Jo Kilian

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Jo KilianTiepolos Geheimnis
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Tiepolos Geheimnis
Tiepolos Geheimnis
 (1)
Erschienen am 12.02.2018
Jo KilianThe Tiepolo mystery
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The Tiepolo mystery
The Tiepolo mystery
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Erschienen am 12.02.2018

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Rezension zu "Tiepolos Geheimnis" von Jo Kilian

Spannender Krimi und packender Historienroman zu gleichen Teilen!
Christoph_Pitzvor 9 Monaten

Im Winter 1751 kommt der venezianische Freskomaler Giambattista Tiepolo mit seiner Werkstatt nach Würzburg, um in der fürstbischöflichen Residenz das größte freitragende Gewölbe der Welt mit dem gewaltigsten Fresko auszumalen, das es jemals geben wird. Das Thema sind die vier Erdteile unter einem Götterhimmel, an dem auch Karl Philipp von Greiffenclau als Bischof und fränkischer Landesherr thronen wird. 600 Quadratmeter und eine Unternehmung, wie sie seit den Tagen Michelangelos nicht mehr in Angriff genommen wurde. Passend zu diesem mächtigsten und komplettesten Bauwerk unter allen Schlössern Europas, passend zu dieser Treppenhalle als Wunder der Leichtigkeit des kongenialen Baumeisters Balthasar Neumann, passend auch zu den umgebenden Arbeiten der besten Künstler jener Zeit, darunter Antonio Bossi mit fantastischen Stuckaturen und Johann Georg Oegg als Schöpfer filigranster Kunstschmiedewerke.

Zur umfangreichen Werkstatt Meister Tiepolos, welche in den sogenannten Ingelheim-Zimmern im Nordflügel des Schlosses ihr Quartier bezieht, gehören auch dessen Söhne Domenico und Lorenzo. Letzteren hat nun Jo Kilian als jüngeren, gerade der Kindheit entwachsenen Sohn des Meisters in das Zentrum seines neuen Romans „Tiepolos Geheimnis“ gestellt. Es geht um ein kriminalistisch verwobenes Verwirrspiel vor opulent ausschweifender Kulisse am spätbarocken und absolutistisch geführten Hof des Würzburger Fürstbischofs. Es geht aber auch um Schein und Sein, um Gerechtigkeit und Rache, um dekadente Lustbarkeiten, Selbstvergessenheit und Realitätsverlust am bereits heraufziehenden Vorabend der Revolution. Jo Kilian verbindet dafür die Ereignisse des Freskos unter dem Götterhimmel mit dem allegorischen Motiv der Götterdämmerung. Er lässt in seinem Roman sowohl die historisch wiedergegebenen Figuren als auch einige weitere Protagonisten und Rätselhaftes auf faszinierende Weise lebendig werden. Welche Rolle spielt der exponiert aufgestellte Mann, dessen Gesicht vollständig mit Haaren bedeckt ist? Was haben die seltsamen Zeichen am Rednerpult des alten Mannes zu bedeuten, die niemand entschlüsseln kann? Was die vielen Symbole, Drachen und Fratzen, welche sich in Details verstecken? Jo Kilian bedient sich hier aus einem wahren Füllhorn barocker Steilvorlagen und schickt seinen jungen Helden auf die Reise.

Es beginnt damit, dass Lorenzo Tiepolo anlässlich des Festes zur Begrüßung seines Vaters am Fürstenhof – es steht unter dem Motto des venezianischen Maskenkarnevals – während einer zunächst heiteren Schlittenausfahrt Zeuge eines Verbrechens wird. Zwei Jahre später ist das Deckenfresko bereits weit fortgeschritten, am Hof des Fürsten kommen und gehen die Gäste auf der immerwährenden Suche nach erbaulicher Zerstreuung, Lorenzo hat sich als begabter Vorlagenzeichner der sogenannten Freskokartons einen Ruf gemacht, die harte Arbeit direkt im Gewölbe bleibt ihm somit zumeist erspart. Mit dem Eintreffen eines neuen Hofnarren, der mit unverschämten Respektlosigkeiten und Provokationen auffällt, verändert sich aber plötzlich der Lauf der gewohnten Dinge am Hof des Fürsten. Unter den Gästen brechen sich Streitlust und Eitelkeiten zunehmend Bahn. Meister Tiepolo, Lorenzos ohnehin etwas verschlossener Vater, reagiert auf seltsame Weise auf das Eintreffen dieses ungewöhnlichen Narren, zieht sich mit diesem zu mysteriösen Gesprächen zurück, ändert gar Motive in seinem Fresko auf verstörende Weise. Selbst Angelo, der langjährige Diener der Familie und seit jeher Lorenzos Beschützer, scheint plötzlich Geheimnisse zu haben. Lorenzo beschließt, den Dingen auf den Grund zu gehen und findet häufig nur noch mehr Fragen statt Antworten. Auf seiner Suche trifft er des Nachts in den dunklen Gängen auf Nisha, die Königin der Schatten. Wer ist die geheimnisvolle Schöne? Nach seiner Erinnerung zeichnet er ein Porträt und findet es später prompt in dem Fresko seines Vaters wieder. Wie kommt es dahin? Obskure Todesfälle häufen sich, ein Gast des Fürstbischofs verschwindet gar ohne jede Spur. Der Narr treibt seine Provokationen nun auf die Spitze, wobei es ihm bestimmte Personen offenbar besonders angetan haben. Schließlich scheint die Auflösung aller Geheimnisse hinter einem Rätsel geheimnisvoller Schriftzeichen verborgen zu sein, das hoch über den Köpfen der barocken Gesellschaft im Fresko von Meister Tiepolo zu sehen ist. Wer es löst, gewinnt die Wahrheit.

… oder den Tod möchte man beinahe ergänzen. Die finalen Wendungen – man glaubt krimierfahren der Sache auf der richtigen Spur zu sein – nehmen dann aber doch eine Richtung an, die die Ereignisse sowie den Leser gänzlich unerwartet trifft.

Hinter dem Pseudonym Jo Kilian verbirgt sich der Schriftsteller Roman Rausch, dessen erfolgreiche Kriminalromane seit vielen Jahren eine ebenso treue Leserschaft haben wie seine historischen Romane. In „Tiepolos Geheimnis“ verbindet er nun beides miteinander. Und wie! Auf knapp 130 im Stil überaus kurzweilig zu lesenden Seiten entwirft er einen dramaturgischen Spannungsbogen, dem zu keinem Moment die Luft ausgeht, Sackgassen, Irrwege und Nebenschauplätze inklusive. Es gelingt Roman Rausch diese Zeit der Völlerei und Ausschweifungen zum Ende des absolutistischen Zeitalters vor dem geistigen Auge noch einmal so lebendig werden zu lassen, als befände man sich mitten darin. Das große Deckenfresko der vier Erdteile wie auch andere Orte voller Kunst der fürstbischöflichen Residenz nehmen an der Handlung geradezu aktiv teil, als wäre dies die reinste Selbstverständlichkeit. Eine Hommage an die große Kunst des Meisters, stellvertretend für die vielen kunstfertigen Hände und kreativen Geister, die in Würzburg ihr Werk hinterlassen haben und zum Teil noch immer wirken.

Unter dem Titel „The Tiepolo Mystery“ ist der Roman zeitgleich auch auf Englisch erschienen. Die alljährlich Hunderttausende an Besuchern Würzburgs und der Residenz können damit ein anregendes Stück lebendig werdender Geschichte aus der Stadt am Main mitnehmen. Tolle Idee, bitte mehr davon!

Fazit

Das neue, diesmal sehr kompakte Werk von Roman Rausch ist ein lebendig sehr gelungen historischer Roman in der Schilderung der abgebildeten Zeit und gleichzeitig ein spannungsgeladener Krimi, der ungewöhnliche Wege zu beschreiten weiss. Für beides ist die Plattform der Zeit ein gefundenes Fressen voller Appetit. Ich habe mir vorgenommen, das Buch nach einer Weile noch einmal zur Hand zu nehmen, denn ich bin schon jetzt sicher, dass ich neue Zusammenhänge und Details entdecken werde.

„Tiepolos Geheimnis“ von Jo Kilian. – Sowohl als Krimi wie auch Historiengemälde sehr lesenswert!

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