Jerneja Jezernik

 4,2 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor*in von Alma M. Karlin, Slowenien, meine lichte Heimat und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Jerneja Jezernik, geb. 1970 in Celje, Slowenien. Sie studierte Slowenisch und Deutsch an der Philosophischen Fakultät in Ljubljana. Zwischen 2000 und 2014 arbeitete sie in Deutschland (Stuttgart, Berlin) und in Österreich als Sprachlehrerin, Journalistin und Leiterin der Slowenischen Studienbibliothek in Klagenfurt. Sie beschäftigt sich seit gut zweieinhalb Jahrzehnten mit dem Nachlass von Alma M. Karlin. Von ihr stammt auch die erste deutsche Biographie über Alma M. Karlin, Mit Bubikopf und Schreibmaschine um die Welt, die 2020 auf der Hotlist der unabhängigen Verlage stand. Zudem übersetzte sie mehr als ein Dutzend Werke aus dem Deutschen und Slowenischen. Sie lebt als freie Übersetzerin und Autorin in Ljubljana.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Slowenien, meine lichte Heimat (ISBN: 9783991380511)

Slowenien, meine lichte Heimat

Erscheint am 31.05.2024 als Gebundenes Buch bei Drava.

Alle Bücher von Jerneja Jezernik

Cover des Buches Alma M. Karlin (ISBN: 9783854359265)

Alma M. Karlin

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Erschienen am 29.03.2020
Cover des Buches Die Wanderbücher (ISBN: 9783991380221)

Die Wanderbücher

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Erschienen am 17.04.2023
Cover des Buches Slowenien, meine lichte Heimat (ISBN: 9783991380511)

Slowenien, meine lichte Heimat

 (0)
Erscheint am 31.05.2024

Neue Rezensionen zu Jerneja Jezernik

Cover des Buches Alma M. Karlin (ISBN: 9783854359265)
awogflis avatar

Rezension zu "Alma M. Karlin" von Jerneja Jezernik

Weibliche alleinreisende Globetrotterin
awogflivor 4 Monaten

Die in diesem Buch biografierte österreichische Anna M. Karlin aus Celie/Südsteiermark/heutiges Slowenien hatte tatsächlich ein sehr spannendes, erzählenswertes Leben und ist als eine der ersten alleinreisenden Frauen, die nicht reich war und sich unterwegs Lebensunterhalt verdienen musste, ein Unikat. Sie entdeckte und bereiste tatsächlich von 1919-1927 fast alle Kontinente außer Afrika und begann 1908 mit einem Aufenthalt in England, Norwegen und Finnland, was als Probelauf für ihre Weltreise diente. Zudem war sie eine manische Fremdspachenliebhaberin und eignete sich in fast jedem Land die lokale Sprache mit einer großen Leichtigkeit an. Nur Slowenisch, jene Sprache, die in ihrem Heimatdorf auch gesprochen wurde, konnte sie bis zu der Rückkehr von ihrer Reise nicht sehr gut.

Ihr großer Trip startete 1919 nach dem ersten Weltkrieg mit Südamerika und Nordamerika, wobei sie in Lateinamerika als alleinreisende schutzlose Frau vielen sexuellen Übergriffen und Gewalttätigkeiten wie Raub ausgesetzt war, was sie in ihrer Unabhängigkeit von und dem Misstrauen gegenüber Männern bestärkte. Unterwegs finanzierte sie ihr Leben vor allem mit Dolmetschertätigkeiten, Kolumnen in Zeitungen, Reiseberichten, Romanen, Zeichnungen und anderen Arbeiten. Des Öfteren war sie kurz vor dem Verhungern, aber sie biss sich durch überlebte auch dank einiger UnterstützerInnen.

Von den USA aus schiffte sie sich nach Japan ein und machte dann wirklich einen großen Teil von Asien, Australien und Ozeanien unsicher: China, Taiwan, Korea, Thailand, Indonesien, Singapur, Birma, Philippinen, Borneo, Australien, Neuseeland, Fischi, Kaledonien, die Hebriden, Salomonen, Papua Neuginea, Indien, Pakistan lagen auf ihrer Tour und sie dokumentierte sehr genau sowohl die Gesellschaft, Flora, Fauna, Gebräuche, Kunst, Kultur und Sprache.

Sie verfasste sogar ein Wörterbuch der 1000 Sprachen, wurde nach ihrer Rückkehr berühmt durch ihre Romane und Reiseberichte und rebellierte in ihrem Heimatdorf sowohl gegen die Nazis als auch gegen die Kommunisten. Spannend hierzu ist der Umstand, dass ich noch nichts von dieser Frau gehört habe, weil ihr Andenken sowohl von den Nazis als auch von den Jugoslawen nachhaltig aus dem öffentlichen Bewusstsein getilgt wurde. Erst mit der Unabhängigkeit von Slowenien entsann man sich wieder der ehemals berühmten Tochter, die eben deutschsprachig und auch antikommunistisch war und deshalb nicht erwähnt werden durfte. Der Witz dabei ist auch, dass ich an ihrem Heimatdorf Celje/Cilli schon mehr als hundertmal vorbeigefahren bin auf dem Weg von Wien über Graz, Marburg, Ljubliana nach Triest. Denn dort in Celje ist heutzutage eine Autobahnabfahrt und früher fuhr man mitten durch die Ortschaft durch. In Celje gibt es mittlerweile sogar ein eigenes Alma M. Karlin Museum. Das muss ich mir einmal anschauen.

So spannend die historische Figur ist, so muss ich bedauerlicherweise konstatieren, dass ich überhaupt nicht begeistert vom Buch bin. Leider schafft es die Autorin nicht, das spannende Leben ihrer Protagonistin auch in eine spannend erzählte Biografie zu gießen. Alles ist so antiseptisch und trocken erzählt, ich kriegte überhaupt keinen Zugang zur Figur nur Fakten und Tagebucheinträge werden roboterhaft abgespult und abgehakt. Wahrscheinlich wäre es besser gleich die Originalromane oder auch ein autobiografisches Werk von Karlin zu lesen.

Kalin selbst dürfte einen sehr interessanten ironischen Schreibstil gepflegt haben, der mir wahrscheinlich sehr gut gefallen wird. So schreibt sie zum Beispiel als sich ihre Reiseberichte und Romane nicht verkaufen:



„Meine eigenen Landsleute kümmerten sich nicht um mich oder meinten, während sie in einen Topfenstrudel bester Auflage bissen und Wein dazu tranken: Es hat ihr ja niemand befohlen, wegzufahren! Wenn alle so dächten, wäre Columbus Kastanienbrater und Vasco Da Gama Schuhbänderverkäufer geworden.“



Fazit: Alma M. Karlin ist ein interessanter Mensch, der es wert ist, beschrieben zu werden, leider war die die für mich die Biografie sehr langweilig, was schon eine eigene Kunst ist, bei so einem spannenden Leben, Langeweile bei der Leserschaft aufkommen zu lassen.

Cover des Buches Einsame Weltreise (ISBN: 9783932338755)
aus-erlesens avatar

Rezension zu "Einsame Weltreise" von Alma M. Karlin

Mehr als "nur" eine Weltreise
aus-erlesenvor 5 Jahren

Und wieder so ein Jubiläum, das in diesem Jahr garantiert keine einzige Zeile in den Gazetten oder in Funk und Fernsehen (und im Web, muss man ja neuerdings dazusagen) wert sein wird. Am 24. November 1919 begann eine der spannendsten Reisen überhaupt. Eine Reise um die Welt. Zugegeben, das war zu damaliger Zeit schon kaum mehr eine Meldung wert. Aber es war eine Frau! Just in dem Jahr, in das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Alma Karlin war die mutige Frau, die es zuhause nicht mehr aushielt, die Sprachen in sich aufsog (u.a. Schwedisch, Norwegisch, Englisch, Chinesisch, Japanisch) wie kaum eine Andere. Sie studierte in London, arbeitete um sich den Aufenthalt leisten zu können als Sprachlehrerin und Dolmetscherin. Von frühester Kindheit an war sie mit einer Lähmung geschlagen. Doch hielt sie das davon ab ihre Träume umzusetzen? Nein!
Ihr Reisetagebuch, das immerhin einen Zeitraum von acht Jahren umfasst, ist nun endlich wieder erles- und ihre Reise erlebbar. Das geliebte London musste Alma Karlin verlassen, weil sie als Deutschsprachige nicht in Feindesland verweilen durfte. Sie sparte begierig ihr Einkommen und begann im November 1919 ihre Reise. Währungen unterlagen damals noch ungeheuerlichen Schwankungen. Lediglich der Dollar konnte als Konstante angesehen werden. Fahrpläne waren meist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt waren. Und so kam es, dass sie schon mal eine Nacht auf dem Bahnhof verbrachte, weil der Zug noch meilenweit entfernt war. Cilli, das heutige Celje in Slowenien war ihr Ausgangspunkt. Japan das Ziel. Indien verweigerte ihr das Visum, Ägypten war ein abgeschottetes Land. Nur das Land der aufgehenden Sonne war frei von bürokratischen Übeln. Heute bucht man in Sekundenschnelle im Netz und binnen Tagesfrist schlürft man Cocktails unter Gleichgesinnten, die am anderen Ende der Welt ihr Basislager haben. Wie die Zeiten sich doch ändern.
Auf ihrer Reise ist Alma Karlin ganz auf sich gestellt. Lediglich ihre Erika, ihre Schreibmaschine bietet ihr Halt. Ihr vertraut sie alles an. Mehr Luxus erlaubt sie sich nicht, mehr Luxus wird ihr nicht erlaubt. Die großen Hotels interessieren sie genauso wenig wie die mondänen Clubs. Sie lebt unter den Einheimischen. Air B ’n B in seiner ursprünglichen Form. Wer heutzutage davon spricht Land und Leute kennenlernen zu wollen, endet oft beim vielzitierten Ritt auf einem Esel. Alma Karlin war wirklich mittendrin. Ihre Sprachkenntnisse waren der Schlüssel zu einem (wenn auch zeitlich begrenzt) Erlebnis, das allein schon in Buchform zum Schwelgen einlädt. 

Cover des Buches Ein Mensch wird (ISBN: 9783932338694)
aus-erlesens avatar

Rezension zu "Ein Mensch wird" von Alma M. Karlin

Bemerkenswerte Frau, die endlich wiederentdeckt werden darf
aus-erlesenvor 6 Jahren

Ein langes Leben wurde ihr von vorn herein nicht prophezeit. Ein ereignisreiches Leben ebenso wenig. Doch Alma Karlin zeigte allen Kritikern und Spöttern gleichermaßen. Sie war ein spätes Kind, ihre Eltern hatten mit der Familienplanung schon seit längerer Zeit abgeschlossen, als es ihrer Mutter immer schlechter ging. Da war was in ihrem Bauch. Sicher eine Geschwulst, die dringend raus musste. Die Schwester im Krankenhaus meinte, dass die schon von allein rauskommt. So in ein paar Monaten. Almas Mutter war schwanger. 

Der süffisante Unterton, den Alma Karlin in ihren endlich auf Deutsch erschienenen Biographie lässt die Zeit auf die nächste Seite unerträglich lang werden. Ja, sie war der Nachzügler, den niemand erwartete und so auch nicht richtig haben wollte. Doch ihre Eltern gaben sich die größte Mühe. Mama war streng und unnachgiebig, der Vater etwas milder, doch unfähig seine Liebe komplett zu zeigen. Auch weil Alma nicht zu hundert Prozent gesund zur Welt kam. 

Doch aus ihr wurde was, wie man so schön zu sagen pflegt. In Ermangelung gleichaltriger Spielgefährten vertiefte sie sich schon früh in Bücher. Daher wohl auch die abgeklärte, teils bissige, immer aber unterhaltsame Sprache. Sprachen waren ihre Leidenschaft. Im Laufe ihres Lebens erlernte sie Dänisch, Schwedisch und Norwegisch, Englisch, Französisch und Spanisch, Italienisch und Russisch sowie Sanskrit, Chinesisch und Japanisch. Mit Engelsgeduld lehrte sie auch einige dieser Sprachen. 

Aufgewachsen als Teil der deutschen Minderheit in Slowenien, das damals noch zu Österreich-Ungarn gehörte, ging sie früh hinaus in die Welt. Sie studierte in London und arbeitete schon früh als Sprachlehrerin. Später zog es sie weiter in die Welt hinaus. Ihre Reisebücher waren Verkaufsschlager. Doch sie selbst starb verarmt und vergessen 1950 in ihrer Heimat bei Celje. 

Alma Karlins Bücher waren in den 20er Jahren das Lesetor in ferne Welten. Als die Nazis die Herrschaft übernahmen, wurde sie umgehend inhaftiert. Und alsbald wieder freigelassen. Trotz ihres Engagements im Widerstand wurde sie als deutschsprachige Schriftstellerin nach dem Krieg nicht anerkannt. 

Biographien haben immer den bitteren Beigeschmack alle Zahlen und Fakten zwischen zwei Buchrücken pressen zu müssen. Alma Karlin hat sie diesem Zwang nicht unterworfen und schreibt ungekünstelt, aber auch ohne Gier nach Anerkennung über ihr wahrhaft ereignisreiches Leben. Immer wieder setzt man ab und staunt, was diese Frau allen Widerständen und widrigen Umständen zum Trotz alles gesehen und erlebt hat. Es ist schon fast skandalös, dass über ein halb Jahrhundert ins Land gehen musste, damit ihr die Ehre zu Teil wird, die sie verdient. „Ein Mensch wird“ liest sich spannend wie ein Abenteuerroman, geschrieben von einer Frau, die Konventionen nicht anerkannte und ohne zusätzliche Plessuren durch die Wand ging. 


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