Jess Jochimsen

 3.8 Sterne bei 199 Bewertungen
Autorenbild von Jess Jochimsen (© Lisa Uder & Katrin Kutt)

Lebenslauf von Jess Jochimsen

Jess Jochimsen wurde im Jahr 1970 in München geboren. Jochimsen machte im Jahr 1990 sein Abitur und studierte von 1991 - 1997 Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie an der Universität Freiburg Seit 1992 tritt er alleine oder im Duo mit Sacha Bendiks als Kabarettist auf allen bekannten Bühnen im deutschsprachigen Raum auf. Er war bereits zu Gast in vielen Fernsehsendungen wie zum Beispiel dem "Quatsch Comedy Club". Seine Freizeit verbringt er gerne mit dem Fotografieren trauriger Dinge, er liebt es diese vorzuführen oder Bücher damit zu bebildern. Jochimsen lebt heute in Freiburg.

Alle Bücher von Jess Jochimsen

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Cover des Buches "Krieg ich schulfrei, wenn du stirbst?" (ISBN:9783423347150)

"Krieg ich schulfrei, wenn du stirbst?"

 (48)
Erschienen am 01.09.2012
Cover des Buches Das Dosenmilch-Trauma (ISBN:9783423203708)

Das Dosenmilch-Trauma

 (47)
Erschienen am 01.10.2000
Cover des Buches Bellboy oder: Ich schulde Paul einen Sommer (ISBN:9783423214025)

Bellboy oder: Ich schulde Paul einen Sommer

 (22)
Erschienen am 01.04.2012
Cover des Buches Abschlussball (ISBN:9783423146739)

Abschlussball

 (18)
Erschienen am 26.10.2018
Cover des Buches Was sollen die Leute denken (ISBN:9783423140485)

Was sollen die Leute denken

 (7)
Erschienen am 01.11.2011
Cover des Buches DanebenLeben (ISBN:9783423210348)

DanebenLeben

 (7)
Erschienen am 01.11.2007
Cover des Buches Liebespaare, bitte hier küssen! (ISBN:9783423347723)

Liebespaare, bitte hier küssen!

 (3)
Erschienen am 01.05.2013

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Neue Rezensionen zu Jess Jochimsen

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Rezension zu "Abschlussball" von Jess Jochimsen

Taubenblau ist nicht meine Farbe
The iron butterflyvor 7 Monaten

Marten war als kleiner Junge schon ruhiger, weniger umtriebig als die anderen Kinder. Oft wurde er sogar von Schwächeanfällen regelrecht ausgebremst und fühlte sich seinem Opa näher als den Schulkameraden oder seinen beiden Geschwistern. Um dem Jungen etwas Abwechslung und Betätigung zu verschaffen, schicken seine Eltern ihn in den Trompetenunterricht. Anfangs interessiert ihn eigentlich nur der technische Aufbau seines Instruments, die Mechanik, aber sein Musiklehrer scheint in ihm mehr zu sehen, als den introvertierten Jungen, der in alten Opa-Klamotten zum Unterricht kommt. So gibt er Marten das Rüstzeug für das Trompetenspiel an die Hand, ohne einen Meister aus ihm machen zu wollen.

Später, nach einer unrühlichen Schulzeit, einer Ausbildung zum Bibliotheksassistenten und einer gescheiterten recht kurzen Karriere zwischen Büchern und Regalen, dient ihm dieses Rüstzeug aus Kindertagen als Grundlage für ein Einkommen als Beerdigungstrompeter auf dem Nordfriedhof in München. Auf Wunsch spielt Marten das letzte Lied für den oder die Verstorbene(n) und passt in seinen alten abgetragenen Anzügen so wunderbar ins Bild der Trauergemeinden. Als er eines Tages eine Bankkarte nach einer Beerdigung der besonderen Art findet, scheint sehr Leben in Bewegung zu geraten…

Jess Jochimsen erzählt Martens Geschichte sehr bedacht, beinahe so, als würde er den Dämpfer verwenden, den Marten in all den Jahren seines Trompetenspiels nie benötigte. Angekündigt wird auf dem Klappentext ein kleiner Aufruhr im doch so ruhigen Leben des Beerdigungstrompeters, aber wenn ich ehrlich bin, passiert zwar viel Zwischenmenschliches, aber nichts davon bringt wirklich Schwung ins Leben von Marten. Auch wenn er sich irgendwann einen taubenblauen Anzug gönnt und sich im Kleinen aufrafft, so gelingt Jochimsen nicht Marten zu einer echten Wende zu manövrieren. Die rätselhafte Bankkarte und die mysteriös anmutende Geschichte darum herum entpuppen sich als das Leben an sich. Begegnungen bleiben oberflächlich, trüb, vage. Die besondere Freundschaft zum alten Geiger Sebastian endet genauso traurig und im Irgendwo, wie vieles andere auch.

Für mich bleibt das Geschehen zu trist, zu taubenblau. Schade.

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Rezension zu "»Mama und Papa hatte ich nicht, ich musste Renate und Eberhard sagen«" von Jess Jochimsen

Spitzzüngig, aber äußerst unterhaltsam
PetrovaFirevor einem Jahr

Ursprünglich veröffentlicht auf Books on Fire
https://www.booksonfire.de/2018/04/rezi-jess-jochimsen-mama-und-papa-hatte-ich-nicht.html

Zitat
"'Petting statt Pershing!' O Mann! Petting kannte ich, das hatte es ja eben erst gegeben, in der Früh, live daheim. Angesichts dessen musste Pershing etwas Grauenvolles sein. So lief sie ab, meine politische Grunderziehung: Bettlaken einsauen, beschriften und dann stundenlang in der Öffentlichkeit demonstrativ hochhalten." - Kapitel "Friede, Freude, Eiersuchen", Seite 61-62.

Meine Meinung
Bei " »Mama und Papa hatte ich nicht, ich musste Renate und Eberhard sagen«: Das Dosenmilch-Trauma & andere Geschichten eines 68er-Kindes" handelt sich um eine Neuauflage des bereits 2000 erschienenden Buchs "Das Dosenmilch-Trauma: Bekenntnisse eines 68er Kindes"* von Jess Jochimsen zum 50jährigen Jubiläum der 68er Bewegung. Ich persönlich bin allerdings erst durch die Frühjahrsvorschau von dtv auf das Buch aufmerksam und vorallem wegen des Titels neugierig geworden.

Das Buch ist in einem lockeren, aber packenden Schreibstil verfasst. Der Humor kommt sehr gut rüber, was in Schriftform gerne mal daneben gehen kann. Selbst Geschichtsmuffel, die sich nie mit den 68ern auseinandergesetzt haben, kommen hier auf ihre Kosten.

Das Buch teilt sich in mehrere kleine Kapitel sowie einseitige Zwischenschübe mit jeweils einem mehr oder weniger dazu passenden Bild dazu auf. Es gibt immer wieder einzelne widerkehrende Elemente, wie Jess' ewige Jugendliebe, aber an sich wäre jedes Kapitel auch für sich alleinstehend lesbar. Ideal also für den kleinen Schmunzler zwischendurch.

Jedoch muss ich mir auch ein wenig Kritik erlauben. Wie bereits erwähnt, trifft der Humor zwar zumeist meinen Zahn, aber er ist auch an einigen Stellen daran vorbeigeschlittert. Hier wirkte es für mich so als würde der Autor sich vom humoristischen ins literarische wegbewegen wollen. Leider scheiterte für mich dieses Experiment. Da aber, wie gesagt, jedes Kapitel einzeln lesbar ist, könnte man theoretisch diese Teile einfach überspringen, wenn sie einem ebenfalls nicht gefallen.

Fazit
"»Mama und Papa hatte ich nicht, ich musste Renate und Eberhard sagen«: Das Dosenmilch-Trauma & andere Geschichten eines 68er-Kindes" ist ein gelungener, spitzzüngiger, aber durchauch lustiger Rückblick auf Jess Jochimsens - oder sollte ich Jens Joachim sagen? - Kindheit zwischen Althippies und Dosenmilch. Hier und da gibt es kleinere Schwächen über die man aber im Größeren doch hinweg sehen kann.

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Rezension zu "Abschlussball" von Jess Jochimsen

Das gewesene Leben
Literatur-Universumvor einem Jahr

Marten ist ein junger Greis. Bereits als Jugendlicher träumt er von der Pension. Nach dem Abitur bekommt er seine ersten grauen Haare. Seine groteske Lebenseinstellung führt dazu, dass er weder Freunde noch Ziele im Leben hat. Das stört ihn jedoch auch nicht. Am liebsten würde er den ganzen Tag zu Hause bleiben und im Nichtstun versinken. Nach dem Tod seiner Mutter lernt er Trompete zu spielen, weil es ihr letzter Wille war. Es ist die Einzige Beschäftigung, die ihm kurzfristig eine Geschichte in seinem Leben bringt. Nachdem er seinen Lehrjob als Bibliotheksassistent verliert, weil er die Bücher dem Leben vorzieht, begegnet er Berger. Dieser führt ein Bestattungsinstitut. Der Tod, der Marten immer schon näher war als das Leben, wird nun auch sein neuer Begleiter in seinem Job. Es ist jedoch nicht jener, der ihm Glanz in sein Leben bringt, sondern eine ominöse Todesnachricht: Wilhelm Schocht ist gestorben. Ein ehemaliger Schulkollege, der absoluter Mädchenschwarm war und über Nacht damals reich wurde und verschwand. Wilhelm fragt sich, warum sich er das Leben genommen hatte und nicht ein Loser, wie er es ist. Diese Gedanken und ein plötzliches Lebenszeichen von Wilhelm verändern sein Leben, ja flößen ihm neue Lebensenergie ein.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt. Diese Beschreibungsform führt dazu, dass man sich noch filigraner in die Deutungspositionen der Figur hineinversetzen kann. Oftmals entwickelt sich der Wille dem Protagonisten zuzuschreien, sich aufzubäumen und eine Perspektive zu schaffen. Der Roman legt keine Utopien vor, sondern erzählt von denjenigen, um die es normalerweise nie geht. Die Figuren fühlen, leben und verfangen sich oftmals im Netz der Nutzlosigkeit. Der Autor Jess Jochimsen hat ein gutes Buch geschrieben über Menschen, die manchmal einen Anstoß ins Leben brauchen, um aus der Apathie aufzuwachen.

Die Sprache ist in keiner allzu großen Bildlichkeit verhaftet. Prägnant und in einfachen Sätzen wird die Handlungsebene behandelt. Die Nebenfiguren spielen eher eine künstliche Rolle. Sie nehmen keine expliziten Formen an, werden auch nicht gesondert beschrieben.


Neben dem großen Schauplatz: Begräbnis, ist ansonsten nur wenig von der Welt zentral und einwirkend. Der Abschlussball als Metapher für etwas Gewesenes ist ein raffinierter Schachzug des Autors. Es fehlt jedoch die stufenweiße aufgebaute Spannung und Hinwendung zur Sinngebung der Anekdote. Oftmals verkommen die Gedanken und bleiben rudimentär, als wüsste der Erzähler nicht mehr, was er erzählen müsste, um noch wieder weiterzukommen. Was äußerst schade ist, weil der Stoff und die Intention der Geschichte eine äußerst gute ist.

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