Jill Alexander Essbaum Hausfrau

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Inhaltsangabe zu „Hausfrau“ von Jill Alexander Essbaum

Wohin geht eine Frau, wenn es keinen Weg zurück gibt? Anna Benz, eine Amerikanerin Ende dreißig, lebt mit ihrem Schweizer Ehemann Bruno und ihren drei kleinen Kindern in einem Postkarten-Vorort Zürichs. Von außen betrachtet führt sie ein komfortables Leben, im Inneren bricht sie auseinander ...

Spannend, leider sind die Charaktere zu sehr von Klischees durchzogen. Zudem sind Pathetik und Passivität der Titelheldin kaum zu ertragen.

— Volpona

Eine Geschichte, die noch lange nachwirkt ...

— Funkpeter

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  • Die tragische Geschichte einer Ehefrau

    Hausfrau

    Funkpeter

    11. December 2016 um 11:57

    Die Geschichte der Anna und ihrer Familie, ihre Sorgen und Nöte und ihr Leben – oder besser gesagt ihr Leiden im Speziellen –, all das hätte die amerikanische Autorin Jill Alexander Essbaum nicht besser beschreiben können: Das Buch und alles, was Essbaum in die über 300 Seiten voller Spannung, Erotik, Erfahrungen, Höhen und Tiefen dieser Mittdreißigerin in die Schweiz zugereisten Amerikanerin gepresst hat, spricht sicherlich so manchen Lesenden direkt, oft unvermittelt und nachhaltig an. Und gerade das macht dieses literarische Werk so faszinierend, ja einmalig. Es macht betroffen, lässt mitfühlen, und die Leserin oder den Leser bisweilen auch zu intensiv an dieser Geschichte teilhaben. Wer glaubt, es möge sich noch alles zum Guten wenden für Anna, für Ihre Familie überhaupt, der wird enttäuscht. An ein Happy End ist gar nicht zu denken, je weiter die Geschichte fortschreitet. Es kommt eben anders und ist vorhersehbar, dass etwas zwangsläufig eskalieren wird. Die „Bösen“ werden bezahlen – notfalls mit ihrem Leben oder ihrer Freiheit; die Anständigen gefeiert. Und Bruno, der Ehemann von Anna, ist der Anständige, der alles richtig macht und in seiner Naivität mehr oder weniger in sich gefangen ist und glaubt, ein guter Ehemann für Anna zu sein. Obwohl Anna noch nicht mal über ein eigenes Bankkonto verfügt. Zu den „Anständigen“ gehören alle anderen, die sich  letztlich vergeblich um das Wohl von Anna gekümmert haben. Ob sie es ernsthaft meinten oder nicht, sei dahingestellt. Einige von ihnen hätten sich nichts sehnlicher gewünscht, als mit Anna eine Affäre zu haben, auch wenn sie wussten, dass sie verheiratet war… Die tragische Geschichte von Anna und ihrer Familie bedient dann doch einige Klischees, ist normentreu und macht mehrfach deutlich, wie Frau und Mann funktionieren oder zu funktionieren haben. Frauen haben nicht fremd zu gehen, sie haben sich um ihre Familie zu kümmern und „anständig“ zu sein, sie haben die Aufgaben zu erfüllen, die ihnen übertragen worden sind und ihre eigenen Emotionen, Bedürfnisse und Nöte hinten an zu stellen. Schließlich gilt es zu funktionieren und dem Ernährer allzeit zur Verfügung zu stehen. Das Aktionsfeld der Frau ist klar umrissen, man(n) zeigt ihr deutliche Grenzen, die sie tunlichst nicht überschreiten sollte, wie die Geschichte über Anna uns lehrt. Haben es da die Männer nicht etwas einfacher? Gilt es nicht als männertypisch, hier und da mal fremd zu gehen, der Ehefrau alle Illusionen zu nehmen – natürlich unausgesprochen, dass sie im Verbund der Ehe nicht allein existiert, ganz der Tradition verpflichtet? Freudenhäuser sind für Männer da. Frauen sind die Dienstleisterinnen und nicht umgekehrt. Das hat Tradition. Die Rollenverteilung ist klar. Und Jill Alexander Essbaum hat mit diesem Roman genau diese Klischees bedient, hat sich brav an diese Konventionen gehalten und letztlich die sonst so liebe und um Zärtlichkeiten, Nähe, Wärme, Zuneigung und Geborgenheit buhlende Anna alternativlos und in höchster Verzweiflung zwischen die Schienen gestellt und ihrem Schicksal und somit ihr Leben einem im Tunnel herannahenden Zug überlassen. Da konnten auch keine regelmäßigen belehrenden Gespräche mit einer Therapeutin helfen. So einfach ist es, ein Problem schreiberisch zu lösen, wenn jemand sich außerhalb der Normen bewegt, auch wenn er unendlich verzweifelt ist und auf Hilfe angewiesen ist …. Eine schriftstellerische Meisterleistung hat Jill Alexander Essbaum da abgeliefert, eine verdammt gute Geschichte, die letztlich für jeden von uns etwas zu bieten hat – ob dem Lesenden es passt oder nicht! Ein Buch, das man vielleicht nicht lesen sollte? Aber das unbedingt zu empfehlen ist!

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  • Einsamkeit trotz Familie - eine Tragödie aus der Schweiz in verschiedenen Akten

    Hausfrau

    Callso

    28. April 2016 um 08:53

    Oh ja, dieses Buch hinterlässt Spuren. Eine Tragödie, ein Buch über eine schwache Frau in einem Land, das voller starker Menschen so aufgeräumt und so scheinbar blitzblank wirkt. Mitunter ganz schön harter Tobak, was die US-Autorin Jill Alexander Essbaum in ihrem Roman "Hausfrau" fabriziert hat. Es geht um echte und falsche Gefühle, um Unsicherheit, um Angst, um Ausbruch und um das sehr lange Fremdsein im neuen, fremden Land. Es geht um Sex, weniger um Liebe, es geht um das Familienleben, mal glücklich, doch zumeist eher unterkühlt. Ein Buch mit einer ganz hohen Intensität. Zugleich ein Werk mit viel Intimität, mit viel Gefühl, aber zugleich auch viel Kälte. Anna lebt als ursprüngliche US-Amerikanerin seit neun Jahren in Schweiz, aber kann sich mit Land und Leuten schwerlich anfreunden. Mit dem unterkühlten Ehemann und Banker Bruno hat sie drei kleine Kinder. Das Glück der Familie könnte vollkommener nicht sein, wäre da nicht die große Unzufriedenheit von Anna. Sie ist depressiv, eine Einzelgängerin und in intensiver psychischer Behandlung. Ihr Fluchtpunkt sind außereheliche Partner. Ihre Suche und Sucht nach Sex führt zeitweise zu zwei Liebhabern zeitgleich. Doch dann ereignet sich in der Familie die große Katastrophe. Ein moderner Roman, der manchmal ein klein wenig zerhackt und und zerstückelt daherkommt. Manchmal setzt die Autorin in kurzen Passagen kleinere Stolpersteine. Gleichwohl klebt man an der Story, an der Entwicklung dieser schwachen Anna, die immer mehr taumelt und sich treiben lässt. Sie schläft unruhig, zugleich werden wir beim Lesen und Umblättern immer unruhiger. Ein feines Stückchen Literatur, nicht immer ganz leicht zu verdauen, aber eben intensiv, spannend und dramatisch. Zudem ein Werk, das nachdenklich stimmt und betroffen macht.

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  • Die innerer Leere

    Hausfrau

    Cambridge

    13. December 2015 um 20:23

    Das Buch würde besser "Ehefrau" heißen anstatt "Hausfrau", denn Anna sagt von sich selber, das sie eine gute Ehefrau ist. Meistens jedenfalls. Zwar ist sie strenggenommen eine Hausfrau, da sie keinen Job hat und zu Hause bei den Kindern ist, aber es geht eher um sie als Frau, als Ehefrau. Anna ist Amerikanerin. Sie hat den Schweizer Bruno geheiratet und ist ihm nach Zürich gefolgt. Dort haben sie inzwischen 3 Kinder. Fast 10 Jahre ist sie in der Schweiz, aber sie fühlt sich immer noch fremd, spricht kaum die Sprache. Aber diese Isolation ist selbstgewählt. Anna hat Probleme mit sich selber, sie ist lieber allein als mit anderen zusammen. Ihrem Mann hat sie sich auch entfremdet. Und Anna geht fremd. Sobald sich die Gelegenheit ergibt. Sie ist ein extrem passiver Mensch, und sie mag es, gewollt zu werden. Wenn also ein Mann sie will, dann gibt sie nach. Sie füllt die Leere in sich mit Sex. Kein romantisches Liebemachen sondern Sex. Die Autorin findet dafür kalte und klinische Worte. Die Sexszenen sind drastisch, aber nicht zu plakativ. Vor allem sind sie gefühlsarm, kalt, hart. Man merkt, das sie für Anna nur Füllmaterial für ihr als leer wahrgenommenes Leben sind. Manche Menschen füllen ihre innere Leere mit Essen, andere mit Shoppen. Anna füllt es mit Sex. Einmal. das gab es jemanden. Da dachte sie, es wäre anders. Sie hegt diese Erinnerung tief in sich drin, aber sie trägt dazu bei, das sich Anna so leer und traurig fühlt. Mich hatte das Buch von dem ersten Satz gleich abgeholt. Die Autorin hat einen sehr eigenen Schreibstil. Mir hat er unglaublich gut gefallen. Sie findet ungewöhnliche Metaphern, ungewöhnliche Vergleiche. Anna nimmt dann doch endlich an einem Deutschkurs teil. Die Regeln der deutschen Sprache finden sogleich Widerhall in Annas Leben. Das ist geschickt gemacht. Immer wieder sind auch die Gespräche mit Annas Therapeutin eingestreut. Annas Mann Bruno hat sie zu dieser Behandlung geschickt. Denn das Anna Probleme hat, ist ihm bewusst. Man sieht die Handlung nur aus Annas Sicht, deswegen sieht man sie nie von außen. Aber schon bald wird klar, das Anna schon länger unter Depressionen litt. Anna ist eine schwierige Figur. Sie ist verwöhnt und selbstmitleidig. Sie tut sich selber leid, sie fühlt sich so unendlich einsam. Ihr Mann Bruno kommt auch nicht sehr sympathisch rüber, aber man sieht ihn nur durch Annas subjektive Augen. Ich habe mir gedacht, das er wohl schon viel von Annas Launen und Gemütsschwankungen ertragen haben muss. Anna ist viel unterwegs, um ihre Kinder scheint sie sich recht wenig zu kümmern. Die verbringen viel Zeit bei Brunos Mutter, die recht wenig Verständnis für Anna aufbringt. Anna geht von ihrem Deutschkurs direkt zu ihrem Liebhaber, mit dem sie den ganzen Nachmittag verbringt. Sie ist kaum zu Hause, strebt ständig davon, und wenn es nur zum Spazierengehen ist. Sie kann nicht schlafen und sitzt nachts auf einer Bank im Wald. So sehr Anna anstrengt und so sehr sie nervt, weil sie sich selber so leid tut, so sehr kann man aber auch ihr Elend, in dem sie sich selber bzw. ihre kranke Psyche gefangenhält, spüren. Sie hat immer mal guten Willen, will vorbildlich als Mutter und Ehefrau sein, nur um wieder an ihren eigenen Ansprüchen und ihrer Passivität zu scheitern. Ihre Leere, ihre empfundene Langeweile, bekommt sie nicht in den Griff. Insgesamt läuft es genau auf das Ende zu, das die Autorin dann auch so geschrieben hat. "Hausfrau" sollte man nicht lesen, wenn man selber gerade in einer schlechten Phase ist. Es ist ein trauriges, dunkles, tragisches Buch. Es ist teilweise anstrengend, tritt auch mal in der Mitte auf der Stelle. Auf den ersten Blick erscheint es einfach wie ein Buch über eine gelangweilte Ehefrau in einem fremden Land. Aber unter der Oberfläche, in vielen kleinen Dingen, die so beschrieben werden, kann man den Abgrund ahnen. Ich sage ja immer, das ein Autor, wenn er gut schreiben kann, mir jede Story verkaufen kann. Und das ist hier gelungen. Mir hat der Schreibstil der Autorin so gut gefallen, das ich ihr diese nervige, anstrengende und tragische Figur der Anna abgenommen habe, die vielen klinischen Sexszenen gelesen habe ohne zu gähnen und mir Annas Familie, ihre Kinder, so unglaublich leid getan haben. "Hausfrau" ist ein Buch, wie ich es noch nie gelesen habe. Es mag nicht jedem gefallen, aber es ist sehr eigen, sehr düster, sehr drastisch und auch konsequent. Mir hat es dank des außergewöhnlich guten Schreibstils gut gefallen.

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  • In der Abwärtsspirale

    Hausfrau

    gretavox

    19. November 2015 um 12:38

    Anna, Enddreißigerin, verheiratet mit einem Schweizer Banker und Mutter dreier Kinder, lebt ein behagliches Leben in einer kleinen Stadt bei Zürich. Doch unter der Oberfläche brodelt es. Anna hat Sprachprobleme, sie langweilt sich und tröstet sich mit Affären, bis ein tragisches Ereignis und dessen Folgen sie vollends aus der Bahn werfen. Jill Alexander Essbaums Romandebut „Hausfrau“ ist die schonungslose Dokumentation eines Abstiegs, der im Buch nur drei (Herbst)Monate umspannt. Die Autorin verknüpft dazu drei Handlungsebenen: Annas private Erlebnisse einschließlich Rückblenden, Szenen aus ihrem Deutschunterricht und ihre Analysestunden bei der Therapeutin Dr. Messerli. Was etwas betulich beginnt, weitet sich spätestens ab der Mitte des Buches in einer fatalen Vermengung von kleinen Zwischenfällen und dramatischen Ereignissen zu einer Lawine aus, die unweigerlich auf eine Katastrophe hinausläuft. Essbaums Schreibstil ist nüchtern-distanziert, manchmal sehr offen, fast schon hart – besonders in den erotischen Passagen. Doch die Sprache passt auch hier bis in die kleinsten Nuancen und ist ein gutes Beispiel dafür, dass Sexszenen manchmal auch nach drastischeren Worten verlangen. Der Titel „Hausfrau“, wie das Buch übrigens auch in der englischen Originalfassung heißt, hätte nicht besser gewählt sein können. Anna ist Haus-Frau: Sie ist gebunden an ihr Heim und bemüht sich nach Kräften, als Hausfrau und Mutter zu funktionieren. Das Cover für die deutsche Ausgabe zeigt den Schriftzug „Hausfrau“ in Kreuzstich gestickt auf einem Leinenstoff. Der letzte Buchstabe des Wortes ist unfertig; der Faden verliert sich, so wie die Hausfrau Anna sich verlieren wird. Mit der Figur der Anna hat Essbaum eine starke Protagonistin geschaffen, die alle  Kriterien eines „runden“ Charakters  im Sinne E.M. Forsters erfüllt. So schwankt der Leser denn auch zwischen Sympathie und Ablehnung für die fast schon tragische Heldin. Genauso muss es sein. Vielleicht ist der Name Anna bewusst gewählt. Das Time Magazine charakterisierte das Buch folgendermaßen: „In Hausfrau, Anna Karenina goes Fifty Shades with a side of Madame Bovary“. Der Vergleich mit Tolstois und Flauberts Roman-Heldinnen ist durchaus naheliegend, aber das Buch in einem Atemzug mit Fifty Shades of Grey zu nennen, wertet den Erotik-Wälzer nur ungerechtfertigt auf. Hausfrau ist ein intelligentes, grandioses Buch. Unbedingt lesenswert.

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  • Eine Amerikanerin in der Schweiz

    Hausfrau

    trivia_brain

    22. October 2015 um 21:25

    Die Amerikanerin Anna lebt mit ihrem Schweizer Ehemann Bruno, ihren drei Kinder und der immer präsenten Schwiegermutter Ursula in Dietlinken, einem Vorort von Zürich. Während Bruno für das monatliche Einkommen zuständig ist (er ist Banker bei der Credit Suisse), fährt Anna täglich mit der Bahn nach Zürich, um ihrer alltäglichen Tristesse zu entfliehen. Denn insgeheim langweilt sich Anna in der Schweiz, sie spricht nur schlecht die Sprache und Freunde oder ein Hobby hat sie nicht. Als sie sich schließlich doch entschließt einen Sprachkurs zu machen, lernt sie in der Sprachschule den Schotten Arnie kennen. Der Beginn einer Affäre, nicht die Erste von Anna, wie der Leser bald erfährt....  Die Geschichte klingt im ersten Moment etwas platt und auf den ersten hundert Seiten, plätschert sie auch ein wenig so dahin. Mit zunehmender Lesedauer wird aber deutlich, dass Anna ein Problem hat. Welches genau und warum, kann der Leser nur vermuten. Alles in allem eine Geschichte, die langsam in Schwung kommt, aber mit dramatischen Wendungen, für die es sich lohnt, das Buch bis zum Schluss zu lesen. Eine ausführliche Rezension des Buches kann man hier lesen.

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  • Hausfrau - Jill Alexander Essbaum

    Hausfrau

    Lesen_ist

    12. May 2015 um 18:30

    Inhalt Wohin geht eine Frau, wenn es keinen Weg zurück gibt? Anna Benz, eine Amerikanerin Ende dreißig, lebt mit ihrem Schweizer Ehemann Bruno und ihren drei kleinen Kindern in einem Postkarten-Vorort Zürichs. Von außen betrachtet führt sie ein komfortables, abgesichertes Leben; im Inneren bricht sie auseinander… Jill Essbaum hat ein atemberaubend kraftvolles Debüt geschrieben. In der kunstvoll arrangierten Geschichte folgen wir einer Frau auf dem Weg in den Abgrund: gleichzeitig fasziniert und schockiert von der elektrisierenden Anna. Eine Protagonistin, die den Leser in den Bann schlägt. Meine Meinung Ich wäre ohne die Tweets von @papercuts wahrscheinlich gar nicht auf dieses Buch aufmerksam geworden. Sie hat mich so neugierig gemacht, dass ich mir das Buch besorgt habe, ohne auf ihre Rezension zu warten. Die ganze Geschichte geht nur über drei Monate, von September bis November. Anna Benz ist eine gute Ehefrau, meistens. So fängt diese Geschichte an. Sie lebt seit 9 Jahren mit ihrem Ehemann Bruno und ihren 3 Kindern in der Schweiz, in einem Vorort von Zürich. Sie ist Amerikanerin und sie hat ihren Mann in den Staaten kennengelernt. Er ist Banker, was sonst. Das ist eigentlich das Einzige, was ich etwas klischeehaft fand. Man könnte denken, alle Schweizer Männer sind Banker. Anna hat keinen Führerschein und darum fährt sie immer mit dem Zug, wenn sie nach Zürich muss. Sie geht nicht arbeiten und hat auch kein eigenes Bankkonto. Ihr jüngstes Kind, Polly Jean, ist noch kein Jahr alt. Ihre Schwiegermutter kann sie nicht leiden und zeigt das auch recht deutlich. Ihr Ehemann vernachlässigt sie, nimmt sie nicht wirklich wahr, schließt sich abends in seinem Büro ein, um zu arbeiten, oder was auch immer er dort macht. Anna hat auch keine wirklichen Freunde. Sie leidet unter Schlaflosigkeit und sie geht zu einer Psychotherapeutin, Dr. Messerli, weil ihr Mann »genug von ihrem Trübsal« hat. Die Therapeutin hat vorgeschlagen, dass sie einen Deutschkurs besucht, nach 9 Jahren wäre es doch Zeit die Sprache zu lernen. Doch »Schwyzerdütsch« ist nicht gleich Deutsch. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie es ist in einem fremden Land zu leben, keine Freunde oder Familie dort zu haben und die Sprache nicht zu verstehen. Als ich nach Österreich kam, konnte ich kein Wort Deutsch. Ich hatte damals auch noch keinen Führerschein und war in einem 2000 Seelen Dorf 30 Autominuten von Wien. Bankkonto hatte ich auch nicht. Man fühlt sich manchmal sehr einsam und von allem ausgeschlossen. Es gab Situationen, wo ich nur heulen wollte, insofern konnte ich mich richtig hineinfühlen in diese Protagonistin. Doch nach einem Jahr konnte ich die Sprache gut genug, um sie zu verstehen und mich zu unterhalten, nach 2 Jahren war die Sprache kein Problem mehr. Das war einer der größten Fehler, den Anna in meinen Augen gemacht hat; sie hat die Sprache nicht gelernt. Sie blieb dadurch einsam, ausgegrenzt und auch dadurch gelangweilt. Anna ist fast unsichtbar für ihre unmittelbare Umgebung. Sie trifft viele falsche Entscheidungen, doch es gab eine Entscheidung, die in meinen Augen die ganze Abwärtsspirale, auf der sie sich nun befindet, in Gang gesetzt hat. Mit ihren Affären versucht sie die Leere in sich zu füllen, eine Leere, die nicht nur durch die Vernachlässigung von ihrem Ehemann verursacht wird, aber das erfahren wir erst nach einem Drittel des Buches. Anna erweckt viele Emotionen im Leser, zumindest war es bei mir so. Ihre Passivität ist zum Verzweifeln. Sie öffnet sich niemanden. Mal möchte man sie wachrütteln und ihr gut zureden, mal möchte man sie einfach umarmen und trösten, ihr die Freundin sein, die sie dringend braucht. Ihre Traurigkeit strömt von den Seiten, ist greifbar. Ihre Taten können das niemals ändern, weil sie keine Bedeutung haben. Ihr Herz ist nie dabei. Die Sprache und der Schreibstil sind wunderbar, gehoben, poetisch und ergreifend. Die Autorin schafft so viel Schönes in dieser herzzerreißenden Tragik, die sich nach und nach entfaltet. Es gibt ein paar deftige Sexszenen, aber sie gehören einfach dazu und wir sind alle erwachsen. Schulenglisch reicht leider nicht, um das Buch wirklich ohne Duden flüssig zu lesen. Es ist meine Muttersprache und doch habe auch ich ein Wort nachgeschlagen  Drei Monate aus dem Leben einer Hausfrau. Da könnte man denken, dass dies nur eine langweilige Geschichte sein kann. Zugegeben, vollgepackt mit aktionsreichen Szenen ist das Buch nicht. Mich hat die Geschichte dennoch gepackt und noch immer nicht losgelassen, obwohl ich das Buch schon lange beendet habe. Es schreit förmlich nach einer Diskussion, nach einem Austausch von Eindrücken. Der letzte Abschnitt vom Buch, November, riss mir mein Herz heraus, hat darauf herumgetrampelt, es dann zerbrochen und kaputt wieder reingesetzt. Jill Alexander Essbaum hat ein wunderbares, gefühlvolles, ergreifendes Debüt erschaffen. Anna ist eine starke Protagonistin die viele Emotionen erweckt. Sie ist einsam und traurig, wird vernachlässigt und missachtet. Sie stellt viele Fragen und wirft für den Leser auch viele Fragen auf. Wie ernst meinen wir es wirklich, wenn wir sagen »Ich bin für dich da!«? Das Ende …. Oh, das Ende. So locker leichte Sätze mit einer sehr starken Wirkung! September 2015 erscheint dieses Buch auf Deutsch also unbedingt vormerken!

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