Für mich weder Thriller noch glaubwürdig. Konstruiert, unlogische Figuren und sprachlich teils holprig.
Der Klappentext von „Die Touristin“ hat mich sofort angesprochen: Juno reist auf die griechische Insel Inios, um ihren leiblichen Vater zu finden. Dort angekommen, ziehen jedoch unheilvolle Bedrohungen am Horizont auf. Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Gegenwart, in der Juno auf Inios nach Antworten sucht, und aus der Vergangenheit, in der wir ihre Mutter Estelle in den 1980er-Jahren auf derselben Insel begleiten. Eigentlich eine vielversprechende Ausgangslage.
Mein größtes Problem begann allerdings schon mit der Genre-Einordnung. Das Hörbuch wird als Thriller vermarktet – genau den habe ich jedoch von der ersten bis zur letzten Minute vermisst. Stattdessen ist die Geschichte für mich eher eine Mischung aus Familiendrama und Liebesgeschichte. Wer diese Genres mag, wird hier möglicherweise eher auf seine Kosten kommen. Mich hat genau das jedoch zunehmend genervt, weil ich etwas völlig anderes erwartet hatte.
Hinzu kam, dass die Handlung auf mich über weite Strecken sehr konstruiert wirkte. Viele Entscheidungen der Figuren konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen. Immer wieder dachte ich: Kein Mensch würde sich in dieser Situation so verhalten. Dadurch fiel es mir schwer, die Geschichte ernst zu nehmen.
Ein Beispiel dafür ist Estelle, die ihre Tochter immer wieder eindringlich auffordert, Inios sofort zu verlassen – ihr aber gleichzeitig bis kurz vor Schluss keinen nachvollziehbaren Grund nennt. Dieses Muster wiederholt sich ständig. Dass Juno sich davon nicht überzeugen lässt, erscheint dagegen fast noch als die realistischste Reaktion des ganzen Romans.
Leider haben mich auch sprachliche Details immer wieder aus dem Hörfluss gerissen. An einigen Stellen wirkte die Übersetzung auf mich unnatürlich oder holprig. Formulierungen wie „Juno, welche …“ statt des im Sprachgebrauch üblichen „Juno, die …“ klangen für mich unnötig gestelzt und wenig flüssig.
Ehrlich gesagt habe ich mich während des Hörens häufig dabei ertappt, mich über die Geschichte zu ärgern. Dass ich das Hörbuch überhaupt beendet habe, lag letztlich vor allem daran, dass ich wissen wollte, ob es am Ende doch noch eine Wendung gibt, die meine Kritik relativiert. Das war für mich leider nicht der Fall.