Sell in May and go away?

von Jessica Schwarzer 
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Was die Börsenweisheiten von Kostolany, Buffett und Co. heute noch taugen!

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Inhaltsangabe zu "Sell in May and go away?"

Schlaftabletten, politische Börsen, fallende Messer – jeder Börsianer kennt die Weisheiten von Kostolany, Buffett und Co. Viele davon gelten noch heute, bei anderen ist es dringend an der Zeit, sie der neuen Börsenrealität anzupassen. Die Börse hat sich seit André Kostolanys Zeiten gewandelt, heftige Turbulenzen sind an der Tagesordnung. Was taugen die traditionellen Regeln in diesem Umfeld also noch? Jessica Schwarzer untersucht Börsenweisheiten auf ihre Aktualität und Praxistauglichkeit. Sie zeigt, was Börsianer aus den Sprüchen ableiten können und wie sie das Wissen der Altmeister für ihren Anlageerfolg nutzen können.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783864704666
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:240 Seiten
Verlag:Börsenbuchverlag
Erscheinungsdatum:25.07.2017

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    R_Mantheys avatar
    R_Mantheyvor 3 Jahren
    Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder bleibt wie es ist

    Die Börse ist für viele Menschen ein verwirrender Ort. Und weil das so ist, suchen sie nach irgendwelchen feststehenden Regeln. Doch solche Regeln gibt es nicht, jedenfalls nicht in der Form, wie sie in diesem Buch diskutiert werden.

    Im Klappentext erfährt man zunächst einmal, dass in diesem Buch die bekanntesten Börsenweisheiten analysiert und überprüft werden. Es würde sich dabei um bekannte "Gesetze" der großen Investoren handeln, die Grundlagenwissen für jeden Anleger darstellen und für Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen interessant seien. In Wirklichkeit hat man jedoch einen recht diffusen Text mit sich nicht selten offen widersprechenden Aussagen vor sich, aus dem man kaum etwas wirklich Nützliches entnehmen kann.

    Geradezu typisch für das ganze Buch ist der dritte Abschnitt, in dem die Regel "Lege nicht alle Eier in einen Korb" diskutiert wird. Gemeint ist mit dieser Aussage, dass man sein Depot diversifizieren soll. Dieses Ziel erreiche, "wer wenig korrelierte, also wenig voneinander abhängige Anlageklassen mischt und damit unterschiedliche Risiken zu verringern versucht." In diesem Zusammenhang erwähnt die Autorin die Portfolio-Theorie des Nobelpreisträgers Markowitz, die sowieso kein normaler Anleger versteht. Das muss er auch nicht, denn ein paar Absätze weiter stellt sie dann fest, dass diese schöne Theorie mit dem Lehman-Debakel 2008 praktisch ad absurdum geführt wurde, wie viel andere Schönwetter-Theorien auch.

    Der Höhepunkt dieses ganzen Abschnitts folgt jedoch am Ende. Dort erwähnt die Autorin schließlich, dass Markowitz selbst seine ausgeklügelte Methode niemals angewandt hat. Er legte einfach die Hälfte seines Geldes in Aktien, die andere in Anleihen an. Aber es kommt noch schlimmer: Warren Buffett, der in diesem Buch immer wieder als Maßstab für alle Anleger herhalten muss, hat sich niemals an diese Theorie gehalten (die übrigens auch auf einer völlig falschen Annahme beruht), sondern genau das Gegenteil gemacht, wie viele andere erfolgreiche Anleger auch. Das alles hält die Autorin jedoch nicht davon ab, darauf zu bestehen, dass "gerade langfristig orientierte Anleger" an der Eier-Regel festhalten sollten.

    Hat man nun gedacht, dass dieser unfreiwillig komische Abschnitt eine Ausnahme darstellt, dann trifft einen Abschnitt 5 mit voller Härte. Wenn es überhaupt eine Regel an der Börse gibt, dann lautet sie "The Trend is your friend". Sie wird in diesem Abschnitt diskutiert. Jeder, der auch nur ein wenig vom Börsenhandel versteht, muss nun sehr tapfer sein, denn jetzt kommt es ganz dick. Zunächst behauptet die Autorin, dass es zunehmend schwerer fällt, einen Trend auszumachen. Die Märkte werden immer volatiler, die Abstürze immer heftiger, und bevor man einen Trend erkannt hätte, wäre er auch schon wieder vorbei.

    Dann wird ein Fondmanager zitiert, der davon überzeugt ist, dass dieser Börsenregel "der praktische Anwendungsnutzen" fehlt. Ein paar Sätze später kommt ein Mannheimer Finanzwirtschafts-Professor zu Wort, der verkünden darf: "Trends gebe es nicht, es sehe immer nur im Nachhinein so aus." Da fällt einem doch glatt die Kinnlade nach unten. Manchmal hilft einfach ein Blick auf die Wirklichkeit. Nehmen wir zum Beispiel den MDax. Vom Frühjahr 2003 bis zum Frühjahr 2006 legte er ohne wirkliche Rücksetzer die Strecke von etwas über 3000 bis knapp 9000 Punkte zurück. Dieser Trend hält bis heute faktisch an, wobei es allerdings zwischendurch einige heftige Turbulenzen gab, die man aber mit einem geübten Blick und einer vernünftigen Risiko-Intoleranz früh genug erkennen konnte. Heute steht dieser Index bei über 16.000. Die Aussagen der Autorin, dass es zunehmend schwieriger sei, solche Trends zu finden und zu nutzen, sind einfach falsch.

    Wenn man aber nun denkt, sie würde diese Regel ablehnen, dann kommt nun die verwirrende Kehrtwende. Plötzlich geht sie auf Charts und technische Indikatoren ein, allerdings auf einem naiven Niveau. Sie erwähnt eine MACD-Trendfolgestrategie, bei deren konsequenter Umsetzung Investoren "in den vergangenen gut 20 Jahren etwa zehn Prozent pro anno im Plus" waren. Erst gibt es keine Trends, dann sind sie schwer zu finden und schon wieder vorbei, wenn man sie gerade entdeckt hat - und nun das? Alles zusammen kann ja wohl nicht gelten.

    Wer immer noch nicht genug hat, der sollte den Abschnitt "Greife nie in ein fallendes Messer" lesen und ihn mit "Seid gierig, wenn andere ängstlich sind, und seid ängstlich, wenn andere gierig sind" vergleichen. Oder er kann die Abneigung der Autorin für Stop-Loss-Kurse, die nichts für langfristig denkende Investoren seien, zu ihrer Warnung in Kontrast setzen, dass Anleger viel zu lange bei ihren Verlustbringern bleiben.

    Neben diesen vielen Widersprüchen neigt die Autorin auch zu einer seltsamen Logik, denn sie schließt daraus, dass die meisten Anleger aus bestimmten Vorgehensweisen nur Verluste oder weniger Gewinne als anderswie erwirtschaften, dass diese Strategien nicht funktionieren würden. Es geht aber genau andersherum. Wenn nur ein Mensch nachhaltig und dauerhaft aus einer Strategie Profit herausholt, dann funktioniert sie. Das heißt aber nicht, dass jeder das nachvollziehen kann. Diejenigen, die dauerhaft und nachhaltig profitabel an den Börsen agieren, haben sich das in der Regel hart und kostspielig erarbeitet.

    Dieses Buch ist ein reichlich naiver Text, der mit seinen zahlreichen Sowohl-als-auch-Aussagen mehr verwirrt als nützt. Nicht alles in ihm ist falsch, aber nur wenig erweist sich als wirklich hilfreich.

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    PLASSENs avatar
    PLASSENvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Was die Börsenweisheiten von Kostolany, Buffett und Co. heute noch taugen!
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