Jim Knipfel Klapsmühle

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Inhaltsangabe zu „Klapsmühle“ von Jim Knipfel

Kann mich mal jemand hier rauslassen? Nach einem Selbstmordversuch mit Steakmesser findet sich Jim Knipfel in der Psychiatrie wieder. Plötzlich hat seine Welt Türen ohne Klinken; die Ärzte scheinen ihn vergessen zu haben. Aber eigentlich gefällt es Jim bei den Irren gar nicht so übel – bis er erkennt, dass sie ihn für den Verrücktesten von allen halten… „Jim Knipfel ist ein geborener Geschichtenerzähler” (Thomas Pynchon)

Willkommen im Irrenhaus - willkommen im Leben!

— TheSilencer

Eine wahre Geschichte, stark wie ein Roman! Lesen!

— MarkusDittrich

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    Klapsmühle

    TheSilencer

    13. April 2016 um 20:31

    Und täglich grüßt das Murmeltier: Jim Knipfel erträgt es nicht mehr, in der ewigen Tretmühle gefangen zu sein.Nach mehrmaligen, verdammt kreativen, aber letztendlich immer gescheiterten Versuchen, sich das Leben zu nehmen, finden ihn diesmal seine Eltern; er ist vollgepumpt mit Pillen. Unter Halluzinationen wird Jim ins Krankenhaus gebracht. Um danach unter Zustimmung der Elten direkt in eine geschlossene Anstalt verlegt zu werden.Sein größtest Problem ist die Einsicht, daß nicht unbedingt die Verrückten die Irren sind.Jim Knipfel schreibt einen biographisches Teil seines Lebens nieder. Das ist höchst amüsant, durchsetzt mit einigen Längen, als schnelle Lektüre aber allemal geeignet.

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  • Narren sind wir alle!

    Klapsmühle

    MarkusDittrich

    07. June 2014 um 22:23

    Das Thema Verrückte lässt mich nicht los. Warum gelten manche Menschen als „psychisch krank“ und andere nicht? Warum gelten Religion, politischer Fanatismus oder auch nur kollektiver Wahn beim WM-Spiel als normal, Halluzinationen und Wut dagegen nicht? Die gängige Antwort ist, dass Verrückte unter ihrer Psyche leiden (und andere leiden lassen), Normale hingegen nicht. Also mal ehrlich; jetzt sollte jeder mal sein eigenes normales Leben betrachten... Das Buch handelt von Jim Knipfel, der ein halbes Jahr in die Geschlossene kommt. Knipfel ist kein erfundener Romanheld – obwohl der Name des glauben lässt – sondern Autor und reale Figur in einem. Das Buch ist kein Roman, es ist ein subjektiver Bericht, jedoch in der Art der Szenen, dem Detailreichtum und Witz ein Buch, dass es stilistisch mit Einer flog über das Kuckucksnest aufnehmen kann. Ein Lesegenuss, der einen vergessen lässt, dass man „nur“ einen Bericht liest. Das ständige, unausgesprochene Thema ist der Grenzgang von Irresein und Normalsein. Jim Knipfel erlebt beides, oft in unentwirrbarer Verzahnung: Wahn und Wirklichkeit, Realität und Raserei. Knipfel ist ein junger New Yorker Intellektueller aus liebevollem Elternhaus, begabter Student der Philosophie, arm zwar, aber immerhin schon erfolgreich Tutor für jüngere Studenten (Philosophie scheint eine typische Irren-Wissenschaft zu sein: Der Philosoph Ludwig Wittgenstein, dem ein IQ von schlappen 200 nachgesagt wurde, endete ebenfalls im Irrenhaus). Nach einem verdeckten Selbstmordversuch mit Tabletten – Knipfel wollte ihn wie ein Unfall aussehen lassen, um seinen Eltern den Schmerz zu ersparen – kommt er in die Geschlossene Abteilung. Er glaubt zunächst, dass er bald wieder gehen kann und macht sich nicht einmal die Mühe, das Anstalthemdchen anzuziehen. Doch dann hält man ihn für Monate fest. Er erlebt den Psychiatriealltag mit der gesteigerten Wahrnehmung des Übersensiblen. Das absurde System der Essens-, Zigaretten- und Tablettenausgabe, das hässliche Zimmer, die Pfleger, die mal scheiße nett und dann wieder kaltschnäuzig sind, die 10 Minuten „Therapie“ beim gelangweilten Doktor einmal die Woche; die anderen, schon viel tiefer in die Finsternis abgetauchten Patienten. Das allein ist schon lesenswert, aber seine Kraft bekommt das Buch durch die Kapitel, in denen der Autor Knipfel die „Halluzinationsreisen“ des Patienten Knipfel beschreibt – denn im Erzählen dieser grandiosen Fantasien werden beide Knipfels einen Moment lang zu einer unentwirrbaren Einheit. Beide beschäftigt letztlich über das Ende des Buches hinaus das Rätsel, was genau diese Halluzinationen eigentlich sind. Knipfels Größe – und die des Buches - liegt gleichwohl darin, dass er uns nichts vormacht. Er ist kein „aus Versehen“ Eingesperrter, es ist kein Verwechslungs-Plot wie im Horrorfilm, der Mann, der Außerirdische oder Geister gesehen hat, die es wirklich gibt und dem keiner glaubt. Nein, Knipfel ist hier ganz und gar realistisch. Er sieht Dinge, die nicht da sind, er ist von paranoider Wut erfüllt, er hat irrationale Ängste, etwa dass Blumen und Topfpflanzen ihn angreifen. Er weiß, dass er spinnt. Doch genau dieser Mann beschreibt als humorvoller Ich-Erzähler mit spitzer, ironischer Feder, wie hilflos die Normalen angesichts der Irren, wie sinnlos die Verwahrung in der Anstalt ist. Dass kaum sie es war, die ihn, Knipfel, letztlich wieder auftauchen ließ. Und hier liegt auch die Grenze des Buches, wenn man es mit dem Anspruch an das große Drama betrachtet. Ohne spoilern zu wollen kann man sagen, dass die Auflösung (soll ich Erlösung sagen?) der Story kein dicker Knall, keine Epiphanie, keine besondere Erkenntnis ist – wie etwa beim Kuckucksnest – sondern eher eine ironische Klimax, in der die triviale Realität siegt. Doch immerhin, dieses eine Mal ein Sieg zugunsten des Verrückten. Es bleibt also Hoffnung.

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