Neuer Beitrag

TochterAlice

vor 2 Jahren

(17)

Den Osten kosten – genau das will Eleanor, englische Kommunistin der zweiten Generation, nicht. Nein, sie will mehr, sie will in die DDR eintauchen, sich mit den Genossen verbrüdern, zumindest im Sommer Teil des real existierenden Sozialismus sein. Und irgendwann, nein, nicht irgendwann, sondern exakt im Sommer 1978, erfüllt sich der Traum und sie – von Beruf Lehrerin – darf einen Kurs für die Kollegen in Deutschlands Osten geben. Mit dabei wie immer – ihre Tochter Jess, zu dem Zeitpunkt dreizehn Jahre alt, aber bereits versierte Kämpferin an der Seite ihrer Mutter für die Ziele des Kommunismus.

Die beiden fangen Feuer – Eleanor nicht nur für das Land, sondern auch für einen Genossen, Peter, mit dessen Tochter Martina Jess enge Freundschaft schließt. DDR mal aus einer ganz anderen, oftmals aus meiner – westdeutsch sozialisierten – Sicht sehr naiven: die beiden Kommunistinnen aus England haben bei ihren Betrachtungen ganz klar die rosa Brille auf der Nase, für sie erfüllt sich mit dem Besuch der Deutschen Demokratischen Republik ein Traum, der mehrfach wiederholt wird und ein paar Jahre später, im symbolträchtigen Jahr 1984 nämlich, für Eleanor Alltag werden soll – dann nämlich siedelt sie über in das von ihr so idealisierte Land. Kommunisten unter sich - das ist etwas, was sie nie kannte, was sie nun erfahren will - für sie die idealisierte Lebensform. Dass die ostdeutschen Genossen vieles auf eine bestimmte Art und Weise sehen MÜSSEN - das kann oder will sie nicht erkennen, ganz im Gegensatz zu Jess, bei der erste Zweifel auftauchen.

Die Autorin Jo McMillan legt der Geschichte eigene Erfahrungen – sie ist eine Altersgenossin der jungen Jess – zugrunde und hat so einen Roman geschaffen, der eine ganz neue DDR-Erfahrung begründet, zumindest für mich. Ein äußerst spannendes Thema, das von der Autorin durchaus unterhaltsam dargestellt wird.

Der Roman ist zunächst in Großbritannien erschienen und muss auch als englischer Roman gesehen werden, in dem das Leben in einer Kleinstadt in Mittelengland Normalität ist, die DDR dagegen das Neue, das Besondere, das Andere. Alles eine Frage der Perspektive eben. Mir war der Ausschnitt, der hier beleuchtet wurde, fast ein wenig zu kurz, doch das ist meine persönliche Ansicht. Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch, das gerade deutschen Rezipienten sowohl aus Ost wie auch aus West neue Blickwinkel eröffnet.

Autor: Jo McMillan
Buch: Paradise Ost
Neuer Beitrag

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks