Jo Becker

 4,5 Sterne bei 2 Bewertungen

Lebenslauf

Dr. med. Jo Becker ist Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, war lange klinisch tätig, Geschäftsführer des gemeindepsychiatrischen Trägers Spix und arbeitet heute in einer Ambulanz.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jo Becker

Cover des Buches Experten für Eigensinn (ISBN: 9783884149225)

Experten für Eigensinn

(1)
Erschienen am 12.03.2019
Cover des Buches Psychosen und Spiritualität (ISBN: 9783966053242)

Psychosen und Spiritualität

(1)
Erschienen am 15.10.2025

Neue Rezensionen zu Jo Becker

Cover des Buches Psychosen und Spiritualität (ISBN: 9783966053242)
sabatayn76s avatar

Rezension zu "Psychosen und Spiritualität" von Jo Becker

sabatayn76
'Ich möchte so etwas nicht noch einmal erleben, aber ich möchte es auch nicht missen.‘

‚In über 40 Jahren meiner Tätigkeit als Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie sind mir viele Menschen begegnet, die in ihrer Psychose auch spirituelle Erfahrungen gemacht haben. Die meisten waren davon tief beeindruckt und haben es als eine überwältigend positive Erfahrung beschrieben, in den Worten von Dorothea Buck als ‚Zentralerleben‘ [...]. Diese Erfahrung hilft häufig, später der Psychose einen Sinn zu geben, sie biografisch einzuordnen oder auch Spiritualität im weiteren Leben als eine wichtige Kraftquelle zu erleben und zu nutzen.‘ (Seite 7f)

Der Psychiater Jo Becker hat Berichte von Psychoseerfahrenen gesammelt, in denen von existenziellen Erfahrungen die Rede ist.

Der zweite Teil des Buches befasst sich mit Grenzbereichen menschlichen Bewusstseins: Schlaf, Trance, Nahtoderfahrungen und Rauschzustände, mystisches Erleben in religiöser Praxis und während der Psychose.

Psychosen sind seit Jahrzehnten ein wichtiger Fokus in meinem Leben - Spiritualität jedoch nicht. Die Mischung aus beidem fand ich spannend, zumal ich durch meine psychotherapeutische Tätigkeit im Bereich der Psychosenpsychotherapie weiß, wie nah die beiden Themen manchmal beieinander liegen und dass die Grenzen zwischen ihnen häufig verwischen.

Die Fallgeschichten im Buch bieten lebendige und wertvolle Einblicke in psychotisches und spirituelles Erleben. Dabei liegt ein Fokus auf der Funktion der Psychose, was mir auch in meiner täglichen Arbeit sehr wichtig ist.

Den zweiten Teil des Buches fand ich ein wenig einseitig bezüglich der Fähigkeiten des Homo sapiens und der fehlenden Fähigkeiten im restlichen Tierreich. Dies ist jedoch mein einziger Kritikpunkt und hat mit dem Thema Psychose und Spiritualität natürlich relativ wenig zu tun.

‚Aus heutiger Sicht ist die Psychose das Beste, was mir je passiert ist. Ich wurde gezwungen, mich selbst neu zu finden, nämlich als die Person, die ich wirklich bin. [...] Ich möchte so etwas nicht noch einmal erleben, aber ich möchte es auch nicht missen.‘ (Seite 21)

Cover des Buches Experten für Eigensinn (ISBN: 9783884149225)
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Rezension zu "Experten für Eigensinn" von Daniela Schlutz

sabatayn76
'Sie haben eigene Vorstellungen vom Leben und verfolgen diese hartnäckig.'

‚In jeder Region gibt es einige wenige, in der Helferszene gut bekannte Menschen, die als ‚besonders schwierig‘ bezeichnet werden, als ‚Systemsprenger‘, weil sie die Regeln und Grenzen einer Einrichtung regelmäßig überschreiten, oder als Klienten mit ‚herausforderndem Verhalten‘. Was macht diese Menschen so besonders?

Sie sind nicht immer besonders schwer erkrankt. Die meisten würden sich selbst auch keineswegs als ‚schwierig‘ bezeichnen. Wir Fachleute sind es, die sie so erleben - salopp gesagt, weil sie uns besonders viel Arbeit, Ärger oder manchmal auch Angst bereiten. Mit ihrem Verhalten fordern sie uns heraus, Hilfe zu leisten, während sie es gleichzeitig ablehnen, Psychopharmaka einzunehmen, abstinent zu leben oder die Hausordnung einzuhalten. In der Beziehung zu uns erleben wir sie als unkooperativ. Betrachtet man sie dagegen unabhängig von unseren Anforderungen und Normen, sind es Menschen mit einem starken Willen zur Selbständigkeit. Sie haben eigene Vorstellungen vom Leben und verfolgen diese hartnäckig. Sie sind Experten für Eigensinn.‘ (Seite 8)

Im Buch werden 20 Menschen mit herausforderndem Verhalten vorgestellt, die an Schizophrenie, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Depression, Substanzmissbrauch/-abhängigkeit, Zwangsstörung, sozialer Phobie bzw. schizoaffektiver Psychose erkrankt sind.

Der Leser erfährt dabei mehr über die Lebens- und Krankheitsgeschichte der einzelnen Personen, lernt aber auch die Sichtweise von Angehörigen und Professionellen kennen, so dass der Mensch mit dem sogenannten herausfordernden Verhalten von mehreren Seiten beleuchtet, seine Aktionen, Reaktionen etc. aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden.

Ich finde dies nicht nur einen besonders spannenden, sondern auch einen wichtigen Ansatz, denn beim Lesen fällt immer wieder auf, wie unterschiedlich die gleiche Situation von Betroffenen, Angehörigen und Professionellen interpretiert und erlebt wird. Dies verdeutlicht, dass es nicht nur die eine Wahrheit gibt, wie Situationen erlebt werden und welche Gefühle und Gedanken damit verbunden sind, sondern das Buch trägt auf diese Weise entscheidend zum Verständnis von psychischen Störungen, aber auch des Menschseins an sich bei.

Die Menschen im Buch hatten und haben teilweise mit schweren Schicksalsschlägen zu kämpfen, aber weisen auch eine große Stärke und eine ausgeprägte Resilienz auf. Ich fand es zudem großartig zu lesen, wie für Menschen, die als schwierig oder herausfordernd gelten, eine Lösung gefunden werden kann, die alle Beteiligten zufrieden macht und bei den Betroffenen Recovery fördert.

Das Buch zeigt aber auch, dass es dafür keine Standardlösung gibt, sondern dass man genau zuhören, beobachten und offen für neue, bisweilen unkonventionelle Wege sein muss, um für den Einzelnen die passende Idee zu entwickeln, die (auch mit einer einschränkenden psychischen Erkrankung) ein erfülltes Leben ermöglicht.

‚Die Herausforderung bei Menschen mit herausforderndem Verhalten besteht vor allem darin, mit ihnen eine funktionierende professionelle Beziehung zu entwickeln von einer emotional belastenden zu einer von gegenseitiger Wertschätzung geprägten Zusammenarbeit. Das kann man lernen.‘ (Seite 9)

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