Jo McMillan

 3.5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Paradise Ost und Motherland.

Lebenslauf von Jo McMillan

Jo McMillan lebt in Berlin, ihr Debütroman Paradise Ost basiert in Teilen auf ihrer eigenen Kindheit.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jo McMillan

Cover des Buches Paradise Ost (ISBN:9783548289441)

Paradise Ost

 (2)
Erschienen am 14.07.2017
Cover des Buches Motherland (ISBN:9781473612006)

Motherland

 (0)
Erschienen am 02.07.2015

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Rezension zu "Paradise Ost" von Jo McMillan

Am Kern vorbei
Duffyvor 3 Jahren

Ende der 70er erfüllt sich für die überzeugte Kommunistin Eleonore der Wunsch, in die DDR, das Land mit dem ihrer Meinung nach überzeugenden Sozialismus zu reisen. Zusammen mit ihrer Tochter Jess führt sie im beschaulichen englischen Tamworth ein Schattendasein, weil sie die Einzige mit einer so ausgeprägten politschen Meinung ist. Ihre Aktivitäten können sich nur auf das Verkaufen des kommunistischen Blattes "Morning Star", sowie der Betreuung einer Mikrogemeinde beschränken. In der DDR blüht Eleonore auf, während Jess im Laufe der Jahre, in denen sie regelmäßig an Sommercamps teilnehmen, schon bald die Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis erfährt. Nicht zuletzt auch durch eine Liebesaffäre zwischen ihrer Mutter und einem ostdeutschen Lehrer.
Jo McMillan hat in diesem Buch wohl auch biografische Erfahrungen verarbeitet. Was anfangs sehr interessant scheint, die Umsiedlung in die "andere Richtung" , von West nach Ost, verliert im Laufe des Romans den Hauptaspekt dieser Geschichte, denn die Autorin verliert sich in Nebensächlichkeiten, hält sich zu lange an Nebenschauplätzen auf und scheint sich nicht ganz darüber im Klaren zu sein, was ihr wichtiger ist, die Schwierigkeiten auf der politischen Bühne mit seinen Differenzen zwischen Theorie und Praxis, oder die Beziehung von Mutter und Tochter. Dadurch entstehen Längen, die den Leser immer wieder davon abhalten, selbst Stellung zu beziehen. Viel zu wenig geht McMilan auf die damalige Realität des "Arbeiter- und Bauernstaats" ein, viel zu selten nennt sie die Dinge beim Namen, schildert Repressalien und die wirklichen Probleme. Alles wird teilweise nur angedeutet, vieles bleibt in einem Nebel. Der Wechsel zwischen englischer Heimat und dem begehrten Leben im Sozialismus erfährt keinesfalls eine Spannung, die zu irgendwelchen Entscheidungen führt. Alles bleibt ein wenig schwammig und verliert sich in zu deutende Abschnitte.
Das Ende, das eigentlich beide Hauptpersonen mit ihren Entscheidungen und den daraus folgenden Konsequenzen herausarbeiten soll, gerät zu oberflächlich, zu wenig hinterfragt, als dass es für einen versöhnlichen Abschluss reicht. Schade, denn der Stoff wurde noch nicht häufig für einen Roman verwendet, hier ist er nicht kräftig und nachdrücklich genug verarbeitet.

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Rezension zu "Paradise Ost" von Jo McMillan

Kommunisten unter sich
TochterAlicevor 3 Jahren

Den Osten kosten – genau das will Eleanor, englische Kommunistin der zweiten Generation, nicht. Nein, sie will mehr, sie will in die DDR eintauchen, sich mit den Genossen verbrüdern, zumindest im Sommer Teil des real existierenden Sozialismus sein. Und irgendwann, nein, nicht irgendwann, sondern exakt im Sommer 1978, erfüllt sich der Traum und sie – von Beruf Lehrerin – darf einen Kurs für die Kollegen in Deutschlands Osten geben. Mit dabei wie immer – ihre Tochter Jess, zu dem Zeitpunkt dreizehn Jahre alt, aber bereits versierte Kämpferin an der Seite ihrer Mutter für die Ziele des Kommunismus.

Die beiden fangen Feuer – Eleanor nicht nur für das Land, sondern auch für einen Genossen, Peter, mit dessen Tochter Martina Jess enge Freundschaft schließt. DDR mal aus einer ganz anderen, oftmals aus meiner – westdeutsch sozialisierten – Sicht sehr naiven: die beiden Kommunistinnen aus England haben bei ihren Betrachtungen ganz klar die rosa Brille auf der Nase, für sie erfüllt sich mit dem Besuch der Deutschen Demokratischen Republik ein Traum, der mehrfach wiederholt wird und ein paar Jahre später, im symbolträchtigen Jahr 1984 nämlich, für Eleanor Alltag werden soll – dann nämlich siedelt sie über in das von ihr so idealisierte Land. Kommunisten unter sich - das ist etwas, was sie nie kannte, was sie nun erfahren will - für sie die idealisierte Lebensform. Dass die ostdeutschen Genossen vieles auf eine bestimmte Art und Weise sehen MÜSSEN - das kann oder will sie nicht erkennen, ganz im Gegensatz zu Jess, bei der erste Zweifel auftauchen.

Die Autorin Jo McMillan legt der Geschichte eigene Erfahrungen – sie ist eine Altersgenossin der jungen Jess – zugrunde und hat so einen Roman geschaffen, der eine ganz neue DDR-Erfahrung begründet, zumindest für mich. Ein äußerst spannendes Thema, das von der Autorin durchaus unterhaltsam dargestellt wird.

Der Roman ist zunächst in Großbritannien erschienen und muss auch als englischer Roman gesehen werden, in dem das Leben in einer Kleinstadt in Mittelengland Normalität ist, die DDR dagegen das Neue, das Besondere, das Andere. Alles eine Frage der Perspektive eben. Mir war der Ausschnitt, der hier beleuchtet wurde, fast ein wenig zu kurz, doch das ist meine persönliche Ansicht. Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch, das gerade deutschen Rezipienten sowohl aus Ost wie auch aus West neue Blickwinkel eröffnet.

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