Ein Jubelband zum 25jährigen Bestehen des Taschen Verlags! Und tatsächlich lässt das Buch einen jubeln! Tolle Werbeanzeigen aus dem Amerika der 50er Jahre. Noch mehr Spaß hätte mir natürlich Reklame aus Deutschland gemacht. Aber nun gut – da kann ich mal wieder einen Blick auf ein mir so fremdes Land und seine Einwohner werfen. Amerika werde ich nie verstehen. Ich habe oft dort Urlaub gemacht und die Weite des Landes bewundert, die Natur und die Tiere, meistens auch die Naivität der Menschen. Und doch werde ich nie verstehen, warum viele Menschen dieses Land als ihr Traumland bezeichnen.
Jetzt also klassische amerikanische Werbeanzeigen aus den 50er Jahren. Das war schon so ein Jahrzehnt. Nachkriegskonsumgier griff wild um sich. Das Motto war: Schöner, schneller, besser! Autos hatten Heckflossen so groß wie ganze Kleinwägen und überall blitzte Chrom!
Rauchen war unheimlich schick und überhaupt nicht gefährlich, so dass man sogar mit Babys für die lässigen Glimmstängel werben konnte.
Die moderne Frau trägt trägerlose Peter Pan BHs und einen praktischen figurformenden Hüfthalter. Der macht jede Bewegung mit und kann sogar selber gehen (so steht’s in der Anzeige).
Doch was war der Amerikaner der 50er schon ohne ein lauschiges Eigenheim? Nicht so ein hässliches „Mobile Home“ aus dem Trailer Park, sondern ein echtes Haus. Komplett aus Beton und explosionssicher. Ja, so ein Haus braucht man im Atomzeitalter! Es hält einer Bombenexplosion von 20.000 Tonnen TNT stand und auch leichteren Tornados. Es ist zwar unheimlich hässlich, braucht dafür aber wenig Pflege.
Falls es keine Angriffe mit Atombomben gibt, aber doch mal ein Einbrecher vorbeischaut, dann kann sich der Ami gut verteidigen. Denn nicht umsonst ist dies das Land mit den laxen Waffengesetzen und den schießwütigen Menschen. Der Mensch muss sich ja schließlich wehren können, also kauft er sich eine Winchester Model 12 oder eine Browning Automatic. Dann kann er losballern und gerne auch mal Amok laufen. Oder einfach andere Leute, die ihn nerven oder ahnungslos auf sein Grundstück tapsen über den Haufen schießen. Werbung für Waffen gab es in den 50ern jedenfalls zuhauf. Wie ist das eigentlich heute?
Und Essen? Essen wollten sie auch in Amerika! Am besten viel und aus Konserven. Weich und matschig ist die Grundkonsistenz aller Lebensmittel. Frische muss nicht sein, lieber haltbar. Schnell muss es auch gehen. Und viele klebrige Soßen muss man darüber gießen können und Unmengen zuckerhaltige braune Limo dazu trinken.
Unendlich viele Anzeigen zu jedem nur erdenklichen Thema spiegeln das Amerika der 50er Jahre wider. Herrlich, wie man einfach darin schwelgen kann und wie die Fantasie mit einem durchgeht!









