Jim Knipfel

 3,7 Sterne bei 66 Bewertungen
Autor*in von Blindfisch, Klapsmühle und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Jim Knipfel

Cover des Buches Blindfisch (ISBN: 9783499234354)

Blindfisch

(49)
Erschienen am 02.06.2003
Cover des Buches Klapsmühle (ISBN: 9783499242694)

Klapsmühle

(15)
Erschienen am 01.09.2006

Neue Rezensionen zu Jim Knipfel

Cover des Buches Blindfisch (ISBN: 9783498035037)
pardens avatar

Rezension zu "Blindfisch" von Jim Knipfel

parden
Autobiografisches aus dem Leben eines langsam Erblindenden...

AUTOBIOGRAFISCHES AUS DEM LEBEN EINES LANGSAM ERBLINDENDEN...

Jim Knipfel ist der blinde Seher im modernen Gewand. Konfrontiert mit der unausweichlichen Wahrheit einer unheilbaren Krankheit, die ihm langsam das Augenlicht raubt, sieht er überall die Lüge. Die Lüge der einem blinden Gesundheitswahn verfallenden Gesellschaft, die der überforderten Eltern und Freunde, die der eloquenten, aber teilnahmslosen Therapeuten. Anstatt still zu leiden, reagiert Knipfel auf seine Weise. Er lacht über alles, schmeißt Ehe und Studium, zieht vom kleinbürgerlichen Wisconsin in einen Großstadtslum, treibt sich mit "Versagern" herum, stiehlt, säuft, schluckt Tabletten - ein junger Mann aus gutem Hause, auf der Überholspur ins Vergessen.

Irgendwann erntdeckt er das Schreiben. Das Papier erträgt seine Wahrheiten; endlich kann er sie teilen. Mit schwarzem Humor, der von tiefster Sensibilität und Verletztlichkeit zeugt, aber keine Tabus respektiert, beschreibt er sein Leben, seine Angst, seine Hoffnung. "Blindfisch" ist das Gegenteil einer therapeutischen Krankengeschichte - es ist ein grotesker Aufschrei dessen, der hinter dem Schein, den er immer weniger zu sehen vermag, das wahre Sein erkennt...


Erster Satz: "Meine Oma Myrt starb, als ich zwölf war." (S. 9)


Ich kaufte das Buch seinerzeit, weil es in einer ihrer Literatursendungen von Elke Heidenreich empfohlen wurde. Und seitdem versauerte es bei mir sträflicherweise im Regal der ungelesenen Bücher, bis ein spontaner Entschluss mich nun endlich dazu greifen ließ. Elke Heidenreichs Tipps habe ich immer respektiert, jedoch oftmals auch festgestellt, dass ich die Begeisterung der bekannten Literaturkennerin nicht immer teilen konnte.

Anfangs war ich auch bei diesem Buch skeptisch, denn autobiografische Selbsterfahrungsberichte von Menschen, die eine schwere Krankheit / ein hartes Schicksal zu meistern haben, können durchaus interessant sein, zeichnen sich oftmals aber auch durch ein gewisses Maß an Betroffenheitsäußerungen aus. Sicherlich verständlicherweise, aber mich schreckt das ehrlich gesagt oft eher ab.

Doch Jim Knipfel ist anders. Seine langsame Erblindung (die unheilbare Erkrankung dahinter lautet Retinitis Pigmentosa und bewirkt eine zunehmende Zerstörung der Netzhautzellen) spielt im Laufe seines Lebens gezwungermaßen eine immer größere Rolle, ist aber nicht der alleinige Grund für seinen Hang zum Außenseitertum und Enfant Terrible. 

Episodenhaft und meist chronologisch schildert der Autor hier in Auszügen sein Leben von der Kindheit bis etwa zum 35. Lebensjahr, und rasch wird klar, dass neben regelmäßigen Augenarztbesuchen auch Aufenthalte in der Psychiatrie, Termine beim Neurologen, häufig wechselnde Aushilfsjobs, Alkohol und Zigaretten zu seinem Alltag gehören - Suizidversuche inklusive. Wer hier jetzt aber einen depressiven Sermon erwartet, der irrt.

Schwarzer Humor, Situationskomik, Selbstironie, schonungslose Offenheit sich selbst gegenüber - aber auch gesellschaftskritische Anmerkungen (gerade im Hinblick auf die amerikanische Gesundheitspolitik) bilden hier das Grundgerüst für lesenswerte und durchaus auch unterhaltsame Einblicke in das Leben eines langsam Erblindenden, der sich eben nicht nur auf diese Erkrankung reduzieren lassen will.

Jim Knipfel tut nicht viel dafür, von seiner Leserschaft gemocht zu werden. Hier ist vieles abstoßend und verstörend - seine Lebensweise, seine zeitweise Paranoia, die teilweisen grotesken Erlebnisse, sein Leben am Rande. Und doch blitzt immer wieder auch seine Sensibilität auf, hinter Sprüchen versteckt, seine Ängste lauern unter der Oberfläche, so dass der Mensch dahinter sichtbar wird, wenn auch oft nur angedeutet.  

Mit seinem ganz eigenen Humor lotst der Autor den Leser / die Leserin durch oftmals skurrile Episoden, die neben Sarkasmus auch auf Einsamkeit und Verzweiflung blicken lassen, dabei aber auch schwierige Ereignisse und Empfindungen meist recht stoisch schildern. Man muss nicht alles mögen, was man hier zu lesen bekommt - aber man lernt, den Menschen dahinter zu begreifen und letztlich auch zu respektieren. 

Ein überraschend anderes Buch mit einem liebenswert schrägen Sinn für Humor und einem scharfen Blick auf das eigene Schicksal wie auch auf die Gesellschaft. Fei von Sentimentalität und tiefschürfend zugleich...


© Parden

Cover des Buches Klapsmühle (ISBN: 9783499242694)
TheSilencers avatar

Rezension zu "Klapsmühle" von Jim Knipfel

TheSilencer
Im Hamsterrad ...

Und täglich grüßt das Murmeltier: Jim Knipfel erträgt es nicht mehr, in der ewigen Tretmühle gefangen zu sein.

Nach mehrmaligen, verdammt kreativen, aber letztendlich immer gescheiterten Versuchen, sich das Leben zu nehmen, finden ihn diesmal seine Eltern; er ist vollgepumpt mit Pillen. Unter Halluzinationen wird Jim ins Krankenhaus gebracht. Um danach unter Zustimmung der Elten direkt in eine geschlossene Anstalt verlegt zu werden.

Sein größtest Problem ist die Einsicht, daß nicht unbedingt die Verrückten die Irren sind.

Jim Knipfel schreibt einen biographisches Teil seines Lebens nieder. Das ist höchst amüsant, durchsetzt mit einigen Längen, als schnelle Lektüre aber allemal geeignet.

Cover des Buches Blindfisch (ISBN: 9783499234354)
Ikopikos avatar

Rezension zu "Blindfisch" von Jim Knipfel

Ikopiko
Blindfisch

Bei „Blindfisch“ handelt es sich um eine Autobiografie von Jim Knipfel. Es ist sein erstes Werk. Bereits zuvor hat er Kolumnen für verschiedene Zeitschriften verfasst. Heute ist er schreibt er für die New York Press. Er lebt in Brooklyn.

Bereits in jungen Jahren wird bei Jim Knipfel die Augenkrankheit Retinitis pigmentosa festgestellt. Durch diese Krankheit verliert der Patient nach und nach sein Augenlicht, bis hin zur Erblindung.

Für jeden Leser wird eine Erblindung ein Horrorszenario sein. Das wird auch für viele der Auslöser gewesen sein, dieses Buch zu kaufen. Abgesehen von der positiven Kritik Elke Heidenreichs in ihrer Sendung Kulturzeit auf 3Sat.

Knipfel hat einen eigenen, besonderen Schreibstil. Er beschreibt sein Leben mit Ironie, Sarkasmus und schwarzem Humor. Sein Schreibstil spiegelt sein eigenes Leben wider, das er mit der gleichen Ironie beschreitet.

Als wäre Knipfel mit dieser Krankheit nicht genug bestraft, hat er zusätzlich eine Krankheit am Gehirn, die ihm rasende Wutausbrüche beschert. Nicht nur einmal versucht Knipfel sogar, sich das Leben zu nehmen.

Tatsächlich geht es in der Autobiografie gar nicht in erster Linie um den Verlauf der Erblindung mit den dazugehörigen Problemen und Umständen. Es ist zum Teil auch eine Aneinanderreihung verschiedener Episoden aus seinem verkorksten Leben, in dem Alkohol und Kleinkriminalität eine große Rolle zu spielen scheint. Wer sich hier verstärkt Informationen über den Verlauf der Krankheit und den Umgang damit erhofft hat, wird wohl enttäuscht sein.

Auch wenn der Klappentext bereits aussagt, dass es sich um kein Rührstück, sondern zum Teil um schwarzen Humor handelt, kann man sich durchaus mehr Bezug auf die langsame Erblindung wünschen. Die Krankheit an sich, steht mehr im Hintergrund. Genial ist jedoch die Aufmachung des Klappentextes. Von Zeile zu Zeile wird die Schrift kleiner. Als würde sich die eigene Sehkraft nach und nach verschlechtern.

Ich vergebe trotzdem 3 von 5 Punkten, weil der Schreibstil Knipfels so erfrischend anders ist.

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