Jerry Brotton Die Geschichte der Welt in zwölf Karten

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Inhaltsangabe zu „Die Geschichte der Welt in zwölf Karten“ von Jerry Brotton

2000 Jahre Weltgeschichte anhand der berühmtesten Weltkarten Für einen Augenblick die Welt im Blick haben, alles sehen, alles begreifen, scheinbar losgelöst von aller Erdenschwere. Seit Jahrhunderten versuchen sich Menschen ein umfassendes Bild von der Erde zu machen. Sie zeichnen Weltkarten – nicht nur, um sich zu orientieren und ihre Kenntnisse zu ordnen; immer fließen ihre Vorstellungen, ihr Selbstverständnis, ihre Überzeugungen in diese Karten ein. Jerry Brotton zeigt, dass Karten nichts weniger sind als nüchterne wissenschaftliche Zeugnisse. Sie sind vielmehr subjektiv, voller Geschichten und Ideen; sie sind untrennbar verbunden mit Macht, Herrschaft und mit dem Erfindungsgeist ihrer Zeit; sie erzählen von Schicksalen und Visionen. Ganz gleich, ob jene Weltkarte aus dem 14. Jahrhundert, die aus christlicher Sicht Jerusalem ins Zentrum stellt, ob der erste globale Blick des Portugiesen Ribeiro oder ob das moderne Google-Abbild der Erde – bis heute ist keine Weltkarte völlig objektiv oder endgültig. Aber auch heute prägen sie unsere Vorstellung von der Erde.
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    Die Geschichte der Welt in zwölf Karten

    michael_lehmann-pape

    12. November 2014 um 12:17

    Sich ändernde Weltsichten "Die Sicht auf die Welt", zumindest die jeweilige, legt Brotton je seinen Betrachtungen zu Grunde. So, wie vor 2500Jahren bereits die Menschen eine "Draufsicht" auf eine Keilschrifttafel bannten, so. wie in den Entdeckungsjahrzehnten und Jahrhunderten die Kartographen die wichtigsten Mitarbeiter waren und Schritt für Schritt die "weißen Flecken" auf den aufwändigen Landkarten der Zeit verschwanden (und wo sie noch bestanden höchsten Anreiz für Entdecker boten), so ist die "Draufsicht" auf die Welt immer auch Zeichen und Ausdruck des Verständnisses der Welt und des Umgangs mit dieser. Wie nun zumindest zwölf maßgebliche Epochen und Gesellschaften ihre Weltsicht je auch durch die von ihnen hergestellten Landkarten und deren Nutzung ausgedrückt haben, dem geht Jerry Brotton sehr interessant und sehr anregend zu lesen in diesem Buch nach. Die von ihm gesetzten Kapitelüberschriften (z-B Glaube, Wissenschaft, Imperium, Toleranz, Geld) und die dazu genannten Karten (von Al-Idrisi über die Hereford Karte zur Weltkarte des Diogo Ribeiro bis hin zu Google Earth) sagen zunächst dem Leser wenig bis nichts, Was sich umgehend ändert, wenn Brotton in den einzelnen Kapiteln die Zusammenhänge der Gesellschaft in ihrer jeweiligen Ausrichtung mit den entsprechenden Karten zusammenbringt. So steht Google Earth erkennbar und klar für eine "Gesellschaft der Information", des auch virtuellen Austausches, des "demokratischen Charakters" nicht nur der virtuellen Landkarte, sondern auch des Informationszuganges und gar der Informationszugabe durch den Benutzer. "Freie Information, wechselseitig getauscht", dafür stehen Bits und Bytes von Google Earth unter anderem. Oder auf der anderen Seite 1655 die drei Hemisphären der Weltkarte, eingelassen im Boden des Amsterdamer Rathauses (Norden, Süden und der Himmel). Amsterdam war gar nicht explizit verzeichnet, so stark war das Selbstbewusstsein der Amsterdamer Bürger und Händler, der allseits bekannte Mittelpunkt der Welt zu sein. Eine Karte und eine Form der Darstellung, die Brotton explizit auf die Rolle der Karten bei den vielfachen Handelsreisen und deren sich zuvor stark veränderter Form der Finanzierung zurückführt. Karten, die nun durch neue Techniken stärker vervielfältigt werden konnten. Mit dem (durch und auf den Karten) erkennbarem Ziel, die schnellsten, sichersten und ökonomischsten Routen anzugeben. Das Geld, der Gewinn, die Ökonomie beherrschtes das Denken jener Zeit, nicht nur in Amsterdam, und das kann man aus diversen Karten jener Zeit deutlich ablesen, wie Brotton vor Augen führt. Ähnliches gilt für das "Zeitalter des Glaubens" mit der Hereford-Karte, deren Nutzen ausdrücklich für Pilger und gläubige Menschen erkennbar ist. Oder im Blick auf die "Weltkarte des Gerhard Mercator" von 1569 (auch der "Erfinder" des ersten Atlas), eine Karte, auf der die in der Blüte stehende Aufklärung, der Konflikt Mercators selbst mit den orthodoxen Glaubensansichten und die sich neu entwickelnde "Individualisierung" sich Ausdruck verschaffte. "Die Menschen machen ihre eigene Geographie......unter unmittelbar vorhandenen, gegebenen und überlieferten Umständen". Die Stärke Brottons ist es, diese "Umstände" aus den im Buch vorgestellten Karten herauszulesen und sie dem Leser sichtbar zu machen. Bis hin zu den Besonderheiten bei Google Earth, die in Feinheiten der Darstellung die Zentrierung der modernen Welt ebenso hervorhebt. Ein interessantes Buch, in dem Brotton einen anderen Ansatz der "Weltgeschichte" verfolgt und viel Neues an Informationen und Blickwinkel vermittelt.

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