Jess Jochimsen Abschlussball

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Inhaltsangabe zu „Abschlussball“ von Jess Jochimsen

Für Marten ist der Friedhof der richtige Ort: Friedhöfe sind ruhig, gut ausgeschildert und bieten ausreichend Schatten. Schon als Kind hat er die Befürchtung, nicht in diese Welt zu passen – und als sich die Möglichkeit auf ein Dasein frei von Unwägbarkeiten bietet, greift er zu: Er wird Beerdigungstrompeter auf dem Nordfriedhof in München und spielt den Toten das letzte Lied. Als Marten die Bankkarte seines soeben zu Grabe getragenen Klassenkameraden Wilhelm findet, beginnt eine groteske Irrfahrt. Ohne eigenes Zutun wird er in einen Strudel merkwürdiger Ereignisse gezogen und lernt all das kennen, wovon er sich Zeit seines Lebens so mühsam ferngehalten hat: andere Menschen, Geld, Abenteuer, die Liebe.

Gut und süffig zu lesen, sehr interessantes Thema. Ich werden der Musik bei Beerdigungen künftig anders zuhören

— schillerbuch

Über ein vergangenes Leben

— Literatur-Universum

Ein Buch der leisen und melancholischen Töne, das erst endet, um dann zu beginnen.

— CCC

Eine lesenswerte Außenseitergeschichte.

— twentytwo

Wunderbar erzählt, traurig und fröhlich zugleich.

— Pina_Colada

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  • Das gewesene Leben

    Abschlussball

    Literatur-Universum

    05. April 2018 um 14:18

    Marten ist ein junger Greis. Bereits als Jugendlicher träumt er von der Pension. Nach dem Abitur bekommt er seine ersten grauen Haare. Seine groteske Lebenseinstellung führt dazu, dass er weder Freunde noch Ziele im Leben hat. Das stört ihn jedoch auch nicht. Am liebsten würde er den ganzen Tag zu Hause bleiben und im Nichtstun versinken. Nach dem Tod seiner Mutter lernt er Trompete zu spielen, weil es ihr letzter Wille war. Es ist die Einzige Beschäftigung, die ihm kurzfristig eine Geschichte in seinem Leben bringt. Nachdem er seinen Lehrjob als Bibliotheksassistent verliert, weil er die Bücher dem Leben vorzieht, begegnet er Berger. Dieser führt ein Bestattungsinstitut. Der Tod, der Marten immer schon näher war als das Leben, wird nun auch sein neuer Begleiter in seinem Job. Es ist jedoch nicht jener, der ihm Glanz in sein Leben bringt, sondern eine ominöse Todesnachricht: Wilhelm Schocht ist gestorben. Ein ehemaliger Schulkollege, der absoluter Mädchenschwarm war und über Nacht damals reich wurde und verschwand. Wilhelm fragt sich, warum sich er das Leben genommen hatte und nicht ein Loser, wie er es ist. Diese Gedanken und ein plötzliches Lebenszeichen von Wilhelm verändern sein Leben, ja flößen ihm neue Lebensenergie ein.Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt. Diese Beschreibungsform führt dazu, dass man sich noch filigraner in die Deutungspositionen der Figur hineinversetzen kann. Oftmals entwickelt sich der Wille dem Protagonisten zuzuschreien, sich aufzubäumen und eine Perspektive zu schaffen. Der Roman legt keine Utopien vor, sondern erzählt von denjenigen, um die es normalerweise nie geht. Die Figuren fühlen, leben und verfangen sich oftmals im Netz der Nutzlosigkeit. Der Autor Jess Jochimsen hat ein gutes Buch geschrieben über Menschen, die manchmal einen Anstoß ins Leben brauchen, um aus der Apathie aufzuwachen.Die Sprache ist in keiner allzu großen Bildlichkeit verhaftet. Prägnant und in einfachen Sätzen wird die Handlungsebene behandelt. Die Nebenfiguren spielen eher eine künstliche Rolle. Sie nehmen keine expliziten Formen an, werden auch nicht gesondert beschrieben.Neben dem großen Schauplatz: Begräbnis, ist ansonsten nur wenig von der Welt zentral und einwirkend. Der Abschlussball als Metapher für etwas Gewesenes ist ein raffinierter Schachzug des Autors. Es fehlt jedoch die stufenweiße aufgebaute Spannung und Hinwendung zur Sinngebung der Anekdote. Oftmals verkommen die Gedanken und bleiben rudimentär, als wüsste der Erzähler nicht mehr, was er erzählen müsste, um noch wieder weiterzukommen. Was äußerst schade ist, weil der Stoff und die Intention der Geschichte eine äußerst gute ist.

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  • Skurril, makaber, genial

    Abschlussball

    Eva-Maria_Obermann

    20. October 2017 um 11:57

    Marten ist Friedhofsmusikant. Er trompetet bei Beerdigungen und kann sich im Grunde nichts Schöneres vorstellen. Um die zwanzig hat er bereits eine Ausbildung als Bibliothekar und ein „Standardleben“ hinter sich, dem er entflohen ist. Eigentlich könnte alles immer so weiter gehen, wäre da nicht die Beerdigung eines ehemaligen Mitschülers, ein Haufen Geld und eine Unruhe, die ihn nicht so schnell loslässt. Abschlussball ist ein moderner Entwicklungsroman par excellence. Nach einem Einstieg rekapituliert Marten seine Kindheit und Jugend. Gleichzeitig ist es genau der Gegenentwurf zu einem Entwicklungsroman, denn damals schon fühlte er sich schrecklich alt. Schwermut, Nachdenklichkeit, der Wunsch, Nichts zu tun, wirklich nichts. Er hat Gelenkschmerzen, graue Haare, die Physiologie gleicht sich seiner „alten“ Seele an. Und ja, natürlich steckt da viel dahinter. Schnell wird klar, dass Marten depressiv ist. Er hat Zusammenbrüche, bräuchte Hilfe, alles drum und dran. Der Leser muss aufmerksam sein, um das zu entschlüsseln. Marten ist sehr introvertiert, er erzählt die Geschichte und blickt ganz anders auf sich, als sein Umfeld das zwischen den Zeilen tut. Während er die Musik als Mittel des Ausdrucks und Verbundenheit zu seiner Mutter nutzt, sich seine Welt in Improvisationen versucht zu erspielen, gibt es nur wenige echte Verbindungen in seinem Leben. Seine Schwester, die eben da ist, sein Vater, der langsam verschwindet. Jess Jochimsen zeigt einen ungewöhnlichen Helden, der dadurch besticht, dass er gar kein Held sein will. Als Marten Bücher „entdeckt“ verliert er sich in den Geschichten, weil er gar keine eigenen Abenteuer erleben will. Keinen Wundert es mehr, als ihn, dass er durch den Tod des ehemaligen Mitschülers so durchgerüttelt wird. Vielleicht auch, weil Marten zuletzt ihre Verbindung sieht. Wilhelm, in der Schule das Gegenteil von Marten, beliebt, gute Noten, überall dabei – und plötzlich verschwunden. Dass es eine andere Art, eine andre Ausprägung des gleichen Übels ist, wird nie benannt, es ist eine der Feinheiten des Romans. Eine winzige Handlung ist es dann, die Marten mitreißt. Weil er hofft, dass Wilhelms Geschichte anders verlaufen ist, aber auch, weil er insgeheim immer wieder auf seine eigene schielt. Dass der Leser auch das nicht vor den Latz geknallt bekommt, sondern selbst erlesen muss, ist für mich ein weiterer Pluspunkt. Es steht alles da, wir müssen es nur erkennen. Die vielen Anspielungen, von Romanen über Figuren, von Metaphern über Strukturen, haben mich ehrlich restlos begeistert. Und natürlich der Inhalt selbst. Marten, der sich plötzlich in einem geheimen Keller wiederfindet, der sich verliebt zum ersten Mal jung fühlt, der das erste Mal die Grenzen von München übertritt. Und alles zirkelt immer wieder um seine Erkenntnis, die ihm bevorsteht. Der Leser ahnt es, sieht es kommen, rätselt dennoch. Dass der Roman selbst zyklisch verläuft, ist ein besonderes Schmankerl. Es gibt Bücher, die mich begeistern, weil sie mich abholen. Solche, die mich faszinieren, weil sie so dicht sind. Bücher, die mich unterhalten, zum Lachen bringen, zum Nachdenken, zum Nicken. Sehr wenige schaffen das alles auf einmal. Jess Jochimsens Abschlussball gehört definitiv dazu!

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  • Ein letztes Lied für die Toten

    Abschlussball

    Fannie

    22. September 2017 um 05:43

    Marten, ein Mittdreißiger aus München, fühlt sich mitnichten so jung, wie seine Geburtsurkunde es behauptet – ganz im Gegenteil: in seinem Inneren ist er ein Greis, der nichts, aber auch gar nichts in seinem Leben dem Zufall überlässt. Spaß, Abenteuer, Freunde – das gibt es nur in den Büchern, die der gelernte Bibliotheksassistent zuhauf verschlingt. Wichtig ist ihm einzig seine Trompete, die zugleich sein Arbeitsmittel darstellt, denn Marten steht als Musiker im Dienst des Bestattungsunternehmens Berger und spielt den Verstorbenen ein letztes Lied. Doch plötzlich nimmt sein tristes Dasein eine Wendung ... "Menschen erzählen sich Geschichten, um zu leben. Und für den Tod brauchen sie die Musik." (Zitat aus „Abschlussball“) Jess Jochimsen, Autor und Kabarettist, rückt in seinem Roman „Abschlussball“, der am 9. Juni 2017 bei dtv erschienen ist, einen Beerdigungstrompeter in den Fokus. Man muss nicht alle 312 Seiten gelesen haben, um festzustellen, dass eben dieser Musiker, Marten nämlich, ein seltsamer Kauz ist – aber keineswegs ein unsympathischer. In mir hat er eine Mischung aus Mitleid und Unglauben hervorgerufen, mir aber aufgrund seines verschrobenen Wesens hin und wieder aber auch ein Lächeln abgerungen. Jess Jochimsen macht seinen Protagonisten allerdings nicht lächerlich. Das ist lobenswert, geht es in dem Buch doch in erster Linie um bittere Themen wie Trauer, Verlust und psychische Krisen. Andererseits habe ich mir von Jess Jochimsen, der immerhin unter anderem mit dem Deutschen Kabarettpreis ausgezeichnet wurde und auf Auftritte im „Quatsch Comedy Club“ und bei „Scheibenwischer“ zurückblicken kann, einen Roman mit mehr Skurrilität, mit mehr Komik, ja, einfach mit mehr Drive erwartet. Denn aufgrund des Klappentextes hatte ich eine verrückte Story im Sinn. So ist es eine stille Geschichte um einen klassischen Losertypen geworden, in der mit Dialogen gegeizt, aber mit Musiktheoretie verschwenderisch um sich geworfen wird. Der Schreibstil darf als anspruchsvoll, selten sogar als anstrengend bezeichnet werden. Zwar geben sich viele liebenswert schräge Vögel in diesem Roman die Klinke in die Hand. Das allerdings hat mir leider nicht gereicht. Obwohl in „Abschlussball“ immer mal wieder illustre Szenen und Darsteller vorkommen, konnte dieser Roman insgesamt nicht zu einem besonderen Leseerlebnis, das einem im Gedächtnis bleibt, werden.

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  • Abschlussball

    Abschlussball

    twentytwo

    13. July 2017 um 16:36

    Marten, ewiger Außenseiter ohne nennenswerte soziale Kontakte, sieht in seinem Leben wenig bis gar keinen Sinn. Erst nachdem er, bedingt durch seinen Job als Beerdigungstrompeter, seine Zeit vorwiegend auf dem Friedhof verbringen kann, beginnt er langsam zu sich zu finden. Zwischen den vielen Toten fühlt er sich wohler als je in seinem Leben zuvor. Doch als er nach der Beerdigung eines ehemaligen Klassenkameraden dessen Bankkarte findet, gerät sein wohlgeordnetes Leben aus den Fugen. Er findet keine Ruhe mehr und versucht verzweifelt herauszufinden wer Wilhelm war und was mit ihm geschehen ist.FazitEine philosophische Auseinandersetzung mit dem Leben, seinem Sinn und dem Tod, die ohne pathetisch zu werden, viele Denkanstöße gibt.

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