Jenny Erpenbeck

 4 Sterne bei 348 Bewertungen
Autorin von Gehen, ging, gegangen, Aller Tage Abend und weiteren Büchern.
Autorenbild von Jenny Erpenbeck (© Katharina Behling)

Lebenslauf von Jenny Erpenbeck

Theater, Schriftstellerei, Kunst und Kultur: Die deutsche Schriftstellerin und Regisseurin Jenny Erpenbeck wurde am 12.03.1967 in Ost-Berlin geboren. Die Tochter des Physikers, Philosophen und Schriftstellers John Erpenbeck und der Arabisch-Übersetzerin Doris Kilias absolvierte 1985 ihr Abitur an einer Erweiterten Oberschule in Ost-Berlin. Im Anschluss daran schloss sie zunächst eine zweijährige Lehre als Buchbinderin ab, ehe sie an diversen Theatern als Requisiteurin und Garderobiere tätig war. Von 1988 bis 1990 war sie Studentin der Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, wechselte aber zum Studium der Musiktheater-Regie an die Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin. Nach ihrem Abschluss arbeitete Jenny Erpenbeck zunächst als Regieassistentin am Opernhaus Graz, von 1997 an war sie dort mit eigenen Inszenierungen zu sehen. Ab 1998 war sie als freischaffende Regisseurin mit Inszenierungen an verschiedenen Häusern in Deutschland und Österreich verantwortlich, u.a. an der Staatsoper Berlin und in Nürnberg/Erlangen. 1990 begann sie, neben der Regiearbeit erste schriftstellerische Werke zu verfassen. 1999 veröffentlichte Jenny Erpenbeck ihr Debüt "Geschichte vom alten Kind", 2001 folgte der Erzählband "Tand", ehe sie 2004 ihren ersten Roman "Heimsuchung" veröffentlichte, mit dem sie bei Kritikern und Publikum großen Anklang fand. 2001 gewann Jenny Erpenbeck den Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt, es folgten weitere Literatur- und Förderpreise. 2012 schaffte es ihr Roman "Aller Tage Abend" auf die Longlist des Deutschen Buchpreises. Im März 2007 übernahm Jenny Erpenbeck für ein Jahr die vierzehntäglich erscheinende Kolumne von Nicole Krauss in der FAZ. 2002 wurde Jenny Erpenbecks Sohn geboren, mit dem sie in Berlin lebt.

Alle Bücher von Jenny Erpenbeck

Cover des Buches Gehen, ging, gegangen (ISBN: 9783328602491)

Gehen, ging, gegangen

 (120)
Erschienen am 25.10.2021
Cover des Buches Aller Tage Abend (ISBN: 9783328102502)

Aller Tage Abend

 (59)
Erschienen am 10.07.2017
Cover des Buches Heimsuchung (ISBN: 9783328102519)

Heimsuchung

 (51)
Erschienen am 11.06.2018
Cover des Buches Geschichte vom alten Kind (ISBN: 9783641134785)

Geschichte vom alten Kind

 (38)
Erschienen am 25.11.2013
Cover des Buches Kairos (ISBN: 9783328600855)

Kairos

 (28)
Erschienen am 30.08.2021
Cover des Buches Wörterbuch (ISBN: 9783328103905)

Wörterbuch

 (16)
Erschienen am 08.10.2018
Cover des Buches Dinge, die verschwinden (ISBN: 9783442740697)

Dinge, die verschwinden

 (12)
Erschienen am 10.01.2011
Cover des Buches Tand (ISBN: 9783641134761)

Tand

 (6)
Erschienen am 25.11.2013

Neue Rezensionen zu Jenny Erpenbeck

Cover des Buches Kairos (ISBN: 9783328600855)Nils avatar

Rezension zu "Kairos" von Jenny Erpenbeck

Eine Liebe im Wandel der Zeitenwende
Nilvor einem Jahr

Katharina und Hans sind ein Paar. Hans ist Schriftsteller im Kreis seinesgleichen und weit über 50. Er trifft auf die weitaus jüngere Katharina, die erst 19 Jahre alt ist als sie sich 1986 verlieben. Er genießt die Privilegien dieser Zeit in intellektuellen Kreisen und das macht sie sich zu Nutze um sich Wissen zu erschließen – sie genießt das intellektuelle Kapital das zu damaliger Zeit rar war. Denn es ist die Zeit der DDR, aber der Bruch naht, denn es ist bereits das Ende der DDR eingeläutet. Wir erleben mit ihrer Beziehung das Ende der DDR mit. Nicht nur politisch geht die DDR den Bach runter, auch ihre private Zweisamkeit wird aus den Angeln gehoben. Es steht zwar die Paarbeziehung im Vordergrund der Geschichte, aber auch das zeitgeschichtliche Portrait der Wendezeit aus DDR-Perspektive ist bereichernd geschrieben.

Dieser Roman von Jenny Erpenbeck mit dem sinnbildlichen Titel ‚Kairos‘ ist zum einen ein gelungenes historisches Werk mit Blick auf die Zeit der Wiedervereinigung und illustriert gekonnt die Beziehung der beiden vor dieser Kulisse. Kairos, der günstige Zeitpunkt, den man nicht verpassen sollte. Ich interpretiere es im Sinne der weiblichen Protagonistin, die den Augenblick genutzt hat und sich mit Hans zu liieren um für sich eine vorteilhafte Situation zu schaffen, die mit veränderten Verhältnissen wieder kippt.

(Ost)Berlin ist in diesem Buch großartig in Szene gesetzt. Es erschließt sich mir wie eine neue Welt, die ich nie kennengelernt habe, bin ich doch im anderen Teil der Stadt groß geworden.

Mir hat der Roman gut gefallen, es lass sich stringent und gut. Ob und wieweit hier die DDR und ihr Ende in seiner Dramaturgie richtig dargestellt wurde, maße ich mir kein Urteil an, denn ich habe zwar die Wende erlebt, aber aus westlicher Sicht und als Kind.

Fazit: Nicht von der Alter Mann-Junge Frau-Beziehung irritieren lassen, dieser Roman kann so viel mehr!

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Cover des Buches Kairos (ISBN: 9783328600855)Kleenkrams avatar

Rezension zu "Kairos" von Jenny Erpenbeck

Was verbindet die beiden?
Kleenkramvor einem Jahr

Ein Roman über eine Liebe zwischen den Grenzen und weit über diese hinaus. Ein Stück deutsch-deutsche Zeitgeschichte eingefangen in einen faszinierenden und aufregenden Roman über eine verbotene Beziehung.
Ein Buch über Ost und West, über zwei so unterschiedliche Welten, über zwei so völlig verschiedene Menschen, die zufällig einen Teil ihres Lebens gemeinsam gingen.

Die sehr junge Katharina aus dem Westen und der mehrere Jahrzehnte ältere Hans, verheiratet mit Kind, aus dem Osten, treffen zufällig aufeinander und verlieben sich. Schon tausendmal erzählt und doch so anders.

Die Autorin beschreibt nicht nur wunderbar die Verbindung der beiden Menschen, sie gibt auch einen guten Einblick in das Leben in der DDR. Beleuchtet wird diese Beziehung von beiden Seiten, mit all ihren persönlichen und politischen Schwierigkeiten.
Ein Buch muss nicht immer spannend sein, um seine Leser bei der Stange zu halten. Es muss nur überzeugend sein, um zu begeistern. Und das hat Jenny Erpenbeck geschafft!

Was verbindet die beiden so ungleichen Figuren, die nicht nur eine Mauer trennt? Warum begeben sie sich in diese Abhängigkeit voneinander? Ist es wirklich Liebe?
Das alles erfährt man, während die Geschichte von hinten aufgerollt wird. Katharina erhält nach Hans seinem Tod Unterlagen über ihre Beziehung und setzt sich so noch einmal mit ihrer Vergangenheit auseinander.

Selber in der ehemaligen DDR aufgewachsen, fühlt man sich sofort in jene Zeit versetzt. Mich dieses Buch sehr gut unterhalten!

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Cover des Buches Kairos (ISBN: 9783328600855)miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Kairos" von Jenny Erpenbeck

Jenny Erpenbeck – Kairos
miss_mesmerizedvor einem Jahr

Zwei Kisten sind es, die Katharina von ihrer Zeit mit Hans geblieben sind. Hans, den sie als Neunzehnjährige zufällig an einem regnerischen Nachmittag im Bus traf und der sofort ihr Herz eroberte, obwohl er 34 Jahre älter war als sie. Jetzt ist Hans tot und Katharina erinnert sich beim Durchsehen der Kisten an die Zeit, die sie miteinander hatten. Es begann 1986 als heimliche Liebe des verheirateten Autors und der jungen Frau, deren Zukunft noch ungewiss war. Er, der erfahrene Liebhaber, hat eindeutig die Oberhand und kann die Grenzen ihrer Beziehung Bestimmung, sie folgt ihm blind. Doch Katharina wird älter, erfahrener und mit ihrer Entdeckung der Welt wird sie unabhängiger, was zur Herausforderung für beide wird. Aus der unbeschwerten Liebe wird Obsession mit Gewalt und Hass.

 

Jenny Erpenbeck wählt einen vielsagenden Titel für ihren aktuellen Roman. „Kairos“, die griechische mythologische Gottheit des günstigen Zeitpunkts, in der Theologie die „Gelegenheit zur Sünde“ ist bezeichnend für die Handlung. Hans trifft Katharina im richtigen Moment, er muss sie an jenem ersten Nachmittag für sich gewinnen, sonst entschwindet ihm die junge Frau wieder. Sein Vorhaben gelingt. Danach jedoch verpassen sie die Momente, Momente, die ihre Beziehung in die eine oder die andere Richtung hätten lenken können. Stattdessen halten sie fest an etwas, das destruktiv wird, sie leiden lässt und bald schon nicht mehr die verliebte Leichtigkeit des Anfangs hat.

 

Die ersten Kapitel sind geprägt von der jugendlichen Liebe, der große Altersunterschied lässt Hans verjüngen, leidenschaftlich genießen sie ihr heimliches Beisammensein, was einen besonderen Reiz ausmacht. Für Hans scheint es kein Problem zu sein, dass er noch eine Ehefrau hat und mit dieser ganz selbstverständlich zusammenlebt und auch Zeit verbringt. Katharina hingegen will er exklusiv für sich. Unsterblich verliebt nimmt sie dieses Arrangement hin, doch als sie Berlin für ein Praktikum verlässt und die Trennung mehr als nur wenige Tage beträgt, beginnt ihr Lösungsprozess. Sie ist sich dessen noch nicht bewusst, glaubt immer noch Hans in derselben Weise zu lieben wie zu Beginn. Doch der Liebhaber wie auch der Leser bemerkt die feinen Risse.

 

„Sie sind im Einverständnis miteinander, sie haben ihre ersten Geheimnisse vor der Welt, sie wissen, woran nur sie sich erinnern, wenn sie sich ansehen. Gerade deshalb muss er die Bedingungen klarstellen, bevor es dazu zu spät ist.“

 

Die Handlung spiegelt das Große im Kleinen. Es ist Ende der 1980er Jahre. Hans und Katharina sind in Ostberlin eingesperrt, der Himmel ist nicht unendlich, aber weit genug für sie beide. Doch wie auch das Land langsam zerfällt, wird für Katharina die Beziehung zu eng. Wie das alte Regime will Hans die Oberhand behalten, den Weg diktieren, straft, wenn ihr Verhalten nicht seinen Erwartungen entspricht. Er verfolgt und bespitzelt sie und macht ihr bitterböse Vorwürfe. Doch das Ende der Diktatur ist am Horizont bereits zu sehen.

 

Es ist eine toxische Beziehung in einer zerfallenden Welt. Ein historischer Moment, der sich langsam ankündigt und dann mit einem Male da und überwältigen ist, überzeugend mit pointierten Sprachbildern und einem fast nüchternen Ton eingefangen, der jedoch perfekt zum Setting passt.

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Gespräche aus der Community

Und es geht weiter mit Buchraettins Leserunden im Rahmen ihres "SuB-Aufbaus mit Niveau".

Leider schon wieder ganz schön verspätet lesen wir im Juni "Gehen, ging, gegangen" von Jenny Erpenbeck.

Jede/r, die/der mitmachen möchte, ist herzlich willkommen!

Ich wünsche uns viel Spaß!
123 Beiträge
abas avatar
Letzter Beitrag von  abavor 5 Jahren
Es ging mir genau so.

Zusätzliche Informationen

Jenny Erpenbeck wurde am 12. März 1967 in Ost-Berlin (Deutschland) geboren.

Community-Statistik

in 491 Bibliotheken

von 129 Lesern aktuell gelesen

von 4 Lesern gefolgt

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