Jin Yong

 4,3 Sterne bei 39 Bewertungen
Autor*in von Die Legende der Adlerkrieger, Der Schwur der Adlerkrieger und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Jin Yong wurde 1924 in Haining, China, geboren. Er studierte kurze Zeit an der »Zentralen Politischen Hochschule« in Chongqing und war anschließend als Übersetzer und Zeitungsredakteur tätig. 1955 veröffentlichte er seinen ersten Roman, dem noch viele weitere folgen sollten. Jin Yongs Hauptwerk »Die Legende der Adlerkrieger« wurde mehrfach verfilmt sowie in zahlreiche Sprachen übersetzt und gilt in China als Meilenstein der Wuxia-Literatur. In Hongkong gibt es sogar ein eigenes Jin-Yong-Museum. Der Autor starb 2018 im Alter von 94 Jahren.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Die Legende der Adlerkrieger (ISBN: 9783961544318)

Die Legende der Adlerkrieger

Erscheint am 06.07.2024 als Hörbuch bei Ronin-Hörverlag, ein Imprint von Omondi GmbH.

Alle Bücher von Jin Yong

Cover des Buches Die Legende der Adlerkrieger (ISBN: 9783453319905)

Die Legende der Adlerkrieger

 (28)
Erschienen am 11.10.2020
Cover des Buches Der Schwur der Adlerkrieger (ISBN: 9783453319929)

Der Schwur der Adlerkrieger

 (6)
Erschienen am 08.08.2021
Cover des Buches Der Pfad der Adlerkrieger (ISBN: 9783453321656)

Der Pfad der Adlerkrieger

 (4)
Erschienen am 13.09.2022
Cover des Buches Eaglet 01 (ISBN: 9783770478088)

Eaglet 01

 (1)
Erschienen am 05.04.2012
Cover des Buches Die Legende der Adlerkrieger (ISBN: 9783961544318)

Die Legende der Adlerkrieger

 (0)
Erscheint am 06.07.2024

Neue Rezensionen zu Jin Yong

Cover des Buches Der Pfad der Adlerkrieger (ISBN: 9783453321656)

Rezension zu "Der Pfad der Adlerkrieger" von Jin Yong

Kein Superlativ kann zu hoch ausfallen
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Monaten

Das Warten hat ein Ende. Der dritte Teil der epochalen Trilogie um die Adlerkrieger ist gerade bei Heyne erschienen. So dachte ich. Aber weit gefehlt. Der Pfad der Adlerkrieger ist mitnichten der Abschluss der Trilogie, nicht mal ansatzweise. Aber dazu gleich mehr. Wer mit dem Namen Jin Yong nichts anzufangen weiß oder noch nie etwas von den Adlerkriegern gehört hat, möge hier mit dem Lesen beginnen. Dort erkläre ich auch ein wenig den Gesamtzusammenhang und was es mit den Begriffen Wuxia und Jianghu auf sich hat. Wer den ersten Teil „Die Legende der Adlerkrieger“ und den zweiten Teil „Der Schwur der Adlerkrieger“ gelesen hat, darf sich nun aber endlich auf die Fortsetzung freuen. Alle anderen sollten das dringend nachholen. Denn was bei meiner ersten Rezension galt, gilt auch jetzt noch: kein Superlativ kann zu hoch ausfallen. Es geht genauso weiter, wie es aufgehört hat. Guo Jing und Huang Rong müssen sich mit ihrem fulminanten Kung Fu zahlreicher Gefahren erwehren. Gerade der Pfirsichblüteninsel entkommen und mit dem Schiff des Ketzers des Ostens untergegangen, bleibt ihnen keine Ruhepause.

Ausgerechnet Ouyang Feng und Ouyang Ke retten die zusammengewürfelte Gruppe. Es kommt, wie es kommen muss. Ein Abenteuer reiht sich an das nächste und so wie wir es von den ersten beiden Bänden gewohnt sind, kommt keine Langweile auf. Den roten Faden bildet dieses Mal die Suche nach den Schriften des legendären Generals Yue Fei. Mithilfe dieser militärisch-taktischen Notizen soll es gelingen, die heranstürmenden Truppen Wanyan Honglies aufzuhalten und zu besiegen. Im Gegensatz zu den vorausgehenden Büchern, ist die Handlung allerdings sehr auf Jing und Rong konzentriert, was dem Ganzen leider auch erheblich Tiefe nimmt. Viele weitere liebgewordene Protagonist*innen spielen in diesem Band entweder gar keine Rolle oder fristen ein Randdasein. Auch die Entwicklung der Figuren findet kaum statt. Was bleibt ist eine rasante Handlung, die noch mehr als zuvor von zahlreichen Kämpfen geprägt ist. Diese sind allerdings wieder fantastisch und grandios geschrieben. Die unterschiedlichen Stile treffen aufeinander, jeweils mit ihren Geheimtechniken und ihren Finten, Paraden und geradezu magischen Attacken.

Der Ritt auf dem Hai

Wuxia-Literatur wie sie schöner nicht sein kann. Und dennoch fehlt diesem dritten Band das Besondere. Während Teil 1 und 2 geradezu genial und epochal sind, wirkt dieser dritte Teil schon fast gewöhnlich. An manchen Stellen schon fast nervig repetitiv. Kaum gewonnen, schon zerronnen. Kaum befreit, schon wieder gefangen. Das funktioniert zwar leidlich gut, aber Vieles wirkt nun auch arg konstruiert, um die Geschichte in die Länge zu ziehen. In den USA gibt es den Begriff „jumping the shark“. Dieser bezieht sich ursprünglich auf Fernsehserien, die ihren Höhepunkt überschritten haben. Der Name geht auf die Serie „Happy Days“ zurück. In dieser springt eine der Hauptfiguren mit Wasserskiern über einen Hai, was von vielen Fans als außerordentlich lächerlich wahrgenommen wurde und als Turning Point der Serie gilt. Ab hier geht’s bergab, so vielleicht der landläufige Tenor. Nun will ich nicht so weit gehen und diese auch weiterhin äußerst unterhaltsame Geschichte als beendet erklären, aber man kommt nicht umhin, den Ritt auf dem Hai von Zhou Botong als eben solchen jumping the shark Effekt wahrzunehmen, quasi die Steigerung: riding the shark.

Klar, die Adlerkrieger sind Fantasy – und dazu noch sehr gute. Aber Der Pfad der Adlerkrieger fordert die Leser*innen schon mehr heraus. Da reiht sich Missverständnis an Missverständnis, nur um die Handlung weiter strecken zu können. Einige Logiklöcher tun sich auf, wenn der Vater aus lauter Eile vergisst sich nach seinem schwerverletzten Sohn oder seiner vermissten Tochter zu erkundigen – als wäre das bisher nicht das Wichtigste gewesen. Was sich in den ersten beiden Teilen wunderbar ineinandergefügt hat, holpert hier ein wenig. Die kritiklose Freude der ersten beiden Bände wird nun etwas getrübt und alles wird ein wenig ambivalenter. Am meisten hat mich gestört, dass der Fokus auf so wenige Protagonist*innen verengt ist. Auch der historische Kontext mit den Mongolen und Jin gerät doch arg in den Hintergrund.

Irrungen und Wirrungen

Aber zugegeben, es ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Denn es war wieder ein wundervolles Lesevergnügen und ein wahrer Pageturner. Und es lässt ja auch hoffen, dass in der Fortsetzung wieder mehr Wert auf die anderen Helden des Jianghu gelegt wird. Wie Fortsetzung? Tja und das ist das große Rätsel und eine nicht geringe Verwirrung. Jin Yong hat den Adlerkriegern eine Trilogie gewidmet. Und bisher dachte ich, es wäre eben diese Trilogie, die im Heyne Verlag veröffentlicht wird. Dem ist aber (erst einmal) nicht so. Die drei veröffentlichten Bände entsprechen nicht einmal dem ersten Teil der Originaltrilogie. Dazu würde es noch eines vierten Bandes benötigen. Dieser existiert zwar in einer englischen Übersetzung, ist aber als deutsche Version bisher nicht angekündigt. Teil zwei und drei der Trilogie sind sogar noch nicht einmal ins Englische übertragen worden. Angeblich wird seit 2018 an einer 12-bändigen Übersetzung gearbeitet, was ich so aber nicht verifizieren konnte. Dass deutsche Leser*innen also in den Genuss des zweiten und dritten Teils der Trilogie kommen, die erst dann wirklich zu einem epochalen Werk wird, dürfte also weitestgehend ausgeschlossen sein. Und ob wir wenigstens das Ende des originalen ersten Teils lesen dürfen, also den dann vierten Band ebenfalls übersetzt bekommen, steht auch noch nirgends geschrieben. Nur dreiviertel von „The Legend of the Condor Heroes“ zu übersetzen, wäre schon fast Betrug an den Leser*innen.

Abschließend sei aber wieder der Übersetzerin Karin Betz gedankt, die dieses Meisterwerk in die deutsche Sprache übertragen hat. Dabei handelt es sich nicht lediglich um eine Übersetzung, sondern um eine eigenständige literarische Leistung. Ein direktes Übersetzen würde den deutschen Leser*innen recht wenig bringen, da die ganzen kulturellen Anspielungen zwar jedes chinesische bzw. asiatische Kind versteht, aber in Deutschland nur auf Unverständnis stoßen würde. Da werden Persönlichkeiten der chinesischen Geschichte mit literarischen Protagonist*innen verwoben und gleichgesetzt, da wird auf Klassiker von Kunst, Kultur und Literatur rekurriert, Lieder und Gedichte werden selbstverständlich integriert. Alles Aspekte, die deutsche Leser*innen eher verwirren würden. Wer sich hiervon ein Bild machen möchte, möge „Die Reise in den Westen“ lesen. Die Übersetzung ist zwar ebenfalls grandios, aber dieser chinesische Klassiker wurde direkter übersetzt. Da habe ich schonmal ein paar hundert Seiten gebraucht, um hereinzukommen. Gut angesichts von knapp 1.500 Seiten, geht das ja auch wieder in Ordnung.

Alles in Allem ist Der Pfad der Adlerkrieger wieder fantastische Literatur. Und schon allein, weil es ansonsten kaum chinesische Romane gibt, und noch weniger Wuxia-Romane, ist das hier ein mustread.

Cover des Buches Der Schwur der Adlerkrieger (ISBN: 9783453319929)

Rezension zu "Der Schwur der Adlerkrieger" von Jin Yong

Grandiose chinesische Phantastik
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Monaten

Die Meistererzählung geht weiter. Der zweite Teil des grandiosen Abenteuerepos von Jin Yong wurde kürzlich im Heyne Verlag veröffentlicht. Und wieder hat die kongeniale Übersetzerin Karin Betz eine wundervolle Sprache gefunden, um uns ins Wuxia-Heldenuniversum des alten China zu entführen. Was schon für den ersten Teil galt, gilt auch für „Der Schwur der Adlerkrieger“: kaum ein Roman hat mich in der letzten Zeit so sehr beeindruckt und in fremde Welten entführt. Man muss Heyne wirklich einen riesen Dank aussprechen, dass sie Jin Yong dem deutschen Buchmarkt zugänglich machen. Zumal mit einer eigenständigen direkten Übersetzung und nicht mit einer Übertragung aus dem Englischen. Man kann diese Übersetzungsleistung gar nicht hoch genug rühmen, denn die Romane lesen sich einfach nur wunderbar. Und das ist alles andere als selbstverständlich, denn Jin Yong galt als unübersetzbar! Es sind nicht nur die Besonderheiten der chinesischen Sprache, die Begriffe und Sinnbilder, die im chinesischen Jede*r kennt, die eine Übersetzung ins Deutsche erschweren, sondern gerade das Wuxia-Universum hat eine ganze Menge Wörter erschaffen, die es so vorher auch im Chinesischen gar nicht gegeben hat. Die Interpretations- und Sprachschöpfungsleistungen von Karin Betz sind preiswürdig.

Endlich zurück ins Jianghu

Wer den ersten Teil noch nicht gelesen hat, sollte dies dringendst nachholen und hier nicht weiterlesen. Während wir im ersten Teil vor allem die Vorgeschichte und die Kindheit der beiden Protagonisten kennengelernt haben, erleben wir nun Ausbildung und Jugend der Kung-Fu-Novizen. Und wie es die Jugend mit sich bringt, kommt es auch zur ersten Liebe. Genau genommen zu mehreren ersten Lieben. Mit den entsprechenden Verirrungen und Verwirrungen. Jin Yong (und Karin Betz muss man ja eigentlich immer dazu erwähnen) meistern diese jugendlichen, ambivalenten Gefühle genauso wie sie die Kampfszenen grandios beherrschen. Und die Kämpfe sind wieder so, wie wir es lieben gelernt haben. Die unterschiedlichsten fantastischen Stile treffen aufeinander. Und dieses Mal wird es noch wilder, noch berauschender – schließlich entwickelt sich vor Allem Guo Jing zu einem wahren Virtuosen der Kampfkünste.

Zu den ans Herz gewachsenen Figuren des ersten Teils gesellen sich eine Reihe neuer seltsamer Halunken, Krieger, Heldinnen und Abenteurer. Aber, und das zeichnet Jin Yong im Besonderen aus, auch die altbekannten Protagonist*innen bekommen mehr Tiefe und mehr Kontext. Die Personen ändern sich oder erhalten eine variantenreiche Geschichte. Es gibt kein Weiß und Schwarz, eher Yin und Yang, die immer zusammen zu denken sind. Das Eine existiert nicht ohne das Andere. Und sie ergänzen sich und gehen ineinander über. Daoismus, Buddhismus und Konfuzianismus bilden auch weiterhin den Wertekanon und die Weltanschauung im Jianghu.

Grandiose chinesische Phantastik

Im Schwur der Adlerkrieger dominieren das Abenteuer, die Liebes- oder Beziehungsgeschichten und die gefahrvolle Suche nach dem seit Langem verschollenen Buch „Der Wahre Weg der Neun Yin“. Unsterblichkeit und Unbesiegbarkeit sind die Mittel mit denen die gefährlichsten Kämpfer*innen und alten Meister hervorgelockt werden. Und wenn so viele Kampfkünstler aufeinandertreffen, muss es einen fulminanten Showdown auf der Pfirsichblüteninsel geben.

Wer den ersten Teil gemocht hat, muss den zweiten sowieso lesen. Alle anderen sollten dieser herausragenden Literatur, dieser fantastischen, humorvollen, spannenden und einfach nur wunderschönen Trilogie ebenfalls eine Chance geben. Bitter ist nur, dass wir jetzt wohl ein Jahr auf das Finale warten müssen.

Einige herausragende Gedanken zur Legende der Adlerkrieger und vor allem zur Übersetzung finden sich auf dem Blog der Abteilung für Interkulturelle Germanistik der Universität Göttingen (Hallo Kolleg*innen): Ein Wettkampf des Wortes und des Schwertes – vorweihnachtliche Reise mit Karin Betz in die Welt Jin Yongs „Die Legende der Adlerkrieger“.

Cover des Buches Die Legende der Adlerkrieger (ISBN: 9783453319905)

Rezension zu "Die Legende der Adlerkrieger" von Jin Yong

Warnung: Es folgt eine Rezension gespickt mit Superlativen.
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Monaten

Jin Yong ist im Westen nicht gerade bekannt. Was allerdings eher für die Ignoranz des westlichen Büchermarkts gegenüber chinesischer bzw. asiatischer Literatur spricht. Denn in Asien kennt Jin Yong jedes Kind. Hunderte Millionen Leser*innen werden seit Jahrzehnten in magische Welten entführt. Von 1955 bis 1972 hat Yong 14 Romane geschrieben und endlich ist sein Meisterwerk auch auf Deutsch erhältlich. Etwas irreführend wird es mit der „chinesische Herr der Ringe“ beworben, was auf eine Bezeichnung der Irish Times zurückgeht. Treffender ist da allerdings die Einordnung des Guardians „Jin Yong hat in der chinesischen Literatur die Bedeutung wie J.R.R. Tolkien, J.K. Rowling und George R.R. Martin in der westlichen.“ Es ist also nicht inhaltlich der chinesische Herr der Ringe, sondern von der kulturellen Bedeutung her. Die Legende der Adlerkrieger ist ein unvergleichliches Epos. Kein Superlativ ist zu viel für diese Wuxia-Trilogie. Kein Buch hat mich in letzter Zeit dermaßen beeindruckt und in andere Welten entführt wie die Legende der Adlerkrieger.

Und es ist eine für uns vollkommen andere Welt. Wuxia ist in China Popkultur. Jede*r weiß was damit gemeint ist, kennt die Helden und Geschichten. Im Kern geht es um „im Wushu bewanderte ritterliche Helden“. Also um Helden der Kampfkünste und des Kung-Fu. Bei uns wären diese Helden vielleicht noch vergleichbar mit den ganzen Marvel und DC Helden, nur, dass diesen die historische Komponente vollkommen abgeht. Denn die Wuxia Erzählungen gibt es bereits seit dem 14. Jahrhundert. Die Wuxia-Romane sind dem Fantasy-Genre nahe, da die Helden durchaus die ein oder andere phantastische Kunst beherrschen. Die bekannteste ist wohl die sogenannte Schwebekunst, die man schon in Filmen wie Tiger and Dragon oder allem voran Hero bewundern konnte. Was für uns auf den ersten Blick seltsam erscheint, ist letztlich nichts anderes als die besonderen Superkräfte der bei uns beliebten Comic-Helden.

Das Wuxia-Universum

Das besondere bei Wuxia ist die tiefe Verankerung in Geschichte und Kultur Chinas. Die Romane sind in die echte Geschichte verwoben und ergänzen echte Personen der Historie mit erfundenen Geschehnissen. Ähnlich wie wir es von Robin Hood kennen, der ja im Übrigen auch geradezu magische Fähigkeiten besaß, als er einen Pfeil mit seinem Pfeil spaltete. In etwa auf dieser Eben muss man Wuxia-Romane verorten. „Chinesische Schwertkämpfer, Schlachten, Soldaten- und Reiterkämpfe, die überwiegend an historischen oder pseudohistorischen Schauplätzen spielen.“ Und über allem schwebt das innere und äußere Kung-Fu. Wobei das äußere die Kampfkunst meint, während das innere Kung-Fu die tatsächliche Bedeutung des gongfu meint: andauernde Anstrengung, um etwas meisterlich beherrschen zu lernen.

Nicht alles erschließt sich den westlichen Leser*innen sofort. Vieles ist dermaßen tief in der chinesischen Kultur verwurzelt, dass es dort keiner Erklärung bedarf, hier allerdings die ein oder andere Frage aufwirft. Die bereits erwähnte Schwebekunst muss man in China zum Beispiel niemandem erklären. Diese fantastisch-magische Kunst, die dem Chi oder Kung-Fu zugeschrieben wird, kennt dort einfach jede*r. Genauso verhält es sich mit Anreden, bestimmten Verhaltensweisen, die „typisch chinesisch“ oder typisch konfuzianisch sind wie z.B. Hierarchien und Meister-Schüler-Verhältnisse. Die kongeniale Übersetzerin Karin Betz hilft mit einem Vorwort und Anmerkungen die gröbsten Hürden zu nehmen.

Einführung in Chinakunde

Wuxia ist eben ein eigenes Universum, dass sich aber stark an die chinesische Geschichte und Philosophie des Daoismus, Buddhismus und Konfuzianismus anlehnt. Man liest bei Jin Yong also nicht nur einen grandiosen Abenteuerroman, sondern lernt zugleich einiges über die Geschichte Chinas und die Besonderheiten von Kultur und Tradition. Wer hier tiefer einsteigen möchte, dem lege ich Maik Albrecht und Frank Rudolphs „Wu. Ein Deutscher bei den Meistern in China“ ans Herz. Durch dieses Sachbuch zum Wushu, zu den chinesischen Kampfkünsten erklärt sich noch einmal eine ganze Menge. Vor allem auch die Beziehung zu den Meistern und der Stellenwert der unterschiedlichen Schulen und die Geheimhaltung des eigenen Kampfstils.

Aber auch ohne diese Kenntnisse lässt sich Jin Yong ohne weiteres lesen und verstehen, was nicht zuletzt an den ausgezeichneten schriftstellerischen Fähigkeiten Yongs liegt. Von der ersten Zeile an wird man in den Bann gezogen. Einzig ein Blick auf alte Karten ist für die in chinesischer Geschichte weniger Bewanderten recht hilfreich. Der Stil ist wunderbar detailliert, beschreibend und geradezu üppig.

Epischer Abenteuerroman

„Tag um Tag und Nacht um Nacht schwollen die weiten Wasser des Qiantang an, rauschten vorbei an einem Dorf namens Niu unweit der Hauptstadt Lin’an und ostwärts bis zum Meer. An jenem heißen Augusttag leuchteten die Blätter der hohen Talgbäume an seinem Ufer flammendrot.“

Die ersten beiden Sätze. Herrlich.

Die Legende der Adlerkrieger ist der Auftakt zu einer epochalen Trilogie Anfang des 13. Jahrhunderts gegen Ende der Song-Dynastie (960-1279). Die beiden ungeborenen Kinder zweier „Schwurbrüder“ und legendärer Kung-Fu-Kämpfer werden einander in ewiger Treue verbunden. Entweder ebenfalls als Schwurgeschwister oder als Paar. Während die Väter von Soldaten ermordet werden, flüchten die Frauen und Mütter in unterschiedliche Schicksale und damit auch in ganz unterschiedliche Zukünfte ihrer Kinder. Beide Kinder sollen jedoch von herausragenden Kung-Fu Meistern ausgebildet werden, um einstmals ihre Väter zu rächen. Nur leider ist das eine Kind nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte und das andere weiß nichts von seinem Schicksal. Das Abenteuer kann beginnen. Durch die mongolischen Steppen Dschingis Khans, die Provinzen Chinas, den Königshäusern und den vier Windrichtungen mit ihren jeweiligen legendären Kung-Fu-Großmeistern begleiten wir die beiden Kinder auf ihrem Weg durch die Geschichte und das Schicksal Chinas.

Dabei legt Jin Yong ein rasantes Tempo vor. Eine Schlacht folgt der anderen, entweder ist es ein Kampf der inneren Anstrengung oder ein Kung-Fu-Kampf mit immer neuen Techniken und fantastischen Wendungen. In den kurzen Erholungspausen werden die ganz großen Gefühle transportiert, Familie, erwachende Liebe, Freundschaft, Feindschaft, Verrat, Mord, Jagd und Flucht. Alles was ein großes Abenteuer-Epos bieten muss, wird von Jin Yong brillant eingewoben. Vor allem der doch recht trockene Humor, lockert die Anspannung immer wieder gekonnt auf. Und so wachsen die Kinder heran, so wie unsere Neugier und die Spannung.

Unbedingt mehr davon

Fast 600 Seiten rasen an einem vorbei. Es hätten gerne 6.000 sein können. Aber glücklicherweise ist der zweite Teil bereits auf dem Markt.

Die Leistung der Übersetzerin Karin Betz ist gar nicht hoch genug zu rühmen. Wer sich etwas mit dem Chinesischen auskennt, weiß wie unglaublich schwierig Übersetzungen sind. Die Zeichen haben zahlreiche Bedeutungen, die oft im deutschen keine Entsprechung haben oder Bedeutungen haben, die den deutschen Leser*innen wenig bis gar nichts sagen. Jin Yongs Meisterwerk hat hier eine meisterhafte Übersetzerin gefunden. Ich wünschte Heyne würde hier dranbleiben und alle Werke von Jin Yong und auch andere „Kung-Fu-Romane“ in Zusammenarbeit mit Karin Betz herausbringen.

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