Jesmyn Ward

 3.6 Sterne bei 67 Bewertungen
Autorin von Vor dem Sturm, Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt und weiteren Büchern.
Jesmyn Ward

Lebenslauf von Jesmyn Ward

Die Chronistin der amerikanischen Gegenwart: Die im Jahr 1977 im US-Bundesstaat Mississippi geborene US-amerikanische Autorin Jesmyn Ward wuchs in einer ländlichen Umgebung auf. Vor ihr hatte noch kein Mitglied ihrer afroamerikanischen Familie studiert. An der renommierten Stanford University erwarb sie einen Bachelor-Titel in Englisch und einem Master-Abschluss in Medien und Kommunikation. Nachdem ihr Bruder im Jahr 2000 bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall gestorben war, wandte sie sich dem Schreiben zu und studierte an der University of Michigan Creative Writing. Im Jahr 2008 veröffentlichte Jesmyn Ward ihr Romandebüt „Where the Line Bleeds“ über den Lebensweg eines Zwillingspaares an der Golfküste. Als 2005 der Hurrikan „Katrina“ über den US-amerikanischen Süden hereinbrach, verlor die Familie von Jesmyn Ward ihr Zuhause. Diese traumatischen Erlebnisse verarbeitete sie in ihrem zweiten Buch „Salvage the Bones“, für das sie 2011 erstmalig den National Book Award for Fiction erhielt. Zwei Jahre später erschien die deutschsprachige Ausgabe dieses Romans unter dem Titel „Vor dem Sturm“. Im gleichen Jahr kam ihre Erzählung „Men We Reaped“, die sie ihrem verstorbenen Bruder widmete, auf den Markt. Für ihr Werk „Sing, Unburied, Sing“ („Singt, ihr Lebenden und Toten, singt“) nahm Jesmyn Ward 2017 erneut den National Book Award entgegen.

Alle Bücher von Jesmyn Ward

Vor dem Sturm

Vor dem Sturm

 (43)
Erschienen am 07.08.2015
Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt

Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt

 (22)
Erschienen am 14.02.2018
Salvage the Bones

Salvage the Bones

 (2)
Erschienen am 24.04.2012
Men We Reaped

Men We Reaped

 (0)
Erschienen am 06.11.2014
Where the Line Bleeds

Where the Line Bleeds

 (0)
Erschienen am 01.11.2008

Neue Rezensionen zu Jesmyn Ward

Neu
*Arienette*s avatar

Rezension zu "Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt" von Jesmyn Ward

Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt
*Arienette*vor 3 Monaten

Rassismus, soziales Elend und Enttäuschungen, aber auch eine Familiengeschichte - davon erzählt der mit dem National Book Award ausgezeichnete Roman von Jesmyn Ward.

Der 13-jährige Jojo und seine kleine Schwester Kayla wachsen bei ihren Großeltern Pop und Mam auf; ihre Mutter Leonie, die zwar ebenfalls dort lebt, kümmert sich kaum um ihre Kinder, fühlt sich überfordert. Leonie arbeitet in einer Bar und wenn sie high ist, hat sie Visionen, bei denen sie ihren toten Bruder sieht.

Während Mam mit ihrer schweren Krankheit kämpft, kümmert sich Pop um den Haushalt und um die Erziehung seiner Enkel. Er erzählt Jojo des öfteren von seiner Vergangenheit.

Als Michael, der weiße Vater von Jojo und Kayla, aus dem Gefängnis entlassen wird, packt Leonie ihre Kinder und ihre Freundin ins Auto und macht sich auf den Weg, um Michael vom staatlichen Gefängnis "Parchment Farm" abzuholen.

Erzählt wird die Geschichte anfangs abwechselnd aus der Erzählperspektive von Leonie und Jojo, später kommt noch eine dritte Erzählstimme, die von Richie, hinzu. Richie gehört zu den "unburied", denjenigen, die durch Gewalt ums Leben kamen und denen ein ordentliches Begräbnis verweigert wurde.

Richie reist als Geist mit, sitzt im Auto eingezwängt auf dem Boden. Jojo besitzt die seltene Gabe, die Toten zu sehen und mit ihnen reden zu können.

Jesmyn Ward gewährt dem Leser einen Einblick in die amerikanische Gesellschaft, ihren Losern, Drogen, Kriminalität und ihrem Rassismus, der selbst innerhalb der Familie keinen Halt macht.

So können Michaels Eltern immer noch nicht akzeptieren , dass ihr Sohn Michael sich mit einer Schwarzen eingelassen hat und wollen ihre Enkel nicht sehen.

Durch Pops Erinnerungen und die Erzählstimme von Richie umfasst die Geschichte einen größeren Zeitraum.

Die Vergangenheit prägt die Gegenwart, aus ihr muss man lernen und dann verändern.

Die Figuren sind gut gezeichnet, besonders gefiel mir Jojo, der sich liebevoll um seine kleine Schwester kümmert und damit sogar mehr Bezugsperson als Leonie ist.

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3
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Caro_Lesemauss avatar

Rezension zu "Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt" von Jesmyn Ward

Zwischenmenschliche Beziehungen und familiäre Bindungen
Caro_Lesemausvor 4 Monaten

Jojo und seine kleine Schwester Kayla leben bei ihren Großeltern Mam and Pop an der Golfküste von Mississippi. Leonie, ihre Mutter, kümmert sich kaum um sie. Sie nimmt Drogen und arbeitet in einer Bar. Wenn sie high ist, wird Leonie von Visionen ihres toten Bruders heimgesucht, die sie quälen, aber auch trösten. Mam ist unheilbar an Krebs erkrankt, und der stille und verlässliche Pop versucht, den Haushalt aufrecht zu erhalten und Jojo beizubringen, wie man erwachsen wird. Als der weiße Vater von Leonies Kindern aus dem Gefängnis entlassen wird, packt sie ihre Kinder und eine Freundin ins Auto und fährt zur »Parchment Farm«, dem staatlichen Zuchthaus, um ihn abzuholen. Eine Reise voller Gefahr und Hoffnung. 


Jesmyn Ward erzählt die Geschichte aus den Ich-Perspektiven von Jojo und Leonie, Sohn und Mutter, die im Leseeindruck unterschiedlicher nicht sein könnten. Dazwischen kommt in kürzeren Kapiteln Richie zu Wort, der schon lange nicht mehr lebt, aber zu Jojos Großvater Pop eine besondere Beziehung hatte. Jojo ist für seine kleine Schwester Kayla die wichtigste Bezugsperson. Mit 13 Jahren übernimmt er viel Verantwortung, da seine Mutter es nicht kann. Sie leben bei den Großeltern, wobei Mam durch ihre fortgeschrittene Krebserkrankung nicht mehr aktiv am Geschehen teilnehmen kann. Die Geschwisterbeziehung ist etwas Besonderes und vermittelt immer wieder Hoffnungsschimmer, gleichzeitig aber auch Erschrecken über die Unfähigkeit der Mutter und die Vernachlässigung. Während der Autofahrt zum Gefängnis tritt dies in beinahe jeder Szene zu Tage, was mir sehr zu Herzen gegangen ist. Es geht außerdem um Rassismus, Drogen, Rücksichtslosigkeit und ganz viel Zwischenmenschliches. Es sind große und wichtige Themen, die Jesmyn Ward in ihrem Roman unterbringt und im Kontext eines ärmlichen Gebietes mitten im Bundesstaat Mississippi wirkt alles sehr glaubwürdig.
Ein weiteres wichtiges Merkmal ist der Magische Realismus, der in Form zweier Geister in die Geschichte einzieht. Da ist zum Einen Richie, dessen Geschichte Jojo bereits mehrmals von seinem Pop gehört hat, wobei dieser aber immer an der gleichen Stelle abbricht und sich weigert, weiter zu erzählen. Jojo beginnt Richie während der Autofahrt auf dem Rücksitz zu sehen und kann sich mit ihm unterhalten. Zum Anderen ist da Given, der verstorbene Bruder von Leonie, den sie immer sieht, wenn sie high ist. Er wurde vom Cousin ihres Lebensgefährten Michael erschossen und dieser erhielt keine Verurteilung. Diese Verbindung ist eine weitere Bürde, die Leonie mit sich herum trägt. Die beiden Geister begleiten den gesamten Roman und nehmen am Ende eine besondere Rolle ein.
Der Schreibstil ist trotz der sensiblen Themen nicht sentimental, sondern schonungslos. Obwohl eine gewisse Distanz bleibt, nimmt die Geschichte emotional mit und ist intensiv. Jesmyn Ward schreibt ohne große Worte und ohne Umschweife, dennoch transportiert sie sehr viel. Ein Happy-End kann mich sich erhoffen, das wäre aber eher unrealistisch und hätte mich im Gesamtkontext auch nicht überzeugt. So bleibt aber zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer, der einen nach Ende der Lektüre nicht völlig in der Dunkelheit zurück lässt.


Fazit:
Ein intensiver, nicht sentimentaler Roman, der dennoch viele emotional behaftete Themen anspricht und dabei das eher traurige Bild einer Familie zeichnet. Auf das Kernelement Magischer Realismus sollte man sich einlassen können, da es sich durch den ganzen Roman hindurch zieht und vor allem am Ende einen großen Stellenwert bekommt.

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B

Rezension zu "Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt" von Jesmyn Ward

Geistergeschichten
bibliomaniacovor 5 Monaten

Mich hat das Buch zu Anfang an gefesselt, das 

umherspringen der Geschichten und die 
unterschiedlichen Blickwinkel liegen absolut in meinem
Interesse.
Zwischendurch etwas langatmig und das Ende wurde
mir etwas zu mystisch, trotz allem würde ich es
weiter empfehlen.

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Gespräche aus der Community

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DieBuchkolumnistins avatar

Ein großer Wurf, literarisch wie politisch. (FAZ)

Ein Hurrikan braut sich über dem Mississippi-Delta zusammen, aber Esch und ihre drei Brüder, die mit dem Vater in einer zusammengezimmerten Hütte am Rande des Waldes inmitten von Hühnern und alten Autowracks leben, haben noch andere Sorgen. Mit kleinen Diebstählen und viel Liebe versucht Skeetah, die neugeborenen Welpen seiner Pitbull-Hündin China durchzubringen. Randall will Basketballprofi werden, aber zugleich müssen er und Esch sich um Junior, den Jüngsten, kümmern, dem wie allen die Mutter fehlt, die bei seiner Geburt gestorben ist. Da merkt die Fünfzehnjährige, dass sie schwanger ist – von Randalls bestem Freund, der mit einer anderen zusammenlebt. Wem kann man sich anvertrauen, wenn kaum einer für sich selbst sorgen kann?
Und doch stehen die Geschwister, wortlos und mit kleinen Gesten, unverbrüchlich füreinander ein. Versuchen, ohne Geld Vorräte anzulegen, mit Treibholz das Haus sturmfest zu machen. Als die zwölf Tage, die den Rahmen für den Roman bilden, zu einem dramatischen Abschluss kommen, sammelt die Familie ihre Kräfte, um einem neuen Tag ins Gesicht zu sehen.
Leseprobe

Gemeinsam mit dem Kunstmann Verlag vergeben wir 30 Leseexemplare für den aussergewöhnlichen Debütroman "Vor dem Sturm" der jungen Autorin Jesmyn Ward, der in der Presse bereits begeistert gefeiert wurde. Ihr könnt Euch bis einschliesslich 22. September mit einem Kommentar dafür bewerben.

Über die Autorin:
Jesmyn Ward wuchs in DeLisle, Mississippi, auf. Nach einem Literaturstudium in Michigan war sie Stipendiatin in Stanford und Writer in Residence an der University of Mississippi und lehrt derzeit Creative Writing an der University of South Alabama. Ihr zweiter Roman Vor dem Sturm erhielt den National Book Award sowie mehrere weitere Auszeichnungen als bester Roman des Jahres 2011 und wurde in den USA zum Bestseller.


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Zusätzliche Informationen

Jesmyn Ward im Netz:

Community-Statistik

in 150 Bibliotheken

auf 54 Wunschlisten

von 3 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

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