Jesmyn Ward

 3,7 Sterne bei 89 Bewertungen
Autorin von Vor dem Sturm, Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt und weiteren Büchern.
Autorenbild von Jesmyn Ward (© Chris Granger)

Lebenslauf von Jesmyn Ward

Die Chronistin der amerikanischen Gegenwart: Die im Jahr 1977 im US-Bundesstaat Mississippi geborene US-amerikanische Autorin Jesmyn Ward wuchs in einer ländlichen Umgebung auf. Vor ihr hatte noch kein Mitglied ihrer afroamerikanischen Familie studiert. An der renommierten Stanford University erwarb sie einen Bachelor-Titel in Englisch und einem Master-Abschluss in Medien und Kommunikation. Nachdem ihr Bruder im Jahr 2000 bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall gestorben war, wandte sie sich dem Schreiben zu und studierte an der University of Michigan Creative Writing. Im Jahr 2008 veröffentlichte Jesmyn Ward ihr Romandebüt „Where the Line Bleeds“ über den Lebensweg eines Zwillingspaares an der Golfküste. Als 2005 der Hurrikan „Katrina“ über den US-amerikanischen Süden hereinbrach, verlor die Familie von Jesmyn Ward ihr Zuhause. Diese traumatischen Erlebnisse verarbeitete sie in ihrem zweiten Buch „Salvage the Bones“, für das sie 2011 erstmalig den National Book Award for Fiction erhielt. Zwei Jahre später erschien die deutschsprachige Ausgabe dieses Romans unter dem Titel „Vor dem Sturm“. Im gleichen Jahr kam ihre Erzählung „Men We Reaped“, die sie ihrem verstorbenen Bruder widmete, auf den Markt. Für ihr Werk „Sing, Unburied, Sing“ („Singt, ihr Lebenden und Toten, singt“) nahm Jesmyn Ward 2017 erneut den National Book Award entgegen.

Alle Bücher von Jesmyn Ward

Cover des Buches Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt (ISBN: 9783548290287)

Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt

 (39)
Erschienen am 27.12.2019
Cover des Buches Vor dem Sturm (ISBN: 9783548286181)

Vor dem Sturm

 (48)
Erschienen am 07.08.2015
Cover des Buches Salvage the Bones (ISBN: 9781608196265)

Salvage the Bones

 (2)
Erschienen am 24.04.2012
Cover des Buches Where the Line Bleeds (ISBN: 1932841385)

Where the Line Bleeds

 (0)
Erschienen am 01.11.2008
Cover des Buches Men We Reaped (ISBN: 9781608197651)

Men We Reaped

 (0)
Erschienen am 06.11.2014

Neue Rezensionen zu Jesmyn Ward

Cover des Buches Vor dem Sturm (ISBN: 9783548286181)Bibliomanias avatar

Rezension zu "Vor dem Sturm" von Jesmyn Ward

Letzte Tage vor dem Sturm...
Bibliomaniavor 3 Monaten

Für „Vor dem Sturm“ hat die Schriftstellerin Jesmyn Ward 2015 den National Book Award gewonnen. Grund genug für mich, um neugierig auf das Buch zu werden. Esch ist 15 Jahre alt und wohnt mit ihren drei Brüdern ihrem Vater im Mississippi-Delta am Waldrand. Seit einigen Tagen ist im Radio von einem gewaltigen Orkan die Rede, der später als „Katrina“ in die Geschichte eingeht. Allen fehlt die Mutter, doch der älteste Sohn Randall, der in ein Basketball-Camp fahren will, um die Hoffnung entdeckt zu werden für sich zu nutzen, Sketah, der die Welpen seiner geliebten Pitbull Hündin China durchbringen möchte und Junior, der Jüngste, dem vor allem Randall und Esch versuchen die Mutter zu ersetzen, halten zusammen. Ihren Vater können sie vergessen, er ist ein Säufer und hat jegliche Kontrolle über die Lage und seine Kinder verloren, sogar sich selbst. Sie versuchen Vorräte und Holz heranzuschaffen, um den Sturm zu überleben, der immer näher rückt.

Ich glaube, ich habe mir einfach etwas anderes vorgestellt. Ich mochte schon die Sprache nicht, auch wenn sie natürlich das Milieu besser darstellen sollen. Die Geburt der Welpen gleich zu Beginn war eine eher unappetitliche Angelegenheit, auf die ich gern verzichtet hätte. Auch die Hundekämpfe, die im Laufe der Geschichte, die auf 12 Tage angelegt ist, stattfinden, sind grausam und finde ich selbst verachtenswert.

Die Kinder tun einem unendlich Leid. Sie werden wohl nie aus dieser bitteren Armut herauskommen, noch dazu nachdem Esch bemerkt, dass sie schwanger ist. Der Vater ist alles andere als begeistert. Rückblenden zu Zeiten, in denen die Mutter noch da war, entmutigen zusätzlich. Sie war der Fels in der Brandung, der für Ordnung gesorgt hat, der schief gelaufene Dinge wieder ins Lot bringen konnte. Nun sind sie auf sich allein gestellt und der Vater ist keine Hilfe.

Mich hat das Buch nur traurig zurückgelassen. Ich war froh, als es zu Ende war. Ich kann jetzt auch nicht mehr sagen, was ich eigentlich erwartet hatte, aber es wäre wohl doch etwas anderes gewesen...

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Cover des Buches Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt (ISBN: 9783548290287)katzenminzes avatar

Rezension zu "Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt" von Jesmyn Ward

Von Lebenden und Toten
katzenminzevor 4 Monaten

Jojo lebt mit seiner kleinen Schwester Kayla bei seinen Großeltern Ma und Pa. Seine Mutter Leonie kümmert sich nur sporadisch um die beiden, zu sehr ist sie mit sich selbst und ihrem Drogenkonsum beschäftigt. Nun soll sein Vater Michael aus dem Gefängnis entlassen werden und so packt Leonie die eher unwilligen Kinder ins Auto und macht sich auf die lange Fahrt nach Parchman um ihn abzuholen.

Aus diesem eigentlich simplen Setting entwirft Jesmyn Ward eine unheimlich stimmungsvolle Mischung aus Familiengeschichte, Gesellschaftsportrait und magischer Historiengeschichte. Ich mochte die Beziehung zwischen Jojo und seiner Schwester sehr und auch Ma und Pa habe ich aufgrund ihrer Werte, ihres Umgangs miteinander und mit ihrer Familie schnell ins Herz geschlossen. Die Familie ist arm, aber sie hat das Herz am rechten Fleck! Was man von Jojos anderen Großeltern wahrlich nicht behaupten kann. Dass ihr Sohn mit einer schwarzen Frau zusammen ist und auch noch zwei Kinder mit ihr gezeugt hat, können sie nicht akzeptieren.

Auch wenn gar nicht so viel passiert, wenn nur von der Fahrt und von bestimmten Begebenheiten aus Jojos, Leonies oder Pas Leben erzählt wird, hat mich die Stimmung total umgehauen. Ich hatte ständig entweder Angst um Jojo und Kayla oder ich war furchtbar wütend auf Leonie! Bei allen Fehlern ist aber selbst Leonie so beschrieben, dass man sie im Grunde versteht. Nicht, dass man ihre Entscheidungen gutheißen muss, aber man kann nachvollziehen, warum sie handelt wie sie handelt.

Neben den ganz und gar weltlichen Dingen wie den Drogen und den familiären Verstrickungen erzählt Ward auch ganz selbstverständlich von einer magischen Ebene der Welt. Nicht jeder hat ein Gespür dafür, aber sie ist da. Ob man Tiere zu verstehen meint oder Verstorbene sieht, die sich einfach nicht aus der echten Welt lösen können, weil es zu schlimm war, was sie dort haben erleben müssen.

Ward erzählt von Familie und Rassismus. Von Lebenden und Toten. Von Liebe und Leid. Ich habe es gar nicht erwartet, aber dieser Roman hat mich gefangen genommen, berührt und begeistert. Eine kompakte, absolut gelungene Geschichte mit besonderem Touch, mit viel Schmerz aber auch ein wenig Hoffnung. Ein Highlight!

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Cover des Buches Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt (ISBN: 9783548290287)KateRapps avatar

Rezension zu "Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt" von Jesmyn Ward

Romeo und Julia im Drogenmilieu des rassistischen Amerika
KateRappvor 7 Monaten

Dieser Roman, mit dem Jasmyn Ward zum zweiten Mal den National Book Award 2017 gewonnen hat, faszinierte mich von Anfang an.

Hier werden anhand einer Familiengeschichte die Themen Sklaverei, Rassismus, Armut und die Folgen für den Einzelnen und seine Familien verhandelt. Sie wird abwechselnd aus der Perspektive von Leonie, einer dreißigjährigen Meth-süchtigen Mutter von zwei Kindern und ihrem dreizehnjährigen Sohn Jojo erzählt. Großvater Pop steuert Geschichten aus seiner Zeit im Gefängnis fünfzig Jahre zuvor bei und Leonie erinnert sich an ihren, von Weißen bei einer Jagd ermordeten Bruder, sodass sich die Zeitebenen der Handlung beinahe unmerklich verschränken.

Mithilfe dieses Kunstgriffs wird ein Panorama von Unterdrückung und rassistisch motivierten Morden ausgebreitet, das begründet ist in der weißen Furcht vor Andersartigkeit. Ward lässt die  animistisch-magische Kultur sowohl der Amerikanischen als auch der Afrikanischen Ureinwohner in wunderschönen Bildern aufscheinen. Zu diesem alten Wissen haben sowohl Leonies schwer an Krebs erkrankte Mutter, sie selbst und ihre beiden Kinder Zugang. Sie sehen Geister oder verstehen die Sprache der Tiere, können Gedanken erfühlen, Stimmungen lesen oder mit Kräutern heilen. Doch es hilf ihnen nichts gegen den Schmerz, der ihnen immer wieder zugefügt wird, die Demütigungen, die in ihren Knochen, ihrer DNA, ihren Seelen stecken.

Leonie flüchtet sich in die Liebe zu ihrem weißen Freund Michael, der mit dem Mörder ihres Bruders verwandt ist. Sie zwingt die Kinder auf einem grauenvollen Roadtrip, um ihn nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis abzuholen, träumt von einer unbeschwerten, gemeinsamen Zukunft und landet doch wieder nur in den Armen des Drogenrauschs. Diese moderne Romeo-und -Julia-Version in der amerikanischen Unterschicht, zwischen Schwarzer und Weißer Familie angesiedelt, endet nicht abrupt mit dem gemeinsamen Selbstmord aus Liebe sondern zieht sich in dem langen Elend der Drogenabhängigkeit hin. 

Es ist ein kraftvoller, poetischer, magischer und sehr trauriger Roman, in dem die Angst vor dem Unbekannten und die Angst vor dem Tod sich mit der Angst vor dem Leben vermischen und zu einem dramatischen Ende steigern. Etwas weniger Pathos hätte der Sterbeszene der Mutter gewiss gut getan, denn die karthatische Wirkung blieb, zumindest was Leonie anging, aus.

Doch das Ende versöhnt in der Gestalt der singenden Kayla, dem schwarz-weißen, unschuldigen Kind, dass mit grünen Augen und goldenem Afro die Geister der Geknechteten und Getöteten singend besänftigt.



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Gespräche aus der Community

Ein großer Wurf, literarisch wie politisch. (FAZ)

Ein Hurrikan braut sich über dem Mississippi-Delta zusammen, aber Esch und ihre drei Brüder, die mit dem Vater in einer zusammengezimmerten Hütte am Rande des Waldes inmitten von Hühnern und alten Autowracks leben, haben noch andere Sorgen. Mit kleinen Diebstählen und viel Liebe versucht Skeetah, die neugeborenen Welpen seiner Pitbull-Hündin China durchzubringen. Randall will Basketballprofi werden, aber zugleich müssen er und Esch sich um Junior, den Jüngsten, kümmern, dem wie allen die Mutter fehlt, die bei seiner Geburt gestorben ist. Da merkt die Fünfzehnjährige, dass sie schwanger ist – von Randalls bestem Freund, der mit einer anderen zusammenlebt. Wem kann man sich anvertrauen, wenn kaum einer für sich selbst sorgen kann?
Und doch stehen die Geschwister, wortlos und mit kleinen Gesten, unverbrüchlich füreinander ein. Versuchen, ohne Geld Vorräte anzulegen, mit Treibholz das Haus sturmfest zu machen. Als die zwölf Tage, die den Rahmen für den Roman bilden, zu einem dramatischen Abschluss kommen, sammelt die Familie ihre Kräfte, um einem neuen Tag ins Gesicht zu sehen.
Leseprobe

Gemeinsam mit dem Kunstmann Verlag vergeben wir 30 Leseexemplare für den aussergewöhnlichen Debütroman "Vor dem Sturm" der jungen Autorin Jesmyn Ward, der in der Presse bereits begeistert gefeiert wurde. Ihr könnt Euch bis einschliesslich 22. September mit einem Kommentar dafür bewerben.

Über die Autorin:
Jesmyn Ward wuchs in DeLisle, Mississippi, auf. Nach einem Literaturstudium in Michigan war sie Stipendiatin in Stanford und Writer in Residence an der University of Mississippi und lehrt derzeit Creative Writing an der University of South Alabama. Ihr zweiter Roman Vor dem Sturm erhielt den National Book Award sowie mehrere weitere Auszeichnungen als bester Roman des Jahres 2011 und wurde in den USA zum Bestseller.


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