Jim Thompson Der Mörder in mir

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Inhaltsangabe zu „Der Mörder in mir“ von Jim Thompson

Hrsg. Jost, Bernd. Nachw. v. Compart, Martin. (Quelle:'Flexibler Einband/01.05.1991')

Mein altes Krimiklassikerproblem: Staubig wie texanischer Wüstensand und daher fad erzählte Geschichte einer interessanten Figur.

— Ein LovelyBooks-Nutzer
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Innenansicht eines Psychopathen. Beeindruckender Klassiker des Noir.

— Gulan
Gulan

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  • Der Mörder in mir

    Der Mörder in mir
    TheRavenking

    TheRavenking

    27. September 2015 um 21:59

    Die Bedienung, eine Neue aus Dallas, sah zu, wie ich mir die Jacke zuknöpfte: „Sie haben ja nicht einmal eine Kanone!“ sagte sie staunend. „Nein.“ Ich lächelte. „Keine Kanone, keinen Gummiknüppel, nichts dergleichen. Wozu auch?“ „Aber Sie sind doch ein Cop, ein Deputy Sheriff. Wenn nun so ein Gangster auf Sie schießt?“ „Wir haben nicht viele Gangster hier in Central City, Ma’am. Und Mensch ist Mensch, auch wenn er auf die schiefe Bahn gekommen ist. Wenn Sie ihm nichts tun, tut er Ihnen auch nichts. Die meisten lassen mit sich reden.“ Meinen Sie eigentlich immer, was Sie sagen oder sagen Sie auch oft Dinge, von denen Sie nicht überzeugt sind? Sind Sie stets aufrichtig zu Ihren Mitmenschen, höflich und zuvorkommend, selbst wenn jene sich etwas grob gebärden sollten? Haben Sie ein Herz selbst für den größten Übeltäter, den miesesten Bully, den abscheulichsten Sadisten? Sind Sie ein zivilisiertes, domestiziertes Menschenexemplar oder gibt es Momente in denen der Urmensch zurückkehrt und um sich schlägt? Ich bin natürlich nicht Ihr Psychotherapeut und deshalb geht mich das auch überhaupt nichts an, aber ich schätze, die meisten von uns lügen schon hin und wieder. Wir können ja gar nicht anders, denn es wird von uns erwartet. Man hat uns von klein auf eingetrichtert, dass die Gesellschaft nur funktionieren kann, wenn jeder ein klein wenig beigibt. Wenn wir nicht gleich losheulen, weil wir traurig sind, oder unseren Frust hinausbrüllen. Sprich: Eine wenig Unaufrichtigkeit ist unabdingbar, damit der soziale Frieden erhalten bleibt. Vielleicht lesen wir deshalb gerne Bücher über Psychopathen. Weil sie tun dürfen, was uns nicht erlaubt ist. Insgeheim genießen wir das Treiben dieser diabolischen Gestalten. Viele von Jim Thompsons Romanen gebrauchen Ich-Erzähler und stellen dadurch eine Komplizenschaft mit dem Leser her. Wie schlimm die Taten dieser Unholde auch sein mögen, dadurch dass sie uns ihre Beweggründe mitteilen, gewinnen sie unser Verständnis. Indem sie dem Leser ihr Vertrauen schenken, ziehen sie diesen geschickt auf ihre Seite. Von allen Kunstformen eignet sich die Literatur ohnehin am besten dazu, zu zeigen, was in unseren Köpfen vorgeht und damit auch die Diskrepanz zwischen dem, wie die anderen uns sehen und wie wir tatsächlich sind, aufzuzeigen. Das kann einen komischen Effekt erzeugen, einen tragischen oder mitunter tragikomischen, aber stets bleibt ein Gefühl der kognitiven Dissonanz. Lou Ford, der Protagonist von Der Mörder in mir hat nicht nur einfach einen schlechten Tag, er hat viel mehr ein schlechtes Leben. Durch eine Verletzung aus seiner Kindheit psychisch gebrandmarkt, ist er zum menschenverachtenden Zyniker geworden. Für ihn sind andere Leute Feinde, Widersacher, Konkurrenten. Personen, die man ohne weiteres belügen darf oder sogar muss, weil sie es ja sehr wahrscheinlich schlecht mit einem meinen und ohnehin keine bessere Behandlung verdienen würden. Als paranoider Schyzophreniker hat er sich die Maske des jovialen Gesetzeshüters aufgesetzt, des gutmütigen Trottels, der keiner Seele etwas zu leide tun könnte. Bis die Bewohner des Städtchens Central City merken woran sie sind, ist es längst zur Katastrophe gekommen. Lou Ford wirkt zunächst sehr freundlich, tut aber in der Folge sehr unfreundliche Dinge. Was mit dem Ausdrücken einer brennenden Zigarette auf der Haut eines Landstreichers beginnt, artet schon bald zu schwerer Körperverletzung und Mord aus. Wie die meisten Noir-Antihelden träumt auch Ford vom großen Geld, und um dieses zu bekommen, arbeitet er einen wirren Plan aus, der natürlich am Ende gewaltig schief geht. Jim Thompson ist ganz klar ein Autor der Krisensituationen. Das Leben seiner Figuren ist eine einzige Krise. „Wenn dem lieben Gott bei uns Menschen ein Fehler unterlaufen ist, dann der, dass wir weiterleben wollen, wenn wir am wenigsten Anlass dazu haben.“ – sinniert Ford gegen Ende. – Das ist ein immer wiederkehrendes Motiv in Thompsons Büchern. Seine Protagonisten sehen keinen Sinn mehr in ihrem Leben, sie sehen keinen Sinn mehr in der Welt. Das lässt sie jeglichen moralischen Halt und jegliche Scham verlieren. Der Mörder in mir beginnt wie ein komisches Buch, was es aber eigentlich überhaupt nicht ist. Anders als Thompsons Pop. 1280, eine bitterböse Farce voller brüllkomischer Momente, ist dies eine eher trockene Geschichte. Was vor allem daran liegt, dass Lou Ford kein besonders unterhaltsamer Erzähler ist. In manchen Büchern Thompsons wird die Verbitterung der Protagonisten bis hin zur absurden Groteske gesteigert, hier nicht. Es ist eine tieftraurige Story über einen tragisch gescheiterten Mann. Es mag schwer sein Lou Ford zu mögen, doch am Ende kann man kaum anders als Mitleid für ihn und sein verpfuschtes Leben zu empfinden. In unserer heutigen ideologiefreien, postmoralischen Ära wirken Thompsons verstörende Werke erschreckend aktuell. Er hat Autoren wie James Ellroy und Bret Easton Ellis beeinflusst und wird doch selbst mittlerweile kaum noch gelesen. Liegt es vielleicht daran, das wir uns scheuen einen Blick in unsere eigenen Abgründe zu werfen, schließlich tragen wir alle irgendwo tief in unserer Seele einen Mörder mit uns herum, auch wenn er nur in den seltensten Fällen an die Oberfläche tritt.

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  • Innenansichten eines Mörders.

    Der Mörder in mir
    Gulan

    Gulan

    Es war fast drei Uhr früh, als Sheriff Maples und Howard Hendricks, der Staatsanwalt, mit mir fertig waren, und man kann sich vorstellen, daß mir nicht gerade nach Singen und Tanzen zumute war. Ich hatte ein flaues Gefühl in der Magengegend, und stinksauer war ich außerdem. Es hätte alles ganz anders kommen sollen, das war einfach ungerecht. Ich hatte alles in meiner Macht Stehende getan, um zwei unerwünschte Mitbürger auf glatte, saubere Weise zu beseitigen. Und nun war Joyce noch am Leben, während Elmer schon im Fegefeuer schmorte. (S.56) In der Kleinstadt Central City in Texas verrichtet der junge Deputy Lou Ford seinen Dienst. Ein durchaus umgänglicher Typ, vom Sheriff geschätzt, liiert mit der Lehrerin Amy. Doch in ihm sieht es ganz anders aus. Eine Liaison mit der Prostituierten Joyce und der Hass auf den reichen Unternehmer Chester Conway, den er für den Tod seines Bruders Mike verantwortlich macht, lassen seine angestaute Wut ausbrechen. Jim Thompson gilt heute als einer der wichtigsten Autoren des amerikanischen Noir. Dabei war sein Erfolg zu Lebzeiten eher überschaubar und nur kurzzeitig. „Der Mörder in mir“ wurde erstmals im Jahr 1952 veröffentlicht und gilt als sein Opus magnum. Als Ich-Erzähler hat Thompson einen echten Wahnsinnigen ausgewählt. Lou Ford tritt nach außen als zuverlässiger, sympathischer Mann auf. Er ist manierlich und höflich, sagt „Ja, Ma'am und Nein, Ma'am zu allem, was einen Rock trägt“ (vielleicht hält der Manners Killer in „Kaliber“ deshalb so große Stücke auf ihn...). Ford wirkt auf seine Mitmenschen bauernschlau, teilweise sogar dümmlich und absolut harmlos. Doch weit gefehlt, denn Ford ist keineswegs dumm, sondern gerissen, gewalttätig und skrupellos. Ein Trauma verfolgt ihn seit seiner Kindheit und macht ihn zu einem unberechenbaren Psychopathen, dessen Störung jederzeit ausbrechen kann. Er diagnostiziert mit Hilfe der medizinischen Literatur seines verstorbenen Vaters bei sich selbst eine paranoide Schizophrenie. In einem lakonischen, beiläufigen Ton erzählt Ford die Geschichte und lässt den Leser auch vorab an seinen Plänen teilhaben. Neben dieser Perspektive finde ich an diesem Romans aber außerdem die übrigen Figuren interessant, die allesamt mehr oder weniger Nebenrollen spielen. Ford mag zwar der einzige Wahnsinnige der Geschichte sein, aber auch andere Gestalten haben hier mächtig Dreck am Stecken. Für einige rechtschaffene, harmlose oder mehr oder weniger unbeteiligte Personen hingegen nimmt die Geschichte kein gutes Ende. Willkommen im Noir! Ganz anders als Ken Bruen, der „Kaliber“ sarkastisch und zynisch konzipiert, geht Thompson hier trocken und direkt vor. Er nimmt den Leser mit in die verstörenden Gedankengänge eines Psychopathen und offenbart auch daneben eine Welt der Korruption und Gewalt. Wirklich lesenswert und zurecht ein Klassiker des Genres.

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    • 9
    Igelmanu66

    Igelmanu66

    25. September 2015 um 20:46
  • Rezension zu "Der Mörder in mir" von Jim Thompson

    Der Mörder in mir
    JimmySalaryman

    JimmySalaryman

    25. April 2012 um 18:14

    "Lou, lass das mal lieber ..." Jim Thompson soll ja schon mit 19 schwerer Alkoholiker gewesen sein, und sein Werk ließ dann später auch in der Tat stark nach, doch "Der Mörder in mir" ist eine Glanzleistung, ein Meisterwerk. Hammett und Chandler, sie schrieben gut und wohlfeil und mit dem hehren Anspruch, Kriminalliteratur endlich höheren Ansprüchen gerecht werden zu lassen, doch Thompson schreibt so, wie man es eben lesen will, wenn man es dreckig und hart lesen will: Dreckig und hart! Wir sind alle ein wenig Lou Ford, denke ich mir manchmal. Lou Ford, der sich grenzdebil aufstellt in seinem Posten als Dorfbulle, der aber mächtig was am laufen hat. Vor allem steht er drauf, jungen und heißen Miezen den prächtigen Arsch zu verdreschen, und nebenbei will er sich noch am Baron der Gegend für den Tod seines Stiefbruders rächen. Kann das gut gehen? 200 flott geschriebene und mitunter recht blutrünstige Seiten voller Possenspiele später wissen wir es ... für Freunde des gepflegten Noir natürlich uneingeschränkt empfehlenswert!

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