Jerker Virdborg
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Felsland
Eis
Sommer, Schwester
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Ich möchte mich zuerst einmal bei dem Arctis-Verlag bedanken, der mir "Sommer, Schwester" freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Ich durfte das Buch, welches heute erscheint, vorab lesen und bin wirklich zutiefst beeindruckt von der Leistung des Autors.
Aufmerksam geworden auf das Buch, bin ich zunächst durch das wirklich eindrucksvolle Cover. Die Atmosphäre ist bedrückend, bestechend und macht gleichzeitig sehr neugierig auf die Geschichte, die sich dahinter verbirgt.
Ich werde diese Rezension recht kurz halten, nicht weil ich nichts zu erzählen hätte, ganz im Gegenteil, aber ich denke, dass man das Buch einfach in die Hand nehmen sollte ohne vorher zu viel darüber zu lesen.
Es gibt so viele kleine Momente, oft dauern sie nur wenige Sekunden und dennoch stellen sie alles Vorangegangene in den Schatten und lassen einen als Leser nachdenklich, schockiert oder auch sehr traurig zurück.
Anna und Erik sind zwei sehr unterschiedliche Menschen und man würde anfangs vermutlich gar nicht denken, dass die beiden Geschwister sind, aber im Laufe der Geschichte habe ich immer mehr das tiefe Band, welches die beiden verbindet, kennen gelernt.
Die gesamte Handlung wird durchgängig von Erik erzählt, der versucht alles was sie erleben, nieder zuschreiben. Ich mochte Erik direkt von Anfang an, er ist anders als andere Jungen in seinem Alter und seine Art zu beobachten oder auch seine Gedanken waren für mich sehr interessant und teilweise faszinierend.
Anna ist das komplette Gegenteil von Erik. Sie ist eine Elite-Soldatin und übernimmt daher die Führung und trifft die meisten Entscheidungen selbst. Anfangs wirkte sie etwas kühl auf mich, aber mit der Zeit habe ich auch sie besser kennen gelernt und ich bin beeindruckt, was sie alles aushält, wie sie mit dem Druck umgeht und was sie alles auf sich nimmt um Erik zu beschützen.
Wir begleiten die Beiden auf ihrem Kampf ums nackte Überlegen. Es gibt sowohl ruhigere Passagen, aber auch immer wieder Spannungsspitzen oder Geschehnisse, die mich sehr aufgewühlt zurück gelassen haben. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich mit manchen Situationen umgehen würde.
Das Ende hält noch einmal einige Überraschungen bereit und hat mich sprachlos zurück gelassen. Es ist nichts was ich erwartet hätte, wobei ich eigentlich auch keine konkreten Vorstellungen von einem Schluss hatte. Aber ich würde sagen es passt perfekt zu der gesamten Story.
Dieses Romandebüt wurde in Schweden gefeiert wie kaum ein anderes Buch. Tatsächlich ist Jerker Virdborg ein erstaunlicher Erstling gelungen, dessen Themen durchweg existentieller Natur sind:
Gehorsam und Verantwortung, Verrat und Vertrauensbruch, Liebe und Einsamkeit.
Das Land ( es ist wohl Schweden, wird aber wie auch die Namen der Feinde nie ausdrücklich erwähnt) befindet sich seit langer Zeit im Kriegszustand. Große Teile des Landes sind vom Feind besetzt, Städte sind zerstört worden, man munkelt von atomarer Verseuchung einiger Gebiete, fast alle Kommunikationswege funktionieren nicht mehr. Gleichzeitig denken viele, dass das noch lange so weitergehen wird.
In dieser verzweifelten und fast aussichtslosen Situation erhalten vier Männer, die sich vor gerade mal einigen Stunden erst kennen gelernt haben, den militärischen Auftrag, auf Schlittschuhen in ihren Rücksäcken ein Material durch die feindlichen Linien zu transportieren, das es ermöglichen könnte, dem Krieg eine Wendung zu bringen. Es wird angedeutet, dass es sich um Datenmaterial (CDs) handelt.
Ihr Weg wird sie bei hohen Minusgraden quer durch die Schären über das Eis führen. Schon vor ihrem Abmarsch ist das gegenseitige Misstrauen und der Vorabverdacht jeder gegen jeden groß. Dennoch: sie raufen sich zusammen und machen sich auf.
Was unterwegs alles geschieht , soll nicht verraten werden, denn der Roman lebt von seiner, durch eine ganz eigene, immer wieder durch unvollendete Sätze und Andeutungen versetzten Sprache bewirkten Spannung, die den Leser bis zum Ende nicht loslässt und ein übers andere Mal in regelrechte Verwirrung stürzt.
Das Eis und die Kälte, der Krieg und die Zerstörung, der gegenseitige Verrat und die Einsamkeit der Menschen sind, so wird im Verlauf des Buches immer deutlicher, Metaphern in einer wundervollen Parabel auf den Zustand der schwedischen Gesellschaft, wie wir sie in Andeutungen auch von anderen schwedischen Autoren geschildert bekommen.
An einer Stelle überlegen die vier Geheimboten, wie das bestimmte Wort heißt für einen Zustand des Eises, wo es weder trägt noch bricht. Eine schöne Metapher nicht nur für die schwedische Gesellschaft, die durch keine wirklich innere Kraft mehr zusammengehalten wird, sondern nur durch die Kälte von Gesetzen, Regeln und Strukturen und dem Kampf von Jeder gegen Jeden.
Ein beklemmendes, sehr lesenswertes Buch von einem Autor, von dem man gerne bald mehr lesen würde.
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