Jim Thompson Kein ganzer Mann.

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Inhaltsangabe zu „Kein ganzer Mann.“ von Jim Thompson

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    Kein ganzer Mann.

    TheRavenking

    23. May 2016 um 21:57

    Clinton Brown wurde mit einem Himmelfahrtskommando über ein Minenfeld geschickt. Er trägt eine Verletzung davon, die er zu verbergen sucht. Besonders die Frauen werden ihm dabei gefährlich. Denn sie wollen einfach nicht akzeptieren, dass sich der attraktive Reporter in Suff und Einsamkeit flüchtet. Irgendwann gehen die Nerven mit ihm durch. Clinton gibt, was man von ihm erwartet – aber auf seine Art. Es ist nicht einfach ein (Anti-)Held in einem Jim-Thompson-Roman zu sein. Clinton Brown ist Reporter bei der Tageszeitung Courier in dem Städtchen Pacific City. Nach außen hin projiziert Brown die Fassade eines zufriedenen Lebemannes, aber in Wirklichkeit befindet sich der gutaussehende Womanizer seit einer unglücklichen Kriegsverletzung in einem verzweifelten Zustand. Brown versucht seine Schmerzen (die mittlerweile eher seelischer Natur sind) in reichlich Alkohol zu ertränken. Als seine Noch-Ehefrau in dem Städtchen auftaucht, nimmt er an, sie sei gekommen, um ihn zu erpressen, ist sie doch neben Dave Randall, seinem Vorgesetzten beim Courier, die einzige, die von seinem peinlichen Geheimnis weiß. Denn, dass es geheim bleiben muss, ist oberstes Gebot. Schließlich wusste schon Friedrich Nietzsche: „Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tötet man.“ Das weiß auch Brown: „Denn so eine Sache hat einfach etwas schrecklich Komisches an sich. Die Leute lachen darüber, vielleicht insgeheim, aber sie lachen. Sie schenken einem ein mitfühlendes Lächeln und besorgte Blicke, die Gesichtsmuskeln dabei gespannt von unterdrücktem Lachen. Selbst wenn sie nicht lachen, hört man sie förmlich sagen: „Der arme Kerl! Was für eine entsetzliche … Ha ha ha … Was macht er bloß, wenn er mal aufs …?“ Man kann nicht arbeiten. Man kann nicht leben. Man kann nicht sterben. Man hat Angst vorm Sterben, Angst vor der völligen Wehrlosigkeit angesichts des Gelächters, das der Tod unweigerlich mit sich bringt.“ Clinton trifft sich mit seiner Frau Ellen, die sich in einem Motel am Stadtrand einquartiert hat. Er will sie überzeugen, sich endlich von ihm zu trennen. Doch das Gespräch bringt nichts. Clinton ist betrunken und verliert die Fassung, er wird gewalttätig, schlägt auf sie ein und kann sich von da an nichts mehr erinnern. Am nächsten Tag findet man Ellens Leiche. Für Clinton scheint es offensichtlich, dass er seine Frau getötet hat. Der Polizeichef Lem Stukey hätte ihn zwar gern am Wickel. „Zu Stukey nur so viel: Er kennt kein Pardon und ist unnachgiebig, was Landstreicher betrifft. Kriegen Lem und seine Lakaien mal irgendeinen Penner zu fassen, vorzugsweise schwarz und über fünfundsechzig, fangen die Mühlen des Gesetzes an rasch und unbarmherzig zu mahlen. Sechzig Tage Straßenbautrupp, sechs Monate Armenhof – das ist die Regel. Aber es gibt Ausnahmen. In einer erstaunlich hohen Anzahl von Fällen verbrirgt sich hinter dem Landstreicher auch noch die seit langem gesuchte Person, die für einer Serie schwerer, bislang unaufgeklärter Verbrechen verantwortlich ist.“ Aber bei Clinton wirkt immer noch ein starker Selbsterhaltungstrieb, und ohnehin kommen ihm bald Zweifel an seiner Schuld, zumal es noch weitere Verdächtige gibt. Doch es gibt noch andere Probleme. Als wäre seine Lage nicht schon so schlimm genug, meldet sich ausgerechnet jetzt die Liebe in Form seiner Traumfrau. „Sie war nicht mehr die Jüngste, um die Fünfunddreißig, würde ich sagen. Und jedes für sich genommen, war sie keineswegs hübsch: Strohblondes, fast zu starkes Haar, nach hinten gekämmt und zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden; grüne Augen, mit einem ganz leichten Silberblick; der Mund etwas zu groß geraten. Für sich betrachtet, waren die Einzelteile voller Mängel, aber zusammengenommen waren sie eine Wucht. Es gab etwas in ihrem Inneren, irgendeine besondere Qualität, eine Fülle, eine Lebendigkeit, die nach außen wirkte und einen gefangen nahm.“ Die reiche Witwe Deborah Chasen ist Traum und Alptraum zugleich. Verlockend und unerreichbar wie eine Fata Morgana. Eine Liebe auf den ersten Blick, die doch von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Schließlich darf auch Deborah die Wahrheit niemals erfahren. Wird Clinton erneut zu drastischen Mitteln greifen und ist er überhaupt ein Mörder oder nur Opfer unglücklicher Umstände? Stilistisch kommt „Kein ganzer Mann“ ungewöhnlich leichtfüßig daher. Wo sonst findet man in einem Noir-Roman satirische Gedichte wie dieses? Lady ewiger Lüste Brennender Lippen, bebender Brüste Lady, hau ab und spar dir das Ganze Verdrück dich und lass deinen Hintern Bei mir nicht überwintern Die Erzählung bewegt sich ständig haarscharf am Rande der Parodie ohne aber wesentlich von ihrem pessimistischen Grundton einzubüßen. Dieses Buch stellt vielleicht ein gewisses Unikat innerhalb Thompsons Werk dar, ist es doch einer der ganz seltenen Fälle, wo er dem Leser eine einigermaßen sympathische Frauenfigur präsentiert und einen Ich-Erzähler, der kein geborener Gauner ist und dadurch verhältnismäßig weit entfernt von den üblichen Blue-Collar-Criminals, den einfachen Hinterwäldlern und korrupten Cops in Romanen wie „Der Mörder in mir“ oder „Getaway“. Es ist auch ein Kriminalroman, der tatsächlich dieses Prädikat verdient, legt Thompson doch immer wieder falsche Fährten und lässt den Leser ständig daran zweifeln, was denn nun tatsächlich vorgefallen ist. Sein Clinton Brown ist das, was man gemeinhin einen unzuverlässigen Erzähler nennt, jemand, dem man als Leser nicht vollständig vertrauen kann. Aber wem kann man denn überhaupt vertrauen? Nicht dem Leben, das zahlreiche Fallstricke für uns bereithält. Und den Menschen schon gar nicht, oder? Diese allgegenwärtige Paranoia stellt Thompson in eine Reihe mit Philip K. Dick. Sie schrieben zwar grundverschiedene Bücher, waren sich aber beide im Klaren darüber, dass nichts klar ist. Ein sehr unterschätzter Thompson mit einem bitterbösen Unhappy End, das lange nachwirkt.

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