Joachim Kaiser Sprechen wir über Musik

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Inhaltsangabe zu „Sprechen wir über Musik“ von Joachim Kaiser

Was Sie schon immer über Musik wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten

Mit diesem besonderen Buch will Joachim Kaiser vor allem eines: Andere für den Zauber der Musik gewinnen. Und so schreibt er auch: Begeistert, kenntnisreich und immer verständlich. Er erhebt sich nicht über den Leser, sondern lässt ihn an seinem Wissen und seiner Liebe zur Musik teilhaben. Wie deutsch klingt eigentlich deutsche Musik? Was störte Glenn Gould an Beethoven? Welche Bedeutung haben Pausen in einem Stück? Und wozu braucht man eigentlich Musikkritiker? Auf solche und viele weitere Fragen seiner Leser antwortet Kaiser in diesem Buch. Eine ebenso kluge wie unterhaltsame kleine Klassik-Kunde, die viel Wissenswertes vermittelt und auf wunderbare Weise zu einer tieferen Beschäftigung mit der Musik anregt.

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  • Rezension zu "Sprechen wir über Musik" von Joachim Kaiser

    Sprechen wir über Musik

    HeikeG

    09. January 2013 um 14:53

    Bitte keinen falschen Vibrationsalarm und auch kein "molto subito . Es ist immer wieder zu erleben: Man sitzt im Konzertsaal oder der Oper. Gerade wird eine leise, besonders gefühlvolle Passage gespielt. Da reißt urplötzlich das nervige Gedudel eines Handys die ergriffenen Zuschauer aus ihrem Bann. Hektisch untersucht man seine Utensilien. Vielleicht schrillt das vibrierende Ungeheuer gar aus den Tiefen der eigenen Tasche? Puuh... noch einmal Glück gehabt. Es kommt von einem Platz drei Sitze weiter links. Bloß gut, dass man selbst den Vibrationsalarm eingeschalten hatte. Aber auch wenn sich persönliche Erleichterung breitmacht, die Konzentration und der Genuss sind hin. . Apropos Vibrationsalarm. Eine der 58 Abhandlungen übertitelt der Autor mit eben jenem Begriff. Aber nicht seinen Unmut über die moderne "Immerzu-erreichbar-sein-Gesellschaft" lässt er dort aus, sondern Joachim Kaiser resümiert über das gewünschte, vielfach aber auch von diversen Dirigenten eines Orchesters verbotene und als verpönt geltende Vibrato auf der Geige etc. Er wiederum ist der Meinung, dass selbiges den Ton verschönt und lebendig macht, ja dass es "zum humanen Ausdruck der Musik" gehört. "Also bitte keinen falschen Vibrationsalarm.", schreibt der 1928 geborene Musikwissenschaftler, Germanist, Philosoph und Soziologe. . Gegliedert in sechs Kapitel (Von Klängen und Werken / Auf der Bühne, hinter der Bühne / Geschmackssachen / Tonkünstler, Überschätzte und Vergessene / Hochverehrtes Publikum / Aus dem Leben eines Kritikers) plaudert der "Hohepriester der Klassischen Musik" über die "Bibel der klassischen Musik", als welche Bachs Goldberg- oder Beethovens Diabelli-Variationen gern bezeichnet werden, beantwortet die Frage, ob das Adagio aus dem Klarinettenkonzert in A-Dur das Wunderbarste ist, was Mozart je komponiert hat (und dessen erste Takte übrigens vorn auf dem Buchcover abgedruckt sind) oder resümiert darüber, wie viel Stille die klassische Musik braucht und ob Pausen eine Farbe haben. Kaiser zeigt auf, was einen guten oder schlechten Sänger ausmacht, was Glenn Gould an Beethovens Sonaten störte, ob frühe Hörerlebnisse prägend sind oder falsch spielen eine Sünde ist. . Das Grundgerüst bilden Fragen von Musik-Interessierten, die ihm an die Redaktion der Süddeutschen Zeitung schrieben, für die er viele Jahrzehnte tätig war. Dieses "Frage-Antwort-Spiel" entfaltet sich als äußerst vielfältiges Themenspektrum über klassische Musik. Kurz und knapp, jedoch kompetent und geistreich, dabei immer charmant, witzig und unterhaltsam, lässt der Großkritiker der so genannten E-Musik den Leser an seiner immensen Sachkenntnis teilhaben. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt Joachim Kaiser keineswegs, sondern er möchte einzig sein fragendes "Publikum" bedienen. Ganz nach dem Motto: Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten. Dabei fließen zwangsläufig zahlreiche eigene Impressionen und Erfahrungen ein, die er in seinem langen Kritikerdasein machen durfte. Zuweilen schweift er ab, streut einige Anekdoten über Persönlichkeiten wie Karajan, Friedell oder Furtwängler ein, lockert mit ein wenig Partyplausch auf oder widerspricht gar seinem Lehrer Theodor W. Adorno oder Thomas Mann. . Fazit: "Mir ging es nicht darum, theoretische Abhandlungen zu liefern, sondern Musik durch persönliche Eindrücke lebendig werden zu lassen.", schreibt Joachim Kaiser in seinem Vorwort. Dies kann uneingeschränkt bestätigt werden. "Sprechen wir über Musik" dürfte sowohl für Kenner abwechslungsreich sein, aber auch dem interessierten Laien einen informativen Einblick in die wunderbare Welt der klassischen Musik geben. Ein Büchlein, indem man immer wieder blättern kann, ohne einem "molto subito" (sehr schnell wenden) zu unterliegen. Vielleicht öffnet es sogar dem ein oder anderen ein Tor zu selbiger (wenn nicht bereits geschehen). Die gelegentlich verwendeten Fachtermini und das mitunter vorausgesetzte musikwissenschaftliche Verständnis überfordern den Ungeübten allerdings keineswegs, wird dies durch Kaisers unkonventionelle, bodenständige Art und Weise mehr als wettgemacht. Letztendlich fühlt man sich bestens informiert und unterhalten. Zudem verspürt man während der Lektüre den steten Drang, die eine oder andere Aufnahme in den CD-Player zu legen und unbedingt den Konzertplan des "eigenen Haus- und Hoforchesters" zu studieren. Eines hat Joachim Kaiser auf einnehmende Art und Weise klargemacht, dass Musik das Seelische gleich in mehrere Dimensionen transportieren kann.

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