Portugiesische Eröffnung

von Jenny Siler 
3,9 Sterne bei7 Bewertungen
Portugiesische Eröffnung
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Im Rückblick der Ereignisse der letzten 10 Jahre gelesen wirkt der Thriller wie ein Ausblick in die Zukunft, in das Jetzt und Hier.

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Inhaltsangabe zu "Portugiesische Eröffnung"

Eigentlich wollte Nicole Blake ihre kriminelle Vergangenheit hinter sich lassen. Sie hat ihre Strafe in einem dunklen Gefängnis in Marseille abgesessen und das Fälschen von Pässen und anderen Dokumenten aufgegeben, um als freie Mitarbeiterin eine Sicherheitsfirma zu beraten. Ihre Welt ist jetzt ein kleines Bauernhaus in den französischen Pyrenäen, in Gesellschaft ihres treuen Hundes und einer kleinen Hühnerschar, die täglich frische Eier liefert. Als jedoch der amerikanische Agent John Valsamis vor ihrer Tür steht, wird Nicole an ihr früheres Leben erinnert. Valsamis jagt ihren ehemaligen Geliebten, Rahim Ali. Kurz darauf ist Nicole wieder in Lissabon und sucht an allen altvertrauten Orten nach Spuren von Rahim. Sie fragt in Cafés, Läden, Fälscherwerkstätten. Nur dass Rahim jetzt nicht mehr wegen Dokumentenfälschung gesucht wird: Er steht unter Terrorverdacht. Die Suche nach der Wahrheit bringt Nicole auf die Fährte ihrer eigenen Familiengeheimnisse, die zurück zu ihrer Heimatstadt Beirut und in die Zeit des ersten Golfkriegs und der Konflikte im Libanon der achtziger Jahre reicht.

Jenny Silers atmosphärischer Thriller erzählt die Geschichte einer großangelegten Täuschung, die zur Vorbereitung des Irakkriegs dient und entwirft ein breites Panorama amerikanischer Politik im Nahen Osten.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596177158
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:272 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:01.07.2008

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    Buecherspiegelvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Im Rückblick der Ereignisse der letzten 10 Jahre gelesen wirkt der Thriller wie ein Ausblick in die Zukunft, in das Jetzt und Hier.
    Nahostkonflikt als Rückblende für die Ausblende im Hier und Jetzt

    Im Einband zu Jenny Silers Thriller „Portugiesische Eröffnung“ steht geschrieben:
    Jenny Silers atmosphärischer Thriller erzählt die Geschichte eines großangelegten Verrats, der der Vorbereitung des Irakkriegs dient. Die Suche nach der Wahrheit führt ihre Heldin zum ersten Golfkrieg und den Konflikten im Libanon der achtziger Jahre, wobei sie auch den Geheimnissen ihrer Familie auf die Spur kommt. Mehr zur „Portugiesischen Eröffnung“ beim Schachspiel findet sich unter https://de.wikipedia.org/wiki/Portugiesische_Er%C3%B6ffnung

    Jenny Silers Heldin, Nicole Blake, wächst zum Teil im Libanon auf. Als Tochter einer alleinerziehenden Mutter die es in den Westen zieht, doch irgendwann zurückkehrt in ein Land, das immer wieder vom Krieg bedroht wird, lernt sie beide Seiten kennen: den Westen wie den Nahen Osten. Unterschiedliche Interessen verschiedener Religionen, ausländischer Mächte und Intrigen, die im Libanon miteinander und gegeneinander spielen, wird Nicoles Mutter aber Opfer eines Bombenattentats. Das alles passiert im Dunstkreis des großen Anschlages auf die amerikanische Botschaft in Beirut 1983. Jahre später erinnert ein amerikanischer Agent, Valsamis, Nicole an den Tod ihrer Mutter, um sie zu bewegen, weitere schlimme, weitaus größer angelegte, Anschläge zu verhindern. Das soll dadurch geschehen, indem sie Valsamis ihren Ex-Freund, Rahim Ali, ausliefert, einem Dokumentenfälscher, der nun unter Terrorverdacht steht.

    Siler schreibt rund um diesen Anschlag, der damals dreiundsechzig Menschen das Leben gekostet hat, einen lesenswerten Nahost-Thriller, der die damalige Meinungsmelange abbildet. Wer wollte was warum und wann, welche Mächte, vor allem, was wollte Amerika wirklich und wie wirkten sich ihre Entscheidungen aus, die sie aufgrund des Anschlages, der 17 Amerikaner getötet hatte, fielen? Jetzt, zehn Jahre nach Veröffentlichung ihres Krimis, sieht man so manches anders, stehen viele Konsequenzen in einem anderen Licht. Versteht man die Reaktionen, die Siler ihren Protagonisten zuschreibt, besser.

    Nicole reist an den Ort zurück, wo sie Rahim vermutet, nach Lissabon. Dafür verlässt sie ihr geliebtes Bauernhaus in den französischen Pyrenäen, wohin sie sich nach einem Gefängnisaufenthalt zurückgezogen hat. Auch sie ist eine gewiefte Dokumentenfälscherin. In Lissabon geht sie ihre alten Wege nach, besucht alte Freunde, im Bewusstsein, dass sie ihnen nun, da sie im Gefängnis war, nicht mehr trauen. Und doch findet sie Rahim, bevor er erschossen in ihre Arme sinkt. War Valsamis der Täter? Aber warum? Siler gelingt es, dort wo es nötig ist in die Tiefen, ins Kleinteilige zu gehen um dort, wo es angebracht ist, Zeit und Raum wie mit einem Weitwinkelobjektiv zu vergrößern. Dafür braucht sie nicht zu viele, sondern nur knapp 270 Seiten, bei der sie uns die Schachzüge Valsamis und seiner amerikanischen Freunde vorführt, die Nicole und ihre Familie und Freunde als Bauernfiguren fallen lassen wollen. Wenn sie sich da mal nicht getäuscht haben.

    Für Verschwörungstheoretiker ist dieses Werk ein Beweis für die jetzige Situation, die nicht nur im Nahen Osten für Krieg und Zerstörung sorgt, sondern auch die Folgen des Flüchtlingsstroms mit all seinen Problemen und Sorgen, die aus Nebensätzen Silers plötzlich ganz laut zu schreien anfangen. Ungemein spannend und wie ein Ruf aus der Vergangenheit für die Zukunft mutet ihr Buch an, aufklärend die Rolle der USA im Nahostkonflikt beschreibend.

    Über Jenny Siler findet sich vieles im Internet, auch beim Fischer Verlag, bei dem das Buch erschien.







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    Stefan83vor 7 Jahren
    Schachspiel der Agenten

    Eine neue Autorin im Genre des Agenten-Thrillers, welche dann auch noch gleich auf der KrimiWelt-Bestenliste geführt und mit Größen wie John Le Carré und Robert Ludlum verglichen wird. Jenny Siler hat im Feuilleton mit ihren bisher fünf auf Deutsch erschienenen Kriminalromanen einen äußerst positiven Eindruck hinterlassen, spätestens mit „Ticket nach Tanger“ ihren Durchbruch hierzulande geschafft. Grund genug einen näheren Blick auf ihre Werke zu werfen, wobei mich in Titelwahl und Klappentext besonders „Portugiesische Eröffnung“ angesprochen hat. Im Jahre 2007 im Original in den USA unter dem Pseudonym Alex Carr (wohl aus gutem Grund) veröffentlicht, greift Siler in diesem Buch den Kampf der Kulturen und die Terrorismus-Hysterie der Jetztzeit auf und damit ein, nicht nur für ihre Landsleute, äußerst brisantes Thema. Und der Ansatz, mal äußerst unpatriotisch den Finger in die Wunde zu legen und die Außenpolitik ihres Heimatlands kritisch zu beleuchten, verdient Lob und Beachtung. In Punkto Unterhaltung und Spannung bietet sie jedoch letztlich weniger, als ich mir anfangs erhofft hatte. Zur Geschichte:

    Nicole Blake hat ihre langjährige Freiheitsstrafe wegen Dokumentenfälschung im Gefängnis von Marseille abgesessen und sich in die Abgeschiedenheit eines alten Bauernhauses in den Pyrenäen zurückgezogen, um ihre kriminelle Vergangenheit hinter sich zu lassen. Ihre Fähigkeiten setzt sie nun als freie Mitarbeiterin einer britischen Sicherheitsfirma ein, während sie sich in ihrer Freizeit der Gartenarbeit und ihrem Hund widmet. Eine ungetrübte Idylle, mit er es jedoch eines Tages vorbei ist, als der CIA-Agent John Valsamis an ihre Tür klopft und sie zur Mitarbeit „überredet“. Valsamis ist auf der Suche nach Rahim Ali, einen ehemaligen Geliebten Nicoles, der nun mit Terroristen gemeinsame Sache macht und einen neuen großen Anschlag plant. Sie soll Rahim Ali aufspüren und zu diesem Zweck nach Lissabon reisen, wo dessen Spur verloren ging. Als Dank verspricht Valsamis ihr Hintergrundinformationen zu dem Bombenattentat in Beirut im Jahre 1983 zu liefern, bei der ihre Mutter einst ums Leben gekommen ist. Da der Agent zwischen den Zeilen zudem mit der Bekanntmachung ihrer kriminellen Laufbahn droht, willigt Nicole schließlich widerwillig ein.

    In Lissabon angekommen, kann Nicole relativ schnell die verlorene Fährte aufnehmen und Rahim Ali ausfindig machen. Als es jedoch zu einem Treffen der beiden ehemaligen Fälscherkollegen und Geliebten kommt, wird Ali von einem Scharfschützen erschossen. Nicole, die selbst ins Zielvisier gerät, kann nur in letzter Sekunde und dank Alis Mithilfe entkommen. Von nun an wird sie von Unbekannten gejagt, während sie gleichzeitig herauszufinden versucht, was es mit Rahims letzter Auftragsarbeit, der Manipulation einer dubiosen Rechnung, auf sich hat. Die Suche nach Antworten konfrontiert sie mit einem Geheimnis in ihrer Familie, das bis in die Tage des ersten Golfkriegs und der gewaltsamen Konflikte im Libanon zurückreicht. Als sie schließlich die Wahrheit ans Licht bringt, wird ihr klar, dass ihr Wissen für den jetzigen Irak-Krieg von weltpolitischer Bedeutung sein könnte …

    Ein verschneites Bergdorf. Ein altes Bauernhaus. Die kühle Abgeschiedenheit der Pyrenäen. Siler brilliert mit einem sehr stimmungsvollen Beginn, der einem Eric Ambler zu Ehre gereichen würde und sofort das Interesse an der Geschichte weckt. Ein Interesse, das allerdings nicht allzu lange bestehen bleibt, da die Autorin auf den gerade mal knapp 270 Seiten inhaltlich wie stilistisch einfach zu viel will. Seitenweise mischt sie Rückblenden mit der Gegenwart ohne Ort und Zeit näher zu definieren, was es dem Leser bereits zu Anfang ziemlich schwer macht, die einzelnen Vorgänge und Entwicklungen nachzuvollziehen. Dabei würde der äußerst intelligente Plot Potenzial für soviel mehr bieten, hätte, ja, hätte Siler in das Ganze an irgendeiner Stelle mal so etwas wie Struktur reingebracht. Stattdessen wirkt die Handlung trotz ihre Kürze überfrachtet, hebeln sich die Beschreibungen von persönlichen Beziehungen, politischen Verhältnissen und mediterranen Schauplätzen gegenseitig aus.

    Die Figuren, alle voran Nicole Blake selbst, bleiben bis auf wenige Ausnahmen, wo Siler ihre Tiefe andeutet, erstaunlich blass, was wiederum zur Folge hat, dass man an ihrem Schicksal nur wenig Anteil nimmt und die Geschehnisse mit emotionaler Distanz betrachtet. Obwohl die Autorin ihre Charaktere mit einem biographischem Hintergrund unterfüttert, ergibt sich dem Leser daraus kein Bild, was noch dadurch verstärkt wird, dass sie sich in ihren Handlungen nicht treu bleiben. Eben noch der eiskalte Profi wird da plötzlich jemand zum reuigen Sünder. Aus der geläuterten, leicht naiven Kriminellen eine würdige, zielsichere Gegenspielerin. Das alles wird uns mit kühler Art sehr distanziert geschildert. Nein, das Zeichnen der Protagonisten scheint Silers Stärke nicht zu sein. Dafür weiß sie allerdings an anderer Stelle zu punkten.

    Hat man erstmal die komplexen Zusammenhänge im Roman einigermaßen ergründet (die Kenntnis der politischen Geschehnisse im Nahen Osten seit den frühen 80er Jahren vorausgesetzt), erschließt sich einem das ganze Ausmaß der US-amerikanischen Verwicklungen. Jenny Siler verknüpft den Bombenanschlag im Beirut des Jahres 1983 mit der Vorbereitung des Irakkriegs und den fragwürdigen Legitimierungsversuchen eines Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat, und zeichnet so ein düsteres Bild der immer noch aktuellen Nahostpolitik. Hier werden Beweise gefälscht, Fakten getürkt und entzerrt, um einen militärischen Schlag den Boden zu bereiten. Siler reiht sich damit zwar in die Reihe der Verschwörungstheoretiker ein, gibt allerdings auch damit gleichzeitig Anlass zum Nachdenken. So weit entfernt von der Wahrheit sind die in diesem Buch geschilderten Ereignisse sicherlich nicht.

    All das hat mich als Leser dann aber doch ziemlich kalt gelassen, da die vielen Wendungen letztlich sehr lieblos zusammengeklöppelt werden und der Ausgang schon ab der Mitte für den erfahreneren Krimi-Kenner ersichtlich ist. Wer Valsamis wahre Beweggründe bis zum Ende noch nicht erraten hat, zählt zu den Glücklichen und hat mit Lügen, Verrat und Falschheit in seinem Leben bisher wohl noch keine Bekanntschaft gemacht.

    Insgesamt ist „Portugiesische Eröffnung“ ein gefälliger Agententhriller mit interessanter Thematik, dem leider die inhaltliche Tiefe abgeht und dessen Figuren keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Silers kühle, unaufgeregte Sprache beißt sich mit dem hier geschilderten politischen Sprengstoff und nimmt einer eigentlich intelligenten Idee jegliches Tempo. Eine nette Lektüre für die Bahnfahrt oder den Wartezimmeraufenthalt. Mehr aber dann auch nicht.

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    ribannas avatar
    ribannavor 9 Jahren
    Rezension zu "Portugiesische Eröffnung" von Jenny Siler

    Nicole Blake, Dokumentenfälscherin, hat sechs harte Jahre im Gefängnis von Marseille verbracht. Jetzt lebt sie allein und zurückgezogen in einem kleinen Ort in den Pyrenäen, als Valsamis, ein CIA-Agent, bei ihr auftaucht. Er zwingt sie, nach Lissabon zu fahren und für ihn ihren Ex-Geliebten Rahim Ali zu finden. Was ihr nicht klar ist - sie ist nur eine Figur in einem großen Spiel von Verrat und Täuschung, und sie soll nach Erfüllung ihrer Aufgabe sterben.
    Spannend und mit Hintergrundinformationen zum Libanon-Konflikt.

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    Elocins avatar
    Elocinvor 8 Jahren
    E
    evaSchvor 8 Jahren
    Lesenstattschlafens avatar
    Lesenstattschlafenvor 8 Jahren
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    dykevor 9 Jahren

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