Jim Knipfel

 3.7 Sterne bei 64 Bewertungen
Autor von Blindfisch, Klapsmühle und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Jim Knipfel

Blindfisch

Blindfisch

 (47)
Erschienen am 02.06.2003
Klapsmühle

Klapsmühle

 (15)
Erschienen am 01.09.2006

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TheSilencers avatar

Rezension zu "Klapsmühle" von Jim Knipfel

Im Hamsterrad ...
TheSilencervor 3 Jahren

Und täglich grüßt das Murmeltier: Jim Knipfel erträgt es nicht mehr, in der ewigen Tretmühle gefangen zu sein.

Nach mehrmaligen, verdammt kreativen, aber letztendlich immer gescheiterten Versuchen, sich das Leben zu nehmen, finden ihn diesmal seine Eltern; er ist vollgepumpt mit Pillen. Unter Halluzinationen wird Jim ins Krankenhaus gebracht. Um danach unter Zustimmung der Elten direkt in eine geschlossene Anstalt verlegt zu werden.

Sein größtest Problem ist die Einsicht, daß nicht unbedingt die Verrückten die Irren sind.

Jim Knipfel schreibt einen biographisches Teil seines Lebens nieder. Das ist höchst amüsant, durchsetzt mit einigen Längen, als schnelle Lektüre aber allemal geeignet.

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Ikopikos avatar

Rezension zu "Blindfisch" von Jim Knipfel

Blindfisch
Ikopikovor 4 Jahren

Bei „Blindfisch“ handelt es sich um eine Autobiografie von Jim Knipfel. Es ist sein erstes Werk. Bereits zuvor hat er Kolumnen für verschiedene Zeitschriften verfasst. Heute ist er schreibt er für die New York Press. Er lebt in Brooklyn.

Bereits in jungen Jahren wird bei Jim Knipfel die Augenkrankheit Retinitis pigmentosa festgestellt. Durch diese Krankheit verliert der Patient nach und nach sein Augenlicht, bis hin zur Erblindung.

Für jeden Leser wird eine Erblindung ein Horrorszenario sein. Das wird auch für viele der Auslöser gewesen sein, dieses Buch zu kaufen. Abgesehen von der positiven Kritik Elke Heidenreichs in ihrer Sendung Kulturzeit auf 3Sat.

Knipfel hat einen eigenen, besonderen Schreibstil. Er beschreibt sein Leben mit Ironie, Sarkasmus und schwarzem Humor. Sein Schreibstil spiegelt sein eigenes Leben wider, das er mit der gleichen Ironie beschreitet.

Als wäre Knipfel mit dieser Krankheit nicht genug bestraft, hat er zusätzlich eine Krankheit am Gehirn, die ihm rasende Wutausbrüche beschert. Nicht nur einmal versucht Knipfel sogar, sich das Leben zu nehmen.

Tatsächlich geht es in der Autobiografie gar nicht in erster Linie um den Verlauf der Erblindung mit den dazugehörigen Problemen und Umständen. Es ist zum Teil auch eine Aneinanderreihung verschiedener Episoden aus seinem verkorksten Leben, in dem Alkohol und Kleinkriminalität eine große Rolle zu spielen scheint. Wer sich hier verstärkt Informationen über den Verlauf der Krankheit und den Umgang damit erhofft hat, wird wohl enttäuscht sein.

Auch wenn der Klappentext bereits aussagt, dass es sich um kein Rührstück, sondern zum Teil um schwarzen Humor handelt, kann man sich durchaus mehr Bezug auf die langsame Erblindung wünschen. Die Krankheit an sich, steht mehr im Hintergrund. Genial ist jedoch die Aufmachung des Klappentextes. Von Zeile zu Zeile wird die Schrift kleiner. Als würde sich die eigene Sehkraft nach und nach verschlechtern.

Ich vergebe trotzdem 3 von 5 Punkten, weil der Schreibstil Knipfels so erfrischend anders ist.

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MarkusDittrichs avatar

Rezension zu "Klapsmühle" von Jim Knipfel

Narren sind wir alle!
MarkusDittrichvor 5 Jahren

Das Thema Verrückte lässt mich nicht los. Warum gelten manche Menschen als „psychisch krank“ und andere nicht? Warum gelten Religion, politischer Fanatismus oder auch nur kollektiver Wahn beim WM-Spiel als normal, Halluzinationen und Wut dagegen nicht? Die gängige Antwort ist, dass Verrückte unter ihrer Psyche leiden (und andere leiden lassen), Normale hingegen nicht. Also mal ehrlich; jetzt sollte jeder mal sein eigenes normales Leben betrachten...
Das Buch handelt von Jim Knipfel, der ein halbes Jahr in die Geschlossene kommt. Knipfel ist kein erfundener Romanheld – obwohl der Name des glauben lässt – sondern Autor und reale Figur in einem. Das Buch ist kein Roman, es ist ein subjektiver Bericht, jedoch in der Art der Szenen, dem Detailreichtum und Witz ein Buch, dass es stilistisch mit Einer flog über das Kuckucksnest aufnehmen kann. Ein Lesegenuss, der einen vergessen lässt, dass man „nur“ einen Bericht liest.
Das ständige, unausgesprochene Thema ist der Grenzgang von Irresein und Normalsein. Jim Knipfel erlebt beides, oft in unentwirrbarer Verzahnung: Wahn und Wirklichkeit, Realität und Raserei. Knipfel ist ein junger New Yorker Intellektueller aus liebevollem Elternhaus, begabter Student der Philosophie, arm zwar, aber immerhin schon erfolgreich Tutor für jüngere Studenten (Philosophie scheint eine typische Irren-Wissenschaft zu sein: Der Philosoph Ludwig Wittgenstein, dem ein IQ von schlappen 200 nachgesagt wurde, endete ebenfalls im Irrenhaus). Nach einem verdeckten Selbstmordversuch mit Tabletten – Knipfel wollte ihn wie ein Unfall aussehen lassen, um seinen Eltern den Schmerz zu ersparen – kommt er in die Geschlossene Abteilung. Er glaubt zunächst, dass er bald wieder gehen kann und macht sich nicht einmal die Mühe, das Anstalthemdchen anzuziehen. Doch dann hält man ihn für Monate fest. Er erlebt den Psychiatriealltag mit der gesteigerten Wahrnehmung des Übersensiblen. Das absurde System der Essens-, Zigaretten- und Tablettenausgabe, das hässliche Zimmer, die Pfleger, die mal scheiße nett und dann wieder kaltschnäuzig sind, die 10 Minuten „Therapie“ beim gelangweilten Doktor einmal die Woche; die anderen, schon viel tiefer in die Finsternis abgetauchten Patienten. Das allein ist schon lesenswert, aber seine Kraft bekommt das Buch durch die Kapitel, in denen der Autor Knipfel die „Halluzinationsreisen“ des Patienten Knipfel beschreibt – denn im Erzählen dieser grandiosen Fantasien werden beide Knipfels einen Moment lang zu einer unentwirrbaren Einheit. Beide beschäftigt letztlich über das Ende des Buches hinaus das Rätsel, was genau diese Halluzinationen eigentlich sind.
Knipfels Größe – und die des Buches - liegt gleichwohl darin, dass er uns nichts vormacht. Er ist kein „aus Versehen“ Eingesperrter, es ist kein Verwechslungs-Plot wie im Horrorfilm, der Mann, der Außerirdische oder Geister gesehen hat, die es wirklich gibt und dem keiner glaubt. Nein, Knipfel ist hier ganz und gar realistisch. Er sieht Dinge, die nicht da sind, er ist von paranoider Wut erfüllt, er hat irrationale Ängste, etwa dass Blumen und Topfpflanzen ihn angreifen. Er weiß, dass er spinnt. Doch genau dieser Mann beschreibt als humorvoller Ich-Erzähler mit spitzer, ironischer Feder, wie hilflos die Normalen angesichts der Irren, wie sinnlos die Verwahrung in der Anstalt ist. Dass kaum sie es war, die ihn, Knipfel, letztlich wieder auftauchen ließ.
Und hier liegt auch die Grenze des Buches, wenn man es mit dem Anspruch an das große Drama betrachtet. Ohne spoilern zu wollen kann man sagen, dass die Auflösung (soll ich Erlösung sagen?) der Story kein dicker Knall, keine Epiphanie, keine besondere Erkenntnis ist – wie etwa beim Kuckucksnest – sondern eher eine ironische Klimax, in der die triviale Realität siegt. Doch immerhin, dieses eine Mal ein Sieg zugunsten des Verrückten. Es bleibt also Hoffnung.

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