Jim Thompson After Dark, My Sweet

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Inhaltsangabe zu „After Dark, My Sweet“ von Jim Thompson

§Gleißendes Licht, Hitze, Highways ohne Ende. Vor dieser Kulisse treffen Fay, die spröde Schönheit, und Kid Collins, der attraktive, aber kaputte Preisboxer, aufeinander. Eine leidenschaftliche Liaison beginnt. Doch Fay treibt ein falsches Spiel. Sie nimmt Collie aus purer Berechnung in ihrem Haus auf. Er soll ihr bei einer spektakulären Kindesentführung helfen...

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    After Dark, My Sweet

    TheRavenking

    03. January 2016 um 21:59

    Gleißendes Licht, Hitze, Highways ohne Ende. Vor dieser Kulisse treffen Fay, die spröde Schönheit, und Kid Collins, der attraktive, aber kaputte Preisboxer, aufeinander. Eine leidenschaftliche Liaison beginnt. Doch Fay treibt ein falsches Spiel. Sie nimmt Collie aus purer Berechnung in ihrem Haus auf. Er soll ihr bei einer spektakulären Kindesentführung helfen … Ex-Boxer Kid Collins ist aus der Nervenheilanstalt getürmt. Laut seiner Krankenakte zeigt er Anzeichen für ein Korsakow-Syndrom, welches mit Gedächtnisstörungen einhergeht. Vielleicht ist Kid deshalb so verwirrt und unsicher. Er weiß nicht, wem er trauen kann und er weiß auch nicht so recht, was er überhaupt noch auf dieser Welt soll. Eigentlich will Kid niemandem wehtun, aber die Leute wollen ihn einfach nicht in Ruhe lassen. Da kehrt er für einen Drink in die nächstbeste Bar ein und versucht mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Aber statt Freundlichkeit stößt er auf Ablehnung und Gemeinheit. Es ist eine dieser verschlafenen amerikanischen Bars, wo einsame Menschen am Tresen hängen und über ihre vertane Existenz sinnieren. Es ist niemand da außer einer schönen Frau und dem Barkeeper. Aber irgendetwas an Kid scheint die beiden zu reizen. Als hätten sie nur auf ein Opfer gewartet, das sie piesacken, an dem sie ihren Frust auslassen können, fallen sie über ihn her. Kid mag groß und gutaussehend sein, aber er wirkt auch irgendwie harmlos, wie ein kleiner Junge, der sich verlaufen hat. „Ich ahnte - nein, ich wusste, ich hätte niemals hierher kommen sollen. Ich sollte nie an Orte gehen, wo die Leute nicht freundlich und höflich zu mir sind.“ Aber sie können nicht wissen, dass Kid sein Temperament nicht unter Kontrolle hat – und wenn er zuschlägt, dann schlägt er richtig zu, und bald liegt der Barkeeper verletzt auf dem Boden, was der schönen Frau, zu imponieren scheint. Eben noch ein freches Luder beginnt sie nun Kid zu umgarnen. Sie heißt offenbar Fay und möchte etwas von ihm. Was genau, scheint zunächst unklar. Sie nimmt ihn mit zu sich nach Hause und stellt ihn ihrem Partner (?), Kumpel (?), Zuhälter (?), Komplizen (?) Onkel Buck vor. Und Onkel Buck hat einen Plan. Ein Kind aus einer reichen Familie soll entführt werden. Kid Collins kann dabei mithelfen. Es klingt nach einer ziemlich dämlichen Idee, Entführungen gehen selten gut aus. Aber trotzdem ist Kid mit dabei. Er müsste gar nicht, niemand zwingt ihn. Er könnte ohne weiteres sagen: Ich will nicht! Lasst mich bloß in Ruhe ihr miesen Penner, sucht euch irgendeinen anderen Idioten, den ihr übers Ohr hauen könnt!“ Aber wo soll er sonst hin? Er hat ja niemanden. Vielleicht macht er auch mit, weil er scheitern möchte, diesmal endgültig. Denn mittlerweile ist Kid Collins ein Experte darin zu stolpern und zu stürzen. Er hat reichlich Erfahrung damit ordentlich auf die Fresse zu fallen. Und irgendwann, wenn man zu oft hingefallen ist, dann hat man gar keine Lust mehr aufzustehen, dann möchte man am liebsten liegen bleiben, die Augen schließen und sich wünschen, alles wäre vorbei. Dann rennt man nicht vor den Explosionen davon, sondern stürzt sich hinein, um von den Flammen verschlungen zu werden. Und vielleicht mag er ja Fay trotz allem. Denn Fay ist hübsch und seitdem sie weiß, dass er gewalttätig werden kann, ist sie viel netter zu ihm. Ist Fay ein gutes Mädchen, das einfach nur in schlechte Gesellschaft geraten ist? Ist sie ein böses Mädchen, das doch über ein gewisses Maß an Güte verfügt? Ist sie eine ganz normale Frau, die einfach im Leben vorankommen möchte? Hat sie Kid vielleicht tatsächlich gern? Verliebt sie sich etwa sogar in ihn? Wer weiß das schon? Vielleicht gibt es irgendwo eine gute Version von Fay, eine gut Version von Kid, eine gute Version von uns allen, aber die wenigsten schaffen es diese an die Oberfläche zu bringen. Bei den meisten bleibt sie verschüttet unter einem Geröll aus Neurosen, Psychosen, negativen Erfahrungen, Verletzungen und Angst. Jim Thompson hat keine Unterhaltungsromane geschrieben. Er schrieb Bücher über Scheitern, Zerfall und furchtbare seelische Verwahrlosung. Darüber was passiert, wenn der amerikanische Traum zum zermürbenden Alptraum wird. Er schrieb darüber wie Menschen durch eine Welt der Teilnahmslosigkeit und Gier zerstört werden und durch eine Gesellschaft, die das schlechteste in ihnen zum Vorschein bringt. Thompsons Figuren haben keine Zukunft. Ihre Vergangenheit ist eine Abfolge von Demütigungen, von ermüdenden Fehlschlägen und Enttäuschungen und ihre Gegenwart ein fiebriges, verzweifeltes Suchen nach etwas Besserem, oder wenigstens etwas Annehmbarem. Jim Thompson war vielleicht so etwas wie der Anti-Albert Camus. Während der französische Philosoph in seinen Werken dazu aufrief, trotz aller Widrigkeiten am Leben zu bleiben, entlarvte der Amerikaner in seinen Büchern die absolute Substanzlosigkeit und tragische Banalität menschlicher Existenz. Hier gibt es keinen Sinn mehr zu handeln, zu hoffen, zu wünschen, zu träumen, zu atmen, das einzige was hier noch einen Sinn ergibt ist sterben und sich so vom Elend der Existenz zu erlösen. After Dark, My Sweet ist von einer so fürchterlichen Traurigkeit, einer solch niederschmetternden Tristesse, dass man sich nach dem Ende am liebsten im Bett verkriechen, sich die Decke über den Kopf ziehen und lange, lange schlafen möchte. „Ich wollte es endlich hinter mir haben, es sollte jetzt endlich Schluss sein! Denn es war nichts anderes möglich als ein schreckliches Ende! Nichts Gutes, nichts Beglückendes konnte jetzt mehr bei dieser Scheiße herauskommen – und daher lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende. … Wenn ich dazu in der Lage gewesen wäre, hätte ich ja schon selbst den Schlussstrich gezogen. Aber irgendwie hatte ich es einfach nicht gekonnt, und ich schätze, dass es eigentlich gar nicht so seltsam ist, dass ich nicht dazu in der Lage war. Es gibt da so ne Art Antriebsfeder im Inneren jedes Menschen, die ihn auch dann noch auf Trab hält, wenn es schon längst keinen Grund mehr dafür gibt. Just keep going – geh weiter, gib nicht auf, mach weiter! Er ist nicht gut, nicht geschaffen fürs Leben, und das Leben ist nicht geschaffen für ihn – und er weiß, dass es immer so sein wird! Trotzdem kann er nicht aussteigen! Trotzdem zieht er keine unwiderrufliche Konsequenz. – Weil sie unwiderruflich ist? Vielleicht. Irgendetwas stößt ihn vorwärts, redet ihm zu, treibt ihn an, putscht ihn auf und unentwegt weiter – macht ihn auf makabre Weise hoffnungsfroh angesichts verzweifelter Hoffnungslosigkeit. Macht ihn glauben, dass es doch noch einen Grund gibt, einen Sinn im Ring zu bleiben und zu kämpfen, und dass er diesem Grund schon irgendwann in die Arme stolpern wird, wenn er nur lange genug weiterkämpft! So geht’s jedem, nehme ich an, oder jedenfalls fast jedem. Und es ist kaum jemals anders bei mir gewesen. Just keep going – nur nicht aufgeben! Jahre hindurch, soweit ich zurückdenken konnte, hab ich dieses „keep going“ praktiziert, weitergemacht und nicht aufgegeben, wenn Weitermachen schon längst keinen Sinn mehr zu haben schien. Und auch jetzt keep going. Ich musste auch jetzt weitermachen. Gegen meine innere Überzeugung! Falls Aussteigen eine Möglichkeit oder Gebot der Stunde war, mussten andere für mich die Initiative ergreifen.“

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