Ich bin ehrlich: Die ersten Seiten haben mich eher irritiert als begeistert. Ich hatte psychologischen Horror erwartet – subtile Unruhe, Ambivalenz, vielleicht sogar literarische Tiefe. Stattdessen bekam ich zunächst einen sehr direkt erzählten, klar auf 80er-Jahre-Slasher getrimmten Horror mit okkultem Hintergrund.
Und ja, die Sprache ist einfach. Die Figuren wirken zunächst funktional. Vieles scheint auf Eskalation ausgelegt.
Aber.
Wenn man aufhört, das Buch gegen subtilen Psychoterror oder psychologische Ambivalenz zu messen – und es stattdessen als das liest, was es sein will – dann funktioniert es erstaunlich gut.
Jeremy Bates schreibt filmisch. Er passt Tempo und Stil konsequent der Situation an: Verfolgungen und Kämpfe sind kurz, knapp, dynamisch. Die Kapitel sind präzise gesetzt, Perspektivwechsel sorgen für Rhythmus. Figuren werden nicht tiefenpsychologisch ausgeleuchtet, aber mit wenigen Sätzen so umrissen, dass sie funktionieren. Besonders gelungen sind die kurzen Rückblicke in die Leben der Charaktere – sie geben punktuell emotionale Verankerung, ohne das Tempo zu bremsen.
Was mich am Ende überzeugt hat: Die Geschichte ist überzogen, ja – aber rund. Es wirkt nicht chaotisch oder beliebig, sondern bewusst eskalierend. Fast wie ein überdrehter, schwarzhumoriger Coen-Brüder-Film im Horrorgewand. Man liebt keine Figur innig, aber man hasst auch keine wirklich. Jede Rolle passt in das Gesamtgefüge.
Und genau diese Konsequenz – von der ersten bis zur letzten Seite – macht das Buch stärker, als ich es anfangs erwartet hätte. Die Gesamtheit erkennt man tatsächlich erst am Ende.
Kein literarischer Horror.
Kein psychologisches Meisterwerk.
Aber sauber konstruierter, atmosphärisch dichter Genre-Horror, der weiß, was er sein will.
4 von 5 Sternen.
Und ja – ich werde definitiv noch ein weiteres Buch des Autors lesen.

















