Jenny Erpenbeck

 4 Sterne bei 374 Bewertungen
Autorin von Gehen, ging, gegangen, Aller Tage Abend und weiteren Büchern.
Autorenbild von Jenny Erpenbeck (© Katharina Behling)

Lebenslauf

Theater, Schriftstellerei, Kunst und Kultur: Die deutsche Schriftstellerin und Regisseurin Jenny Erpenbeck wurde am 12.03.1967 in Ost-Berlin geboren. Die Tochter des Physikers, Philosophen und Schriftstellers John Erpenbeck und der Arabisch-Übersetzerin Doris Kilias absolvierte 1985 ihr Abitur an einer Erweiterten Oberschule in Ost-Berlin. Im Anschluss daran schloss sie zunächst eine zweijährige Lehre als Buchbinderin ab, ehe sie an diversen Theatern als Requisiteurin und Garderobiere tätig war. Von 1988 bis 1990 war sie Studentin der Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, wechselte aber zum Studium der Musiktheater-Regie an die Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin. Nach ihrem Abschluss arbeitete Jenny Erpenbeck zunächst als Regieassistentin am Opernhaus Graz, von 1997 an war sie dort mit eigenen Inszenierungen zu sehen. Ab 1998 war sie als freischaffende Regisseurin mit Inszenierungen an verschiedenen Häusern in Deutschland und Österreich verantwortlich, u.a. an der Staatsoper Berlin und in Nürnberg/Erlangen. 1990 begann sie, neben der Regiearbeit erste schriftstellerische Werke zu verfassen. 1999 veröffentlichte Jenny Erpenbeck ihr Debüt "Geschichte vom alten Kind", 2001 folgte der Erzählband "Tand", ehe sie 2004 ihren ersten Roman "Heimsuchung" veröffentlichte, mit dem sie bei Kritikern und Publikum großen Anklang fand. 2001 gewann Jenny Erpenbeck den Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt, es folgten weitere Literatur- und Förderpreise. 2012 schaffte es ihr Roman "Aller Tage Abend" auf die Longlist des Deutschen Buchpreises. Im März 2007 übernahm Jenny Erpenbeck für ein Jahr die vierzehntäglich erscheinende Kolumne von Nicole Krauss in der FAZ. 2002 wurde Jenny Erpenbecks Sohn geboren, mit dem sie in Berlin lebt.

Neue Bücher

Cover des Buches Heimsuchung (ISBN: 9783150143889)

Heimsuchung

Neu erschienen am 19.03.2024 als Taschenbuch bei Reclam, Philipp.

Alle Bücher von Jenny Erpenbeck

Cover des Buches Gehen, ging, gegangen (ISBN: 9783328602491)

Gehen, ging, gegangen

 (125)
Erschienen am 24.10.2021
Cover des Buches Aller Tage Abend (ISBN: 9783328102502)

Aller Tage Abend

 (59)
Erschienen am 09.07.2017
Cover des Buches Heimsuchung (ISBN: 9783328102519)

Heimsuchung

 (55)
Erschienen am 10.06.2018
Cover des Buches Kairos (ISBN: 9783328109341)

Kairos

 (38)
Erschienen am 14.03.2023
Cover des Buches Geschichte vom alten Kind (ISBN: 9783641134785)

Geschichte vom alten Kind

 (39)
Erschienen am 24.11.2013
Cover des Buches Wörterbuch (ISBN: 9783328103905)

Wörterbuch

 (16)
Erschienen am 07.10.2018
Cover des Buches Dinge, die verschwinden (ISBN: 9783442740697)

Dinge, die verschwinden

 (12)
Erschienen am 10.01.2011
Cover des Buches Tand (ISBN: 9783641134761)

Tand

 (6)
Erschienen am 24.11.2013

Neue Rezensionen zu Jenny Erpenbeck

Cover des Buches Kairos (ISBN: 9783328109341)
C

Rezension zu "Kairos" von Jenny Erpenbeck

Ein ganz wunderbarer Roman
CARebafvor 6 Tagen

Die 20-jährige Katerina und der 34 Jahre ältere, verheiratete Hans lernen sich im Ost-Berlin in den 80er Jahren kennen und lieben. Hans ist 14 Jahre älter als ihr Vater. Beiden ist klar, dass es nicht ewig sein wird, wollen es aber nicht wahrhaben. Ausgerechnet ihr Seitensprung mit Vadim bringt es an den Tag. Hans ist krankhaft eifersüchtig. Ausgerechnet er, der so viele Frauen während seiner Ehe nebenbei hatte. Er fühlt sich so verleugnet, wie Jesus durch Petrus in der Matthäuspassion. Diese Parallele ist literarisch ganz hervorragend gewählt! So wie die DDR langsam stirbt, stirbt auch die Beziehung der beiden. Im Detail, literarischem Stil und den feinen Beobachtungen ein Meisterwerk!

Cover des Buches Kairos (ISBN: 9783328109341)
Johanna_Bes avatar

Rezension zu "Kairos" von Jenny Erpenbeck

Liebesgeschichte kurz vor dem Ende der DDR
Johanna_Bevor einem Monat

„Kairos“ steht auf der Shortlist des International Booker Prize. Erpenbeck hat den Preis (als er noch anders hieß) auch schon einmal bekommen. Volker Weidermann nennt sie in der ZEIT die literarische Stimme Deutschlands. Grund genug, den Roman, der 2021 erschienen ist, nun endlich zu lesen.

Es ist eine Liebesgeschichte, die wütend macht. Es ist die Geschichte eines 19-jährigen Mädchens, das sich zur selbständigen Frau erhebt. Und es ist die Geschichte der untergehenden DDR und der deutschen Wiedervereinigung aus ostdeutscher Sicht. Hautnah und schmerzvoll erlebt. Das alles in einer sehr schönen, teilweise lyrischen Sprache.

 Der Prolog des Romans erzählt von einer verheirateten Frau, deren früherer Geliebter gestorben ist. Sie erhält irgendwann nach dessen Beerdigung (und nach der Wende) zwei Kartons. In denen findet sie Bruchstücke ihres früheren Lebens: Papiere, Fotos, Erinnerungsstücke. Sie gehörten dem Verstorbenen. Auch im Epilog geht es um Papiere, allerdings um höchst amtliche Dokumente des Ministeriums für Staatssicherheit. Auch die liest die Frau. Damit ist der Rahmen für den Roman gegeben: privat wie politisch. Die Geschichten sind eng verzahnt.

Das Mädchen lernt den Mann zufällig in einem Linienbus in Ostberlin kennen. Er ist ein verheirateter Schriftsteller, gebildet und sehr vertraut mit den literarischen Zirkeln der DDR und sehr viel älter als sie, älter sogar als ihr Vater. Mit ihm lernt sie die Literatur und die Musik lieben, sie streift mit ihm durch die Ostberliner Literatencafés und  begegnet ihrer Heimatstadt auf den gemeinsamen Spaziergängen ganz neu. Im Nachhinein fragt sie sich, ob es denn wirklich ein „Kairos“, ein glücklicher Augenblick, gewesen sei, der die Entwicklung ihrer Liebesgeschichte in Gang gesetzt hat. Ihre Freunde, ihre Eltern warnen sie. Denn der Mann gewinnt allmählich Macht über sie. Sie widersetzt sich auch nicht, so sehr liebt sie ihn. Diese toxische Beziehung erinnert mich ein wenig an eine andere literarische Liebesgeschichte, die in Terézia Moras Roman „Muna“. Sie ist ähnlich empörend.

Erpenbeck erzählt die private Geschichte vor der Folie des Untergangs der DDR. Für den Mann schmerzlich, weil er seine Träume eines sozialistischen Staates zerbröseln sieht und er in die Arbeitslosigkeit rutscht. (Er war als junger Mann freiwillig von der BRD in die DDR umgesiedelt.)  Für die Frau, weil all das, was sie Leben nennt, nach und nach verschwindet.

Nach der Lektüre ist klar, warum der Roman gute Chancen auf den International Booker hat.

Cover des Buches Gehen, ging, gegangen (ISBN: 9783328602491)
Jorokas avatar

Rezension zu "Gehen, ging, gegangen" von Jenny Erpenbeck

Richard und die Flüchtlinge
Jorokavor 7 Monaten

Ein emeritierter und verwitweter Professor schließt Bekanntschaft mit einer Gruppe junger, männlicher Flüchtlinge aus Afrika, die durch eine Protestaktion die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf sich gezogen hatten. Er zeigt keine Berühungsängste und interessiert sich für die Geschichten der Männer, die auf ihrem Weg nach Europa Traumatisches erleben mussten.


Richard öffnet auch seine Tür, gibt einem der Männer Unterricht am Klavier und besorgt Gelegenheitsjobs. Er nimmt Teil an ihren Schicksalen und dem quälenden Warten auf eine Zukunft....


Frau Erpendeck durchleuchtet verschiedene Aspekte der aktuellen 'Flüchtlings-Krise' an Einzelschicksalen. Die AfD wird dieses Buch sicherlich nicht als Lieblingslektüre empfehlen. Doch für mich war vor allem das Zwischenspiel mit dem alten Mann und den jungen Männern aus einem anderen Kulturkreis interessant. Man kann es so sehen, dass er in seinem Ruhestand eine neue Aufgabe gefunden hat und darin aufgeht. 


Überraschenderweise wirken die meisten der Begegnungen zwar höflich, aber überraschend distanziert. Vielleicht kann das auch gar nicht anders sein. Diesbezüglich sicherlich nicht sonderlich förderlich ist, dass Richard einem Großteil der Männer Phantasie-Namen verpasst. Doch es von Richards Seite auch keine überstülpende Annäherungen. Einen wenig erschleicht er sich schon den Zugang, doch im weiteren Verlauf möchte er vor allem helfen. 


Und die jungen Afrikaner? Sie bleiben trotz oder gerade wegen ihrer großen Zahl im Roman wenig greifbar. Vor allem ahnt man das verschwendete Potential ihrer Leben. 


Fazit: Ihr Stil wirkt zum Teil ungewöhnlich, aber auf mich nicht schwerfällig oder gar mühsam. Ich habe das Buch mit zunehmendem Interesse gelesen. Sehr aktuelles Thema, anders als erwartet umgesetzt. 




Gespräche aus der Community

Und es geht weiter mit Buchraettins Leserunden im Rahmen ihres "SuB-Aufbaus mit Niveau".

Leider schon wieder ganz schön verspätet lesen wir im Juni "Gehen, ging, gegangen" von Jenny Erpenbeck.

Jede/r, die/der mitmachen möchte, ist herzlich willkommen!

Ich wünsche uns viel Spaß!
123 Beiträge
abas avatar
Letzter Beitrag von  abavor 7 Jahren
Es ging mir genau so.

Zusätzliche Informationen

Jenny Erpenbeck wurde am 12. März 1967 in Ost-Berlin (Deutschland) geboren.

Community-Statistik

in 527 Bibliotheken

auf 73 Merkzettel

von 12 Leser*innen aktuell gelesen

von 3 Leser*innen gefolgt

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