Wohin der Wind uns weht

von João Ricardo Pedro 
3,6 Sterne bei34 Bewertungen
Wohin der Wind uns weht
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Neue Kurzmeinungen

Evans avatar

Leider hatte ich andere Erwartungen an dieses Buch...

Buchhandlung_am_Schaefersees avatar

Uneinheitlich im Stil - hat dadurch etwas von einem literarischen Flickenteppich. Aber einem wirklich wunderbaren, brillianten Exemplar.

Alle 34 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Wohin der Wind uns weht"

Mit dem Wind der Veränderung, den Portugal im Frühjahr 1974 ereilt, wendet sich auch das Schicksal der Familie Mendes. Das des Großvaters Augusto, der in seinem Dorf sehnsuchtsvoll die Briefe des Freundes aus Buenos Aires erwartet. Das seines kriegstraumatisierten Sohnes Antônio, und schließlich jenes von Duarte, dem musikalischen Wunderkind, das eines Tages beschließt, dem zerstörerischen Sog der Musik für immer zu entsagen. Mithilfe eines geheimnisvollen Gemäldes und den vergilbten Briefen des Großvaters macht sich Duarte daran, die wohlgehüteten Geheimnisse der Familie Mendes zu lüften …

Mit einem magischen Gespür für die Schönheit und die Tragik des Lebens zeichnet João Ricardo Pedro ein faszinierendes Familienporträt. Wohin der Wind uns weht ist ein Roman über Musik und Gewalt, über die Liebe und das Schicksal: bewegend, kraftvoll und rätselhaft.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518465974
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:228 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:07.06.2015

Rezensionen und Bewertungen

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    Sommerregens avatar
    Sommerregenvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Beeindruckend. Für mich ein 4,5 Sterne-Buch, da der schöne Schreibstil leider immer wieder durch vulgäre Stellen unterbrochen wird.
    Ein besonderes Gewebe aus den Erlebnissen dreier Generationen in Portugal.

    João Ricardo Pedros Debütroman “Wohin der Wind uns weht” umfasst die Erlebnisse dreier Generationen. Die Geschichte beginnt mit der Nelkenrevolution am 25. April 1974, durch die Portugal von der 40 Jahre andauernden autoritären Diktatur befreit wird.

    Doktor Augusto Mendes, der als Arzt auf dem Land lebt, sitzt mit anderen Dorfbewohnern bei Tisch; die Politik wird zum Thema gemacht. Als er das Verschwinden seines alten Freundes Celestino bemerkt, begibt er sich auf die Suche nach diesem und wird fündig. Celestinos Überreste- die ihn umschwirrenden Fliegen haben kaum mehr als sein Glasauge und den von Kugeln zerlöcherten Schädel übrig gelassen- liegen auf einem herrenlosen Brachland.
    Doch wird nicht nur seine Geschichte und die seiner Frau Laura erzählt, sondern umspannt das Buch noch zwei weitere Generationen. Antonio Mendes, der Sohn des Dorfarztes, muss während des Kolonialkrieges 1961 bis 1973 zwei mal nach Angola ausrücken, weswegen er, wie viele andere, traumatisiert zurückkehrt. Bei dem ersten Treffen mit seiner Frau erkennt er zu Beginn zum Beispiel seinen eigenen Sohn nicht mehr wieder.
    Doch auch in der Zukunft lassen sich immer wieder Verknüpfungen zu seinen Erlebnissen herstellen, Auslöser für weitere Erlebnisse auffinden.

    Sein Sohn, um den es in dem Buch zentral geht, erfährt nur nach und nach als er älter wird von einzelnen schockierenden Geschichten seines Großvaters und seines Vaters. Duarte selbst begibt sich erst nach dem Tod Augusto Mendes’ auf die Suche nach den Spuren der Vergangenheit, möchte etwas über die Geschichte seiner Vorfahren erfahren. Diese Handlung setzt jedoch erst am Ende des Buchs ein, sodass man Duarte auf diesem Weg nur in seinen Anfängen begleiten kann.
    Duarte selber ist ein sehr begabter Pianist. Er wird dafür bewundert, dass seine Finger unaufhaltsam über die schwarzen und weißen Tasten huschen und dabei die Werke berühmter Komponisten aufblühen lassen. Doch als er droht, sich in der Musik zu verlieren beendet er seine vielversprechende Karriere als Pianist plötzlich, was in seinem Umfeld zunächst Unverständnis hervorruft.

    Beim Lesen des Buchs begleitet man Augusto, Antonio und Duarte immer abwechselnd bei besondern Episoden ihres Lebens, welche oftmals mit der politischen Lage Portugals verbunden sind. Zu Beginn ist dies noch sehr undurchschaubar, doch je mehr man liest, desto häufiger erkennt man Personen wieder, entdeckt Zusammenhänge oder versteht den Grund für eine gewisse Handlung. Dennoch hilft es sehr, wenn man einige Passagen mehrfach liest, um so dieses Gewebe an Handlungen genau erfassen zu können.
    Man erfährt von der Entwicklung Portugals, aber auch von dem Heranwachsen und Älterwerden der Charaktere. Duarte wird erwachsen, verändert sich.

    Doch auch der Schreibstil erfährt einen Wandel. Zu Beginn sind die Sätze noch sehr lang, in gewisser Weise verspielt, wenn sie auch einen melancholischen oder brutalen Inhalt vermitteln. Je weiter die Geschichte dann jedoch voran schreitet, desto kürzer und einprägsamer werden die Sätze. Häufig werden sogar Ellipsen eingesetzt, sodass einige Passagen nicht nur inhaltlich sondern auch sprachlich ein befremdliches oder auch unbehagliches Gefühl hervorrufen, welches stets zu der Handlung passt.
    Meistens ist der Schreibstil sehr ansprechend, beinahe poetisch, doch dann wird das ganze plötzlich, was mir ehrlich gesagt nicht ganz so sehr gefallen hat, durch eine vulgäre Erzählweise gebrochen. Sicherlich kann man dies als Ausdruck des starken Unmuts, der Verzweiflung und der Wut oder den vielen anderen Gefühlen der Hauptcharaktere erklären, dennoch gefällt mir der klingende Schreibstil wesentlich besser.

    Beim Beenden des Buchs blickt man auf ein Gewebe der Geschichten dreier Generationen die, ohne dass man es zu Beginn vermutet hätte, alle mit einander verbunden sind. Man sollte sich für dieses Buch aber definitiv Zeit nehmen und auch nach Beenden des Buchs braucht es noch etwas, bis man das Gelesene richtig geordnet und verstanden hat.
    Um die in diesem Buch beschriebenen Episoden verstehen zu können musste ich nebenbei immer wieder andere Texte zu Portugals Geschichte lesen und ich kann dies wirklich jedem empfehlen, da sonst wohl deutlich mehr Fragen offen blieben und die Bedeutungen verschiedener Episoden im Unklaren blieben.
    Ich denke auch, dass ich dieses Buch noch ein weiteres mal lesen werde, da ich glaube, dass man dann noch viele neue Details entdecken kann und sich noch weitere Fragen klären lassen, denn mit der letzten Seite des Buchs bleiben noch ein paar Fragen offen, deren Antworten im Vorangegangenen versteckt sein könnten.

    Alles in allem handelt es sich bei João Ricardo Pedros Debütroman “Wohin der Wind uns weht” um ein besonderes Buch, für das es Zeit braucht. Auf die Struktur des Buchs, sprich den sprunghaften Wechsel zwischen den Generationen, muss man sich einlassen, außerdem muss man sich beim Lesen konzentrieren. Wegen der vulgären Unterbrechungen im Schreibstil, die mir persönlich nicht ganz zugesagt haben, mache ich in meiner Bewertung Abstriche.

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    HarIequins avatar
    HarIequinvor 4 Jahren
    Anspruchsvolles und grandioses Debüt

    „Geräuschlos wie Spinnenbeine glitten seine Finger darüber, mal in sehnsuchtsvollen Adagios, mal in schnellen Vierundsechzigstelnoten, ganz nach den Vorgaben der Partitur, die nur Duarte zu kennen schien.“ (Seite 32)

    Es ist schwer den Inhalt wiederzugeben, aber grob gesagt geht es um die Generationen der Familie Mendes und den jüngsten Duarte. Sein Großvater ist Arzt auf dem Lande, sein Vater geprägt vom Krieg und er selbst besessen von Musik. Er ist talentiert und spielt unermüdlich Klavier – bis er eines Tages einfach aufgibt, weil die Gefahr sich selbst zu verlieren zu groß ist. Langsam muss Duarte lernen, was es heißt seine Kindheit hinter sich zu lassen und dass sich Vergangenes auch immer auf die Gegenwart auswirkt.

    Ich habe im Vorfeld schon viele Lobpreisungen über den Roman gehört und dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Und trotzdem hat er es mit Leichtigkeit geschafft, diese bei weitem zu übertreffen.

    Der Schreibstil ist anspruchsvoll, bildlich und hat mich vom ersten Augenblick gefangen genommen. Ich wollte den Roman gar nicht mehr aus der Hand legen und gleichzeitig doch nicht, dass er ein Ende findet. Er ist unheimlich klug konzipiert, man bekommt als Leser immer wieder kleine Puzzle-Teile, die sich am Ende zu einem Gesamtbild fügen.

    Dabei ist die Geschichte so spannend wie melancholisch. Es passieren immer wieder unerwartete Dinge, teilweise schon absurd bis komisch - allerdings im positiven Sinn.

    Ich bin allein vom Buch schon sehr beeindruckt, aber noch mehr, dass es ein Debüt ist. Ich hoffe sehr auf weiteres von Joao Ricardo Pedro, zumindest in diesem Jahr ist hat er eines meiner Buchhighlights geschrieben.

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    Thalas avatar
    Thalavor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Meisterhaft erzählt, aber nur für Leser mit Konzentration, Gedächtnis und Kombinationsgeschick. Sicherlich eine literarische Perle!
    Ein Mensch so zerrissen wie das Land

    Klappentext: Dem Pianisten Duarte fallen die vergilbten Briefe seines Großvaters in die Hände. Und was mit der zaghaften Lektüre der eigenen Familiengeschichte beginnt, verwandelt sich augenblicklich in Duartes drängende Suche nach einer Heimat- für sich, seine Musik und seine Erinnerungen.

    Mit einem magischen Gespür für die Schönheiten und Widrigkeiten des Lebens gar J.R. Pedro ein eindringliches kleines Epos geschrieben, das drei Generationen umspannt. Einen Roman über Musik und Gewalt, über die Liebe und das Schicksal: ein poetisches Meisterwerk-bewegend, kraftvoll und rätselhaft.


    Ich frage mich, ob der Klappentext-Schreiber den Roman überhaupt gelesen hat. Denn ein Brief vom Großvater fällt Duarte erst so ziemlich am Ende in den Schoß. Vielmehr würde ich den Roman als Zeitzeugnis dreier Generationen beschreiben, für das Verständnis der Handlung sind zumindest grundlegende Kenntnisse der portugiesischen Geschichte unverzichtbar. Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, sondern in fragmentarischen Einzelpassagen ohne genaue Zeitangaben stellt der auktoriale Erzähler einzelne Personen vor. Die Hauptfigur Duarte findet sich wie ein roter Faden immer wieder in der Geschichte wieder, er ist ihr Dreh- und Angelpunkt, Stolz und Schicksal der vorherigen Generationen, „unser Duarte“. Duarte ist ein Pianist mit außergewöhnlicher Begabung, welcher jedoch sein Talent nicht mehr nutzt. Warum er kein Klavier mehr anrührt, dass wird oft thematisiert und angerissen, aber nie vollkommen geklärt. Zahlreiche Theorien sollen den Leser zu einer eigenen Lösung bringen.

    Im Laufe des Buches hätte ich mir vielleicht ein Schaubild gewünscht, damit ich auch visuell die Verbindungen zwischen den einzelnen Personen nachempfinden kann. Teilweise war es für mich auch recht schwierig, herauszufinden, um welche Person es sich gerade handelte und in welchem Zeitrahmen ich die Figur ansiedeln sollte. Zwar geht es immer wieder um Duarte, eine Altersangabe war jedoch nicht zu finden.


    Fazit: Ein großartig erzählter, poetischer Debütroman, welcher dem Leser einiges an Konzentration, Kombinationsgeschick und Gedächtnisleistung abfordert. Für Leser, welche über die drei genannten Fähigkeiten verfügen und die sich nicht von unglaublich langen Sätzen mit unzähligen Kommata abschrecken lassen, eine literarische Perle sonder gleichen.

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    Wortweltens avatar
    Wortweltenvor 5 Jahren
    Ans andere Ende der Welt geweht

    Da sind: Doktor Augusto Mendes, der seinem Freund Policarpo eine baufällige Villa in einem abgelegenen Dorf abkauft, sich dort als Arzt niederlässt und in ebenjenem Dorf Laura kennenlernt und heiratet. Deren Sohn António, der als Soldat nach Angola ging, und das gleich zwei Mal. Und schließlich Duarte, der klavierbegabte Sprössling von Antóno und Paula. Bruchstückhaft, jedoch in weitestgehend chronologischer Reihenfolge, wird die Geschichte dieser Familie erzählt, vor allem die Duartes, dessen angeborene Leidenschaft für das Klavierspiel ihn nahezu aufzehrt und der nicht so recht einen Weg aus seiner Einsamkeit findet.

    Den Inhalt wirklich zusammenfassen, kann man nur schwer, da all die Fragmente der Geschichte lediglich lose zusammenhängen und sich viele Verbindungsstücke wahrscheinlich erst beim zweiten Lesen offenbaren. Als Leser bleibt man immer etwas distanziert, sicherlich bedingt durch die wechselnde Erzählperspektive, die sich immer wieder auf andere Figuren konzentriert, häufig auch
    außerhalb der Mendes-Familie, und die zersplitterte Struktur des Textes. Doch die melancholische, mitunter bedrückende Atmosphäre, die den gesamten Roman umwebt und die nur selten durch lakonischen Humor durchbrochen wird, dringt sehr deutlich hervor. Denn vor allem handelt dieser Text von Einsamkeit, von der Unmöglichkeit, sein eigenes Leben vollständig auszuschöpfen, das immer gefangen ist zwischen der Geschichte der Welt und der unserer Vorfahren.

    Den Stil prägt der Wechsel aus langen, mitunter ausufernden und stark
    verschachtelten, dann wieder kurzen, teilweise sogar abgehackten und
    unvollständigen Sätzen. Beschreibungen, die mitunter sehr drastisch und in seltenen Fällen auch abstoßend wirken, bilden ebenso den Ton des Textes wie die Aufzählung von scheinbar belanglosen Alltagssituationen und Erinnerungen, und nicht selten liest man ein harmlos beginnendes Kapitel, das einen mit einer plötzlichen Überraschung am Ende zwischen die Seiten reißt. Technisch gesehen ist der Roman also sehr interessant aufgebaut, er bietet eine lediglich angedeutete Geschichte, die man aus all den Fragmenten größtenteils selbst rekonstruieren muss, und verpackt all das in einen abwechslungsreichen, selten nahezu vulgären, dann wieder sehr poetischen Stil. Das ist ambitioniert und auf eine ganz besondere Art spannend und sehr schön erzählt, erzeugt aber nicht die Art von Atmosphäre, die einen mitfiebern lässt. Wenn man so etwas sucht, ist man mit diesem Buch nicht besonders gut beraten.

    Wohin der Wind uns weht ist ein literarisch ambitionierter Text, den man wohl eher als fragmentarischen Roman bezeichnen müsste und von dem man das Gefühl hat, dass er an der spannendsten Stelle endet. Dann, wenn die eigentliche Reise des Protagonisten beginnt. Ein spezieller Roman für spezielle Leser mit einer ganz eigenen Atmosphäre und einem ganz eigenen Sog. Am besten sollte man ihn mindestens zweimal lesen.

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    Sunchen87s avatar
    Sunchen87vor 5 Jahren
    Wohin der Wind uns weht

    Ich war von der Leseprobe des Romans schier begeistert und wollte das Buch unbedingt lesen. Leider hat es nicht ganz meinen Vorstellungen entsprochen. 


     Es geht um die drei Generationen der Familie Mendes. Hauptsächlich um den jungen Duarte und seiner Liebe zur Musik. Früher hat der Großvater Duarte die Briefe seines Freunde Policarpo vorgelesen, der die Welt bereist hat und davon regelmäßig berichtete. Einige Jahre später, als Duarte die Briefe zum ersten Mal selbst liest, merkt er dass sie eine ganz andere Wahrheit wiedergeben, als der Großvater immer vorgelesen hatte.. 

    Meine Meinung: 
    Anfangs fand ich es ziemlich schwer in das Buch rein zu kommen. Der Schreibstil ist eher ungewöhnlich, nach einiger Zeit fand ich ihn aber immer angenehmer. Situationen und Protagonisten werden ziellos und manchmal eher verwirrend dargestellt, ich konnte teilweise die Verbindungen garnicht richtig herstellen.
    Ich habe das Buch meistens auf meinen Zugfahrten gelesen und zuhause musste ich meistens dieselben Kapitel wiederholt lesen, da man bei dieser Lektüre wirklich sehr konzentriert lesen musste. 
    Ich fand es zwischendurch ziemlich langatmig und ich musste mich dabei erwischen, wie ich Zeilen unbewusst übersprungen habe, da manche Erzählungen sehr unwichtig waren und diese in die Länge gezogen wurden. 
    Leider waren zum Ende des Romans noch soviel ungeklärte Fragen, was ich persönlich garnicht mag. 

    Ich gebe dem Buch aus diesem Grund nur drei Sterne, da die Idee ganz nett war, genau wie der Schreibstil. Nur leider hat mich das Buch meistens mehr verwirrt als erfreut. Ich muss leider gestehen, dass ich sehr erleichtert war, als ich es endlich beenden konnte.

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    Lucretias avatar
    Lucretiavor 5 Jahren
    Hier muss man denken

    Der Inhalt:

    ” Wohin der Wind uns weht” erzählt die Geschichte der portugiesischen Familie Mendes , die drei Generationen umspannt.

    Im Mittelpunkt der Handlung steht  Duarte, ein junger Portugiese, welcher der dritten Generation der Familie Mendes angehört und der an einem historischen Tag für Portugal, am Tag der Nelkenrevolution, geboren wurde.

    Duarte wächst inmitten fremder Erinnerungen auf, die seiner Familie gehören und die ihn stark prägen.

    Einzig allein durch das Klavier spielen findet er zu sich selbst und zu seiner Geschichte. Durch die Musik verstärken sich seine Gefühle, aber die Musik spiegelt auch die dunkle Seite und negativen Empfindungen und Erinnerungen von Duarte wieder, die ihn zerstören könnten.

     Duarte erinnert sich jedoch an die vergilbten und alten Briefe seines Großvaters, die ihm eine Chance für sein eigenes Leben bieten.

    Meine Meinung:

    Ich habe etwas mit meiner Rezension gewartet, da ich das Gelesene erst ein wenig sacken lassen musste und noch ein wenig über die Geschichte nachdenken musste. Der Roman hat mich zum denken angeregt und ich habe lange nicht mehr, ein so beachtenswertes  Buch, zumindest was den Schreibstil betrifft, gelesen!

    Der Schreibstil hat mir hier wirklich sehr gut gefallen. Der Autor wechselt hier zwischen ausdrucksstarken Schachtelsätzen, präzisen Aussagen, scheinbar endlosen Aufzählungen und kurzen abgehakten Sätzen. Die Melancholie steht hier im Vordergrund und wird an einigen Stellen durch eine poetische Wortwahl verstärkt. Man kann eigentlich gar nicht glauben, dass es sich hierbei um das Erstlingswerk des Autors handelt. Diese Seite des Romans ist wirklich sehr gut gelungen und man findet hier auch einige psychologische und philosophische Ansätze wieder, allein  deswegen und wegen der Sprache sollte man “Wohin der Wind uns weht” unbedingt lesen.

    Es gibt aber auch eine andere Seite, die mir nicht ganz so gut gefallen hat und die eine zweigeteilte Meinung in mir hervorruft.

    Der Inhalt war oft sehr grausam, sehr trostlos, an einigen Stellen vulgär und oft sehr rätselhaft.

    An einigen Stellen war mir die Heftigkeit des Beschriebenen dann doch etwas zu viel. Der Autor geht hier zumindest nicht zimperlich mit seinen Lesern um. Auch hätte ich mir zum Ende hinein wenig mehr Klarheit  gewünscht, der Leser wird ein wenig im Nebel stehen gelassen, was zwar zum nachdenken anregt, auf der anderen Seite aber einen unbefriedigten Eindruck hinterlässt.

    Fazit:

    Man sollte das Buch allein schon wegen des hervorragenden und melancholischen Schreibstils lesen und sich nicht von der Gewalt und den politischen Hintergründen abschrecken lassen. ” Wohin der Wind und trägt” regt zum denken an und ist meiner Meinung nach absolut empfehlenswert!

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    Sabine17s avatar
    Sabine17vor 5 Jahren
    Duartes Familiengeschichte

    Über dieses Buch eine Rezension zu schreiben ist sehr schwierig.

    Wenn man es schlicht ausdrückt, erzählt es die Lebensgeschichte von Duarte, seinem Vater António und seinem Großvater Augusto.

    Augusto Mendes ist Arzt und zieht sich aufs Land zurück, um ein ruhiges Leben zu führen. Sein Sohn António wird geprägt durch seine Zeit als Kämpfer im Angolanischen Bürgerkrieg. Gebrochen kommt er nach Hause und das wirkt sich auf das Leben der kleinen Familie aus.

    Duarte wird ein begnadeter Klavierspieler, doch eines Tages gibt er es einfach auf.

    Das Buch springt zischen den Lebensbeschreibungen der drei Männer ständig hin und her und der Leser wird konfrontiert mit heiteren, skurrilen und manchmal auch verstörenden Szenen.

    Dabei lernt er sehr interessante Personen kennen, die das Leben der Hauptpersonen entscheidend prägen: Policarpos (meinen Favoriten), den Indio, die einbeinige Malerin oder die Gesangslehrerin.

    Der Schreibestil verändert sich im Laufe des Buches sehr. Anfangs eine bildhafte, sprachgewaltige Sprache, die gegen Ende des Buches in kurzen, abgehackten Sätzen endet.

    Besonders passend fand ich die kurzen Sätze bei der Beschreibung der Krebserkrankung von Duartes Mutter.

    Fazit: das Buch konnte mich nicht ganz überzeugend. Einiges wurde nicht aufgeklärt bzw. blieb verwirrend. Trotzdem hat mich das Buch gefesselt.

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    Laupezs avatar
    Laupezvor 5 Jahren
    Zuerst peitscht er uns ins Gesicht.

    Sind diese Erinnerungen Teil dessen, was Duarte ausmacht, oder sind sie beinahe zusammenhanglos, das betreffend, was wir über den hochtalentierten Jungen erfahren? Denn auch wenn er Zeuge ist, selbst wenn er derjenige ist, der erlebt: wie in einem Traum, manchmal fast kompliziert und immer verworren ist der Film im Kopf des Lesers. Es geht um die Widrigkeiten des Lebens, und selbst diese können ein zweites Gesicht haben, voll Schönheit.

    Außergewöhnlich und inspirierend!

    Ein düsteres Portugal erlebt der Leser in diesem Roman.    
       Menschen, vom Schicksal und der Zeit gepeinigt. So bleiben sie uns fremd und ihre Gedanken nur schwer nachvollziehbar. 
    Sie sind wie heimsuchende Geister. 
       Die Atmosphäre, die wie durchgängiges Grau mit Regenfall ist, durchgängig beschlagene Sicht, wirkt absichtlich ungemütlich. Wir wollen einfach nicht an der Seite der Figuren sein, mit ihnen leiden, mit ihnen erleben. Wir wollen möglichst das Bewusstsein über den gemütlichen Sessel behalten, in dem wir selbst beim Schmökern sitzen.

    Viele Puzzleteile, zwischen denen man irgendwann hoffnungsvoll denkt, eine Verbindung zu finden. Und diese dann hoffnungslos wieder verliert. Man schmunzelt, umso häufiger aber grübelt man, wird erdrückt von Traurigem, Erschreckendem.
       Mir ergeht es mit diesem Roman ein wenig wie mit meinem Verständnis von Freud: Seine Genialität wie die des Autors sind allgegenwärtig, aber der häufige Fokus auf Sexualtriebe lässt mich trotzdem die Stirn runzeln.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass zu ausreichendem Verständnis mindestens ein zweites Lesen vorgenommen werden sollte, und wenn meine Meinung zu diesem (auf eine Art experimentellen) Werk nicht fundiert genug ist, dann sicher, weil ich es nur einmal gelesen habe. Trotzdem konnte auch ich den Roman genießen, denn der Schreibstil ist so flüssig, dass er in krassem Kontrast zu dem facettenreichen, manchmal gar komplizierten Inhalt steht. 

    Man sollte beim Lesen wie im Leben auch nach Herausforderung suchen. Für viele Leser kann  Wohin der Wind uns weht zu einer solchen werden. Wenn nicht, bleibt es trotzdem ein aufwühlender, hervorragender Roman.  
       Ich persönlich werde noch länger über ihn grübeln, mir mehr Klarheit über die (im Geschichtsunterricht allgemein vernachlässigte) politische Vergangenheit Portugals schaffen. Vielleicht selbst ähnliche schreiberische Experimente wagen wie der preisgekrönte Autor. 

    Zusammenfassend muss verdeutlicht werden, wie außergewöhnlich diese Geschichte ist und was für einen Wiedererkennungswert ich Pedro zutraue (mein Mops heißt übrigens auch Pedro, aber das tut nichts zur Sache - wobei der auch großen Wiedererkennungswert hat!). Außerdem kann ich mir vorstellen, dass er mit weiteren Projekten sogar noch qualitativ einiges drauflegen könnte.

    Wirklich lesenswert und inspirativ, wenn man einer Herausforderung nicht abgeneigt ist und nicht nur hundertprozentige Unterhaltung sucht, sondern auch einen Anreiz zum Grübeln.

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    AddictedToBookss avatar
    AddictedToBooksvor 5 Jahren
    Sicherlich keine leichte Kost, aber mit etwas Konzentration doch sehr schön

    Klappentext:
    Duarte wächst auf umgeben von fremden Erinnerungen. Jeder Weg, jedes Haus im Ort hat schon längst seinen Platz in der Familiengeschichte. Kein Blick, ohne Spuren zu erkennen die seines Vaters, gebrochen zurückgekehrt nach einem einzigen Abenteuer, die seines Großvaters, beseelt von dem einfachen Glück auf dem Land. Allein am Klavier kommt Duarte zu sich selbst und einer Geschichte. Doch nach und nach entpuppt sich die Verheißung der Musik als Gefahr, und Duarte droht zu verlieren, was ihm lieb ist. Erst als er die vergilbten Briefe seines Großvaters entdeckt, scheint sich eine letzte Chance zu bieten auf Läuterung und ein still leuchtendes Lebensglück.§Mit einem magischen Gespür für die Schönheiten und Widrigkeiten des Lebens hat João Ricardo Pedro ein eindringliches kleines Epos geschrieben, das drei Generationen umspannt. Einen Roman über Musik und Gewalt, über die Liebe und das Schicksal: ein poetisches Meisterwerk bewegend, kraftvoll und rätselhaft.

    "Wohin der Wind uns weht" von João Ricardo Pedro ist ein außergewöhnliches Buch. Zuerst hatte ich so meine Probleme damit, weil ich einfach nicht ins Geschehen gefunden habe und mir der Sprachstil zu schaffen machte. Aber das wurde nach der Zeit besser, und ich konnte den Sprachstil genießen.
    Die Geschichte fand ich ganz interessant und eine gute Idee, jedoch muss ich anmerken, dass nicht alle Handlungsstränge zum Schluss zusammen passen. Vieles bleibt einfach ungelöst und so im Raum stehen. Auch mit Duarte konnte ich mich irgendwie nicht anfreunden. Manchmal habe ich ihn verstanden, manchmal nicht, aber er blieb trotzdem wie eine fremde Person für mich. 

    Trotz allem hat mir das Buch jedoch Spaß gemacht. Nach den anfänglichen Problemen ging es auch aufwärts. Als Fazit kann ich sagen, dass mir "Wohin der Wind uns weht" gut gefallen hat, aber noch einiges fehlt, um perfekt zu sein. Deshalb erhält das Buch von mir 3,5 von 5 Sternen.

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    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor 5 Jahren
    Schwierig und voller Rätsel

    Dieses Buch macht es dem Leser wahrlich nicht leicht. Zwar umfasst es nur 229 Seiten, doch die erfordern die volle Aufmerksamkeit, Geduld und Geneigtheit. Ich muss zugeben, dass ich es zweimal gelesen habe, da ich beim ersten Mal überhaupt nicht einordnen konnte, was ich da gelesen hatte. Immerhin war der Reiz da, mehr zu verstehen. Die erneute Lektüre hat sich für mich absolut gelohnt, obwohl ich auch danach nicht gänzlich erhellt oder zufrieden zurückgeblieben bin.

    Worum geht es? Die Geschichte beginnt am 25.April 1974, dem Tag der Nelkenrevolution in Portugal und erzählt von der Familie Mendes. Im Fokus steht der Enkel Duarte, z.T. rückblickend wird aber auch über den Großvater Augusto erzählt, der als Arzt aus Porto kommend, sich auf einem kleinen Dorf mitten in Portugal niederlässt und dort mit der Dorfschönheit Laura eine Familie gründet. Der Sohn Antonio musste im portugiesischen Kolonialkrieg, der von  1961 bis 1974 geführt wurde, zweimal zum Einsatz nach Angola. Eine Zeit des Grauens, die den Vater traumatisiert und depressiv zurücklässt. Darunter haben auch seine Frau und Sohn Duarte zu leiden. Dieser ist ein Genie am Piano, kann dieser Gabe aber keine Freude und keinen Trost abgewinnen, sondern beginnt sie zu hassen und bricht trotz aller Erfolge eine vielversprechende Karriere ab.

    Diese Geschichte wird im ersten Teil des Buches zwar recht anspruchsvoll und mit etlichen Nebenfiguren und Nebenschauplätzen versehen, aber doch recht nachvollziehbar geschildert. Eine dieser Nebenfiguren ist Policarpo, Kommilitone des Großvaters, dem er einst sein Landhaus abgekauft hat und der in der Welt herumreist. Von dort schickt er jedes Jahr einen Brief. In diesen Briefen werden weitere Geschichten erzählt, die für die Handlung von Bedeutung sind.

    Im weiteren Verlauf zerfasert die Handlung zunehmend. Ereignisse und Personen ziehen vorüber, bei denen man nicht recht weiß, wie sie einzuordnen sind, die z. T. auch schwer nachzuvollziehen sind, wie z.B. der ausgestopfte Kater Joseph im Dschungelkrieg, der tragische Tod von Duartes Freund Indio, geistig etwas zurückgeblieben, als Zeichner ein Genie oder die aus Bratislawa geflohene Gesangslehrerin, der Bach liebende Arzt. Sie alle sind rätselhaft und tragen ein Puzzleteil zu Gesamträtsel dieses Buchs bei. Ebenso geheimnisvoll und schwer zu ergründen ist Duartes entstehender Hass auf seine Musik, die im erträumten "Holocaust" an seinen Partituren endet. Duarte schließt mit der Musik ab. Zunehmend bedient sich der Autor nun auch eigenwilliger Stilmittel, springt von sprachgewaltigen Passagen zur seitenlangen Aneinanderreihung kürzester Sätze. Das passt zuweilen gut, z.B. als Duartes Mutter ihre Krebserkrankung preisgibt, wirkt manchmal aber auch überambitioniert. Der Roman wird zudem immer rätselhafter, labyrinthischer, voller Andeutungen und Zeichen, leider aber auch zu großer Leerstellen. So versucht auch der geneigte Leser immer wieder, das Puzzle zusammenzusetzen, die Botschaft zu entschlüsseln, doch wie der Brief Policarpos von 1975 bleibt alles unvollständig und lässt eine große Ratlosigkeit entstehen. Eine durchaus fruchtbare Ratlosigkeit allerdings.

    Nur für unerschrockene Leser, die eine Herausforderung suchen, wirklich zu empfehlen.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    DieBuchkolumnistins avatar

    Der erfolgreichste portugiesische Roman der letzten Jahre!

    Duarte wächst auf umgeben von fremden Erinnerungen. Jeder Weg, jedes Haus im Ort hat schon längst seinen Platz in der Familiengeschichte. Kein Blick, ohne Spuren zu erkennen – die seines Vaters, gebrochen zurückgekehrt nach einem einzigen Abenteuer, die seines Großvaters, beseelt von dem einfachen Glück auf dem Land. Allein am Klavier kommt Duarte zu sich selbst und einer Geschichte. Doch nach und nach entpuppt sich die Verheißung der Musik als Gefahr, und Duarte droht zu verlieren, was ihm lieb ist. Erst als er die vergilbten Briefe seines Großvaters entdeckt, scheint sich eine letzte Chance zu bieten – auf Läuterung und ein still leuchtendes Lebensglück. LESEPROBE

    Mit einem magischen Gespür für die Schönheiten und Widrigkeiten des Lebens hat João Ricardo Pedro mit "Wohin der Wind uns weht" ein eindringliches kleines Epos geschrieben, das drei Generationen umspannt. Einen Roman über Musik und Gewalt, über die Liebe und das Schicksal: ein poetisches Meisterwerk – bewegend, kraftvoll und rätselhaft. Gemeinsam mit dem Suhrkamp Verlag vergeben wir 25 Leseexemplare. Wer Lust und Zeit auf eine gemeinsame Leserunde inklusive Diskussion und eine abschließende Rezension hat, der kann sich bis einschliesslich 02. März für den Roman bewerben!

    João Ricardo Pedro, 1973 in der Nähe von Lissabon geboren, arbeitete nach einem Ingenieursstudium einige Jahre in der Telekommunikationsbranche. Im Zuge der Wirtschaftskrise wurde er arbeitslos und erfüllte sich einen Traum, indem er zu schreiben begann. Wohin der Wind uns weht ist sein preisgekröntes Debüt.
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