Was darf man erwarten, wenn ein Anatomie-Professor, der Lehrbücher schreibt und Co-Autor eines der bedeutendsten Anatomie-Standardwerke ist, einen Krimi schreibt?
Logisch - jede Menge Leichen.
Dabei kommt die den Krimi auslösende Leiche eigentlich nur in Einzelteilen vor und bei unserem Professor Nodus im Roman sogar nur als ein kunstvoll präpariertes Bein an. Der etwas kauzige, aber sehr liebenswerte Anatomie-Professor Nodus fühlt sich herausgefordert, dem Rätsel des einen Beins auf den Grund zu gehen. Da beginnt eine vielfach das Zwerchfell strapazierende Ermittlung, die den Romanhelden Nodus irgendwann sogar selbst in Gefahr bringt (wie auch der Klappentext verrät).
Ob wir wollen oder nicht, dank Nodus erfahren wir so ziemlich alles über die Architektur unseres Körpers, weshalb sich der Roman auch für Menschen eignet, die überhaupt keine Lust auf Krimi, aber auf Anatomieunterricht haben. Im übrigen eignet sich der Krimi für jeden, der schwarzen Humor schätzt, denn davon gibt es jede Menge. Dass dann auch noch ein trotteliger Wachtmeister den intellektuellen Zustand der Münchner Polizei karikiert, muss als endgültiger Angriff auf das Zwerchfell gewertet werden.
Trotz allem Slapstick, teils auch sprachlicher Art (sic!), hat der Krimi auch einen ziemlich ernsten Kern, nämlich den kommerziellen Handel mit Leichen und Leichenteilen, der zum einen lukrativ zu sein scheint und zum anderen fragwürdig, soweit es um die Fragen der postmortalen Menschenwürde geht.
Zum Glück muss man diesen Roman nicht in Formaldehyd tauchen, um ihn für sich festzuhalten. Es genügt, das Büchlein zu kaufen und sich ins Bücherregal zu stellen. Selten so ein geistreiches und humorvolles Lehrbuch gelesen.


