Jo Shapcott ist eine Dichterin, deren Ton so wandelbar ist, dass man beim Weiterlesen ein ums andere Mal kurz irritiert ist: wo ist das Augenzwinkern, der Schalk hin, der auf der vorherigen Seite noch dominierte? Hier nun ein elegischer Ton, aber Obacht: da deutet sich schon wieder ein ironisches Intermezzo an. Oder doch eher eine tiefgreifende Charakterstudie, eine melancholische Innenschau gar?
Was die Gedichte dennoch eint ist ihr Zug zur Faszination, wenngleich diese Bewegung mal mehr, mal weniger spielerisch vollzogen wird. Aber im Kern der Verse steht immer ein gut kostümiertes Staunen, ganz gleich ob es um Kohlkopfträume, Thetis, Tiere oder ein Gebüsch geht.
Dieses Staunen verleiht den Texten eine besondere Ambivalenz und fungiert mitunter, in den wilderen Gedichten, auch als eine Art Ruhepol, als behutsame Grundstruktur, die von den Bildern und Ideen nicht gesprengt, sondern lediglich mit ihrem Surren und Summen erfüllt wird.
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