Frankreich im Chaos. Die Vorstädte in brutalem Aufruhr, Im Fernsehen werden per Dauereinblendung die Toten gezählt und die Regierung zeigt sich völlig überfordert. Entspannung und vielleicht die Rückkehr zu einer wenigstens friedlichen Gesellschaft soll die sofortige Beteiligung des Bloc Patriotique, einer Versammlung rechter Faschisten bringen. Es ist diese eine Nacht der Verhandlung zwischen den beiden Seiten, die im Roman geschildert wird. Und diese Nacht wird aus der Sicht zweier Personen erzählt, die an den eigentlichen politischen Gesprächen gar nicht teilnehmen. Da ist Antoine Maynard, der Ehemann der Parteichefin Agnes und dann ist da Stéphane Stankowiak, genannt Stanko, Chef der paramilitärischen "Abwehr"organisation der Partei. Doch Stanko steht auf der Abschussliste und das im wörtlichen Sinn, man betrachtet ihn als Altlast, die es vor einer Regierungsbeteiligung unbedingt zu entsorgen gilt. Auch Antoine, der Stanko gefördert hat und ihm noch immer verbunden ist, hat diese Entscheidung zur Beseitigung Stankos akzeptiert.
Die Vorgänge dieser einen Nacht werden aus den Augen, vor allem aber den Gedanken dieser beiden Personen erzählt. Antoine Maynard wartet in seiner luxuriösen Pariser Wohnung auf die Rückkehr seiner Frau Agnes und Stanko muß sich auf der Flucht vor seinen Attentätern, die er selbst für die Partei ausgesucht und ausgebildet hat, an den unterschiedlichsten Orten in Paris verstecken. Der Leser erfährt von beiden, wie es soweit kommen konnte, wie sie dorthin gelangten, wo sie jetzt sind und warum die Situation letztlich in einer Spirale von Gewalt ihren für Stanko tödlichen Ausgang nimmt.
Obwohl viele, auch in sexueller Hinsicht, brutale Szenen geschildert werden, empfand ich als Leser immer wieder Empathie für die Beteiligten, vor allem für Stanko. Wie wird man zu dem, der man irgendwann eben ist: der Roman erzählt es und das in eigentlich distanzlosem Ich- und Du-Duktus. Diese Empathie hat mich am Ende aber doch erschrocken zurückgelassen, wie mich das Buch überhaupt verstört hat. Ja, es ist eine Dystopie, die Zeichung einer möglichen Zukunft, aber sie liegt derzeit so offensichtlich auf der Hand. Gehen unsere Gesellschaften diesen Weg? Und wie könnten wir das verhindern? Ansätze dazu liefert "Der Block" auf jeden Fall und es ist nicht nur die vermeintliche Überfremdung, die am Ende ins Chaos führt. Deshalb ist dieses Buch auch kein Kriminalroman für mich, noch nicht einmal ein Roman Noir, auch wenn ich keine andere passende Gattung nennen kann. Das sollte aber vom Lesen auf keinen Fall abhalten, der Erkenntnisgewinn wird ein großer sein, nur eben einen typischen Krimi sollte man sich nicht erwarten.
Wie kommen rechte Strukturen an die Macht? Am Ende mit Gewalt! Doch auf dem Weg dahin...?


