Jessica Schwarzer

 3.6 Sterne bei 7 Bewertungen

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Geld, Macht und Legenden
Erscheint am 06.12.2018 als Taschenbuch bei Börsenbuchverlag.

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Jessica SchwarzerHin und Her macht Taschen leer?
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Hin und Her macht Taschen leer?
Hin und Her macht Taschen leer?
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Erschienen am 07.08.2017
Jessica SchwarzerEinfach erfolgreich anlegen
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 (2)
Erschienen am 02.12.2015
Jessica SchwarzerSell in May and go away?
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Sell in May and go away?
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 (2)
Erschienen am 25.07.2017
Jessica SchwarzerGierig. Verliebt. Panisch.
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Gierig. Verliebt. Panisch.
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Erschienen am 15.10.2014
Jessica SchwarzerGeld, Macht und Legenden
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Geld, Macht und Legenden
Geld, Macht und Legenden
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Erschienen am 06.12.2018

Neue Rezensionen zu Jessica Schwarzer

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R_Mantheys avatar

Rezension zu "Hin und Her macht Taschen leer?" von Jessica Schwarzer

"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen"
R_Mantheyvor einem Jahr

Ein solch bemerkenswerter Satz steht in der überarbeiteten Version des ersten Bandes von Frau Schwarzers kommentierten Börsenregeln. Angesichts des scheinbaren Durcheinanders an den Finanzmärkten und der für den Laien oft undurchschaubaren Reaktionen der Börsen scheinen solche angeblich ewigen Regeln wenigstens eine kleine Orientierungshilfe zu sein. Vielleicht erklärt sich so der Erfolg des ersten Buches. Tatsächlich aber steht im ersten Band dieser Reihe kaum eine wirklich nutzbare Information. Wenn man jedoch nicht weiß, wie solche Informationen tatsächlich aussehen, dann fällt das eben nicht auf. In diesem zweiten Teil ist das leider auch nicht anders.

Nach dem für Frau Schwarzer überraschenden Wahlsieg des derzeitigen US-Präsidenten vermutete sie, dass die US-Börsen dramatisch einbrechen werden. So liest man es in diesem Buch. Das Gegenteil trat ein, was für Frau Schwarzer wieder einmal der Beweis dafür war, dass Börsen irrational und keinesfalls logisch sind. Eine interessante Sichtweise, vielleicht ein wenig eigenwillig, weil man das auch ganz anders sehen kann und nicht unbedingt glauben muss, dass nur die eigene Logik zählt. Die US-Börsen haben einfach die Tatsachen etwas schneller adaptiert als Frau Schwarzer folgen konnte und sich an den für sie vermeintlichen aktuellen Vorteilen dieses Präsidenten orientiert.

Wenn man sich fragt, für wen dieses Buch eigentlich verfasst wurde, dann fallen einem nur Laien ein, die die tatsächlichen Mechanismen an den Finanzmärkten nicht wirklich verstehen. Die Autorin zitiert eine Studie, die zu der Erkenntnis kommt, dass "selbst gut informierte Anleger fragwürdige Entscheidungen treffen". Diesen Leuten, so Frau Schwarzer, würde eine Strategie fehlen. Damit entstehen sofort zwei Fragen, nämlich: Was ist eigentlich eine Strategie in diesem Zusammenhang und wie sieht eine solche praktisch aus? Darauf findet man in diesem Buch keine Antwort. Stattdessen trägt Frau Schwarzer intensiv zur Verwirrung bei. Ich möchte das an zwei Beispielen erklären.

Da wäre zum einen Warren Buffett. Auf dessen überaus erfolgreiche Strategie geht sie nicht wirklich ein, lobt Buffett aber über alle Maßen. Das ist zweifellos berechtigt. Doch Buffett ist unter anderem ein (um eine Wortwahl der Autorin zu benutzen) Schnäppchenjäger. Für Privatanleger wäre das jedoch nichts, weil es angeblich zu gefährlich ist. Die Autorin traut ihren Lesern also keineswegs zu, dass sie Buffetts Vorgehensweise nachmachen können. In der Tat würde sich das auch als nicht sehr einfach erweisen, denn Mungers und Buffetts Geschäftsmodell erweist sich als ein wenig komplexer als das gewöhnlich in der Börsenunterhaltungsliteratur dargestellt wird. Wozu erwähnt die Autorin dann aber Buffett ständig? In Wirklichkeit möchte sie wohl nur Geschichten erzählen und nicht praktische Vorschläge machen.

Das trifft auch zweitens auf einen weiteren Kandidaten zu, der schon im ersten Buch eine Rolle spielte, nämlich auf Markowitz und seine Portfolio-Theorie. Man solle nicht alle Eier in einen Korb legen, sondern auf hinreichend viele verteilen. Um es hochtrabender auszudrücken: Man solle sein Portfolio diversifizieren. Und an dieser Stelle wird es nun wirklich lustig. Abgesehen davon, dass Frau Schwarzers Favorit Buffett das genau nicht macht, schreibt sie auch noch, dass die Theorie von Markowitz durch die letzte Finanzkrise ad absurdum geführt wurde. Kurz danach folgt dann die Empfehlung: "Mittel- und langfristig orientierten Anlegern bleibt tatsächlich nichts anderes übrig, als sich weiter auf Markowitz zu verlassen und ihre Investments breit zu streuen." Das ist irgendwie modern: Wir wissen, dass Gott nicht existiert, glauben aber trotzdem an ihn.

Es geht aber noch lustiger weiter. Was heißt denn nun breit streuen? Siebzig Seiten später steht: "Verteilen Sie das Risiko deshalb auf viele Einzeltitel. Manche Experten empfehlen mindestens zehn, andere lieber zwanzig und mehr." Und weil man dann wirklich den Überblick verliert, empfiehlt die Autorin ETFs und Fonds. Die Börse würde langfristig steigen. Aber der nächste "Schwarze Schwan" kommt bestimmt, heißt es auch in diesem Buch. Was tut man dann? Eigentlich kann man gar nichts machen, denn Frau Schwarzer ist der Überzeugung, dass sich ein Crash nicht ankündigt. Auch darüber kann man trefflich streiten. Die einen sehen so etwas, die anderen eben nicht. Soll man bei einem Crash aussteigen oder auf die Langfristigkeit setzen? Man weiß das auch nach der Lektüre dieses Buches nicht wirklich, denn für beide Varianten findet man bei Frau Schwarzer Argumente.

Mit solchen Büchern wird genau das unterstützt, was die oben erwähnte Studie bemerkt hatte, nämlich das Fehlen einer profitablen Strategie. Das Einzige, was Frau Schwarzer in diesem Zusammenhang zustande bringt, ist die Empfehlung, langfristig zu denken und zu handeln. Das mag vor dreißig oder vierzig Jahren noch gestimmt haben, nicht jedoch heute, denn auch die Autorin hat inzwischen realisiert, dass wir es mit einer völlig veränderten Lage zu tun haben. Was das wirklich bedeutet, scheint sie aber ihren Lesern vorenthalten zu wollen oder es vielleicht selbst nicht zu wissen.

In diesem Buch stehen noch einige andere merkwürdige Aussagen, auf die ich nicht im Detail eingehen kann. Beispielsweise behauptet die Autorin, dass es kein überragendes Ergebnis ohne erhöhtes Risiko geben würde. Das ist in dieser Allgemeinheit einfach falsch. Auch hier könnte man auf Warren Buffett verweisen. Das Problem liegt jedoch bereits in der Definition von Risiko, die in diesem Zusammenhang fehlt. Risiko, so zitiert die Autorin Buffett, entsteht, wenn man nicht weiß, was man tut. Das ist jedoch ein anderes Risiko als das, was man messen kann, etwa durch die Volatilität einer Aktie. Wer sich dafür interessiert, dass man auch mit einem wohldefinierten Risiko hohe Renditen erzielen kann, sei auf das Buch High Returns from Low Risk: Der Weg zum eigenen stabilen Aktien-Portfolio verwiesen.

Frau Schwarzers Buch trägt nicht wirklich zur Erhellung bei, sondern reiht sich eher in die schier endlose Reihe praktisch nutzloser Börsenunterhaltungsliteratur ein. Wenn man nichts weiter erwartet, kann einem das Buch sogar gefallen, denn immerhin enthält es neben sachlich falschen oder diffusen Aussagen auch einige ganz informative Geschichten.

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R_Mantheys avatar

Rezension zu "Gierig. Verliebt. Panisch." von Jessica Schwarzer

So einfach ist das also: "Bleiben Sie einfach gelassen und Sie werden ein besserer Anleger!"
R_Mantheyvor 3 Jahren

Mit dieser Anweisung wird man als Leser dieses Buches auf Seite 236 entlassen. Das ist also das endlich gelüftete Geheimnis, "wie Anleger ihre Emotionen kontrollieren und Fehler vermeiden". Man sagt sich einfach, nun sei mal schön gelassen, und dann klappt das schon mit den Börsengewinnen. Super, oder?

Natürlich steht noch mehr in diesem Buch. Wer gerne Börsenbücher liest, sich dadurch unterhalten fühlt und glaubt, dass er damit von Experten beraten wird, der wird mit diesem Buch sicher glücklich werden. Doch in Wirklichkeit hat dieser Text - wie übrigens die meisten solcher Bücher - keinen wirklichen praktischen Nutzen. Dazu ist es einfach im Ansatz und in der Ausführung zu flach angelegt. Und bei allem Respekt ist die Autorin auch keine Psychologin, noch kann sie mit tiefer gehenden Kenntnissen des Börsenhandels glänzen.

Was also findet man in diesem Buch? Zunächst ein Vorwort des Fernsehjournalisten Markus Koch. Danach beklagt die Autorin im 2. Abschnitt, dass die Deutschen keine Aktienkultur besitzen würden. Mit diesem komischen Wort meint man gewöhnlich, dass hierzulande der Aktienbesitz nicht besonders verbreitet ist und sichere Geldanlagen bevorzugt werden. Langfristig würden jedoch Aktienanlagen erfolgreich sein. Dazu darf man den Dax bewundern, der von unter 1000 Punkten (1987) kommend in diesem Jahr die 10.000 Punkte erreicht hat.

Rückwärts gesehen ist die Welt immer wunderbar einfach zu erklären, denn dann gibt es keine Unsicherheit mehr. Dass zwischendrin Verluste von mehr als 50% mitgenommen werden mussten, spielt angesichts der nun erreichten Höhen keine Rolle mehr. Man könnte neben den Dax ja auch mal den Chart der Deutschen Telekom präsentieren, um deutlich zu machen, dass es wohl ganz so einfach dann vielleicht doch nicht ist. Denn wenn es so wäre, warum empfiehlt die Autorin dann nicht einfach den Kauf eines Wertpapiers, das dem Dax 1:1 folgt? So etwas gibt es schließlich, und damit wäre ganz nebenbei auch ihr Buch völlig überflüssig.

Im dritten Abschnitt wird gleich in der Überschrift behauptet, dass "die Börse zu 90% aus Emotionen bestehen" würde. Wer hat das denn gemessen, und wie vor allem? Für wen gilt diese in Wirklichkeit frei erfundene Behauptung? Wenn ich von einer Sache nämlich überhaupt keine Ahnung habe, nützt mir auch die größte Gelassenheit nichts. Unter diesen Umständen besteht die Börse für mich aus 100% Ahnungslosigkeit.

Dann kommt der "Homo oeconomicus" ins Spiel, der ideale, stets streng rational handelnde Anleger, denn es natürlich nicht gibt, der aber von Ökonomen nur dazu erfunden wurde, um gewisse Theorien zu entwickeln, die nichts mit der Realität zu tun haben. Beispielsweise die "Theorie von den effizienten Märkten", die spätestens mit der letzten Finanzkrise ihren Offenbarungseid ablegen musste.

Wie zahlreiche Menschen in der Finanzwelt begreift auch die Autorin nicht, wie solche fragwürdigen, aber mit Preisen überhäuften Theorien überhaupt entstanden sind. Nicht ihre Wirklichkeitsnähe war das Kriterium, sondern allein die Möglichkeit, überhaupt etwas ausrechnen zu können. Und das klappt bisher eben nur bei (unrealistischen) Annahmen, die auf lineare Modelle führen. Solche Modelle schließen immer Rückkopplungen aus, die jedoch typisch für Märkte sind.

Nachdem sie dem Leser klar gemacht hat, dass es den stets rational handelnden Anleger nicht gibt, beschreibt die Autorin einige der typischen Fehler, die entstehen, wenn man an der Börse ohne eine erwiesenermaßen profitable Strategie und damit natürlich auch ohne Disziplin handelt. Man könnte nun auf die Idee kommen, dass man nur mental stark (oder eben gelassen) werden müsste, und schon klappt alles. Das ist natürlich Unsinn. Was aber eine erfolgreiche Anlagestrategie sein soll, findet man in diesem Buch nicht. Die Autorin vermag auch nicht die unterschiedlichen Risiken zu benennen, die bei einer Aktienanlage bestehen.

Für einige Anleger entsteht Risiko allein schon dadurch, dass sie in Wirklichkeit nicht wissen, was sie tun. Etwas völlig anderes ist das Risiko, das in der Anlage selbst steckt. Denn auch bei einer nachweislich profitablen Anlagestrategie existiert ein statistisch messbares Risiko, mit dem umzugehen man erst einmal lernen muss. Und erst hier stimmt möglicherweise der Kalenderspruch, dass fast alles an der Börse Psychologie ist. Aufschluss darüber liefert übrigens das berühmte Turtle-Experiment, bei dem einige ausgewählte Leute ein vollständiges (also von Computern handelbares) System traden durften. Die meisten dieser Auserwählten waren mental nicht in der Lage, diesem System zu folgen, während der Gewinner dieses Experiments sein Ausgangskapital mehr als verzehnfachte.

Im Hauptteil dieses Buches werden dann zehn Typen von Anlegern beschrieben (der Gierige, der Spieler, der Größenwahnsinnige, der Mitgerissene, der Hektische, der Verdränger, der Verliebte, der Leichtgläubige, der Ängstliche, der Panische). Das liest sich ganz unterhaltsam, trifft aber die Wirklichkeit nicht ganz, denn tatsächlich wird es diese Typen in Reinkultur nicht geben. Jeder, den das betrifft, ist wohl eher eine Mischform dieser Typen.

Danach folgen Ratschläge, wie man "Emotionen kontrollieren und Fehler vermeiden" kann. Man soll sich nicht von Angst und Gier leiten lassen, liest man dort. Das kommt nun nicht gerade unerwartet. Doch wenn man sich das einfach sagen kann, warum ist es dann dennoch ein Problem, über das man Bücher schreiben muss?

Erst einmal sollte man das Risiko der Ahnungslosigkeit beseitigen. Dann nämlich verschwindet manches wie von selbst. Doch dazu findet man in diesem Buch nichts. Stattdessen wiederholt die Autorin ihre merkwürdige Behauptung, dass es kaum noch Trends gibt, und wenn doch, dann würde man sie zu spät sehen und ihr Ende verpassen. Alles ginge heutzutage so fürchterlich schnell. Dass dies blanker Unsinn ist, lehrt allein schon ein Blick auf den Dax oder den MDax. Und natürlich findet man Trends immer und überall und auch auf allen Zeitebenen. Man muss eben nur lernen, sie zu sehen und ihnen zu folgen. Wenn man das nicht kann oder nicht will, sollte man wenigstens nicht auch noch andere mit der eigenen verzerrten Wahrnehmung verwirren.

Erfahrungsgemäß wird auch dieses Buch wieder zahlreiche begeisterte Leser finden. Es ist sicher auch ganz unterhaltsam geschrieben, denn das ist sein eigentlicher Zweck. Es vermittelt jedoch (auch wenn das möglicherweise nicht gleich zu erkennen ist) keinerlei Erkenntnisse, die es dem Leser ermöglichen würden, zu einer nachhaltigen Verhaltensänderung zu gelangen. Dafür aber nährt es wie die meisten solcher Bücher die Illusion, man hätte schon etwas geändert, nur weil man glaubt, etwas verstanden zu haben.

Ernsthaft betriebener Börsenhandel dokumentiert wie selten eine andere Tätigkeit harte Wahrheiten über die eigene Mentalität. Das Konto lügt nicht, und man kann sich deshalb schlecht etwas vormachen. Allgemeinplätze oder Kalendersprüche helfen bei der Problemlösung allerdings höchst selten, denn die entsprechenden Probleme haben immer eine sehr individuelle Vergangenheit und können deshalb auch nur individuell behoben werden. Wenn jemand unter Wutanfällen leidet, kann man ihm zwar raten, doch nicht immer Wutanfälle zu kriegen, ein solcher Ratschlag wird aber eventuell nur den nächsten Anfall hervorrufen.

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R_Mantheys avatar

Rezension zu "Sell in May and go away?" von Jessica Schwarzer

Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder bleibt wie es ist
R_Mantheyvor 3 Jahren

Die Börse ist für viele Menschen ein verwirrender Ort. Und weil das so ist, suchen sie nach irgendwelchen feststehenden Regeln. Doch solche Regeln gibt es nicht, jedenfalls nicht in der Form, wie sie in diesem Buch diskutiert werden.

Im Klappentext erfährt man zunächst einmal, dass in diesem Buch die bekanntesten Börsenweisheiten analysiert und überprüft werden. Es würde sich dabei um bekannte "Gesetze" der großen Investoren handeln, die Grundlagenwissen für jeden Anleger darstellen und für Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen interessant seien. In Wirklichkeit hat man jedoch einen recht diffusen Text mit sich nicht selten offen widersprechenden Aussagen vor sich, aus dem man kaum etwas wirklich Nützliches entnehmen kann.

Geradezu typisch für das ganze Buch ist der dritte Abschnitt, in dem die Regel "Lege nicht alle Eier in einen Korb" diskutiert wird. Gemeint ist mit dieser Aussage, dass man sein Depot diversifizieren soll. Dieses Ziel erreiche, "wer wenig korrelierte, also wenig voneinander abhängige Anlageklassen mischt und damit unterschiedliche Risiken zu verringern versucht." In diesem Zusammenhang erwähnt die Autorin die Portfolio-Theorie des Nobelpreisträgers Markowitz, die sowieso kein normaler Anleger versteht. Das muss er auch nicht, denn ein paar Absätze weiter stellt sie dann fest, dass diese schöne Theorie mit dem Lehman-Debakel 2008 praktisch ad absurdum geführt wurde, wie viel andere Schönwetter-Theorien auch.

Der Höhepunkt dieses ganzen Abschnitts folgt jedoch am Ende. Dort erwähnt die Autorin schließlich, dass Markowitz selbst seine ausgeklügelte Methode niemals angewandt hat. Er legte einfach die Hälfte seines Geldes in Aktien, die andere in Anleihen an. Aber es kommt noch schlimmer: Warren Buffett, der in diesem Buch immer wieder als Maßstab für alle Anleger herhalten muss, hat sich niemals an diese Theorie gehalten (die übrigens auch auf einer völlig falschen Annahme beruht), sondern genau das Gegenteil gemacht, wie viele andere erfolgreiche Anleger auch. Das alles hält die Autorin jedoch nicht davon ab, darauf zu bestehen, dass "gerade langfristig orientierte Anleger" an der Eier-Regel festhalten sollten.

Hat man nun gedacht, dass dieser unfreiwillig komische Abschnitt eine Ausnahme darstellt, dann trifft einen Abschnitt 5 mit voller Härte. Wenn es überhaupt eine Regel an der Börse gibt, dann lautet sie "The Trend is your friend". Sie wird in diesem Abschnitt diskutiert. Jeder, der auch nur ein wenig vom Börsenhandel versteht, muss nun sehr tapfer sein, denn jetzt kommt es ganz dick. Zunächst behauptet die Autorin, dass es zunehmend schwerer fällt, einen Trend auszumachen. Die Märkte werden immer volatiler, die Abstürze immer heftiger, und bevor man einen Trend erkannt hätte, wäre er auch schon wieder vorbei.

Dann wird ein Fondmanager zitiert, der davon überzeugt ist, dass dieser Börsenregel "der praktische Anwendungsnutzen" fehlt. Ein paar Sätze später kommt ein Mannheimer Finanzwirtschafts-Professor zu Wort, der verkünden darf: "Trends gebe es nicht, es sehe immer nur im Nachhinein so aus." Da fällt einem doch glatt die Kinnlade nach unten. Manchmal hilft einfach ein Blick auf die Wirklichkeit. Nehmen wir zum Beispiel den MDax. Vom Frühjahr 2003 bis zum Frühjahr 2006 legte er ohne wirkliche Rücksetzer die Strecke von etwas über 3000 bis knapp 9000 Punkte zurück. Dieser Trend hält bis heute faktisch an, wobei es allerdings zwischendurch einige heftige Turbulenzen gab, die man aber mit einem geübten Blick und einer vernünftigen Risiko-Intoleranz früh genug erkennen konnte. Heute steht dieser Index bei über 16.000. Die Aussagen der Autorin, dass es zunehmend schwieriger sei, solche Trends zu finden und zu nutzen, sind einfach falsch.

Wenn man aber nun denkt, sie würde diese Regel ablehnen, dann kommt nun die verwirrende Kehrtwende. Plötzlich geht sie auf Charts und technische Indikatoren ein, allerdings auf einem naiven Niveau. Sie erwähnt eine MACD-Trendfolgestrategie, bei deren konsequenter Umsetzung Investoren "in den vergangenen gut 20 Jahren etwa zehn Prozent pro anno im Plus" waren. Erst gibt es keine Trends, dann sind sie schwer zu finden und schon wieder vorbei, wenn man sie gerade entdeckt hat - und nun das? Alles zusammen kann ja wohl nicht gelten.

Wer immer noch nicht genug hat, der sollte den Abschnitt "Greife nie in ein fallendes Messer" lesen und ihn mit "Seid gierig, wenn andere ängstlich sind, und seid ängstlich, wenn andere gierig sind" vergleichen. Oder er kann die Abneigung der Autorin für Stop-Loss-Kurse, die nichts für langfristig denkende Investoren seien, zu ihrer Warnung in Kontrast setzen, dass Anleger viel zu lange bei ihren Verlustbringern bleiben.

Neben diesen vielen Widersprüchen neigt die Autorin auch zu einer seltsamen Logik, denn sie schließt daraus, dass die meisten Anleger aus bestimmten Vorgehensweisen nur Verluste oder weniger Gewinne als anderswie erwirtschaften, dass diese Strategien nicht funktionieren würden. Es geht aber genau andersherum. Wenn nur ein Mensch nachhaltig und dauerhaft aus einer Strategie Profit herausholt, dann funktioniert sie. Das heißt aber nicht, dass jeder das nachvollziehen kann. Diejenigen, die dauerhaft und nachhaltig profitabel an den Börsen agieren, haben sich das in der Regel hart und kostspielig erarbeitet.

Dieses Buch ist ein reichlich naiver Text, der mit seinen zahlreichen Sowohl-als-auch-Aussagen mehr verwirrt als nützt. Nicht alles in ihm ist falsch, aber nur wenig erweist sich als wirklich hilfreich.

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