Jewgenij Grischkowez

 3.7 Sterne bei 15 Bewertungen
Autor von Das Hemd, Flüsse und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Jewgenij Grischkowez

Jewgenij GrischkowezDas Hemd
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Das Hemd
Das Hemd
 (14)
Erschienen am 12.04.2011
Jewgenij GrischkowezFlüsse
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Flüsse
Flüsse
 (1)
Erschienen am 11.03.2010
Jewgenij GrischkowezPlanka
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Planka
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Jewgenij GrischkowezSledy na mne. Spuren auf mir, russische Ausgabe
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Sledy na mne. Spuren auf mir, russische Ausgabe
Jewgenij GrischkowezGod IIizni. Ein Jahr Leeeben, russische Ausgabe
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Jewgenij GrischkowezRubaschka. Das Hemd, russische Ausgabe
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Rubaschka. Das Hemd, russische Ausgabe
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Erschienen am 23.07.2008

Neue Rezensionen zu Jewgenij Grischkowez

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Rezension zu "Flüsse" von Jewgenij Grischkowez

Rezension zu "Flüsse" von Jewgenij Grischkowez
Wolkenatlasvor 9 Jahren

Überzeugende Analyse der sibirischen Seele

Nach Jewgenij Grischkowezs sensationellem Debütroman "Das Hemd" liegt nun beim bewundernswerten Ammann Verlag das nächste Werk des in Kaliningrad lebenden Autors vor.

"Flüsse" ist ein starker 170 Seiten langer Text, der seinem Titel mehr als gerecht wird. Der 1967 in Kemerowo (Sibirien) geborene Jewgenij Grischkowez lässt seinen Protagonisten, der möglicherweise ein alter ego des Autors ist, oder auch nicht, über seine sibirische Kindheit und Schulzeit sinnieren, über skurrile Jagdausflüge mit Freunden des Vaters des Protagonisten und archäologische Erfahrungen mit Studienkollegen nachdenken und liefert dem Leser einen von Idee zu Idee frei fließenden Lesegenuss.

Vieles, wie auch das Dorfleben kommt bei Jewgenij Grischkowez nicht gut weg; obschon die Möglichkeit besteht, dass sich der Protagonist ironisch selbst aufs Korn nimmt.

"Ich verstehe nicht, und weiß nicht, wie man auf dem Dorf leben kann. Mir erscheint das Leben auf dem Dorf unerträglich schwer, vor allem grundlos schwer. Diese Sonnenauf- und Sonnenuntergänge, schneeweißer Nebel über dem Fluss, der einen heißen Tag ankündigt, aus diesem Nebel heraus das Brummen eines Motorboots, man hält die Angel in der Hand, und hinter einem muht, klappert, kräht das Dorf ... All das erfreut lediglich den fürs Wochenende angereisten Stadtmenschen ..."

Mit einer ordentlichen Portion subtilen Humors legt Grischkowez die Seelenzustände und die durch die Sowjetzeit bedingten Ängste eines waschechten Sibiriers dar und erklärt unter Anderem quasi nebenbei, wieso eine Schapka-Uschanka (Anm. typische russische Kopfbedeckung) auf dem Kopf eines US-Amerikaners unter keinen Umständen natürlich aussehen kann und wieso man sibirische Stechmücken meiden und sibirische Pelmeni und Borscht genießen sollte.

Heitere Gedanken des Protagonisten zu Italien, inklusive Form, Menschen, Kultur und der Küche wechseln sich mit ebensolchen Gedanken zum klischeehaften Urlaubs eines Sibiriers (egal ob allein, oder nicht) im Süden, sowie einer großen Portion Nostalgie über eine vergangene und verlorene Zeit ab.

Er kennt sich auch mit der in Sibirien (und Russland) üblichen üppigen und unvermeidlichen Gastfreundlichkeit der Sibirier (und Russen) aus.

"Auf einmal möchte der Pole oder Ungar, ganz zu schweigen vom Belgier oder Österreicher, der mit dem Gefühl nach Sibirien gekommen ist, gewissermaßen von der gesicherten Höhe der Zivilisation herabgestiegen zu sein, gar nicht mehr so dringend nach Hause zurückkehren. Na klar! Wo sonst auf der Welt geht an einem einzigen Abend dermaßen die Post ab? Wo sonst wird man ihn über alles und jedes ausfragen, sich so brennend für seine Meinung interessieren und ihm so aufmerksam zuhören? Wo sonst wird man ihm so oft und bedeutungsvoll die Hand drücken? Wann sonst wird er so viele, ihm nicht ganz verständliche Trinksprüche zu seinen Ehren zu hören bekommen? Wo sonst wird man aus irgendeinem Anlass seinetwegen ein solche Festmahl auftischen und so viel Wodka trinken? ..."

Dass es in Sibirien Bären en masse geben soll, ist anscheinend eines der meistverbreiteten Gerüchte und unwahren Klischees, die über Sibirien im Umlauf sind, denkt der Protagonist, bis er selbst einem großen braunen Bären begegnet. Eine Begegnung, die ihm jedoch kein Sibirier abnimmt.

Mit Verlauf der Erzählung merkt man, dass Jewgenij Grischkowezs Humor und Selbstironie nur die vordergründige Schicht einer beeindruckenden Erzählung ist, die bei genauem Lesen einen wirklich starken, von russischer Schwermut durchtränkten Text freigibt, der unter Anderem versucht, die Identität und Stellung des Protagonisten, quasi als "Sibirier per se" in der heutigen Welt, mit der Last des zwanzigsten Jahrhunderts auf dem Rücken, zu definieren.

Absolute Empfehlung.

(Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at, Roland Freisitzer; 03/2010)

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Rezension zu "Das Hemd" von Jewgenij Grischkowez

Rezension zu "Das Hemd" von Jewgenij Grischkowez
Wolkenatlasvor 10 Jahren

Ein brillanter Debutroman, ein großartiger Moskau-Roman

Jewgenij Grischkowez und "Das Hemd". Ein Debutroman... und was für einer. Ein Moskau-Roman. Ein Tag im Leben des Architekten Sanja (Alexander), der seinen Freund Max vom Flughafen abholt (zuerst aber das Kapitel, in dem Sanja aufwacht- ich konnte mir bis jetzt nicht vorstellen, dass man das Aufwachen so lebendig, farbenreich und faszinierend beschreiben kann), der einen Auftrag an einen (französischen) Kollegen (und Freund) verliert, der auf einer Baustelle aufräumt (im übertragenen Sinne...), der den ganzen Tag lang von einem schwarzen Mercedes verfolgt wird, der abenteuerliche Taxifahrten erlebt, der mit Max philosophiert, trinkt und feiert und in einen Autounfall verwickelt wird. Ach ja, da ist noch etwas, Sanja ist, und das ist furchtbar wichtig, er ist furchtbar verliebt, nämlich in SIE- in SIE, die er einige Male getroffen hat, die nicht (oder doch?) frei ist, auf deren Anruf er wartet, an SIE, die ständig in seinen Gedanken kreist, an SIE, in die er sich so verliebt hat wie noch nie...
Nun, das klingt vielleicht kitschig? Ist es bei Gott nicht. Jewgenij Grischkowez schafft das Kunststück, vielleicht deshalb, weil SIE eine abstrakte Figur bleibt, eine Figur, die für den Leser nur in den Gedankenströmen Sanjas und einigen Telefonaten existiert.
Ja, Leopold Bloom stand hier Pate (bzw. der Schöpfer des Leopold Bloom), trotzdem ist "Das Hemd" ein originelles, literarisches Kunstwerk geworden, ein Roman, der groß ist, ohne es sein zu wollen. Durchgehend von einem (nie aufdringlichen) Humor geprägt, den man so nur in Russland, vor allem in Moskau finden wird. Ein Roman, der in jeder Hinsicht einfach "Moskau ist". Großartig übersetzt ist dieser Roman auch, und dem Ammann Verlag sei gedankt, ein so sorgfältig lektoriertes Buch habe ich schon lange nicht mehr in der Hand gehabt. In jeder Hinsicht ist dieses Buch ein Genuss.

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T

Rezension zu "Das Hemd" von Jewgenij Grischkowez

Rezension zu "Das Hemd" von Jewgenij Grischkowez
toschvor 10 Jahren

Ein Tag im Leben des Mauskauer Architekten Sanja. Vom Erwachen aus bewußtlosem Schlaf bis zum Fallen in denselben. Dazwischen? Freude, Ärger, Katastrophen - in Freundschaft, Liebe, Arbeit. Viel Philosophisches, Lebenweisheitliches und noch viel mehr Alkohol (zum Ende hin).
Wer die russiche Seele liebt (wie ich), keine hohe Literatur erwartet (das Buch ist kein "Bloomsday") und sich nicht von der schlechten Übersetzung das Lesen verederben lässt, soltte zugreifen: einige kurzweilige Stunden sind sicher.
Ja und das Hemd? - Eine der weniger gelungenen Metaphern.
Weitere Fragen? Was hat es mit den Träumen von Krieg und Seeenot auf sich? Warum wird überhaupt soviel geträumt? Und warum werden einmal bestellte Getränke mehrfach serviert? - Ich weiß es bloß auch nicht.

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