Jesse Browner

 3.4 Sterne bei 5 Bewertungen

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Alles geschieht heute

Alles geschieht heute

 (5)
Erschienen am 01.07.2014

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Rezension zu "Alles geschieht heute" von Jesse Browner

Alles geschieht heute - aber leider nicht allzu viel interessantes
LaLecturevor 3 Jahren


Inhalt


Innerhalb eines Tages hat sich Wes' Leben komplett geändert. Gestern noch hatte er geglaubt, in Delia verliebt zu sein, doch warum hat er dann auf der Party mit Lucy geschlafen? Überhaupt, was genau ist das zwischen ihm und Delia und zwischen ihm und Lucy? Ist er jetzt ein anderer, als er gestern war?
Und während Wes versucht, den normalen Alltag - bestehend aus dem Pflegen seiner todkranken Mutter, dem Schreiben einer Hausarbeit und Zeit, die er mit seiner Schwester verbringen will - zu bewältigen, denkt er viel über diese neue Situation nach und darüber, wie es nun weitergehen soll.


Meinung

Während des Lesens wurde mir schnell klar, dass man dieses Buch im Grunde mit einem Satz zusammenfassen kann: Man kann es mit der Authentizität auch übertreiben.

"Alles geschieht heute" spielt nur an einem einzigen Tag im Leben des 17-jährigen Protagonisten Wes, einem Samstag nach einer Party, auf der er, statt mit Delia, in die er seit über einem Jahr verliebt ist, zu flirten mit Lucy geschlafen hat, von der es an der ganzen Schule heißt, sie sei leicht zu haben. Wes ist wütend auf sich selbst und macht sich viele Gedanken über das Geschehene, aber auch über seine Familie, da er viel Zeit mit seiner Schwester Nora und der Pflege seiner schwer kranken Mutter verbirgt. Abgesehen von gelegentlichen Rückblicken zum Vortag, die nach und nach erklären, was geschehen ist, folgt der Leser dabei hauptsächlich Wes' Tagesablauf und seinen vielen inneren Monologen, dann das Buch ist zwar in der dritten Person verfasst, wird jedoch von einem personalen Erzähler erzählt, der sich nur auf Wes' Gedanken und Gefühle konzentriert.

Wenn ihr hier sage "Gedanken", dann meine ich auch "Gedanken" und zwar jeden einzelnen, teilweise unzusammenhängenden, irrelevanten Gedanken, den ein Mensch so im Laufe des Tages hat. Natürlich beschäftigt Wes sich viel mit Delia und Lucy oder seiner Familie, doch man folgt auch zu großen Teilen seinen Analysen von "Krieg und Frieden", über das er eine Facharbeit schreiben soll, und anderen literarischen Werken oder sonstigen detaillieren Betrachtungen realer oder fiktiver Umstände und Personen. Es gibt einige Rückblicke auf frühere Momente in seinem Familienleben oder seiner Beziehung zu Delia, jedoch auch viele detaillierte Beschreibungen, deren Bedeutung für die Handlung sich bis zum Ende nicht erschließt.
Authentisch ist diese Art zu schreiben mit Sicherheit, denn wer schon selbst einmal ein wenig darauf geachtet hat, wie er denkt, wird die teilweise wirren Gedankensprünge und die Mischung aus Erinnerungen, Fantasie und philosophischen Gedanken vielleicht wiederkennen. Leider kann ich nicht behaupten, dass mich Wes' Gedankenwelt sonderlich gefesselt hätte. Während ich mich in Teilen noch wiedererkannt habe, habe ich mich die meiste Zeit bei einigen recht abgedrehten Gedanken, die für die Handlung scheinbar ohne Bedeutung waren, eher gelangweilt und musste mich besonders am Anfang und am Ende geradezu durch das Buch quälen.

Was die Handlung angeht, passiert in diesem Roman nicht viel, was aber auch kein Problem darstellt, da das Buch nunmal nur an einem einzigen Tag spielt, bei dem es vermutlich unrealistisch rüberkäme, wenn viel weltbewegendes passierte. Dadurch ist "Alles geschieht heute" eher das ruhige Porträt eines Teenagers, seiner Familie und seiner Auseinandersetzung mit seinem Leben und seinen Gefühlen.
Da sowohl Wes, den man durch die vielen detaillierten Einblicke in seine Gedanken gut kennenlernt, als auch seine Familie und Freunde authentisch und interessant rüberkommen - gebrochene und vom Leben gezeichnete, einzigartige Figuren - ist das sogar recht interessant, wäre es aber vermutlich noch mehr, wenn man das Buch um etwa 100 Seiten und eine Menge "Blabla" gekürzt hätte, das weder zur Handlung noch zur Zeichnung der Charaktere beiträgt.
Durch die vielen eher zähen Stellen fiel es leider schwer, die gelungene Grundidee und die tollen Figuren richtig zu würdigen.


Fazit


Worauf man sich bei "Alles geschieht heute" freuen kann: interessante, unperfekte Figuren, wie direkt aus dem Leben gegriffen, mit all ihren Problemen im alltäglichen Zusammenleben, und einen Protagonisten mit authentischen Gedanken, in deren wildem Durcheinander man sich ab und an wiederfindet.
Worauf man jedoch auch vorbereitet sein sollte: ellenlange innere Monologe und detaillierte Beschreibungen, die zur Handlung nicht unbedingt etwas beitragen und teilweise nur interessant sind, wenn man sich mit "Krieg und Frieden" oder der Zubereitung von Kalbsbries auskennt. Wirklich sehr lange Monologe. Und sehr wenig Handlung.
Ich persönlich musste mich durch den Roman leider eher quälen als dass ich ihn genießen konnte, weshalb ich nur 2 Sterne vergeben kann.

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Linsenliebes avatar

Rezension zu "Alles geschieht heute" von Jesse Browner

Gute Ansätze, die leider schlecht umgesetzt wurden
Linsenliebevor 4 Jahren

Man könnte sagen Wes ist ein ganz normaler Jugendlicher mit normalen jugendlichen Problemen aber das entspricht nur halb der Wahrheit. Das mit den Problemen ist richtig: Wes lebt mit seiner kleinen Schwester Nora, seinem Vater, den er wegen dessen gescheiterten Träume erfolgreicher Schriftsteller zu werden verachtet, und seiner sehr kranken Mutter zusammen und fühlt sich in der Pflicht, sich um Mutter und Schwester rund um die Uhr zu kümmern. 

Zudem ist Wes auch noch verliebt in Delia, die ihrerseits jedoch keinerlei Interesse an ihm zu haben scheint, das über eine Freundschaft hinaus geht. So hat er es sich zur Aufgabe gemacht, für Delia zu einem besseren Menschen zu werden. Denn er ist noch Jungfrau und möchte sein erstes Mal auf jeden Fall mit seiner Angebeteten verbringen - bis er sich auf der Party von Lucy wiederfindet und ungeplant mit ihr im Bett landet.

Wes ist aber eins ganz sicher nicht: ein ganz normaler Jugendlicher. Wes beschäftigt sich im Grunde genommen nur mit einer einzigen Sache: Sein Leben und dessen Bedeutung in die kleinsten Einzelteile zu zerlegen und zu analysieren.
 
"Alles geschieht heute" spielt sich an nur einem einzigen Tag ab, nämlich dem Tag nach der Nacht mit Lucy, die in Wes' Augen alles verändert hat. Wir erleben also mit Wes seinen Tag, in dem er sich um seine Schwester Nora und seine todkranke Mutter kümmert und eine Facharbeit für die Schule schreiben muss. Die Darstellung an nur einem Tag hat sicherlich ihre Reize. Vor allem wenn wirklich etwas passiert an diesem einen bestimmten Tag. Tut es aber leider in "Alles geschieht heute" nicht.

In diesem Buch soll es um Existenzängste von Jugendlichen gehen, um philosophische Gedanken und der Auseinandersetzung mit sich selbst. Den philosophischen Teil davon hat Jesse Browner meiner Meinung nach leider sehr übertrieben.

Ich hab dieses Buch bei Blogg dein Buch entdeckt und fand den Ansatz spannend, da ich mich auch gerne mit philosophischen Fragen auseinandersetze und ich der Meinung bin, dass jugendliche Existenzängste ein sehr gutes Thema für einen Roman ist. Allerdings hab ich diese Existenzängste nicht im Buch gefunden. Oder meine Definition von Angst ist eine völlig andere... 
  Wes verachtet sich dafür, dass er nicht stark genug war, sich für Delia "aufzusparen", gleichzeitig hält er sich aber auch für wahnsinnig intelligent. Die Schule unterfordert ihn, die Facharbeit die er neu schreiben soll, existiert eigentlich schon geschrieben in seinem Kopf bevor er den ersten Satz zu Papier bringt. Er will Schriftsteller werden, vermutlich um seinem Vater zu zeigen wie man es richtig macht, denn der veröffentlichte ein erfolgloses Buch und träumt von einer Autoren-Karriere.

Die Mutter ist schwer krank und pflegebedürftig, die kleine Schwester erschafft sich eine Parallelwelt mit einer "Therapieratte" Bobby, durch die sie spricht wenn sie etwas stört. Bei den beiden Punkten dachte ich, das Buch würde die Kurve kriegen doch leider wird weder über die Mutter noch über die Tochter auch nur ansatzweise genug berichtet. Die durch sie entstehenden Probleme werden zwar angerissen, es wird aber überhaupt nicht in die Tiefe gegangen. Auch Wes' Verhältnis zu seiner Mutter wird viel zu emotionslos und neutral beschrieben, ich konnte mich da nur an sehr wenigen Punkten in ihn hineinfühlen. Sehr schade, sind doch Schwester und Mutter die beiden Charaktere, die ich als einzige interessant fand.

Was mich auch beim Lesen ganz erheblich gestört hat war der Fließtext, in dem das Buch geschrieben ist. Es gibt keine Absätze, keine Kapitel, jeder Satz reiht sich an den nächsten und das macht das wieder-einsteigen in eine Seite, wenn man das Buch mal beiseite gelegt hat, wirklich schwer. Ich hätte im Vorfeld nicht gedacht, dass fehlende Absätze mich so demotivieren könnten.

Dazu Wes' Selbstmitleid, seine Arroganz allem bis auf Delia und seiner Schwester gegenüber, viele Bezüge auf Bücher, die ich nicht kenne... Das alles zusammen ergibt leider ein Buch, das mich zutiefst frustriert hat. Und gelangweilt. Bei dem ich Seiten übersprungen habe weil NICHTS passierte. Ein Buch, welches ich leider nicht empfehlen kann.
Deswegen gibt es von mir heute leider nur 1 von 5 Sternen.

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onion73s avatar

Rezension zu "Alles geschieht heute" von Jesse Browner

Absolut lesenswert!
onion73vor 4 Jahren

Dies ist eines der wenigen Bücher, in dem sich ein Autor mit dem Gefühlsleben eines Jungen nach dem für ihn beeindruckendsten und wichtigsten Erlebnis in der Pubertät - dem ersten Mal - auseinandersetzt. Leser erfahren sonst oft nur die Sicht der Mädchen in dieser Situation.
Anfangs brauchte ich eine Weile, mich in die Gedankenwelt von Wes hinein und die Zusammenhänge zu finden. Doch gerade diese Art von Jesse Browner und sein ganz eigener Schreibstil machen das Buch zu einem besonderen Lesegenuss.

Wes ist 17 und glaubt, zum ersten Mal wirklich verliebt zu sein. Dennoch verbringt er seine erste Nacht mit einem anderen Mädchen. Seine ohnehin nicht heile Welt gerät noch mehr aus den Fugen.
Mit einer pflegebedürftigen Mutter, einem in seiner eigenen Welt lebenden Vater und einer kleinen Schwester, deren Erziehung seit Jahren auf seinen schmalen Schultern lastet, hat er niemanden, den er um Rat fragen oder sich anvertrauen kann. Oft flüchtet er in eine Art Scheinwelt und vergleicht reale Ereignisse mit Episoden aus Tolstois "Krieg und Frieden". Zu meiner Schande muss ich gestehen, ich kenne nur die Verfilmung, habe aber das Buch bisher nicht gelesen. Doch das könnte sich in Zukunft ändern.

Philosophisch, poetisch und feinfühlig tauchen wir ein in die Gefühlswelt dieses Teenagers auf der Schwelle zum Erwachsen werden. Gefangen zwischen den Erlebnissen seiner Buchhelden und der Realität, manchmal ein wenig melancholisch, dann wieder nachdenklich, doch immer wieder positiv, sucht Wes nach Antworten. So viele Fragen und niemand, der ihm Antworten geben kann.
Er muss lernen, dass Dinge nicht immer so sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen und auch Lucy vielleicht anders ist, als er dachte. Wir erleben seine inneren Konflikte und unternehmen mit Wes eine Reise in die oftmals verwirrende Gedankenwelt eines Teenagers.

Wer Spannung und Abenteuer sucht, ist hier fehl am Platz. "Alles geschieht heute" ist ein Buch, das nachdenklich stimmt, ohne bedrückend zu wirken. Dafür erleben wir eine gefühlvolle und emotional berührende Geschichte eines Jungen, der innere Dämonen bezwingen und wichtige Entscheidungen für sich selbst treffen muss. Der ein Leben mit vielen Herausforderungen so gut wie nur möglich meistert und dabei versucht, die Gefühle anderer nicht zu verletzen.

Fazit:

Ein Buch vom Suchen und Finden, Familie, Freundschaft, erster Liebe und dem steinigen Weg erwachsen zu werden. Unbedingt lesen!

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