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Valabe

vor 1 Monat

(21)


"Den letzten Weg muss man stets allein bestreiten, du bleibst zurück, wirst im Herzen mich begleiten." Aus einem Gedicht von Danijel an Jessica

Danijel ist gutaussehend, intelligent und nicht auf den Mund gefallen. Er fährt ein teures Auto und die Mädels reißen sich darum ihm ihre Telefonnummer zu geben. Dieses Spiel gewinnt er immer. Doch Danijel, genannt Danny, steht keinesfalls auf der Sonnenseite des Lebens. Schon früh in seinem Leben wurde ihm dies auf grausame Art und Weise bewusst gemacht. Seine Kindheit war nicht so wie die anderer Kinder und auch die eigene Familie war nicht die, die man liebte und die einen selber liebte. Als er auf Jessica trifft, ist ihm zu Beginn noch nicht klar, wie sehr dies sein Leben verändern wird. Er weiß nur eines, sein Leben wird nicht all zu lange dauern, denn für ihn läuft die Zeit rückwärts…

„Dem Horizont so nah“ von Jessica Koch ist wohl das bisher persönlichste Buch, was ich gelesen habe. Es ist eine Erzählung und gleichzeitig auch Verarbeitung von Ereignissen, die sie in jungen Jahren in ihrer Beziehung mit Danny gemacht hat. Es dauerte 13 Jahre, bis Sie bereit war ihre Erlebnisse mit der Welt zu teilen. Sie lebt heute mit Mann in Ludwigslust und ist Mutter eines Sohnes. Ebenso sind noch erschienen „Dem Ozean so nah“ und „Dem Abgrund so nah“.

Die Geschichte von Jessica und Danny ist so grausam und traurig, wie nur das Leben selber sein kann. Als beide sich kennenlernen, ist Dannys Schicksal schon entschieden. Es geht für ihn nur noch um die Frage der Zeit, die er noch zur Verfügung hat. Jessica greift mit ihrem Buch eine Krankheit auf, die Betroffene oftmals in Schubladen steckt und bei Außenstehenden Abneigungen hervorruft. Durch ihre Geschichte erhält man Einblicke in die Krankheit, wie sie tatsächlich ist und was sie für Betroffene und Angehörige bedeutet. Sie zeigt auf, wie lebenswert das Leben dennoch sein kann, aber auch, wie schnell sich dies ändert. Aufgrund dessen erlebt man beim Lesen auch ein Wechselbad der Gefühle. Manche Situationen sind berührend und lustig zu gleich, andere hingegen rühren einen zu Tränen und oftmals habe ich mir versucht einzureden, dass dies doch nur ein Roman, eine fiktive Geschichte ist. Doch dies ist es leider nicht und dadurch bewegt einen als Leser dieses Buch auch wohl so emotional.

Der Schreibstil ist locker und wie aus dem Leben gegriffen. Meistens erzählt Jessica von ihren Eindrücken aus ihrer Beziehung, ihren Gedankengängen und geheimen Wünschen. Aber auch Danny und Christina, die beste Freundin von Danny, bekommen ihre eigenen Abschnitte. Das ganze Buch handelt über einen Zeitraum von etwas mehr als drei Jahren. Jessica war damals 17, Danny ein paar Jahre älter. Dadurch, dass es eine sehr persönliche Erzählung der Erlebnisse von damals ist, wiederholen sich hier und da manche Passagen inhaltlich, aber dies empfand ich nicht als störend. Die Art und Weise, wie Jessica das Erlebte schildert, ging mir nicht nur einmal unter die Haut und auch wenn man mit dem Lesen ahnt, wie ihre Geschichte endet, so hofft man dennoch auf ein kleines Wunder.

Ich habe dieses Buch mit nur wenigen Unterbrechungen gelesen, weil mich die Geschichte sehr gefesselt, berührt und auch sehr traurig gemacht hat. Sie hat mir öfters den Schlaf geraubt und zum Nachdenken angeregt. Jessica und Dannys Geschichte war so kurz wie sie auch gleichzeitig intensiv war. Es ist keine Liebesgeschichte im herkömmlichen Sinn, sondern leidenschaftlich, hoffnungsvoll und dennoch ohne happyend.

 

Autor: Jessica Koch
Buch: Dem Horizont so nah
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