Jens Becker Kurzschluß

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Inhaltsangabe zu „Kurzschluß“ von Jens Becker

Am 26. April 2002 ermordete ein Amokläufer sechzehn Menschen am Erfurter Johann-Gutenberg-Gymnasium und erschoss sich anschließend selbst. Die Tat löste weltweites Entsetzen aus. Die Fragen nach den Ursachen für diese Gewalttat wurden immer wieder gestellt, aber nie befriedigend beantwortet. Viele Mängel des deutschen Schulsystems wurden erkannt und dann doch nicht grundlegend beseitigt.§Inzwischen mussten vor allem die Angehörigen der Opfer lernen, ihre tragischen Verluste zu tragen, und die Überlebenden versuchen mühsam, die Bilder in ihrem Kopf zu vergessen, zu verdrängen oder zu verarbeiten.§In den Jahren 2002 und 2003 drehte der Autor zwei Dokumentarfilme für MDR und arte am Johann-Gutenberg-Gymnasium in Erfurt: Ausnahmezustand und Die Kerzen von Erfurt. Beide Filme wurden 2003 mit dem Journalistenpreis Thüringen ausgezeichnet. Während dieser Zeit gab Jens Becker den zehnten Klassen der betroffenen Schule Medienunterricht. Ergebnis seines Seminars war die Kurzfilmrolle Abgedreht, in der Schüler mit fünf kurzen Spielfilmen ihren Blick "auf die Welt danach" in Bildern beschreiben. Die Kurzfilme erhielten 2003 den Preis des Lehrerbildungsinstituts Thüringen und 2004 den zweiten Preis beim Schülerwettbewerb "Schule gegen Gewalt".

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  • "Kurzschluß" von Jens Becker

    Kurzschluß
    Nelly87

    Nelly87

    29. September 2015 um 17:28

    MEINE MEINUNG Dieses Buch hat mich auf jeden Fall am meisten emotional getroffen in diesem Jahr. Im Allgemeinen werde ich durch fiktive Geschichten nie so berührt wie durch Tatsachenberichte. Doch bei Kurzschluß handelt es sich gerade nicht nur um eine Nachberichterstattung, sondern um ein Buch, wie ich es vorher nie zuvor in Händen hatte. Fast jeder weiß um die schreckliche Tat, die Robert Steinhäußer am 26. April 2002 am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt begangen hat. Nachdem Steinhäuser ein halbes Jahr vor der Tat der Schule verwiesen wurde, betrat er am Tag der letzten Abiturprüfung bewaffnet seine alte Schule und schoss vor allem auf die ihm begegneten Lehrer. Doch auch zwei Schüler fielen ihm zum Opfer, als er Schüsse auf eine geschlossene Tür abgab. Am Ende das Tages waren 16 Personen und der Täter selbst tot. Nachdem im März 2009 mein Vater, der Polizist ist, beim Amoklauf von Winnenden vor Ort war, hat mich das Thema Amoklauf an Schulen nicht mehr losgelassen. Ich denke, es ist ganz normal, dass auch bei mir immer wieder die Frage aufkam: "Warum?". Also habe ich mir verschiedene Bücher zu diesem Thema angeschafft, doch keines davon war wie dieses hier. Die meisten Bücher, die dieses Thema zum Gegenstand haben, beschäftigen sich mit dem Tathergang eines bestimmten Amoklaufs, mit dem Täter und einem Tatsachenbericht. Jens Becker hat vielmehr den Betroffenen Gelegenheit gegeben, selbst in eigenen Worten Stellung zu nehmen. Eine leichte Lektüre ist das wahrlich nicht, aber man bekommt einen guten Eindruck davon, wie sehr ein solches Trauma einen Menschen nachhaltig belasten kann. Zu Wort kommen Schüler sowie Lehrer, aber auch der Hausmeister der Schule, der am Tattag in der Schule war und außerdem zur Leichenidentifizierung gebeten wurde. Die psychische Belastung, die durch die Amoktat ausgelöst wurde, wird nochmals viel plastischer, wenn sie von einem Betroffenen und nicht nur aus dritter Sicht erzählt wird. Aber auch Politiker, der Oberbürgermeister der Stadt Erfurt, Psychologen und so weiter haben ihren Beitrag zum Buch geleistet. Bei diesen Essays ging es allerdings in erster Linie darum, inwieweit der Polizeieinsatz an diesem Tag schief gelaufen ist oder auch nicht. Hierbei werden krass unterschiedliche Meinungen vertreten, da vor allem die Politiker natürlich die Ansicht vertreten, dass Polizei, Feuerwehr und Einsatzleitung absolut richtig reagiert haben. Dagegen gibt es auch einige Stimmen, die die Schuld an einigen der Todesfälle dem zögerlichen Polizeieinsatz und der mangelnden Einsatzleitung zuschreiben. Sehr beeindruckt war ich allerdings von dem Interview, das in dem Buch angedruckt wurde und das mit den Eltern des Amoktäters geführt wurde. Immer wieder wird ihnen natürlich auch die Schuld an dem Verbrechen ihres Sohnes in die Schuhe geschoben, aber ist es wirklich so einfach? Ich hätte es nur zu verständlich gefunden, wenn sich dieses Ehepaar irgendwo verschanzt hätte, doch sie sind so offen mit der Situation umgegangen, wie es ihnen unter den Umständen möglich war. Das finde ich persönlich sehr mutig und man muss auch immer im Hinterkopf haben, dass auch diese beiden an diesem Tag ein Kind verloren haben. Das ganze Buch über hatte ich einen dicken Kloß im Hals, da es einem schon sehr an die Nieren geht, zu lesen, wie Schüler und Lehrer auch zwei Jahre nach dem Tag noch Angstzustände bekommen und auf ewig an diesem Trauma zu nagen haben. Es wurden Aspekte genannt und aufgeworfen, die in der täglichen Presse etwas untergegangen sind, die aber dringend angesprochen werden müssen. So wurden vom Bund zwar 10 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um die Schule zu renovieren, dafür wurde nach einer gewissen Zeit leise, still und heimlich der Zuschuss für die psychologische Betreuung der Opfer einfach gestrichen. Den Rest gegeben hat mir dann noch die letzte Seite, auf der ein Brief abgedruckt ist, den die Schüler des Gutenberg-Gymnasiums nach der Amoktat erhalten haben. Denn dieser Brief kam nicht von irgendjemanden, sondern von Schülern einer anderen Schule, die ein ähnliches Massaker überlebt haben - den Schülern der Columbine High School in Littleton. Ich musste mich wirklich sehr zusammennehmen, um nicht ungehemmt in Tränen auszubrechen. FAZIT Kurzschluß ist ein wahnsinnig emotionales Buch. Als ich das Buch zugeschlagen hab, war ich innerlich wirklich aufgewühlt und auch heute, einige Tage danach, wandern meine Gedanken immer wieder zu diesem Thema zurück. Ich war wirklich betroffen, denn man bekommt doch nochmal ein ganz anderes Bild von der Sache, als wenn man nur die meist sensationsheischenden und nüchteren Berichterstattungen aus Zeitung und Fernsehen sieht. Gerade in Bezug auf die Fehler des Polizeieinsatzes mag man vielleicht eine etwas andere Meinung haben, trotzdem ist dieses Buch wirklich lesenswert. Aufgrund des tragischen Themas und dem Umstand, dass der Autor hier so gut wie nicht selbst zu Wort kommt, sondern andere die Möglichkeit bot, ihre Geschichte zu erzählen, vergebe ich dieses Mal keine Sterne, trotz allem aber eine klare Leseempfehlung.

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  • Rezension zu "Kurzschluß" von Jens Becker

    Kurzschluß
    Luscinia

    Luscinia

    20. December 2010 um 21:28

    Der Journalist Jens Becker hat ein Buch veröffentlicht, das durch seine brutale Ehrlichkeit und seinen erschütternden Hintergrund ans Herz geht - und da bleibt. Es geht um die Aufarbeitung des Amoklaufs am Erfurter Guttenberg Gymnasium im April 2002. Betroffene, die Nahestehende verloren, oder den Amoklauf hautnah miterlebt haben, wurden interviewt. Die Berichte sind erschütternd, traurig und ehrlich. Dabei geht es in keinster Weise um das Stillen einer Sensationsgier, sondern um das tatsächliche Bewusstmachen der schrecklichen Folgen dieser Tat. Obwohl das Buch komplett ohne Schuldzuweisungen auskommt, wird Kritik an den Medien und der Polizei laut, auch Teile einer Anklageschrift sind beigefügt. Ein sehr wichtiges Buch, das jeden etwas angeht.

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  • Rezension zu "Kurzschluß" von Jens Becker

    Kurzschluß
    EllenFranziska

    EllenFranziska

    29. April 2009 um 17:35

    In diesem Buch melden sich Überlebende und Hinterbliebene vom Amoklauf aus Erfurt zu Wort. Sie erzählen, wie sie den 26. April 2002 mitbekommen haben und wie ihr Leben heute ist. Nachdem mein Vater (der Polizist ist) beim Amoklauf in Winnenden vor Ort war,habe ich angefangen mich mehr und mehr mit diesem Thema zu beschäftgen. Nicht nur Erfurt und Winnenden auch Emsdetten und Columbine. Ich habe dieses Buch wirklich sehr packend und rührend gefunden. Gut gefallen hat mir, dass nirgends eine Schuldzuweisung stattgefunden hat, sondern dass es ausschließlich um die Opfer und die Angehörigen ging. Die wenigen Texte, die sich nicht darauf bezogen haben, sondern als Hintergrundwissen dastanden, fand ich informativ und gut geschrieben. Eine Empfehlung für alle..... denn dieses Thema geht uns alle an

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