Joachim C. Fest Im Gegenlicht. Eine italienische Reise.

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Inhaltsangabe zu „Im Gegenlicht. Eine italienische Reise.“ von Joachim C. Fest

Dieses Buch ist eine absolute Ausnahme: sowohl in Bezug auf literarische Italien-Bücher als auch in Bezug auf die Bibliografie des Autors Joachim Fest. Schließlich ist der langjährige Chefredakteur des NDR und Herausgeber der FAZ in den vergangenen Jahren hauptsächlich aufgrund seiner Hitler-Biografien und anderer Nationalsozialismus-Werke bekannt, nein viel mehr noch: mit Preisen überschüttet worden. Im Gegenlicht beschäftigt sich da mit deutlich angenehmeren Dingen, nämlich den kulturellen Fassetten, den Städten und vor allem den Menschen im Süden Italiens. Wenngleich auch hier nach Ansicht von Fest nicht alles zum Besten steht. Deutlich wird dies am eigentlich geplanten Buchtitel Lauter Abschiede, der auf die rasante Veränderung Europas anspielt, das laut Fest im Angesicht von Heerscharen von Architekten und Touristen zu verschwinden droht.
Doch so melancholisch Fest, ganz poetischer Schriftsteller, mitunter schreibt, so begeisternd ist er an anderer Stelle. Ob nun von einer Irrfahrt durch das nächtliche Sizilien die Rede ist, dem Straßengewirr Neapels oder den Fresken Michelangelos -- stets wechseln sich scharfsichtige Beobachtungen mit pointierten Reflexionen oder packenden historischen Skizzen ab. Dabei macht es Fest nicht wie Goethe, er beginnt seine Süditalien-Route andersherum. So beginnt der Autor am fremdesten, beinahe afrikanischen Punkt und nähert sich Italien vom sizilianischen Rande her. Und die Volte gelingt. Sizilien ist der größte und härteste, der fremdeste und darum so faszinierende Brocken im Buch -- und somit ein fulminanter Einstieg. Doch auch die folgenden Kapitel sind ein Leseereignis der besonderen Art, was zum Großteil an den intellektuellen Gedanken von Fest liegt.
Wie schreibt ein Kritiker so treffend: "Ein gehöriges Stück europäischer Kulturgeschichtsschreibung (...) die helle Prosa eines unerhört gebildeten, klugen und weit gereisten Zeitgenossen." Übrigens: Wer meint, den Titel schon mal vor Jahren gesehen zu haben, hat Recht. Im Gegenlicht erschien bereits 1988, wurde aber trotz guter Verkaufszahlen nicht wieder aufgelegt. Nun kommt es erneut im Rowohlt Verlag heraus, der inzwischen von Fests Sohn geleitet wird. Dass Joachim Fest noch einmal an den Text ging, merkt man jedoch spätestens an manchen Anspielungen. Etwa wenn der Leser Donald Rumsfeld und sein Zitat des "alten Europas" wieder erkennt. --Jan König
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