Jessica Schwarzer Gierig. Verliebt. Panisch.

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Inhaltsangabe zu „Gierig. Verliebt. Panisch.“ von Jessica Schwarzer

Unsere Psyche spielt uns gerne Streiche. Auch an der Börse stolpern wir regelmäßig über mentale Fallstricke. Sind wir im Plus, wollen wir dieses Gefühl konservieren – und verkaufen viel zu früh. Sind wir im Minus, wollen wir es nicht wahrhaben und bleiben auf Verlusten so lange sitzen, bis aus einem kleinen Minus ein dicker Krater im Depot geworden ist. Keine
Bange – so geht es den meisten. Schuld sind Emotionen wie Gier, Panik, Verliebtheit oder Ignoranz, die auch vor unserem Geld nicht haltmachen.
Handelsblatt-Journalistin Jessica Schwarzer zeigt in ihrem neuen Buch, in welche Psychofallen Anleger am häufigsten tappen und mit welchen Mitteln sie sich vor sich selbst schützen können.

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  • So einfach ist das also: "Bleiben Sie einfach gelassen und Sie werden ein besserer Anleger!"

    Gierig. Verliebt. Panisch.

    R_Manthey

    15. August 2015 um 15:56

    Mit dieser Anweisung wird man als Leser dieses Buches auf Seite 236 entlassen. Das ist also das endlich gelüftete Geheimnis, "wie Anleger ihre Emotionen kontrollieren und Fehler vermeiden". Man sagt sich einfach, nun sei mal schön gelassen, und dann klappt das schon mit den Börsengewinnen. Super, oder? Natürlich steht noch mehr in diesem Buch. Wer gerne Börsenbücher liest, sich dadurch unterhalten fühlt und glaubt, dass er damit von Experten beraten wird, der wird mit diesem Buch sicher glücklich werden. Doch in Wirklichkeit hat dieser Text - wie übrigens die meisten solcher Bücher - keinen wirklichen praktischen Nutzen. Dazu ist es einfach im Ansatz und in der Ausführung zu flach angelegt. Und bei allem Respekt ist die Autorin auch keine Psychologin, noch kann sie mit tiefer gehenden Kenntnissen des Börsenhandels glänzen. Was also findet man in diesem Buch? Zunächst ein Vorwort des Fernsehjournalisten Markus Koch. Danach beklagt die Autorin im 2. Abschnitt, dass die Deutschen keine Aktienkultur besitzen würden. Mit diesem komischen Wort meint man gewöhnlich, dass hierzulande der Aktienbesitz nicht besonders verbreitet ist und sichere Geldanlagen bevorzugt werden. Langfristig würden jedoch Aktienanlagen erfolgreich sein. Dazu darf man den Dax bewundern, der von unter 1000 Punkten (1987) kommend in diesem Jahr die 10.000 Punkte erreicht hat. Rückwärts gesehen ist die Welt immer wunderbar einfach zu erklären, denn dann gibt es keine Unsicherheit mehr. Dass zwischendrin Verluste von mehr als 50% mitgenommen werden mussten, spielt angesichts der nun erreichten Höhen keine Rolle mehr. Man könnte neben den Dax ja auch mal den Chart der Deutschen Telekom präsentieren, um deutlich zu machen, dass es wohl ganz so einfach dann vielleicht doch nicht ist. Denn wenn es so wäre, warum empfiehlt die Autorin dann nicht einfach den Kauf eines Wertpapiers, das dem Dax 1:1 folgt? So etwas gibt es schließlich, und damit wäre ganz nebenbei auch ihr Buch völlig überflüssig. Im dritten Abschnitt wird gleich in der Überschrift behauptet, dass "die Börse zu 90% aus Emotionen bestehen" würde. Wer hat das denn gemessen, und wie vor allem? Für wen gilt diese in Wirklichkeit frei erfundene Behauptung? Wenn ich von einer Sache nämlich überhaupt keine Ahnung habe, nützt mir auch die größte Gelassenheit nichts. Unter diesen Umständen besteht die Börse für mich aus 100% Ahnungslosigkeit. Dann kommt der "Homo oeconomicus" ins Spiel, der ideale, stets streng rational handelnde Anleger, denn es natürlich nicht gibt, der aber von Ökonomen nur dazu erfunden wurde, um gewisse Theorien zu entwickeln, die nichts mit der Realität zu tun haben. Beispielsweise die "Theorie von den effizienten Märkten", die spätestens mit der letzten Finanzkrise ihren Offenbarungseid ablegen musste. Wie zahlreiche Menschen in der Finanzwelt begreift auch die Autorin nicht, wie solche fragwürdigen, aber mit Preisen überhäuften Theorien überhaupt entstanden sind. Nicht ihre Wirklichkeitsnähe war das Kriterium, sondern allein die Möglichkeit, überhaupt etwas ausrechnen zu können. Und das klappt bisher eben nur bei (unrealistischen) Annahmen, die auf lineare Modelle führen. Solche Modelle schließen immer Rückkopplungen aus, die jedoch typisch für Märkte sind. Nachdem sie dem Leser klar gemacht hat, dass es den stets rational handelnden Anleger nicht gibt, beschreibt die Autorin einige der typischen Fehler, die entstehen, wenn man an der Börse ohne eine erwiesenermaßen profitable Strategie und damit natürlich auch ohne Disziplin handelt. Man könnte nun auf die Idee kommen, dass man nur mental stark (oder eben gelassen) werden müsste, und schon klappt alles. Das ist natürlich Unsinn. Was aber eine erfolgreiche Anlagestrategie sein soll, findet man in diesem Buch nicht. Die Autorin vermag auch nicht die unterschiedlichen Risiken zu benennen, die bei einer Aktienanlage bestehen. Für einige Anleger entsteht Risiko allein schon dadurch, dass sie in Wirklichkeit nicht wissen, was sie tun. Etwas völlig anderes ist das Risiko, das in der Anlage selbst steckt. Denn auch bei einer nachweislich profitablen Anlagestrategie existiert ein statistisch messbares Risiko, mit dem umzugehen man erst einmal lernen muss. Und erst hier stimmt möglicherweise der Kalenderspruch, dass fast alles an der Börse Psychologie ist. Aufschluss darüber liefert übrigens das berühmte Turtle-Experiment, bei dem einige ausgewählte Leute ein vollständiges (also von Computern handelbares) System traden durften. Die meisten dieser Auserwählten waren mental nicht in der Lage, diesem System zu folgen, während der Gewinner dieses Experiments sein Ausgangskapital mehr als verzehnfachte. Im Hauptteil dieses Buches werden dann zehn Typen von Anlegern beschrieben (der Gierige, der Spieler, der Größenwahnsinnige, der Mitgerissene, der Hektische, der Verdränger, der Verliebte, der Leichtgläubige, der Ängstliche, der Panische). Das liest sich ganz unterhaltsam, trifft aber die Wirklichkeit nicht ganz, denn tatsächlich wird es diese Typen in Reinkultur nicht geben. Jeder, den das betrifft, ist wohl eher eine Mischform dieser Typen. Danach folgen Ratschläge, wie man "Emotionen kontrollieren und Fehler vermeiden" kann. Man soll sich nicht von Angst und Gier leiten lassen, liest man dort. Das kommt nun nicht gerade unerwartet. Doch wenn man sich das einfach sagen kann, warum ist es dann dennoch ein Problem, über das man Bücher schreiben muss? Erst einmal sollte man das Risiko der Ahnungslosigkeit beseitigen. Dann nämlich verschwindet manches wie von selbst. Doch dazu findet man in diesem Buch nichts. Stattdessen wiederholt die Autorin ihre merkwürdige Behauptung, dass es kaum noch Trends gibt, und wenn doch, dann würde man sie zu spät sehen und ihr Ende verpassen. Alles ginge heutzutage so fürchterlich schnell. Dass dies blanker Unsinn ist, lehrt allein schon ein Blick auf den Dax oder den MDax. Und natürlich findet man Trends immer und überall und auch auf allen Zeitebenen. Man muss eben nur lernen, sie zu sehen und ihnen zu folgen. Wenn man das nicht kann oder nicht will, sollte man wenigstens nicht auch noch andere mit der eigenen verzerrten Wahrnehmung verwirren. Erfahrungsgemäß wird auch dieses Buch wieder zahlreiche begeisterte Leser finden. Es ist sicher auch ganz unterhaltsam geschrieben, denn das ist sein eigentlicher Zweck. Es vermittelt jedoch (auch wenn das möglicherweise nicht gleich zu erkennen ist) keinerlei Erkenntnisse, die es dem Leser ermöglichen würden, zu einer nachhaltigen Verhaltensänderung zu gelangen. Dafür aber nährt es wie die meisten solcher Bücher die Illusion, man hätte schon etwas geändert, nur weil man glaubt, etwas verstanden zu haben. Ernsthaft betriebener Börsenhandel dokumentiert wie selten eine andere Tätigkeit harte Wahrheiten über die eigene Mentalität. Das Konto lügt nicht, und man kann sich deshalb schlecht etwas vormachen. Allgemeinplätze oder Kalendersprüche helfen bei der Problemlösung allerdings höchst selten, denn die entsprechenden Probleme haben immer eine sehr individuelle Vergangenheit und können deshalb auch nur individuell behoben werden. Wenn jemand unter Wutanfällen leidet, kann man ihm zwar raten, doch nicht immer Wutanfälle zu kriegen, ein solcher Ratschlag wird aber eventuell nur den nächsten Anfall hervorrufen.

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