Joachim Bauer

 4,2 Sterne bei 101 Bewertungen

Lebenslauf

Universitätsprofessor Joachim Bauer ist Arzt, Neurowissenschaftler und Psychotherapeut. Er ist Facharzt für Innere Medizin und Psychiatrie und in beiden Fächern auch habilitiert. Für herausragende neurowissenschaftliche Forschung, die ihn zeitweise auch in die USA führte, wurde er von der Deutschen Gesellschaft für Biologische Psychiatrie mit dem Organon- Forschungspreis ausgezeichnet. Er ist Professor emeritus an der Universität Freiburg, Gastprofessor an der International Psychoanalytic University (IPU) Berlin und Dozent an einem Berliner Ausbildungsinstitut für Psychotherapie. Des Weiteren ist Joachim Bauer Autor zahlreicher Veröffentlichungen und erfolgreicher Bestseller-Sachbücher.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Joachim Bauer

Cover des Buches Warum ich fühle, was du fühlst (ISBN: 9783453615014)

Warum ich fühle, was du fühlst

 (32)
Erschienen am 03.09.2006
Cover des Buches Das Gedächtnis des Körpers (ISBN: 9783492301855)

Das Gedächtnis des Körpers

 (19)
Erschienen am 16.04.2013
Cover des Buches Lob der Schule (ISBN: 9783453600836)

Lob der Schule

 (10)
Erschienen am 06.10.2008
Cover des Buches Prinzip Menschlichkeit (ISBN: 9783453630031)

Prinzip Menschlichkeit

 (8)
Erschienen am 03.08.2008
Cover des Buches Selbststeuerung (ISBN: 9783453604681)

Selbststeuerung

 (7)
Erschienen am 12.08.2018
Cover des Buches Schmerzgrenze (ISBN: 9783453602588)

Schmerzgrenze

 (5)
Erschienen am 10.03.2013
Cover des Buches Das empathische Gen (ISBN: 9783451034886)

Das empathische Gen

 (5)
Erscheint am 08.09.2024
Cover des Buches Wie wir werden, wer wir sind (ISBN: 9783453605633)

Wie wir werden, wer wir sind

 (3)
Erschienen am 07.03.2022

Neue Rezensionen zu Joachim Bauer

Cover des Buches Realitätsverlust (ISBN: 9783453218536)
M

Rezension zu "Realitätsverlust" von Joachim Bauer

Von den Risiken der KI und des virtuellen Lebens
M.Lehmann-Papevor einem Jahr

Von den Risiken der KI und des virtuellen Lebens

 

In der gegenwärtigen Diskussion über Nutzen, Gefahren, Möglichkeiten und Risiken der rasant fortschreitenden KI-Möglichkeiten (bei denen Chat-GPT ja nur einen Aspekt darstellt, auch wenn gerade dieses Programm am sichtbarsten Vor Augen gerade steht) fühlt man sich fast ein wenig an andere Diskussionen wie z.B. die Klimafrage erinnert.

 

Bielen Mahnern (zu rechten Zeit noch) stehen ebenfalls laute Stimmen der Verharmlosung gegenüber. Und allen gemeinsam ist sicherlich eine je eigene Perspektive und Motive für die entsprechende Haltung.

 

Wenn aber klar ist, dass selbst die „Erfinder“ von KI Applikationen deutlich warnen, wenn an sich schon die Konzentration „digitaler Macht“ in den Händen weniger Großkonzerne liegt, dann ist ein solches Buch wie diese von Joachim Bauer wichtig zu lesen. Um differenziert der „neuen Welt“ einigermaßen gerüstet gegenüberzutreten. Denn jene „digitale Inbesitznahme des Menschen“, die er überzeugend beschreibt, ist ja, wenn man ehrlich ist, schon am eigenen Verhalten und im eigenen Leben massiv zu beobachten.

Dabei verfällt Bauer nicht in plakativen oder populistischen Katastrophismus, sondern bleibt im Ton differenziert und nüchtern und lässt am Ende die Fakten der KI-Möglichkeiten sprechen. Wobei das schon reicht für ein deutliches Unbehagen bei Lesern und Leserinnen.

 

„Wenn wir sie als Werkzeuge benutzen, anstatt uns zu ihren Werkzeugen machen zu lassen, können digitale Produkte unser Leben bereichern. Dich wird sind dabei, den Kipp-Punkt zu überschreiten“.

 

Denn schon längst hat es begonnen, das analoge, reale, zwischenmenschliche Realitäten durch digitale Räume, Kommunikationsmodelle und „AI-Erlebniswelten“ das menschliche Handeln, dessen Grundlage, die Fakten und das Erleben von Realität bald mehr prägen, als primäre Erfahrungen in der Realität.

 

„Man hilft uns beim Gehen, bis wir nicht mehr gehen können“.

 

Und das, man kann es nicht oft und laut genug betonen, in erster Linie gesteuert von Machtinteressen und Geschäftsmodellen, nicht aus Haltungen der Wohlfahrt den Menschen gegenüber.

Wobei für die Motive hinter den Geschäften und der „digitalen Religion“ das Kapitel über den „digitalen Narzissmus“ im Buch sehr ans Herz zu legen ist. Denn in der Verbindung von „apokalyptischem Denken“ und „Weltrettung“ zumeist eben durch die eigene Person oder eigene „Firma“ sind jene Grundstrukturen von Narzissmus rege zu erkennen, die schon einzelne Menschen im Alltag zu einer Belastung werden lassen können, die aber potenziert hervortreten, wenn es ultra-reiche Menschen sind und fast monopolartige Firmen, die in vielen Fällen still im Hintergrund beginnen, alle Fäden zu ziehen und zu bestimmen.

 

Mitsamt der Folge, in den sozialen Netzwerken sehr klar und offenliegend zu beobachten, dass eine immer größere Unfähigkeit, sich realen Beziehungen zu stellen und sich und andere durch reale Begegnungen kennenzulernen, immer rasanter und tiefer um sich greift.

 

Das ist die Crux, dass der Mensch sich (scheinbar zunehmend) nicht gerne anstrengt, wenn es sich vermeiden lässt (und reale, echte soziale Beziehungen sind auch anstrengend und setzten Aktivität voraus) und die digitale Welt einfacher zu habende „Ersatzerlebnisse“ zu Hauf inzwischen anbietet (was allein schon die Pseudo-Realität von Videospielen angeht).

 

Schritt für Schritt (zer-) legt Bauer die „schöne neue Welt“ der digitalen Errungenschaften vor die Augen von Lesern und Leserinnen und erzeugt am Ende nicht nur ein mulmiges Gefühl, sondern auch eine differenzierte Sicht auf die eigene Neigung, gegen vermeintliche Bequemlichkeit anstrengende persönliche Herausforderungen eine „schnelle Lösung“ zu finden.

 

Für allerdings, dass ist nach der Lektüre völlig klar, einen hohen Preis.

Cover des Buches Realitätsverlust (ISBN: 9783453218536)
B

Rezension zu "Realitätsverlust" von Joachim Bauer

Hoch brisante Fragestellungen sachlich klar dargestellt
belanaherminevor einem Jahr

Inhalt

Joachim Bauer, Neurowissenschaftlicher und Psychotherapeut, schreibt schon seit Jahren Bücher darüber, wie sich gesellschaftliche Entwicklungen auf die Psyche der Einzelnen, aber auch die "gesellschaftliche Psyche" auswirken. In diesem Buch befasst er sich mit der zunehmenden Digitalisierung und Virtualisierung der Welt. Was macht das mit dem Menschen? Wir viel "virtuell" ist sinnvoll, wie viel "virtuell" ist noch gesund für den Menschen? Wieviel Realität brauchen Menschen, um sich als Mensch zu verstehen und entwickeln zu können? Diesen Fragen geht Joachim Bauer in diesem Buch nach.

Dazu gliedert er seinen Stoff nach einem Vorwort in sieben Kapitel und spricht über Aufklärung, menschliche Eigenschaften, die um sich greifende Digitalisierung/Virtualisierung, Realitätsverlust, das Bewusstsein, digitalen Narzissmus und darüber, wie in einer digitalen Wert Humanität bewahrt werden kann.

Am Ende des Buches finden sich 14 Seiten Literaturhinweise, 24 Seiten Anmerkungen und 5 Seiten Register zur besseren Orientierung im Buch.

Subjektive Eindrücke

Ich habe das Buch mit viel Interesse gelesen. Bauer schreibt gut verständlich und kommt ohne viele Fachvokabeln aus. Immer wieder setzt er sich sachlich mit den Meinungen Anderer auseinander oder flicht sie in seine Argumentation ein. Von seiner akribischen Recherche zeugt das lange Literaturverzeichnis. Viele Zusammenhänge, die ich intuitiv geahnt/befürchtet habe, sind mir sehr deutlich, klar und logisch nachvollziehbar geworden.

Fazit

Keine Panikmache, sondern sachliche Auseinandersetzung mit möglichen Optionen für ein Umgehen mit der Situation.

Weitere Rezensionen von mir gibt es unter https://belanahermine.wordpress.com/category/rezension/

Cover des Buches Schmerzgrenze (ISBN: 9783896674371)
V

Rezension zu "Schmerzgrenze" von Joachim Bauer

Der primäre Trieb des Menschen ist die Bindung
Vera-Seidlvor 2 Jahren

Prof. Dr. med. Joachim Bauer beginnt sein Buch „Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt“ mit folgendem Satz: „Die Chancen für eine Selbstzerstörung des Menschen im 21. Jahrhundert stehen nicht schlecht.“ 

Diesen düsteren Worten setzt er am Ende seines Werkes eine Aufforderung entgegen: „Daher sollten wir - in Anlehnung an das Zitat Barack Obamas - ‚nicht nachlassen, nach der Welt zu streben, die sein sollte.‘“

Was die Ressourcenknappheit an materiellen Gütern wie „Wasser, Nahrung, Energie und natürliche Umwelt“ bei Zunahme der Weltbevölkerung betrifft, konnte ich ihm nicht folgen, weil ich glaube, dass für alle gesorgt ist und sein wird. 

Das Kapitel „Die zwei Seiten der zivilisatorischen Medaille“ beschließt der Autor mit den Worten: „Mit Einsetzen des zivilisatorischen Prozesses wurden auch zwischenmenschliche Bindungen zu einer knappen Ressource. Die Angst, Bindungen zu verlieren, Eifersucht und das mit ihr vielfach verbundene aggressive Potenzial wurde zum Dauerbegleiter des postneolithischen Menschen.“ Hier kann ich Bauer nur voll zustimmen und danke ihm auch, dass er mir die Vorderseite der Medaille aufzeigte:

„Menschen lieben Herausforderungen. Das menschliche Gehirn ist ein Organ, das sich geradezu danach sehnt, Probleme zu lösen.“

Viel Zeit nimmt sich der Autor mit den Anfängen der Menschheit. Untersucht genau den Australopithecus, das Bindeglied zwischen dem Affen und dem Menschen.

Auf dessen Speiseplan standen neben Pflanzen lediglich einige kleine Insekten. „Tatsächlich waren Australopithecus afarensis und A. africanus nicht Jäger, sondern Gejagte.“

Der Homo sapiens habe friedlich mit dem Neandertaler zusammengelebt, erwähnt der Neurowissenschaftler, betont das Gleichheitsprinzip der Jäger- und Sammlerkulturen. Das beinhaltet auch die Gleichrangigkeit von Mann und Frau.

„Der primäre Trieb des Menschen ist Bindung“ sagte Prof. Dr. Joachim Bauer 2011 in einem Interview, welches bei YouTube zu sehen und zu hören ist.

Der Atem stockte mir, als ich das Kapitel „Die Gebärmutter der Zivilisation: der ‚fruchtbare Halbmond‘“ las. Etwa ab 13.000 v. Chr. begann in einem eisfreien Biotop in Obermesopotamien die Sesshaftigkeit der Menschen, wurde aber ab 7500 v. Chr. dort wieder aufgegeben.

Deutliche äußere Ursachen für diesen Rückzug konnten nicht gefunden werden. Bauer folgt einer anderen Erklärung: „Die Geschichte von Evas Griff nach dem verbotenen Apfel beruht allerdings auf einen Übersetzungsirrtum. Die verbotene und deshalb mit der Verweisung aus dem ‚Paradies‘ bestrafte Tat war nicht der Griff nach einer verbotenen Frucht, sondern das gewaltsame Handanlegen an einen Baum. Sollten die Autoren der Paradieslegende den Verdacht gehabt haben, das massive Abholzen der Wälder des ‚fruchtbaren Halbmondes‘ habe einen Beitrag zur Zerstörung ihres Paradieses geleistet?“

Um wie viel schlauer waren unsere Vorfahren? Sie erkannten, dass ihre neue Lebensweise das natürliche Gleichgewicht gefährdet hatte. 

Was der Vertreibung aus dem Paradies folgte, kennen die Bibelfesten. Kain erschlug Abel, der Ackerbauer den Schäfer. Das Motiv war Eifersucht.

„Was sich innerhalb von nur 5000 Jahren zwischen 9000 und 4000 Jahren vor unserer Zeit abspielte, war die ‚brutalste Veränderung, die der Homo sapiens bis dahin durchlaufen hatte.“

„Ressourcenmangel, die Erfindung des Eigentums und der Einzug des ökonomischen Prinzips“ führten zum seelischen Schmerz, den anzuzeigen und zu beseitigen die gesunde Aggression diene. Aufgestauter Schmerz komme in verschobenen Aggressionen zum Ausdruck. Unbeteiligte werden so, häufig Jahre später, zu Opfern, einzelne Menschen oder ganze Völker.

Aggression ist also kein Trieb, wie es Sigmund Freud und Konrad Lorenz postuliert haben, sondern eine Reaktion.

Ich danke Prof. Dr. med. Joachim Bauer herzlich, dass er keine Literatur gescheut hat, um so umfassend über den Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt zu informieren und auch Perspektiven aus dem menschlichen Dilemma aufzeigte.

Vera Seidl


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