Jens Rosteck

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Jens RosteckBob Dylan
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Bob Dylan
Bob Dylan
 (4)
Erschienen am 31.07.2006
Jens RosteckÉdith Piaf - Hymne an das Leben
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Édith Piaf - Hymne an das Leben
Édith Piaf - Hymne an das Leben
 (2)
Erschienen am 09.10.2015
Jens RosteckJane und Paul Bowles - Leben ohne anzuhalten -
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Jens RosteckGebrauchsanweisung für Nizza und die Côte d'Azur
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Jens RosteckDie Sphinx verstummt
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Die Sphinx verstummt
Jens RosteckBrel
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Brel
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 (1)
Erschienen am 08.03.2016
Jens RosteckMarguerite Duras
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Marguerite Duras
Marguerite Duras
 (1)
Erschienen am 06.03.2018
Jens RosteckMein Ibiza
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Mein Ibiza
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Erschienen am 20.08.2013

Neue Rezensionen zu Jens Rosteck

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Barbara62s avatar

Rezension zu "Marguerite Duras" von Jens Rosteck

„Das Meer betrachten heißt alles sehen“ (Marguerite Duras)
Barbara62vor 5 Monaten

Es ist mehr als 25 Jahre her, dass ich „Der Liebhaber“ und „Hiroshima mon amour“ gelesen habe. Sie sind mir jedoch so nachhaltig im Gedächtnis geblieben, dass mich die neu erschienene Biografie „Marguerite Duras – Die Schwester der Meere“ des promovierten Musikologen und Literaturwissenschaftlers Jens Rosteck sofort interessiert hat.

Den Rahmen für diese nicht durchgehend chronologisch angelegte Lebensgeschichte bildet Marguerite Duras letzte Liebe zu einem etwa 40 Jahre jüngeren Bretonen, dem homosexuellen „Miniatur-Intellektuellen“ Yann Andréa. Er wurde im Sommer 1980 vom glühenden Bewunderer zum Mann an ihrer Seite, Fahrer, Sekretär, Vertrauten, Hausmädchen, Krankenpfleger und Darsteller in ihren Filmen. Er begleitete die vollkommen dem Alkohol verfallene, berühmte und doch einsame Frau durch 16 rauschhaft-produktive Jahre, mehrere Entziehungskuren und Operationen mit selbstloser Hingabe und zerbrach nach ihrem Tod 1996 an seiner Trauer.

Der für mich großartigste Teil dieser sehr akribisch recherchierten Biografie ist das erste Drittel mit der Kindheit und Jugend Marguerite Donnadieus, wie sie damals noch hieß, als drittes Kind eines französischen Lehrerehepaars in Französisch-Indochina, heute Vietnam, Laos und Kambodscha. 1914 in Saigon geboren, wuchs sie als weiße Außenseiterin in der asiatischen Kolonie auf, verwöhnt von unterwürfigen Dienstboten und dem Dschungel als Spielplatz. Trotz des frühen Todes ihres Vaters 1921 und des folgenden sozialen Abstiegs konnte Marguerite ihr Abitur in Saigon ablegen. Auf den Fahrten ins Pensionat kam es zu der schicksalhaften Begegnung dem jungen Chinesen, die sie ihr schriftstellerisches Leben lang nicht mehr losließ und in ihrem größten Romanerfolg „Der Liebhaber“ (1984) gipfelte. Jens Rosteck greift diesen Stoff immer wieder an vielen Stellen in seiner Biografie auf, spürt Wahrheit und Mythos nach und macht neugierig auf ein erneutes Lesen.

Obwohl sie Frankreich kaum kannte, fasste Marguerite nach dem Schulabschluss schnell in Paris Fuß, studierte Ökonomie, startete ihre schriftstellerische Karriere, heiratete Robert Anselme, mit dem sie eine freie Ehe führte, ab 1942 in einer ménage à trois mit Dionys Mascolo, verlor ein Kind von Anselme und trat ab 1943/44 einer Résistance-Zelle um François Mitterand bei. Nach der Rückkehr ihres Mannes aus KZ-Haft ließ sie sich scheiden, hielt das Dreieck aber aufrecht und bekam 1947 einen Sohn von Dionys. Nach einem kurzen Zwischenspiel in der kommunistischen Partei etablierte sich Marguerite Duras, wie sie sich seit 1943 nannte, als Journalistin und gefragte Kommentatorin des Zeitgeistes, als ernstzunehmende Schriftstellerin, als Protagonistin der Frauenbewegung, als Drehbuchautorin und als Regisseurin ihrer eigenen Filme. Ihr Markenzeichen waren gezielte Tabubrüche, wechselnde Männer und bewusste Schamlosigkeit, ihre Hauptthemen die Fragilität von Paarbeziehungen, Sexualität, Gewalt zwischen Männern und Frauen, Alkoholsucht und Monotonie.

Sehr gut gelungen ist Jens Rostecks Idee des Meeresbezugs. Nicht nur gibt es in Marguerite Duras schriftstellerischem und filmischem Werk eine erstaunliche Zahl ozeanischer Titel, auch ihr bewegtes Leben lässt viele bildliche Parallelen zu.

Sicher hätte ich noch mehr von dieser Biografie gehabt, wenn ich mich in Marguerite Duras Werk besser auskennen würde. Da ich vor allem ihre Filme überhaupt nicht kenne, habe ich von diesen Kapiteln weniger profitiert. Zwei Dinge hätte ich mir außerdem gewünscht: Bildunterschriften zu den wenigen Schwarz-Weiß-Fotos, deren Motive sich nur im Fließtext erahnen lassen, und einen kurzen Überblick über die Lebensdaten im ansonsten sehr ausführlichen Anhang mit Werk- und Quellenverzeichnis.

Wer sich über Frankreichs asiatische Kolonien, über die Kriegs- und Nachkriegszeit unseres Nachbarlandes und vor allem über eine der schillerndsten Vertreterinnen der neueren französischen Literatur unterhaltsam und fundiert informieren möchte, dem kann ich diese Biografie sehr empfehlen.

http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/jens-rosteck-marguerite-duras/

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gsts avatar

Rezension zu "Édith Piaf" von Jens Rosteck

Ein Leben auf der Überholspur
gstvor 2 Jahren

Edith Piaf war eine Frau, die immer das tat, was sie im Moment wollte. Sie sagte das, was sie gerade dachte, und sie liebte, wenn sie gerade Sehnsucht nach Zärtlichkeit hatte. Alle diese überschäumenden Gefühle komprimierte sie in ihrem Gesang“ (Bruno Coquatrix)

Jens Rosteck hat eine umfassende und mitreißende Biographie über die Ausnahmekünstlerin des vergangenen Jahrhunderts geschrieben. Ein Brief auf den Innenseiten des Covers zeigt ihre gleichmäßige Schrift mit großen Unterlängen, die einen Rückschluss auf ihre emotionale Präsenz zulassen. Dabei ist jeder freie Platz des Papiers beschrieben, ebenso wie in ihren Lebenstagen kein freier Raum blieb...

„Sie debütierte als Artistenkind, und wandelte sich vom Spatz zum Phönix. Sie entstammte der Gosse, doch sie diente sich hoch: Vom Bordell über den Zirkus in die Cabarets an der Seine bis in die New Yorker Carnegie Hall. Als Dreijährige schien sie einem frühen Tod geweiht; als Heranwachsende war sie so bemitleidenswert wie Andersens Mädchen mit den Schwefelhölzern; in den fünfziger Jahren, deren Bild sie eigentlich gar nicht entsprach, wurde sie zum Monument und brachte es zu Weltruhm.“ So fasst Jens Rosteck in der Einleitung zur Biographie Edith Piafs kurzes Leben zusammen, um es dann fast minutiös aufzudröseln. Er geht dabei außerordentlich sorgfältig vor und beschreibt die Chansonsängerin von innen und außen. Fast wie in einem Film taucht der Leser in die einzelnen Episoden von Piafs Leben ein und erfährt am Ende jedes Kapitels näheres über die Entstehung ihrer bekanntesten Chansons.

Solange sie sang, fühlte sie sich lebendig. Hunger, Einsamkeit, Sehnsucht nach Zuwendung spielten dann keine Rolle mehr, „weil ich dabei wirklich glücklich war, vollkommen glücklich. Von da an begriff ich, was es heißt, eine Berufung zu haben“, zitiert der Autor eine Aussage der Chansonette. Häufig ging sie nach einem Auftritt in die nächste Kneipe zum Feiern und teilte die soeben ersungene Gage mit sogenannten Freunden.

In diesem Buch, das sich teilweise wie ein Krimi liest, lernen wir eine ausgesprochen schwierige Person kennen, die ihre Liebhaber austauschte wie andere ihre Garderobe. Handgreiflichkeiten forderte sie teilweise regelrecht heraus: „Das freiwillige Erleiden physischer Gewalt hob ihre Laune stets beträchtlich und machte sie ausgeglichen. Blaue Flecke am ganzen Körper versetzten sie in die Lage, sich abends noch ein wenig mehr in ihre Darbietung hineinzusteigern. Piaf sang über seelische Verwundungen am schönsten, wenn sie sich selbst auch verwundet fühlen und bestraft wissen konnte.“ (Seite 161)

Einer ihrer zahlreichen (oft jüngeren) Begleiter, die sie gerne protegierte, erzählt auf Seite 195: „Sie geht mit ihren Liedern ins Bett und schläft mit ihnen. Sie wärmt sie, sie schmiegt sich an sie, umfängt sie. Und dann wird sie von ihnen in Besitz genommen.“ Obwohl sie zu den bestbezahltesten europäischen Interpretinnen ihrer Zeit gehörte, fraßen Starallüren und Tollheiten auch die üppigsten Gagen auf.

Warten war ihr verhasst, regelmäßige Nacht- und Bettruhe gab es nicht. Stress bekämpfte sie mit zusätzlicher Überforderung. Auf einem Konzertmarathon 1954, den sie nur unter Aufbietung von Aufputschmitteln und durch Dauerstimulation mit Alkohol bewältigen konnte, folgte unweigerlich die qualvolle Phase von schwachen und abgebrochenen Vorstellungen. Doch ihr Publikum blieb der kleinen Frau mit dem großen Herzen treu. Das zeigte sich auch bei ihrer Beisetzung in Paris im Oktober 1963. Sie war gerade mal 46 Jahre alt geworden und seit einem Jahr zum zweiten mal verheiratet, mit einem um 20 Jahre jüngeren Mann. 40.000 Menschen, darunter zahlreiche bekannte Persönlichkeiten, nahmen an ihrem Begräbnis teil.

Fazit: Hier liegt eine ausgesprochen lebendige und lesenswerte Biographie vor, die keine Wünsche offen lässt. Absolute Leseempfehlung!

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M

Rezension zu "Édith Piaf" von Jens Rosteck

Umfassende und empathische Biographie mit „Bonus“
michael_lehmann-papevor 5 Jahren


 

Trotz der vielfachen Literatur über Edith Piaf, eine zusammenhängende, umfassende und Werk und Person in der Breite würdigende Biographie im deutschsprachigen Raum fehlte durchaus.

Eine Lücke, die Jens Rosteck nun in hervorragender Manier zu schließen versteht auf den knapp 410 Seiten seines neuen Werks.

 

Jene Sängerin Frankreichs, die sich weit über Frankreich hinaus in das kollektive Musikgedächtnis eingebrannt hat, von der Sascha Guitry zu Recht sagt: „Ihr Leben war dermaßen traurig.... Fast zu schön, um wahr zu sein“.

 

Von ganz unten nach ganz oben. Und wieder abwärts. Und wieder aufwärts. Auf der Suche nach der großen Liebe, für die sie sich immer wieder ganz und gar hingab (auch hier mit teils hartem Schicksal). Aber auch ebenso klar und stringent sich trennte von Freunden, von Männern, von langjährigen Weggefährten (wie ihrer kongenialen Komponistin und Texterin nach mehr als zwanzig Jahren).

 

Eine Künstlerin, der man vieles, fast alles verzieh, wenn sie sang. So in jenem fast berüchtigten Konzert, bei dem die Piaf mit vier Stunden Verspätung auftrat voller Zorn gegen das wütende Publikum, unter Pfeifen und Johlen die ersten Lieder dennoch sang und bei dem zum Schluss eine Intensität, eine Verbindung zwischen ihr und dem Publikum herrschte, die fast magisch zu nennen war.

 

„Und alles basiert auf der ewigen Opferbereitschaft ihrer Lippen, die vor Scherz vibrieren, wenn sie diese gewöhnlichen, banalen Worte formt. Ihrer Lippen, die im Angesicht Gottes den Schrei der ganzen Erde ausstoßen“.

 

Poetische, ergriffene Superlative, die so gut wie jeder, der die Piaf auf der  Bühne erlebte, von sich gab. Angesichts dieser so wankenden und im Extrem lebenden Frau aus den Arbeitervierteln Paris. Dem Alkohol zugewendet, notorisch unzuverlässig, eine unbequeme, zutiefst rebellische und doch poetische, entrückte Gestalt. Eine Frau auch, die durchaus aktiv ihr Image pflegte, die der eigenen Legendenbildung tatkräftig zur Seite stand. Und die ein maßloses Leben führte.

 

„Kleinwüchsig, eigensinnig, leidenschaftlich“, das war und ist der Mythos der Edith Piaf. Jenen Mythos, den Rosteck empathisch und intensiv vor die Augen des Lesers legt. Ihre Stimme, ihre Energie und ihr Bestreben, Legendenbildung zu betrieben sind dabei die Fäden, die Rosteck zugrunde legt, um die Person hinter der Legende, die Frau hinter der Stimme Schritt für Schritt kennen zu lernen. Von diesem ungeheuren Zufall auf den Champs Elysees, als Straßensängerinnen von einem Cabaret Betreiber entdeckt und, vom Fleck weg, unter Vertrag genommen und gefördert zu werden.

 

„Ihre Stimme hat mich im Innersten ergriffen, hat mich bei den Eingeweiden gepackt“. Als sänge die kleine Pariserin um „ihr Leben, um Leib und Seele“. Eine Frau, die, gerade zu Beginn, wankelmütig war, mit den alten Freunden vom Pigalle leicht und gerne „versumpfte“, die eigensinnig ihren Weg ging, dabei nicht und Freund und Feind kannte, die langjährige Begleitungen (und Lieben) einfach hinter sich ließ und es (zumeist), den Personen zudem noch überlassen hat, das selber zu realisieren. Schmerzen hatte sie erlitten, die kannte sie, und Schmerzen verursachte sie. Aber immer wieder, sobald der Vorhang sich öffnete, betrat sie eine andere Welt, mit und in der sie die Menschen bis zum Schluss im Innersten berührte.

 

Dieser ganze Lebensweg, die Brüche, die Lieben, das Maßlose, das Sensible, das Wissen um ein „gutes Lied“ und ihre ganz eigenen musikalischen Interpretationen, Jens Rosteck gelingt es in einem durchaus ebenfalls poetischen Stil Leben und Person der Piaf tief reichend im Buch darzustellen. Und zudem, als Zugabe gewissermaßen, sich einer ganze Reihe der wichtigsten Chansons interpretierend zu nähern (als je in sich abgeschlossene Einschübe im Buch).

 

Eine sprachlich hervorragende Lektüre, die sich ihrem Thema bestens informiert nähert und den „Mythos Piaf“ ebenso spüren lässt, wie die wahre Person hinter den Legenden.

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