Jessica Andrews

 3,8 Sterne bei 13 Bewertungen

Lebenslauf

Jessica Andrews wuchs im nordenglischen Sunderland auf und hat seither an so verschiedenen Orten wie Paris, Donegal, Barcelona und London gelebt. Ihre Prosa und Gedichte erschienen unter anderem in Independent, Somesuch Stories, AnOther und bei Papaya Press. Sie unterrichtet Literatur- und Schreibkurse und ist Mitherausgeberin des Online-Magazins The Grapevine, das in Kunst und Literatur unterrepräsentierten Autor*innen Sichtbarkeit verleihen will. Und jetzt bin ich hier ist ihr erster Roman.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jessica Andrews

Cover des Buches Und jetzt bin ich hier (ISBN: 9783455010725)

Und jetzt bin ich hier

(9)
Erschienen am 05.05.2021

Neue Rezensionen zu Jessica Andrews

Cover des Buches Saltwater: Winner of the Portico Prize (English Edition) (ISBN: B07GDNCSD1)

Rezension zu "Saltwater: Winner of the Portico Prize (English Edition)" von Jessica Andrews

Ein LovelyBooks-Nutzer
Saltwater

Jessica Andrews' Romandebüt "Saltwater" bietet so viel: Die Sprache ist oftmals höchst poetisch und vermag es, die geschilderten Sinneseindrücke lebendig werden zu lassen - ich rieche und schmecke die Worte, das titelgebende Salz in der Luft und im Meer. 

Die Erzählstruktur ist experimentell, springt zwischen den Ereignissen und lässt dabei überraschende Verbindungen zwischen den jeweiligen Zeitebenen entstehen. 

Und auch die Themen selbst erscheinen vielversprechend: die Beziehung zwischen Mutter und Tochter, Alkoholismus und Depressionen, der Kontrast zwischen der Metropole London und dem Leben in Hafenstädten abseits des schillernden Zentrums sowie auch die Erfahrungen einer Arbeiter*innentochter als Literaturstudentin an einer Elite-Universität. 

Trotzdem: Überzeugen kann mich dieses Werk nicht, vielleicht gerade wegen der vielversprechenden Startvoraussetzungen und Rahmenbedingungen, des dadurch meiner Meinung nach kaum genutzten Potenzials. Ich habe beinahe das Gefühl, es wird sich auf der Wirkung der zunächst sehr soghaften Sprache ausgeruht, sodass die Handlung im Laufe des Buches immer weiter im Belanglosen, gar Beliebigen versandet. Die beim ersten Mal noch existenziell klingenden Überlegungen, während die Protagonistin über das Leben sinniert, unterscheiden sich kurz darauf stilistisch und inhaltlich kaum noch von gewollt tiefgründigen Instagram-Captions (ohne die Bedeutung dieser Plattform für innovative lyrische Formen untergraben zu wollen). 

Auch die Konflikte, die sich aus der spannenden Themenwahl ergeben, werden für meinen Geschmack kaum ausgestaltet. Daraus ergeben sich große Widersprüche, die der Lebenswelt der Protagonistin die Authentizität nehmen, obwohl dort ein großes Identifikationspotenzial für viele Leser*innen vorhanden gewesen wäre. Ja, es fehlt an Geld für das Leben in der Großstadt, für das teure Studium, das alle anderen durch ihre ebenfalls akademischen Eltern finanziert bekommen - und doch finden wir uns kurz darauf wieder in bestimmt nicht günstigen Eskapaden des Nachtlebens. Problematische Verhaltensweisen wie ein gestörtes Essverhalten sowie Alkoholmissbrauch erscheinen eher als stilistische Mittel, die immer wieder kurz angerissen werden, um eine bestimmte Atmosphäre hervorzurufen, ohne letztlich, ebenso wie die finanziellen Probleme, weitreichende Konsequenzen zu haben. Somit wird sich vor der Schwere der Themen eher gescheut, als dass sich ihrer angenommen wird. Und damit meine ich keine notwendige Lösung oder moralische Einordnung, sondern einfach viel mehr literarische Komplexität.

Möglicherweise verliere ich allein durch diese enttäuschende Bearbeitung irgendwann das Wohlwollen, um den übrigen Handlungssträngen und Gedankengängen zu folgen. Vielleicht liegt es aber auch einfach an der zunehmenden Redundanz und letztlich auch Oberflächlichkeit. 

"Saltwater" wurde in der Kritik hochgelobt und u.a. mit Sally Rooneys Werken verglichen. Doch für mich ist dieser Roman weit davon entfernt: Dafür mangelt es an Tiefe, der sprachlichen Direktheit, mit der es gelingt, ohne große Verschnörkelungen komplizierte Zusammenhänge aufzudecken sowie allen voran an der Rooney so eigenen Beobachtungsgabe für zwischenmenschliche Atmosphären, die zunächst nur subtil zu bemerken sind, und überhaupt am Mut, sich an alledem detailliert abzuarbeiten.

Auf kommende Arbeiten von Jessica Andrews bleibe ich trotzdem gespannt. Denn trotz meiner fehlenden Begeisterung für ihre erste Prosaveröffentlichung habe ich, siehe oben, große Hoffnungen, was künftige Werke anbelangt.


Cover des Buches Und jetzt bin ich hier (ISBN: 9783455010725)

Rezension zu "Und jetzt bin ich hier" von Jessica Andrews

Ein LovelyBooks-Nutzer
„Und jetzt bin ich hier“ von Jessica Andrews

>>Mit unseren Körpern fängt alles an. Haut an Haut. Mein Körper wird aus deinem geschleudert. Geschützt zusammen im violetten Dunkel gibt es gleich schon Raum zwischen uns. ...<<

„Und jetzt bin ich hier“ von Jessica Andrews ist eine Geschichte, die ich so habe nicht kommen sehen. Zum einen zeichnet dieses Buch sich sehr durch die besondere Erzählweise aus. Innerhalb von einer Art Notizen bzw. Tagebucheinträgen, die zeitlich nicht chronologisch angeordnet sind erfahren wir Lucy's Geschichte, bzw. tauchen hinab in ihre Seele. Mal lange, mal kurze Zeilen begegnen einem hier als Leser, doch immer ist die Last, die tiefe Melancholie, die Lucy prägte und nie wirklich losgelassen hat allgegenwärtig.
Für mich persönlich haben diese Leseschnipsel zu einem regelrechten Sog geführt, dem ich mich nicht entziehen konnte. Gleichzeitig hat diese Schwermut der Geschichte in Kombination mit den kraftvollen Zeilen auch sehr mein Gemüt beeinflusst und das hatte ich so nicht erwartet. Dieses Buch ist keines, was sich einfach so weglesen lässt, es hinterlässt irgendwie ganz viel und doch war es für mich auch wichtig mich auf eine Art zu lösen, um nicht zu sehr in Lucy's Lastenstrudel zu geraten.
„Und jetzt bin ich hier“ ist sicher nicht für jeden die richtige Lektüre, für mich war es insgesamt aber ein besonderes Leseerlebnis, dessen Empfindungen sich bei jedem hier denke ich ganz individuell gestalten und entwickeln werden.

>>Dass ich es nicht schaffe, die Menschen zu beschützen, die ich liebe, tut mir so weh im Herzen, dass meine ganze Brust grün und blau davon ist.<<

>>Ich ertrinke, still und leise. Seht, wie ich immer weniger werde.<<

Cover des Buches Und jetzt bin ich hier (ISBN: 9783455008210)
DerMedienbloggers avatar

Rezension zu "Und jetzt bin ich hier" von Jessica Andrews

DerMedienblogger
Fantastisch geschriebenes Werk voller feinfühlig formulierter Beobachtungen über die Suche nach sich selbst.

Selbstfindung ist ein populärer Zentralgedanke der zeitgenössischen Belletristik. Viele Autor*innen haben sich daran versucht, das Wort "ich" in seine Bestandteile auseinanderzunehmen, die eigene Identität zu entdecken und an ihr festzuhalten. Ist Persönlichkeit an Bedürfnisse, Verlangen und Ängste geknüpft? Wie stark prägen uns Mitmenschen im Handeln, Denken und Fühlen? Wer bin ich und was möchte ich erreichen? Dieser leicht umgewandelten Frage nach dem Sinn des Lebens widmet sich auch Jessica Andrews in ihrem Debütroman "Und jetzt bin ich hier". 


Die englische Schriftstellerin hat einen charakterstarken, unvergleichlichen Schreibstil, durch den sie ihre große Beobachtungsgabe und ihr Fingerspitzengefühl für Nuancen und Details unter Beweis stellt. Die Stimme der Protagonistin klingt ehrlich, authentisch und ungefiltert. Sie nutzt geschickt grammatikalische Strukturen als Ausdruck für Zuneigung und dem Grad der persönlichen Nähe zu Figuren. 


Der Text ist in zahlreiche, bruchstückhafte Mosaikteilchen gegliedert; die Kapitel beschäftigen sich mit je einer Assoziation, einem sinnlichen Eindruck oder einem bestimmten Verlangen. So gleicht das Buch teilweise mehr einer losen Aneinanderreihung epischer Anekdoten als einer konsequent fortlaufenden Handlung; es lädt zunächst eher zum Schmökern ein, als einen angenehmen Lesefluss zu ermöglichen. Es packte mich recht lange nicht und ich brauchte eine Weile, um mit dieser Struktur zurecht zu kommen. 


Die Autorin zieht einen geschickten Kontrast zwischen der stets pulsierenden und hektischen Stadt London und der trägen Natur Irlands. Zudem laufen mehrere verschiedene Handlungsstränge parallel nebeneinander, sodass hier räumliche und zeitliche Ebenen aufeinanderprallen. Das ist sehr klug gemacht.


Lucys Suche nach sich selbst ist ein authentischer Ausgangspunkt für den Roman, und durch den ruhigen, bedachten Erzählstil fühlte ich mich als Leser, der gerade in einer ähnlichen Lebenssituation steckt, ernstgenommen. Die liebevolle Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist ein rührender Dreh- und Angelpunkt des Werks, der eine der wenigen Konstanten sowohl in der Handlung als auch im Handeln der Protagonistin ist. 


Ich finde, dass das Buch teilweise ein wenig stringenter auf ein Ziel hätte hinarbeiten können. Teilweise treibt die Protagonistin zu lange nur im Strudel des Lebens, und durchgeht keinen persönlichen Fortschritt. Dadurch bleibt sie dem Lesepublikum lange befremdlich fern. Hier hätte ich mir mehr Mut zum Ausbrechen aus gewohnten Parametern gewünscht, um uns mehr mit auf den Weg zu geben. "Und jetzt bin ich hier" ist oftmals weniger tiefgründig, als es hätte sein können. 


Insgesamt ist es aber ein schönes, angenehm zu lesendes Buch, das in mir ein bestimmtes Gefühl in der Brust ausgelöst hat. Der Schreibstil ist sehr inspirierend, die Landschaften lösen in mir Kopfkino-Effekt aus. Ja, es wird nicht das gesamte Potenzial ausgeschöpft, aber für mich reicht es hier dennoch für eine kleine Leseempfehlung. 


«Und jetzt bin ich hier»
ist ein fantastisch geschriebenes Werk voller feinfühlig formulierter Beobachtungen über die Suche nach sich selbst. 

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