Das Buch hat mich berührt, weil diese Art des Kummers vielleicht heute auch noch hie und da auftreten mag - doch für eine junge Frau im Dänemarkt des 19. Jahrhunderts wiegt das Sujet umso schwerer, weil ihr sehr lange gar nicht klar wird, warum oder woran sie so leidet ...
Frederikke ist unsterblich in den klugen, witzigen, stilvollen Arzt Frederik, für den sie sogar ihr Verlöbnis löst.
Er verehrt auch sie, trägt sie quasi auf Händen. Schon vor Beginn der Ehe macht er ihr ein Angebot, das sie jedoch in seiner Tragweite nicht völlig erfasst: Er wird sie nicht nur lieben, sondern ihr auch jegliche "Freiheiten" lassen! Worin diese "Freiheiten" bestehen könnten (gemeint sind sexuelle), ist ihr nicht klar.
Das junge Paar ist auch glücklich miteinander, versteht sich blendend, er fördert auch ihre intellektuellen Neigungen. Nur eines macht sie zunehmend krank: Christian interessiert sich nicht für sie als Frau!
Nach und nach gewahrt sie die überaus enge Freundschaft Frederiks zu seinem Mitarbeiter, noch länger dauert es, bis sie begreift, dass die beiden Männer eine Beziehung führen und ihre Sehnsucht nach auch körperlicher Nähe zu ihrem geliebten Mann sich nie erfüllen wird.
Die Geschichte ist langsam anschwellend, nie voyeuristisch oder banal erzählt; man fühlt Frederikkes Kummer selbst.
Jette Kaarsbol
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Das Versprechen der Ehe
Neue Rezensionen zu Jette Kaarsbol
Mal Lust auf ein so richtig deprimierendes Buch? Ein Buch, das für Beklemmungen sorgen kann? Bei dem man aber trotzdem nicht aufhören kann mit Lesen?
Dann empfehle ich auf jeden Fall „Das Versprechen der Ehe“von Jette Kaarsbøl. Mehrfach preisgekrönt wurde der Roman zu einem literarischen Überraschungserfolg. Das wundert mich nicht. Jede dieser Auszeichnungen ist sicherlich verdient.
Ich jedenfalls musste immer weiterlesen, ich konnte nicht aufhören, obwohl mir das Leiden der Heldin fast das Herz zerrissen hat.
Man muss sich das auch mal vorstellen: Dänemark im 19. Jahrhundert. Die junge Frederikke Leuenbech - unsicher, schüchtern, zurückhaltend – löst plötzlich die Verlobung zu dem langweiligen Theologiestudenten Christian. Allein das ist schon ein Skandal! Durch ihn hatte sie eine andere Welt kennen gelernt. Eine schillernde, fröhliche und unkonventionelle. Er hat darin nichts zu suchen, er war nur mit einem Mann aus dieser Gruppe in der Schule. Er fühlt sich nicht wohl unter diesen Menschen. Frederikke schon. Denn hier lernt sie den Arzt Frederik Faber kennen und sofort verliebt sie sich. Sie ist Feuer und Flamme und als er ihr die Ehe anbietet, sagt sie sofort „Ja“. Sie denkt gar nicht darüber nach, was das bedeutet. Er erklärt ihr genau, dass er eine Frau braucht als Arzt, aber dass er ihr keine Liebe bieten kann. Trotzdem heiraten sie.
Frederik gibt seiner Frau alles – Haus, Geld, Kleidung, Schmuck und Freiheit. Aber das, was sie will, bekommt sie nie. Er fasst sie nicht an. Sie wird immer nur unglücklicher und versteht die Welt nicht mehr.
Bis wir erfahren, wie sie zu der verbitterten Alten werden konnte aus deren Perspektive das Buch oft erzählt, sind viele Seiten zu lesen, aber die sind so aufwühlend und spannend, dass man das Ende gar nicht erwarten kann.
Natürlich verrate ich hier nichts, nur so viel, das Ende ist erschütternd…
Jette Kaarsbøl hat gleich mit ihrem Debütroman »Das Versprechen der Ehe« in Dänemark einen Bestseller gelandet. Dafür erhielt sie den Dänischen Buchhandelspreis »Goldener Lorbeer«. Piper hat nun in seiner neuen Nordiska-Reihe ihren Roman auch auf Deutsch veröffentlicht.
Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, die Ende des 19. Jahrhunderts zwischen ihrem Traum vom eigenen Glück und den damals gültigen gesellschaftlichen Konventionen steckt. Ich muss gestehen, dass ich vom Einband und dem Titel des Buches her eher etwas zurückhaltend war, bin ich doch keine Freundin von großen Liebes-, und Herz-Schmerz-Romanen. Ich las im Buchladen also erstmal vorsichtig in das Buch hinein und wurde dann doch neugierig. Das Buch kam mit und nun habe ich es gelesen und es hat mir gut gefallen. Es trieft beileibe nicht vor Romantik etc.
Es gelingt Jette Kaarsbøl ein eindrückliches Abbild der dänischen städtischen Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts zu vermitteln. Sachlich zeigt sie wie unterschiedliche Lebensauffassung (Stadt und Provinz, alte und junge Generation, Fortschrittsglaube und Religion etc.) aufeinander prallen.
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