Heilige und andere Tote

von Jess Kidd 
4,9 Sterne bei10 Bewertungen
Heilige und andere Tote
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raveneyes avatar

Ein sprachliches Feuerwerk

MissStrawberrys avatar

Skurril und spannend, abgedreht und dennoch in sich stimmig - ein Buch in einer grandiosen Sprache. Lesegenuss pur!

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Inhaltsangabe zu "Heilige und andere Tote"

Seit dem Tod seiner Frau und den ewigen Streitereien mit seinem Sohn vertreibt Cathal Flood jeden, der sich ihm nähern will. Einst Antiquitäten- und Kuriositätenhändler ist er längst zum Messie verkommen. Sein Sohn hofft, ihn auf Dauer in ein Altenheim verfrachten zu können. Die Neueste in der Riege erfolgloser und unterbezahlter Sozialbetreuer, die Cathal zur Räson bringen soll, ist Maud Drennan. Unter den wüsten Beschimpfungen des Alten zieht sie beherzt gegen Dreck und Müll zu Felde. Doch trotz aller Unerschrockenheit ist ihr Bridlemere unheimlich. Überall im Haus scheinen verschlüsselte Botschaften zu warten. Wie das Foto von zwei Kindern, auf dem das Gesicht des Mädchens ausgebrannt ist. Hat Flood eine Tochter? Wieso weiß niemand von ihr? Und warum hasst er seinen Sohn so sehr? Auch der Tod seiner Frau löst Fragen über Fragen aus.
Maud würde am liebsten alle erdrückenden Hinweise ignorieren. Doch ihre leicht bizarre Vermieterin Renata, die für ihr Leben gern Detektiv spielt, und eine Horde marodierender Heiliger, die nur Maud sehen kann, wittern längst ein Verbrechen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783832198909
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:382 Seiten
Verlag:DuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum:13.09.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    raveneyes avatar
    raveneyevor 8 Tagen
    Kurzmeinung: Ein sprachliches Feuerwerk
    Was andere nicht sehen

    Maud ist Sozialbetreuerin und ihr wurde Cathal Flood als neuer Fall zugeteilt. Cathal ist nicht einfach und kann nichts wegschmeißen. Er stellt eine Herausforderung für Maud dar, aber so schnell lässt sie sich nicht klein kriegen. Auch nicht als im Haus seltsame Dinge geschehen.


    Das Cover ist eine wahre Fundgrube, denn auf ihn verbergen sich so viele Details, dass man erst nach und nach alle wahrnimmt, sie dann aber nicht mehr übersehen kann.


    Auch in ihrem zweiten Buch schafft es Jess Kidd wieder das Alltägliche mit dem Mysteriösen und Übernatürlichen so zu einer Einheit zu verbinden, dass man es zunächst gar nicht als solches wahrnimmt. Es gehört einfach zur Geschichte und wirkt in keinster Weise fehl am Platz. Und so wie es vollkommen normal ist, das Maud immer mal wieder von Heiligen umgeben ist, die ihre eigene Meinung zu den Vorgängen haben, so ist es hier auch normal das ein Bügelbrett brünstig daherkommt oder Leitungen Rost kotzen. Diese sehr bildhafte und Gegenstände Leben einhauchende Sprache begeisterte mich von der ersten Seite an und ergeben zusammen mit den wie Nebensächlich eingestreuten mysteriösen Begebenheiten und der manchmal unterschwellig vorhanden Heiterkeit ein sprachliches Feuerwerk, das bis zum Schluss nichts von seiner Faszination verliert.


    Und genau so bunt und teilweise Skurril sind die Charaktere, die dieses Buch bevölkern. Da ist natürlich Maud, der die Heiligen manchmal vielleicht etwas auf den Geist gehen, sozusagen. Oder Renata, die ein Geheimnis wittert, das gelöst werden will. Und Natürlich Mister Flood, der Hausherr von Bridlemere.


    Alles zusammen ergibt eine Geschichte voller Geheimnissen, die den Leser mit auf Spurensuche nimmt. Also nichts wie los.

    Kommentare: 1
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    MissStrawberrys avatar
    MissStrawberryvor 13 Tagen
    Kurzmeinung: Skurril und spannend, abgedreht und dennoch in sich stimmig - ein Buch in einer grandiosen Sprache. Lesegenuss pur!
    Der Hamsterer

    Cathal Flood schlägt alle ihm zugeteilten Sozialbetreuer in die Flucht. Maud Drennan lässt sich nicht beirren und kämpft gegen Cathals Messietum und Beschimpfungen mehr oder weniger erfolgreich an. Nach und nach entdeckt sie in Bridlemere, dem riesigen Anwesen von Flood, Hinweise auf seltsame Vorkommnisse in der Vergangenheit. Mauds Vermieterin Renata und die Geister, die Maud schon seit Jahren umgeben, drängen sie, den Geheimnissen auf den Grund zu gehen. Dabei kommen auch ihre eigenen vergraben geglaubten traumatischen Erlebnisse wieder hoch. Doch von wo droht Maud nun tatsächlich Gefahr?

    Jess Kidd versteht es meisterhaft, ganz wunderbare Sätze zu formulieren, die von Ulrike Wasel gekonnt ins Deutsche übertragen wurden. Sie lässt Bilder entstehen, die einfach grandios sind. Nichts wird schnöde einfach nur beschrieben, wie es ist, sondern mit Formulierungen verziert, die regelrechte Kunstwerke sind. So liest sich das Buch nicht einfach mal so eben weg. Man möchte die Sätze kosten, bis zur Neige genießen und ganz oft noch mal lesen – so, wie man ein besonders schönes Bild immer wieder ansehen mag.

    Die eigentliche Geschichte ist dicht und atmosphärisch. Unterschiedliche Erzählstränge werden zu einem Gesamtkunstwerk verwoben. Immer wieder gibt es kleine Highlights. Die Spannung ist durchgehend vorhanden, wobei es immer wieder überraschende Höhepunkte gibt und am Ende auch noch einen Show-Down. Für meinen Geschmack ist nur ein Punkt nicht optimal. Ich empfinde das Ende als Cliffhanger und genau das mag ich nicht. Sollte das Buch ein erster Teil einer Serie sein, hätte ich das gern vorher gewusst. Gibt es keinen weiteren Band, ist das Ende für mich so nicht wirklich befriedigend. Aber das ist sicher Meckern auf hohem Niveau. Der Part der Geister gefällt mir sehr, doch hätte ich mehr von den Heiligen erwartet und auch gern mehr über sie erfahren und wie es dazu kommt, dass Maud sie um sich hat. Auch hier sehe ich als einzige Erklärung, dass ein weiterer Band geplant sein könnte.

    Mir gefallen die außergewöhnlichen Figuren, die so schräg und dennoch so normal sind. Sie spiegeln trotz aller Absonderlichkeiten das wahre Leben sehr genau wider. Nicht nur die Sprache ist hier große Kunst, auch wie Jess Kidd unendlich viele Themen so eingebaut hat, dass sie nahtlos passen und die Story dennoch nicht überladen wirkt. So unterschiedlich Maud und Cathal anfangs wirken, so viele Parallelen stellen sich mit der Zeit heraus. Kein Wunder, dass die beiden sich fast wortlos verstehen und sich hin und wieder auch kein bisschen über den Weg trauen.

    Kurz und knapp – dies ist ein wirklich besonderes Buch. Eine Autorin wie Jess Kidd findet man nicht sehr oft. Mit Worten und Sätzen so spielen können, das ist große Kunst. Dennoch fehlt mir das Tüpfelchen auf dem i, um komplett begeistert zu sein. Deshalb von mir vier Sterne.

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    heinokos avatar
    heinokovor 14 Tagen
    Überbordende Bilderwelt

    Überbordende Bilderwelt

     

    Die Autorin war mir bislang unbekannt. Umso überraschter war ich bereits nach den ersten Seiten von der immensen Kraft ihres Schreibstils, ihrer Beschreibungen, von den eindringlichen Wortbildern, die sich im Kopf auftun wie eine Dia-Show: Klick, klick, klick – Bild für Bild entstand vor meinem inneren Auge. Immer mehr Bilder. Immer mehr. Und noch mehr. Nach einer Weile musste ich aufpassen, die Aufmerksamkeit nicht zu verlieren. Schnell-Lesen wäre eine Beleidigung für dieses Buch!

     

    Der Verlag beschreibt den Inhalt so perfekt, wie ich es gar nicht könnte: „Seit dem Tod seiner Frau und den ewigen Streitereien mit seinem Sohn vertreibt Cathal Flood jeden, der sich ihm nähern will. Einst Antiquitäten- und Kuriositätenhändler ist er längst zum Messie verkommen. Sein Sohn hofft, ihn auf Dauer in ein Altenheim verfrachten zu können. Die Neueste in der Riege erfolgloser und unterbezahlter Sozialbetreuer, die Cathal zur Räson bringen soll, ist Maud Drennan. Unter den wüsten Beschimpfungen des Alten zieht sie beherzt gegen Dreck und Müll zu Felde. Doch trotz aller Unerschrockenheit ist ihr Bridlemere unheimlich. Überall im Haus scheinen verschlüsselte Botschaften zu warten. Wie das Foto von zwei Kindern, auf dem das Gesicht des Mädchens ausgebrannt ist. Hat Flood eine Tochter? Wieso weiß niemand von ihr? Und warum hasst er seinen Sohn so sehr? Auch der Tod seiner Frau löst Fragen über Fragen aus. Maud würde am liebsten alle erdrückenden Hinweise ignorieren. Doch ihre leicht bizarre Vermieterin Renata, die für ihr Leben gern Detektiv spielt, und eine Horde marodierender Heiliger, die nur Maud sehen kann, wittern längst ein Verbrechen.“

     

    In der schier grenzenlosen Fülle an Ideen und Bildern war mir die Sozialarbeiterin Maud Drennan in ihrer zupackenden Art eine gute Leitfigur. Immer wenn ich mich in den Skurrilitäten verlor, konnte ich mich neu an Maud orientieren, kehrte mit ihrer Hilfe zur Handlung zurück, bis ich mich wieder neu in den Rausch der Bilder verlor, verführt von einer grandiosen Autorin, die eine Horde seltsamer Heiliger in die Handlung einschleppt, die nur von Maud gesehen werden,  oftmals arg schlecht gelaunt sind, aber letztlich doch hilfreich wirken. Aber ganz ehrlich: Die Handlung war mir nicht wichtig. Ich habe mich durcheinander wirbeln lassen von der grenzenlosen Fantasie der Autorin, die vor nichts halt macht, die mit Grausigem genauso spielt wie mit Mystischem, mit Kuriosem ebenso wie mit poetischen Momenten, mit Metaphern und feinsinnigem Humor. Während ich das Buch las, fühlte ich mich wie unter Wasser, von Satz zu Satz mich treiben lassend, schwerelos… Anrührend, komisch, wunderschön!


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    FrolleinJotts avatar
    FrolleinJottvor 16 Tagen
    Kurzmeinung: Spannende, phantasievolle, witzig-skurrile und erfrischend anders geschriebene Geschichte! Große Schreibkunst, lesenwert!
    Eine Wucht von einem Buch!

    Inhalt:

    Bridlemere - ein herrschaftliches Anwesen im Westen Londons, das seine besten Tage bereits gesehen hat. Hier haust mutterseelenallein Cathal Flood. Einst Antiquitäten- und Kuriositätenhändler ist er längst zu einem Messie verkommen. Sein Sohn hofft, ihn auf Dauer in ein Altenheim verfrachten zu können. Die Neueste in der endlosen Reihe erfolgloser und unterbezahlter Sozialarbeiter, die Cathal nun zur Räson bringen soll, ist Maud Drennan. Unter den wüsten Beschimpfungen des Alten zieht sie beherzt gegen Dreck und Müll zu Felde. Doch trotz aller Unerschrockenheit ist ihr Bridlemere unheimlich. Überall im Haus scheinen verschlüsselte Botschaften zu warten. Wie das Foto von zwei Kindern, auf dem das Gesicht des Mädchens weggebrannt ist. Hat Flood eine Tochter? Wieso weiß niemand von ihr? Und warum hasst er seinen Sohn so sehr? Auch der Tod seiner Frau wirft Fragen über Fragen auf.

    Maud würde am liebsten alle bedrückenden Hinweise ignorieren. Doch ihre leicht bizarre Vermieterin Renata, die für ihr Leben gern Detektiv spielt, und eine Horde marodierender Heiliger, die nur Maud sehen kann, wittern längst ein Verbrechen.

    Meine Meinung:

    Was für eine Wucht von einem Buch! Bin völlig überwältigt von so vielen Ereignissen, eigenartigen Charakteren, Müllhalden und mystischen Geschehnissen in Mr. Floods Messie-Haus, Füchsen und Katzen, verschwundenen Mädchen, Geheimnisse um Lebende und Tote und dazu noch untote Heilige, die dauernd auftauchen. Und Maud, Sozialbetreuerin des alten Mr. Flood und Hauptfigur in diesem Buch, lässt uns zwischendurch auch noch einen Blick in ihre Vergangenheit werfen, wo wir erfahren, dass ihr Schwester in ihrer Kindheit verschwunden ist.

    Wie man das alles zusammenkriegt, ohne übertrieben und kitschig zu wirken? Das ist die große Kunst der Autorin Jess Kidd, denn das Überzeugende an diesem Buch ist ihr bildhafter, oft auch poetischer Schreibstil gemischt mit überbordend viel Phantasie und dazu noch einer guten Portion Humor! Und zu alledem schafft sie es auch noch, eine Spannung reinzubringen, die den Leser bis zum Ende rätseln und vermuten lässt: Was ist passiert? Wer lügt? Wer führt was im Schilde und warum?

    Obwohl ich mehr die realistischen Geschichten mag und überhaupt kein Freund von Fantasy und so was bin, hat mich dieses Buch wirklich gepackt. Bereits im Vorgängerbuch "Der Freund der Toten" tauchten verstorbene Verwandten wie selbstverständlich in der Handlung auf. Hier sind es nun Heilige (mit verschiedenen klangvollen Namen und unterschiedlichen Funktionen, denen sie dienen, z. B. "St. Dymphna (Harmonie in der Familie, Wahnsinn und Ausreißer)"), die mich anfangs nicht überzeugen konnten, es kam mir ein wenig zu ähnlich mit dem anderen Buch vor. Aber im Laufe der Geschichte gewöhnte ich mich dran, sie gehörten einfach irgendwie dazu. Tauchten in Mauds Nähe auf und gaben ihr so manchen Ratschlag zur aktuellen Situation. Und das ist wieder der Schreibkunst der Autorin zu verdanken: diese Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit, mit der sie Heilige, Mystisches und Übersinnliches einbaut.

    Zum Inhalt, den vielen Spekulationen beim Lesen, die oft nicht absehbaren Wendungen, möchte ich nicht mehr verraten, denn das muss man wirklich selbst gelesen haben! Von mir eine volle Empfehlung für dieses spannende, phantasievolle, witzig-skurrile und erfrischend anders geschriebene Buch!

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    Hilou81s avatar
    Hilou81vor 18 Tagen
    Kurzmeinung: Mein absolutes Buchhighlight 2018
    When the saints go marching in...

    Zum Inhalt:
    Der frühere Antiquitäten- und Kuriositätenhändler Cathal Flood lebt nun seit dem Tod seiner Frau mutterseelenallein als Messie in dem großen alten Anwesen Briddlemere und vertreibt einen Sozialbetreuer nach dem Anderen, bis ihm die unerschrockene Maud Drennan zugeteilt wird. Anders als ihre Vorgänger kann sie sich gegen den alten Flood behaupten und versucht, wenigstens etwas Ordnung in das Chaos im verdreckten und zugemüllten Haus zu bringen. Doch bald darauf häufen sich seltsame Vorkommnisse, die Maud Schreckliches erahnen lassen. Geschah in dem alten Anwesen seinerzeit ein Verbrechen? Gemeinsam mit ihrer extraordinären Freundin Renata geht sie der Sache auf den Grund und wird dabei von einer Schar Heiliger begleitet, die nur Maud wahrnehmen kann...

    Meine Leseerfahrung:
    Das Buchcover verrät schon, wie geheimnisvoll und verworren die Geschichte um Briddlemere ist. Es lehnt zudem an das erste Werk von Jess Kidd an, das bereits auf der Krimibestenliste war. Dieser Roman hier hat meines Erachtens sogar Potenzial für den ersten Platz auf der Bestenliste und ist mein persönliches Buch-Highlight 2018. Der Schreibstil der Autorin ist unverblümt authentisch und lässt den Leser tief eintauchen in die Messiewelt des Cathal Flood, der sich einen Kampf gegen den Sozialdienst liefert, und die Gefühls- und Gedankenwelt von Maud Drennan, die mit ihren eigenen Geistern zu kämpfen hat. Jede Figur wird außerordentlich lebhaft dargestellt, jede Situation, ist sie noch so skurril, wird dermaßen real vor dem geistigen Auge, dass man sich als Leser völlig in der Geschichte verliert und nicht aufhören kann zu lesen. Insbesondere die poetisch angehauchte bildhafte Sprache und die überaus kreative Phantasie der Autorin machen aus dem Roman einen über alle Maßen befriedigenden Lesegenuss.

    Ich persönlich habe insbesondere die Gespräche zwischen dem alten Flood und Maud sehr genossen, die teils neckisch, teils liebevoll waren. Zudem waren die nur für Maud sichtbaren Heiligen, die sie kaum mal allein gelassen haben, ausgesprochen amüsant. Der Hauch von Sarkasmus, der sich durch das gesamte Buch zieht, schafft zusätzlichen Lesespaß. 

    Das Buch hat viel zu bieten: Eine spannende Kriminalgeschichte, die zu lösen ist, eine aufregende Geisterstunde, die auf gruselige Art und Weise Hinweise zum mutmaßlichen Fall liefert, eine prickelnde Lovestory, die zum Scheitern verurteilt ist, und viele facettenreiche Charaktere, mit denen der Leser auf eine humorvolle Art Bekanntschaft schließt.  


    Fazit: 
    Ein wahrhaft großartiges und sprachlich gewaltiges Meisterwerk von Jess Kidd, das mich gleich zum Fan der Autorin gemacht hat. Auf soviel kreative und lebhafte Phantasie kann man nur neidisch werden. Absolute Leseempfehlung! 

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    Archers avatar
    Archervor einem Monat
    I see dead saints

    Maud Drennan ist Irin, Sozialbetreuerin und in der Lage, tote Heilige zu sehen, was weiß Gott nicht immer die einfachste Angelegenheit ist, da die dazu neigen, sich ungefragt in Gespräche einzumischen. Ihr neuester Pflegefall ist Cathal Flood, ein alter, knorriger, mürrischer und möglicherweise gefährlicher Mann. Ist doch sowohl seine Frau unter merkwürdigen Umständen ums Leben gekommen als auch seine Tochter unter noch merkwürdigeren Verhältnissen verschwunden. Sein Haus ist eine Messiekatastrophe, und je mehr Maud entrümpelt, desto mehr enthüllen sich ihr, den Heiligen und ihrer neugierigen Vermieterin Geheimnisse, von denen einige hofften, dass sie für immer unter all dem Müll verschwunden geblieben wären.

    Jess Kidd hatte mich schon letztes Jahr mit ihrem Erstling "Der Freund der Toten" in den Bann gezogen. Und wie auch schon dort sind die Hauptprotagonisten eigentlich nicht die Lebenden, sondern die Toten, die sich ein wenig in die Angelegenheit der Lebenden einmischen. Auch hier ist die Sprache von einer Poesie, die ich noch in keinem anderen Buch gefunden habe und trotz des Fantasieanteils gibt es wenige Bücher, die authentischer wirken. Die Autorin hat ein Händchen für völlig skurrile Typen, ausgefallene Handlungen und einen Schreibstil, der andere in den Schatten stellt. Dies ist eine Lektüre, die man über die Jahre immer wieder lesen kann, um Neues zu entdecken und mit alten Freunden einen Tee zu trinken.

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    SharonBakers avatar
    SharonBakervor einem Monat
    Skurril, warmherzig und so geschickt erzählt ...

    Maud Drennan ist Sozialbetreuerin und bekommt einen besonders schweren Fall zugeteilt. Viele ihrer Kollegen haben schon aufgegeben und nun ist sie die letzte Chance von Cathal Flood. Ein alter Antiquitäten- und Kuriositätenhändler, der seit dem Tod seiner Frau allein lebt und sich alle Fremden mit Beschimpfungen und seinem überfluteten Messie-Anwesen vom Leib hält. Aber er hat die Rechnung ohne Maud gemacht, diese behält die Ruhe, geht mit einer Unerschrockenheit gegen Müll und Bewohner an und lässt sich nicht in die Flucht schlagen. Obwohl sie Bridlemere mehr als unheimlich empfindet und sie über einige Geheimnisse zu stolpern droht. Denn ihr werden Botschaften zugespielt und diese lassen vermuten, das Mr. Flood auch noch eine Tochter hatte. Aber wo ist sie? Und warum spricht er nicht von ihr? Tja, und was ist mit seinem Sohn? Denn diese Verbindung ist durch Hass durchwoben. Maud möchte am liebsten gar nix wissen, wird aber wegen ihrer Freundin zur Detektivin und bekommt Unterstützung von einigen Heiligen, die nur sie sehen kann.

    Ich habe mich schwer in das Debüt der Autorin verliebt gehabt und konnte die Freude kaum bändigen, als ich hörte, dass nun ein zweites Buch an den Start geht. Ihre Gesichten aus Geheimnissen, Menschenschicksalen und ihren Geistern sind so wunderbar sprachlich verstrickt und herrlich zu lesen. Nun steht also eine Sozialarbeiterin im Mittelpunkt und ihr folgt eine ganze Horde schrulliger Heiliger. Das wird bestimmt ein Spaß, und ob es einer wurde, erzähle ich euch nun.

    Maud Drennan ist in ihrem Job richtig gut und deshalb auch der letzte Versuch für Mr. Flood, bevor es sonst ins Altenheim geht. Sie bewahrt stoische ihre Ruhe, flippt nicht direkt aus und kämpft einfach unerbittlich weiter. Sie stellt sich Dreck, Müll und Mr. Flood im Weg, und ob er will oder nicht, so langsam zeigt es Wirkung. Dabei ist Maud alles andere als innerlich ruhig, denn auch sie hat eine Vergangenheit und ihr Päckchen zu tragen, das sie in Form einer Horde Heiliger hinterher rennt. Diese verstorbenen Märtyrer kann nur sie sehen und auch hören und das ist nicht immer toll. Und da sie nun für Übernatürliches empfänglich ist, bekommt sie in dem Haus Botschaften zugespielt. Zuerst erreicht sie auf ganz dramatischem Weg ein Foto, was ein Geschwisterpaar zeigt, wo das Gesicht des Mädchens ein Brandloch hat. Erst will sie es wegtun, aber dann zeigt sie es doch Renata, ihrer Vermieterin und Freundin und diese liebt Kriminalfälle. So kommt es, das sie beide anfangen detektivisch vorzugehen. Allerdings spitzt sich die Lage immer mehr zu und es tauchen nicht nur neue Botschaften auf, sondern auch Gewalt, dass ihre Ermittlung unterbinden soll. Aber sie ist nicht gewillt klein beizugeben und ihre Heiligen unterstützen sie dabei.

    Was soll ich sagen, klingt gut und ist gut. Ich mochte Maud unglaublich gern und das gilt irgendwie für alle Figuren im Buch, ob Gut oder Böse. Sie alle haben so eine tolle Aura und sind so liebevoll beschrieben und in Szene gesetzt, dass man sie einfach sieht und gern mehr Zeit mit ihnen hätte, als die Buchseiten hergeben. Dann die unglaubliche Wortwahl der Autorin, ihre Beschreibungen, ihre fast schon poetischen Verknüpfungen lassen einen einfach herrlich seufzen, dabei ist der Inhalt manchmal gar nicht nett. So gibt es schlimme Szenen und diese werden aber so unglaublich mit Worten geschildert, das man ein bisschen zwischen den Zeilen lesen muss, um die Genauigkeit zu bekommen, aber genau das macht das Magische an den Geschichten aus. Es sind nicht nur die Geister, sondern die Wörter. Aber auch die Geister haben es in sich, zynisch, schlecht launig und doch zauberhaft in ihrer Schrulligkeit. Ich bin immer wieder total entzückt, wie toll sie das alles hinbekommt und aus einem Familiendrama solch ein Hokuspokus erwachen lassen kann. Ah, ich habe noch den einzigartigen Mr. Flood vergessen zu erwähnen, aber ich glaube, denn muss jeder selber kennenlernen.

    Heilige und andere Tote ist wieder herrlich skurril, aber mit dem gewissen magischen Etwas, was einfach einmalig ist und wahnsinnig gut unterhält. Schicksale werden geheimnisumwoben verpackt und mit warmherzigen Figuren ausgestattet. Entdecken und mit rätseln wird inklusive mitgeliefert. Ach, ich möchte mehr, viel mehr, solcher magischen Bücher.

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    stefanbs avatar
    stefanbvor einem Monat
    Kurzmeinung: Einfach unglaublich was Jess Kidd hier für ein Werk präsentiert. Wenn man 2018 ein Buch gelesen haben muss, dann dieses!
    Hab keine Angst, unsere Geschichte zu erzählen

    "In Bridlemere zaudert die Zeit und weicht zurück, hustend und schlurfend. Hier verwest Geschichte lautlos, und Eleganz welkt höflich vor sich hin." [30]


    „Mr Cathal Flood, Künstler im Ruhestand, Maschinenbauingenieur und Kuriositätenhändler. Lebt allein in seiner herrschaftlichen, denkmalgeschützten viktorianischen Villa.“ [21] Früher war er mal ein richtiger „Satansbraten“ [15]. Obwohl, selbst heute ist er immer noch nicht viel ruhiger. Die Sozialarbeiterin und Protagonistin Maud soll ihn wieder zur Vernunft bringen und sieht sich dabei mit immer mehr auftauchenden Fragen konfrontiert. Zusammen mit ihrer Vermieterin Renata beginnt sie zu ermitteln, sich auf die Suche der Wahrheit zu begeben, denn überall im Haus scheinen verschlüsselte Botschaften zu warten.
    „Leichen sind wie Steine, Maud. Sie wollen gefunden werden…. Steine kommen immer an die Oberfläche.“ [99]

    Jess Kidd hat einen unglaublich einfallsreichen Schreibstil. Manches grenzt gar an Poesie. Sie schreibt so eindrucksvoll, voller Elan, bildgewaltig, dass man das Buch "Heilige und andere Tote" gar nicht aus der Hand legen kann, geschweige denn möchte. Manche Sätze liest man mehrmals, weil sie einfach so schön sind. Als Leser taucht man mit in Mauds „Welt“ ab und erlebt die faszinierende Geschichte als würde man durch ihre Augen blicken.
    Hin und wieder sind Spitzen zwischen den einzelnen Charakteren zu finden, welche den Leser zum Schmunzeln bringen und die Geschichte bzw. die Personen zum Leben erwecken. „Er mustert mich, den Mund vor Boshaftigkeit zusammengepresst.“ [9]
    Zugleich weiß Kidd die Charaktere sehr facettenreich und detailliert zu beschreiben. Kam zuvor noch eine gegen jemanden gerichtete boshafte Bemerkung, so folgt eine wohl durchdachte Aussage: „Eine Perle ist eine ewige Träne… ein umhüllter Schmerz.“ [20]. Maud und der alte Cathal analysieren einander, sie beobachten scharf und kombinieren gut.
    Ihren Ideenreichtum krönt Kidd mit den Heiligen. Diese kommunizieren mit Maud, helfen, geben Ratschläge und haben ganz schön viel Spaß in diesem Roman.
    „St. Valentine zeigt auf Sams Hinterteil, sieht mich an und hebt anerkennend einen Daumen.“[153]

    Das Buch ist so abwechslungsreich geschrieben, so pointiert, dass es eine ganz klare Leseempfehlung für 2018 ist.


    Die Überschrift „Hab keine Angst, unsere Geschichte zu erzählen.“ ist ein Zitat von Seite [284] des Buches.

    Kommentare: 4
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    Pusteblume85s avatar
    Pusteblume85vor einem Monat
    Yogines avatar
    Yoginevor einem Monat

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