Jenny Erpenbeck Heimsuchung

(44)

Lovelybooks Bewertung

  • 36 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 5 Rezensionen
(22)
(15)
(4)
(3)
(0)

Inhaltsangabe zu „Heimsuchung“ von Jenny Erpenbeck

Ein Haus an einem märkischen See – und wie ein ganzes Jahrhundert in ihm wütet Ein Haus an einem märkischen See: Es ist der Schauplatz für fünfzehn Lebensläufe, Geschichten, Schicksale von den Zwanzigerjahren bis heute. Das Haus und seine Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR, die Wende und die Zeit der Nachwende. Jedem einzelnen Schicksal gibt Jenny Erpenbeck eine eigene literarische Form, jedes entfaltet auf ganz eigene Weise seine Dramatik, seine Tragik, sein Glück. Alle zusammen bilden ein Panorama des letzten Jahrhunderts, das verstört, beglückt, verunsichert und versöhnt.

Die deutsche Geschichte des vergangenen Jahrhunderts mit einem Haus am See als Symbolbild wunderbar poetisch erzählt.

— hannipalanni
hannipalanni

Stöbern in Romane

Der Sandmaler

Leider viel weniger, als erhofft.

moni-K

Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands

Eine Reise bei der Michele sein eigenes "Ich" wiederfindet. Ein sehr schönes Hörbuch

Kuhni77

Dann schlaf auch du

Spannend, schockierend und furchtbar traurig. Ein sprachgewaltiges Buch, dass sich so richtig keinem Genre zuordnen lässt. Lesenswert!

Seehase1977

Drei Tage und ein Leben

Ein beinahe poetisch anmutendes Psychodrama

Bellis-Perennis

Und es schmilzt

Selten so ein langweiliges Buch gelesen. 22 Euro hätten besser angelegt werden können. Leider.

Das_Blumen_Kind

Underground Railroad

Tief bedrückendes Portrait einer Gesellschaft! Das Buch war nicht immer schön, aber immer lesenswert.

Linatost

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Heimsuchung" von Jenny Erpenbeck

    Heimsuchung
    Gilfaen

    Gilfaen

    21. February 2011 um 17:30

    "Wo der neue Mensch anfangen soll, kann er nur aus dem alten wachsen." Ein Haus, errichtet in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, ist der Schauplatz von Erpenbecks Jahrhundert-Gemälde. Wir verfolgen und erleben die wenigen Besitzer dieses Hauses, lesen von Freude, von kindlichen Wünschen, von natürlicher Schönheit, aber auch von Trauer, Verfolgung, Tod. Der Gärtner, stumm und ohne viel Charakter, ist die einzige Konstante in dem Roman und im Leben des Hauses; er pflegt und bewässert das Stück Land, den Garten, kümmert sich um Arbeiten am und im Haus, je nach den Wünschen des Besitzers. Er besitzt keine Meinung, keine Gefühle, seine Gedanken und Ansichten werden nur bzw. mit Hilfe der Pflanzen und Tiere beschrieben; er wird geradezu charakterlos, blutleer, wie ein Gegenstand der zum Haus dazu gehört, egal zu welcher Zeit. Das Haus ist seine Heimat. Wie auch das der anderen elf Personen, Familien, Lebewesen. Unwichtig, ob sie sich auf der Durchreise, als Besetzer, als Inhaber, als kurzzeitige Nutzer betrachten, die Geschichte des Hauses ist immer mit ihnen verwoben, egal ob durch Geheimnisse, die erste gemeinsame Liebesnacht, eine geführte Ehe oder aber als Ort von Tod, Trauer, Besetzung und Angst. Das Haus ist gemütlich und schön, schrecklich und hässlich zugleich. Es ist Heimat, bzw. dient als Ort der "Heimsuchung", als Station auf vielen Lebenswegen, wo sie auch enden mögen. Egal, ob diese in der Gaskammer in Auschwitz enden oder aber im Altersheim. Egal, ob es als Selbstmord endet oder aber in dem Verlust einer geliebten Freundin. Dieses seltsame Haus mit den farbigen Fensterläden aus Milchglas im ersten Stock, mit dem Geheimversteck im hinteren Teil des Schranks, mit dem Bootshaus und den dazugehörigen linoleumgrünen Handtüchern bleibt immer der Rahmen der Handlung, wenn auch nicht immer präsent. Wie ein stiller Beobachter verfolgt man die Geschichten der Familie. Die des Architekten, der das Grundstück seiner Nachbarn kauft, die dieses finanzielle Hilfe benötigen, um auszuwandern. Die der kleinen Doris, ein Kind, gerade noch versteckt in einer Wohnung, die schließlich als "Untermensch" erschossen wird. Die der Zurückgekehrten, die schweigt, wenn Unrecht geschieht, aus Depression und Angst noch einmal Verachtung und Schmerz erfahren zu müssen. Trotz fast durchgängiger Namenslosigkeit der Figuren sind diese fassbar, ja geradezu offen und persönlich zu entdecken für den Leser. Man hat das Gefühl bei ihnen zu sein in den schwierigsten Stunden, in den schönsten Stunden genauso wie in den bedrückensten Stunden. Dieses Haus und somit auch der Roman entwickeln eine Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Dabei bleibt der Roman nicht bei einer Abfolge der Geschichten. Erpenbeck verwebt, dröselt auf, verbindet, überschichtet und stapelt sogar über- und nebeneinander die Geschichten der Figuren; somit erscheint dieser doch episodenhaft wirkende Roman als ein Porträt, ein Puzzle, welches nicht nur eine Abbildung der Verhältnisse, sondern auch der Perspektiven ist. Der Rotarmist, stationiert in Berlin, noch jung, unerfahren, gerade erst aufgestiegen, der die hilflos wirkende, etwas verrückte Hausbesitzerin in den Kriegszeiten des Jahres 1945 vergewaltigt; und daneben eben diese Frau, die nie wieder von diesem Erlebnis loskommen wird - beide sprechen über das Geschehen, dröseln es auf, werten ab und fühlen sich beide als Schuldige und Unschuldige einer Generation und der zeitlichen Umstände. Jenny Erpenbeck bleibt dabei in Sprache immer dicht am Geschehen, beinahe tiefenpsychologisch analysiert sie die Figuren, spielt mit ihnen, lässt sie sprechen und das mit einer poetischen Kraft, mit einem epischen Fluss, der einen nicht loslässt. Nicht nur mit den Figuren, auch mit der Sprach spielt sie. Mehrmals werden Sprach- und Stilebenen gewechselt - Szenenähnliche Elemente des Theaters eingeführt, Regieanweisungen wie in einem Drama eingearbeitet, genauso wie Gesprächsfetzen und Briefsegmente. Kritisierbar wäre, dass die Haltung der Autorin zu ihren Figuren sehr unterkühlt ist, schließlich verschwinden diese meist nach kurzer Zeit wieder, ohne Rücksicht auf deren "Leben" werden sie entsorgt, so sie denn ihre Rolle erfüllt haben. Doch wenn man bedenkt, dass dies die Geschichte eines Hauses, verwoben mit den Familien, nicht unbedingt immer um die Familien, sich handelt, wirkt diese "Versuchsanordnung" künstlerisch sehr stark, sehr lebendig und vor allem auch authentisch. Scheitern tut Erpenbeck nur, wenn sich um die Beschreibung intimster Momente handelt - die Vergewaltigung der Hausbesitzerin im Zweiten Weltkrieg wirkt geradezu plump, abstoßend, geradezu sprachlich ordinär. Die Liebe an sich scheint ihr nur Mittel zum Zweck, selten geht sie auf das Gefühl der Personen in diesen Momenten ein. Sie beschreibt sehr emotional das Innenleben der Figuren, wagt sich dabei aber nicht an Szenen heran, die auch für den Leser unangenehm sein können - vielleicht ist es eine starke Distanz, die sie mit der sprachlichen Veränderung in diesen Szenen erreichen möchte, allerdings wirkt das zu kalt, mit zu viel Distanz, mit zu viel Härte. Im entscheidenden Augenblick fühlen diese Figuren meistens nichts, bleiben Konstrukte in der Handlung, weniger handelnde Charaktere. Und doch bleibt von diesem Roman sehr viel Positives: Erpenbecks Sprache erweist sich als poetisch stark, kraftvoll und einfach wunderschön zu lesen. Sie weiß es, Geschichten miteinander zu verweben, Geschichten überhaupt zu erzählen und ihren Figuren einen Hintergrund zu geben, der den Leser dazu bringt mit ihm zu leben, zu lachen, zu weinen, zu trauern. Die meiste Zeit sind diese Figuren Begleiter, keine reinen Konstrukte der menschlichen Phantasie trotz ihrer Flüchtigkeit innerhalb der Handlung. Filigran arbeitet die Autorin Zeitebenen mit ein, ohne auf zeitliche Zusammenhänge direkt hinzuweisen. Es liest sich nicht wie ein Abfolge historischer Daten und der damit verbundenen Figuren, sondern wie eine Figur bzw. ein Lebewesen in dem Umfeld, zeitlich und lokal, agiert, wie es reagiert und denkt. Mittelpunkt dabei bleibt das Haus an einem märkischen See in Mecklemburg-Vorpommern. Ein sehr angenehm zu lesender, stilistisch sehr starker Roman.

    Mehr
  • Rezension zu "Heimsuchung" von Jenny Erpenbeck

    Heimsuchung
    -Aurora-

    -Aurora-

    10. February 2009 um 22:04

    Heimsuchung von Jenny Erpenbeck ist anstregend. Es ist zwar erstaunlich, wie viel Recherchen Frau Erpenbeck im Vorraus hatte machen müssen, dennoch oder ganau deswegen erscheint mir das Buch sehr konstruiert und anstrengend geschrieben.

  • Rezension zu "Heimsuchung" von Jenny Erpenbeck

    Heimsuchung
    koolkatz

    koolkatz

    19. December 2008 um 20:53

    schlicht genial

  • Rezension zu "Heimsuchung" von Jenny Erpenbeck

    Heimsuchung
    HeikeG

    HeikeG

    12. August 2008 um 18:56

    Heimstatt, Heimweh, Heimatlos, Heimgehen… Heimat Eine Definition des Begriffes Heimat zu geben ist sicherlich schwierig. Unterschiedliche Erlebnisse und Erinnerungen formen dabei die persönliche Erklärung. Heimat muss keine lokale Prägung haben, sondern ist eher eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Zwar hat Jenny Erpenbeck in ihrem großartigen Roman "Heimsuchung" eine ganz konkrete Heimstatt, nämlich ein Haus am Märkischen Meer in Mecklenburg ausgewählt, aber auch ihre Bewohner definieren den Begriff Heimat jeder auf andere Art und Weise. Dieses Haus, errichtet in den 20er Jahren und bewohnt bis zur Jahrtausendwende, dient der Autorin gleichfalls nur als Hülle, als Rahmengerüst für ihr kunst- und genussvolles Wortgemälde. Am Ende verfällt es, wird abgerissen. Anhand von zwölf Einzelschicksalen erzählt Erpenbeck die Suche und Sehnsucht des Menschen nach Heimat. Dabei streckt sie den eigentlich unbedeutenden Zeitraum um eine Zeitspanne von achtzig Jahren, beginnend in den Zwanzigern. Ein Berliner Architekt, ein jüdischer Tuchfabrikant und ihre Familien und Schicksale rankt Erpenbeck um dieses Haus und das Grundstück. Mit kurzen, prägnanten Sätzen, die sich von Zeit zu Zeit wiederholen, erzeugt die Autorin eine derart gefühlsmäßige Durchschlagkraft, die beinahe einem emotionalen Knockout gleichkommt, dass dem Leser der Atem stockt, Manchmal ist weniger mehr! Und so verfolgt der Leser die wechselnden Besitzer der Räumlichkeiten, betritt mal dieses, mal jenes Zimmer, erfährt etwas über Frau des Architekten, die Kinder des Juden, die einmarschierenden Rotarmisten. Als wiederum der Architekt ein paar Jahre später selbst vor dem DDR-Regime flieht, finden neue Bewohner Heimstatt im Haus, so die aus dem Exil heimkehrende Schriftstellerin, die wiederum der polnischen Mutter ihres Schwiegersohnes eine neue "Heimat" gewährt. Diese gehört zu der melancholischsten, gleichzeitig jedoch schönsten Erzählung Erpenbecks. Trotz des traurigen Untertons ist eine stille Freude darin. Großartige Worte wie Musik. Verbindendes Glied und Einschub hinter jedem Einzelschicksal ist der Gärtner, der gleichsam stumm und scheinbar unveränderlich die Vegetation des Gartens am Leben erhält, der rodet und neu anpflanzt - je nach Wunsch der jeweiligen Besitzer -, bewässert und pflegt, wo diese doch am Ende auch gut ohne ihn auskommt und den Abbruch des Hauses überdauert. Er dient nach jedem Kapitel als emotionale "Bremse", mindert mit seiner beruhigenden Pflege und Hege der Natur die Wucht, die zerstörerische Kraft von Erpenbecks Text. Erpenbecks Texte erzeugen trotz ihrer augenscheinlichen Marginalität eine permanente Sogwirkung, eine starke innere Spannung, der sich zu entziehen kaum möglich ist. Scheint anfänglich vieles noch vage, nur angedeutet und hingetupft, so verdichtet sich der Stoff von Seite zu Seite zunehmend, um beinahe tiefenpsychologische Dramatik zu erreichen. Dabei rollt die Autorin ihre Dramen nicht nacheinander ab, sondern stapelt sie neben- und übereinander, verknüpft, dröselt auf und webt wieder zusammen und lässt so Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beinahe gleichzeitig existieren. Nur der Wechsel der Sprach- und Stilebenen markiert das Vergehen der Zeit. Die Enkelin der Schriftstellerin, die letzte Bewohnerin, ist wohl Jenny Erpenbecks Alter Ego. Denn das Reethaus am See, Ausgangspunkt und Ziel dieser Heim-Suchung, wurde 1936 tatsächlich von einem Berliner Architekten erbaut und ging nach dem Krieg in den Besitz ihrer Großeltern Hedda Zinner und Fritz Erpenbeck über. Fazit: "Heimsuchung" ist ein anmutiges, episches wie poetisch verdichtetes Lesevergnügen der menschlichen Suche und Sehnsucht nach Heimat, indem die Autorin zwölf verknappte Lebensläufe vorstellt, die alle mehr oder weniger miteinander verwoben und untrennbar mit der deutschen Geschichte verbunden sind. Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2008 wäre Jenny Erpenbeck eine wahrhaft würdige Gewinnerin, denn ihre Sätze stehen nicht einfach auf dem Papier, sondern sie sind unterwegs zum Leser, der sich ihrer bedienen kann. So sieht große Literatur aus!

    Mehr
  • Rezension zu "Heimsuchung" von Jenny Erpenbeck

    Heimsuchung
    datjulchen

    datjulchen

    20. May 2008 um 16:24

    Dem Buch muss man tatsächlich ein paar Seiten geben, bevor es seine Wirkung entfallten kann....