Jo Lendle Akzente 3 / 2016

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Inhaltsangabe zu „Akzente 3 / 2016“ von Jo Lendle

Früher war vieles einfacher. Da war Europa schlicht eine phönizische Königstochter. Und heute? Dieses Sonderheft zeigt Europa als Idee, Kontinent, Geisteshaltung, Heimat, Fremdkörper, Erinnerung. Es vereint Stimmen aus unterschiedlichen Ländern, die essayistisch oder literarisch auf Gegenwart, Wünsche und Möglichkeiten Europas schauen. Mit Beiträgen von Lily Brett, György Dragomán, Dana Grigorcea, Zbigniew Herbert, Elfriede Jelinek, Ingo Schulze, Adam Zagajewski u.a.
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  • Anregende und nachdenkliche Texte mit hoher literarischer Qualität

    Akzente 3 / 2016
    Calantha

    Calantha

    23. December 2016 um 18:11

    Die Akzente ist eine Literaturzeitschrift, welche 4 mal im Jahr erscheint. Sie wird vom Hanser Verlag herausgegeben und ist eine der bekanntesten Literaturzeitschriften. Jede Ausgabe steht unter einem bestimmten Motto. Dieses Mal war das Motto „Europa“.Thematisiert wird das Verhältnis zwischen Osteuropa und Westeuropa, Abhängigkeiten und geschichtliche Vorkommnisse, die Europa geprägt haben, von Holocaust bis Diktatur. Das unausgeglichene Gefälle zwischen den einzelnen Ländern und auch das Miteinander und Gegeneinander wird erwähnt. Außerdem kommt Europas Platz in der Weltpolitik zur Sprache und es wird sich mit der „Festung Europa“ und dem eurozentrischen Blick auseinander gesetzt.Die Texte sind ganz unterschiedlich gestaltet. Nicht alle Texte haben mir auch gefallen, manche fand ich zu sehr konstruiert und übertrieben, wie die Geschichte „Bärenfett“. Es fing erst ganz normal an und wurde dann immer absurder. Sehr gut gefallen hat mir hingegen der Text „Ein Platz an der Sonne“ von Alek Propov, über zwei Männer am Schwarzen Meer. Der Eine beobachtet auf der georgischen Seite den Sonnenuntergang und der Andere beobachtet auf der bulgarischen Seite, den Sonnenaufgang. Beide kennen sich nicht, der eine träumt von der Zukunft, den Chancen und vom europäischen Fortschritt, während der andere in Europa sich an die alten Zeiten zurückerinnert und sich nach der wilden Vergangenheit sehnt und eine Verbindung mit den Ahnen sucht, die noch das wahre Leben kannten, ohne Supermärkte und Fließbandarbeit. Beide idealisieren die Lebensweisen des jeweiligen Anderen, ohne es zu merken. Und vielleicht erklärt dieses Gefühl auch den nationalistischen Ruck in Europa. Jetzt nach dem wir das haben, was wir wollten, sehen wir, dass diese ganze Konsum- und Leistungsgesellschaft, gar nicht so erstrebenswert ist und sehnen uns wieder nach dem Ursprünglichen, Traditionellen und „echt Deutschen“.Die Gedichte haben mir eher weniger gefallen, aber das liegt sicher daran, dass ich allgemein nicht so leicht von Gedichten zu überzeugen bin, außer sie haben eine wirklich wundervolle Poesie. Nur das etwas längere Gedicht (14 Seiten) „Hotel Europa“ von Nicoleta Esinencu hat mir sehr gut gefallen und ich war auch sprachlich sehr angetan davon. Es geht um Belarus, dessen Vergangenheit, Gegenwart und um den russischen und westlichen Einfluss. Interessant ist auch, dass die Autorin eigentlich in Moldavien geboren ist und bereits in den verschiedensten Ländern Europas gearbeitet hat.  Aber genau darum geht es auch, in der Europa-Ausgabe, um dass sich hinwegsetzen über nationalstaatliche Grenzen. Einen Blick auf einen größeren Raum und einen größeren Zusammenhang zu werfen.Dann gibt es auch noch Essays, die zum Teil verschiedene Gedankengänge wiedergeben. Stellvertretend für die Essays möchte ich kurz den Text „Der eindimensionale Europäer“ von Robert Menasse erwähnen, der übrigens auch einer der Herausgeber ist. Ich habe selten so eine gute und dichte Erklärung von derzeitig gesellschaftlichen Problemen und dem geschichtlichen Hintergrund gesehen. Der Autor macht Zusammenhänge sichtbar und regt zum Nachdenken an. Zentrale Thesen seiner Ausführungen sind, dass es keinen „guten“ Nationalismus gibt und die Idee eines homogenen Nationalstaates in Europa zu den beiden größten geschichtlichen Katastrophen, den Weltkriegen und den Holocaust geführt hat. Ein homogenes und durch Grenzen abgeschlossenes Volk, hat es in Europa nie gegeben. Besonders gut zeigt sich das auch an dem Nationalstolz von Österreich, dessen ganze Errungenschaften auf dem Habsburgerreich basieren. Menschen die heute als Ausländer diskriminiert werden, waren früher ganz Selbstverständlich ein Teil von der riesigen Monarchie in Österreich.Absolute Lese-Empfehlung mit anregenden und interessanten Gedanken und auch einem kritischem Blick auf aktuelle Vorgänge in Europa. Die Vielzahl und die Unterschiedlichkeit der Texte, macht das Lesen sehr interessant. Sicher findet jeder Texte, die ihn mehr berühren, als Andere, in allem aber eine gelungene Mischung!

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