Nichts in Sicht

von Jens Rehn 
4,3 Sterne bei4 Bewertungen
Nichts in Sicht
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Es zeichnet sich durch diesen kühlen, sachlichen Stil aus, dessen Schilderungen den Leser aber tief im Inneren berühren.

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Inhaltsangabe zu "Nichts in Sicht"

»Die Dünung war vollständig eingeschlafen. Die Sonne brannte auf die reglose See. Über dem Horizont lag leichter Dunst. Das Schlauchboot trieb nur unmerklich. Der Einarmige beobachtete unablässig die Kimm. Der Andere schlief. Es war nichts in Sicht.«
So beginnt eines der beeindruckendsten Bücher über den Krieg und dessen letzte Konsequenz: das Sterben in großer Einsamkeit.
Ein deutscher U-Boot-Matrose und ein amerikanischer Pilot treiben in einem Schlauchboot im Atlantik; der Amerikaner – schwer verwundet – stirbt am dritten Tag, der Deutsche ist am Verdursten: »Die See zeigt sich unbewegt und ohne Anteilnahme, wer auf ihr herumtreibt.«
Ohne Sentimentalität oder Pathos beschreibt Jens Rehn Menschen in der extremsten Situation: dem Tod ausgeliefert, ohne jede Hoffnung, nichts in Sicht.
»Nichts in Sicht«, von der Kritik hochgelobt und in viele Sprachen übersetzt, erscheint anlässlich des 100. Geburtstags von Jens Rehn in einer Neuausgabe mit einem Nachwort von Ursula März.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783895611490
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:176 Seiten
Verlag:Schöffling
Erscheinungsdatum:22.05.2018

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    Buchraettinvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Es zeichnet sich durch diesen kühlen, sachlichen Stil aus, dessen Schilderungen den Leser aber tief im Inneren berühren.
    Es ist ein anspruchsvolles Buch. Es zeigt den Kampf ums Überleben.

    Zwei Männer. Sie bekommen keinen Namen, im Buch wird immer nur von „ dem Einarmigen“ und dem „Anderen“ gesprochen. Es ist ein Schlauchboot, mitten auf dem Meer. Die Vorräte gehen zur Neige. Der verletzte Mann leidet Schmerzen, ist nur notdürftig versorgt mit dem Armstumpf, hat Fieber.
    Es sind so kleine Andeutungen, die mir als Leser Hinweise bieten, wer die beiden sind, wenn man den Klappentext nicht liest, da wird es dann verraten. Soldaten, zweier Länder, im zweiten Weltkrieg. Feinde, in einem Boot. Allein auf dem Ozean. Aufeinander angewiesen. Voneinander abhängig. Das Gefühl nicht allein zu sein. Das Hoffen auf die Rettung. Der Versuch des „Anderen“ dem „Einarmigen“ zu helfen, ihm Hoffnung zu geben, ihnen beiden auf Rettung.
    Die Sätze im Buch sind knapp und kurz gehalten. Sie sind dennoch intensiv. Es ist eine Schilderung der Situation und das Buch beginnt dramatisch. Der Autor beschreibt die Verletzung des Armes. Sachlich, fast nüchtern dann auch die Amputation.
    Das klingt dramatisch, kommt aber ohne Blut aus. Es ist fast eine sachliche Beschreibung, eine Darstellung. Nüchtern, sachlich und berührt den Leser dennoch.
    Es zieht mich als Leser in den Bann. Es hat etwas zwischen seinen Zeilen, das an die Geschichte fesselt. Es lässt den Leser die Bilder vor sich sehen. Man spürt fast die Schmerzen, den Geschmack des Kaugummis, die kleinen Notlügen bezüglich der Schwere der Verletzung.
    So ganz nebenbei bekommt man als Leser auch einen Einblick in die beiden Personen. Es gibt diese kurzen Einschübe, über ihren Beruf, die Heimat, Familie. Die Gespräche, die Hoffnung auf Rettung.
    Man spürt diese Abhängigkeit, diese Aufeinander angewiesen sein. „Der Andere“ will nicht allein zurück bleiben. Es ist eine Geschichte, die sich immer wieder widerlegt. Ich wusste nicht genau, haben sie Halluzinationen wegen des Fiebers, des Wassermangels? Was ist real, was sie da berichten?
    Im Buch finden sich auch Einschübe, wie z.B. wer ist Gott? Gedanken, die der Andere sich macht? Dann wieder die Beschreibung der See. Halluzinationen- eine Art wissenschaftliche Erklärung- immer wieder gibt es diese sachlichen Themen, die hier auftauchen.
    Das weckt beim Leser  Emotionen, manchmal besonders zu Ende des Buches hin. Es erdrückt einen. Man bekommt einen Kloß im Hals. Dennoch spürt man Hoffnung, dass es eine Rettung geben wird- oder ist diese Hoffnung sinnlos?
    Es wird schon so schonungslos erzählt. Aber ich habe es eher wie eine Art wissenschaftliche Beobachtung empfunden. Keine Emotionen, Regungen, alles sehr sachlich.
    Das Buch unterteilt sich in mehrere Abschnitte und je weiter man liest um fast gruseliger wird es. Der Tod, das langsame Verdursten, die Reaktionen, das Hoffen, das Einteilen des Wassers, die Angst vor dem Alleinsein, Durst, die See- aber kaum Emotionen- die bekommt dafür der Leser ab- ungefiltert, durch die Geschichte.
    Im Nachwort , verfasst von Ursula März geht diese auf die Erstveröffentlichung des Textes 1954 ein. Sie lenkt den Blick auch auf die Novelle, die damals ein paar Jahre vorher erschien „Der alte Mann und das Meer“ von E. Hemingway. Ich habe das auch gelesen, aber ich fand die Stimmung hier in diesem Buch viel intensiver und erdrückender und auch realistischer dargestellt.
    Für mich noch spannend an dem Nachwort waren die Hinweise auf weitere Bücher, besonders SF des Autors.
    Der Autor Jens Rehn wurde 1918 geboren (Datenquelle Im Buch), er war im zweiten Weltkrieg U-Boot-Offizier. Er starb 1983.

    Es ist ein anspruchsvolles Buch. Es zeigt den Kampf ums Überleben. Das Überwinden aller Grenzen zwischen zwei Menschen, die nun in einer ausweglosen Situation aufeinander angewiesen sind um zu überleben und nicht allein zurückbleiben wollen.
    Es zeichnet sich durch diesen kühlen, sachlichen Stil aus, dessen Schilderungen den Leser aber tief im Inneren berühren.

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    chifan
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    Liseronvor einem Monat
    Buchraettins avatar
    Buchraettinvor 5 Monaten

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    Pressestimmen

    »Diese Novelle ist eines der wichtigsten epischen Dokumente des vergangenen Krieges. Sie ist ausgeglüht, gehärtet, gnadenlos genau, als ob sie mit einem Dolch geschrieben wäre.«
    Siegfried Lenz

    »Das Buch ›Nichts in Sicht‹ sollten wir, dürfen wir nicht vergessen: es ist beides in einem – ein zeitgeschichtliches und ein künstlerisches Dokument.«
    Marcel Reich-Ranicki, Frankfurter Allgemeine Zeitung

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