinem, unsere Nasenspitzen berührten sich fast. Wir sahen uns lange einfach nur an, doch der Wunsch, ihm näher zu sein, wurde zu groß. Ich ergriff seine Hand. Als ich den Verbandsstoff bemerkte, streichelte ich sanft darüber. Ohne Vorwarnung schloss ich die Augen und presste die Lippen für den Bruchteil einer Sekunde auf seine. Erschrocken seufzte Raphael auf und schob mich von sich. Ich öffnete die Augen und sah in türkis leuchtende Himmelsaugen. Goldene Sprenkel tanzten durch sie hindurch und auf der linken Seite zierte ein goldenes Ornament ... Scheiße! Langsam sah ich zur Seite, wo Marc sich mit panisch aufgerissenen Augen unter einem Flügel duckte.

Wahnsinn, oder????

Es gibt so viele Gründe dem Buch mehr Sterne zugeben als überhaupt möglich, doch ich muss mich an das System halten, also ...

Ich vergebe 5, türkis strahlende mit goldenen Sprenkeln versehene, geflügelte, mutig kämpfende Sterne mit Tiefgang die die Seele berühren können.

Autor: Jennifer Wolf
Buch: Sephonie - Zeit der Engel
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