„Wissen Sie, ...“, sagte Arp und rollte die tiefblaue Farbe über die Wand. „Ich glaube, dass die Kunst die Menschen von dem Wahnsinn unserer Zeit heilen kann.“
Emmy nickte. „Mir geht es mit Liedern genauso.“
„Malen, schreiben, komponieren, das Ausüben egal welcher Kunst würde jedem guttun“, erwiderte Hugo. „Vorausgesetzt, man verfolgt keinen Zweck mit seinem Thema.“
„Das Gesetz des Zufalls?“, schlug Arp vor.
„Genau“, sagte Hugo. „Folge dem Lauf der freien, ungehinderten Phantasie.“
„Wer diesem Gesetz folgt, wird reines Leben schaffen“, sagte Arp und spielte damit auf Hugos Credo an.
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INHALT:
Anfang des 20. Jahrhunderts genießt Emmy Hennings ihr freies Leben als schillernde Künstlerin, in dem sie singen und reisen kann, wie es ihr gefällt. Auf der Bühne fühlt sie sich zu Hause.
Nach einer gescheiterten Ehe hat sie mehrere Geliebte, ist Muse, in harten Zeiten auch Prostituierte und nimmt Rauschmittel zu sich.
Im Münchner Künstlerkabarett „Simplicissimus“, in dem sie ihre Lieder und eigene Gedichte zum Besten gibt, trifft sie zum ersten Mal auf Hugo Ball. Ein Dramaturg, der wie sie, mit Leuten wie Erich Mühsam oder Frank Wedekind verkehrt. Hugo Ball verehrt sie so sehr, dass er sie kurz darauf im Gefängnis besuchen kommt.
Emmy weiß nicht, warum man sie plötzlich drei Wochen lang einsperrt, die Verhandlung steht noch aus. Und es bleibt nicht bei der einen Haft.
Zu ihrer Enttäuschung ist sie mit ihrer freigeistigen Kunst im Simplicissimus nicht mehr willkommen, ihre Lieder sind zu Beginn des Ersten Weltkriegs nicht patriotisch genug. Immer mehr Auftrittsverbote werden verhängt. Das Publikum ist mittlerweile älter und konservativer geworden.
Emmy Hennings verabscheut den Krieg und wie Hugo Ball, sieht sie in Deutschland keine Perspektive mehr.
„Es schien, als sei die Belle Époque vorbei, und mit ihr eine Ära des Optimismus, des Friedens und des Wohlstands. An die Stelle von Unterhaltung traten nun Explosionen.“
Gemeinsam flüchten sie 1915 als Paar ohne Arbeitsbewilligung, in die neutrale Schweiz nach Zürich, wo sie mit der Gefahr leben, ausgewiesen zu werden. Dennoch sind sie anfangs euphorisch, sind froh über den Frieden und den Wohlstand, den sie erfahren, kommen aber bald finanziell nur noch schwer über die Runden.
1916 gründen sie das Cabaret Voltaire, in dem sie mithilfe von u. a. Hans Arp, Richard Huelsenbeck, Tristan Tzara und Marcel Janco eine Künstlerkneipe erschaffen, die ein Begegnungsort für experimentelle, ungeplante Künste darstellt, die die Gegenwart (den Krieg, die Gesellschaft und deren Werte) hinterfragen und konventionelle Kunst ablehnen.
„Es wird unser Candide sein“, antwortete Hugo. „Unsere Kritik am Autoritätsglauben und am naiven Optimismus derjenigen, die auf das Gute im Menschen und in der Welt vertrauen.“
Musik, Literatur, Tanz und Malerei werden dabei auf der Bühne miteinander vereint. Sie wollen provozieren und unlogisch sein.
Der Grundstein für eine neue kulturkritische Kunstbewegung ist gelegt. Der Dadaismus, auch Dada genannt, ist geboren …
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MEINUNG:
Bücher über Kunst und Kunstschaffende zu lesen, bereitet mir immer wieder eine große Freude.
Nachdem ich bereits ein paar interessante Bücher gelesen habe, die sich mit dem Surrealismus auseinandersetzen, war ich gespannt, etwas über die Entstehung des Dadaismus zu erfahren, der den Weg zum Surrealismus vorbereitet hat.
Mir gefällt an „Was schön war und gut“ besonders, dass eine Frau im Mittelpunkt der Geschichte steht. Schließlich wurden Frauen früher in der Kunstszene viel zu lange nicht ernst genommen, weshalb sie uns heute oftmals weniger bekannt sein dürften.
Tatsächlich wusste ich vorher noch nichts über Emmy (Ball-) Hennings, die mit zu den Begründern der besagten Kunstbewegung gehört und als deutsche Schriftstellerin, Schauspielerin, Sängerin und Kabarettistin tätig war.
Dieser biografische Roman beschäftigt sich hauptsächlich mit der Zeit von 1913 bis 1916, also mit einem eher kurzen Ausschnitt ihres Lebens, welcher jedoch mit einigen Rückblenden versehen ist und am Ende des Buches auch ihr weiteres Leben kurz zusammenfasst.
Ich persönlich mag kürzere Zeitspannen in Romanen häufig lieber, da man viel mehr in die Tiefe gehen und die Figuren besser kennenlernen kann, was auch hier der Fall war.
Dennoch habe ich mich lange mit den Rückblicken schwergetan, da ich manchmal nicht mitgekommen bin, in welchem Jahr ich mich nun befinde, was wann stattgefunden hat und wann, wie oft und weshalb Emmy (Ball-) Hennings im Gefängnis war. Hier wäre es mir leichter gefallen, wenn ich schon etwas von ihrer Vorgeschichte gewusst hätte, da sie vor ihren 28 Jahren doch schon einiges erlebt hatte.
Dafür bewirkte das Buch bei mir, dass ich mich online noch etwas näher mit Emmy (Ball-) Hennings, Hugo Ball und dem Dadaismus befasst habe. Dazu sollte man also bei Bedarf bereit sein, wenn man sich dazu entschließt, dieses Buch zu lesen und noch nicht viel darüber weiß.
Den Schreibstil fand ich wirklich schön und anschaulich. Autorin Jill Blocker und Übersetzerin Christine K. Gubler fangen das Leben der Protagonistin und der damaligen Zeit wunderbar ein.
An sich lässt sich der biografische Roman sehr flüssig lesen. Weniger große Absätze hätten meine Aufmerksamkeitsspanne vermutlich noch weiter erhöht. So habe ich diese eher als „Unterbrechungen“ empfunden.
Das Buch enthält viel an politischen und historischen Inhalten, die notwendig sind, um die Entstehung des Dadaismus verstehen zu können.
Mir hat das sehr zugesagt, ich nehme gerne beim Lesen von Romanen noch etwas Sachwissen mit.
Emmy (Ball-) Hennings und Hugo Ball wirkten auf mich authentisch und ich habe ihre Geschichte mit Interesse verfolgt, auch wenn ich persönlich so manche ihrer Ansichten und Entscheidungen infrage stellen würde. Auch der Zauber von Hugo Balls „Lautgedichten“ ist bei mir noch nicht angekommen. Was ich damit sagen möchte: Obwohl ich mich in Teilen nicht mit den beiden Figuren und ihrer Kunstform identifizieren kann, fand ich das Buch dennoch lesens-, wissenswert und interessant.
Was ich nicht unerwähnt lassen kann, ist der erste Eindruck, den ich vor dem Lesen des Buches hatte.
Der Preis von 24 € für eine Klappenbroschur finde ich doch recht happig für etwas über 300 Seiten (mit vielen großen Absätzen und einer jeweils leeren Seite vor einem neuen Kapitel).
Auf der Buchrückseite befindet sich in der Inhaltsbeschreibung zudem im ersten Satz ein Buchstabe zu viel. Ist nur eine Kleinigkeit, und jedem passieren Fehler. Aber zusammen mit dem Preis empfinde ich das schon als störend.
Am Inhalt des Buches ändert dies selbstverständlich nichts.
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FAZIT: Mir konnte dieser biografische Roman Emmy (Ball-) Hennings, Hugo Ball und die Entstehung des Dadaismus deutlich näherbringen. Ich fand sie lesens-, wissenswert und interessant.
Empfehlen kann ich sie euch, wenn ihr zudem Interesse für Geschichte, Politik und verschiedenste Kunstformen mitbringt und wenn eventuelle Eigenrecherche, größere Absätze und ein eher kostspieliger Preis keine Hürden für euch darstellen.
Von mir gibt es 4/5 Sterne!
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(C. N.: v. a. Prostitution, Drogen, Z-Wort & ableistische Begriffe (sind in das zeitliche Geschehen einzuordnen))



