Joachim Knappe

Alle Bücher von Joachim Knappe

Cover des Buches Gregor 2. Gregor und der Schlüssel zur Macht (ISBN: 9783751200813)

Gregor 2. Gregor und der Schlüssel zur Macht

 (155)
Erschienen am 09.01.2021
Cover des Buches Skogland 1 (ISBN: 9783751202541)

Skogland 1

 (171)
Erschienen am 01.10.2021
Cover des Buches Gregor 3. Gregor und der Spiegel der Wahrheit (ISBN: 9783751200820)

Gregor 3. Gregor und der Spiegel der Wahrheit

 (133)
Erschienen am 09.01.2021
Cover des Buches Gregor 5. Gregor und das Schwert des Kriegers (ISBN: 9783751200844)

Gregor 5. Gregor und das Schwert des Kriegers

 (119)
Erschienen am 09.01.2021
Cover des Buches Gregor 4. Gregor und der Fluch des Unterlandes (ISBN: 9783751200837)

Gregor 4. Gregor und der Fluch des Unterlandes

 (119)
Erschienen am 09.01.2021
Cover des Buches Der Torwächter - Die verlorene Stadt (ISBN: 9783841503275)

Der Torwächter - Die verlorene Stadt

 (31)
Erschienen am 01.12.2014
Cover des Buches Jenseits der Finsterbachbrücke (ISBN: 9783841501509)

Jenseits der Finsterbachbrücke

 (25)
Erschienen am 01.03.2012

Neue Rezensionen zu Joachim Knappe

Cover des Buches Gregor 5. Gregor und das Schwert des Kriegers (ISBN: 9783751200844)W

Rezension zu "Gregor 5. Gregor und das Schwert des Kriegers" von Suzanne Collins

Bringt fantasievoll, mitreißend und tiefsinnig eine meiner absoluten Lieblingsreihen zu Ende!
wordworldvor 3 Monaten

Wie bereits in meiner Rezension zu den ersten vier Bänden der "Gregor"-Reihe erwähnt, verbindet mich mit dieser Serie aus der Feder von Suzanne Collins eine längere Reise voller guter Erinnerungen und begeisterter Rereads.  Zum ersten Mal gelesen habe ich sie 2011 im Alter von 10 Jahren und war so hin und weg von dieser originellen und hochspannenden Abenteuergeschichte, dass ich mir sofort alle Teile angeschafft habe. Im Laufe der Jahre wurde die Serie dann so etwas wie ein Comfort-Read für mich, auf den ich immer wieder in stressigen Situationen zurückgreifen konnte. Denn statt mich mit der Zeit zu langweilen, fielen mir mit jedem neuen Lesedurchgang neue Details auf, an denen ich mich erfreuen konnte und auch wenn ich der Zielgruppe mittlerweile deutlich entwachsen bin, reise ich jedes Mal mit großer Freude ins Unterland. Zu allen fünf Bänden der Reihe habe ich schon 2016 in den Anfängen meines Blogs eine Rezension geschrieben. Da diese jedoch recht kurz und oberflächlich ausfiel, habe ich nach einem weiteren Reread beschlossen, dass die Reihe es verdient, dass ich sie nochmal mit einer neuen Rezension ehre. Diese Rezension dreht sich nun um den fünften, den finalen Band der Gregor-Reihe, welcher gekonnt einige Fantasy-Klischees negiert und durch eine geballte Ladung Gesellschaftskritik, Moral und Nachdenklichkeit besticht. 


Bevor meine Rezension startet, will ich erstmal wie immer noch einige Worte zur Gestaltung loswerden. Die alten Cover meiner gebundenen Ausgaben sind von Band zu Band in unterschiedlichen Farben gehalten und zeigen jeweils Schlüsselszenen der Handlung in detailverliebter Illustration. Auf dem Cover von Band 5 ist unser mittlerweile 12jähriger Protagonist Gregor zu sehen, welcher auf einem Mauervorsprung vor den reichverzierten Wänden der Menschenstadt Regalia in voller Rüstung mit erhobenem Schwert gegen die weiße Ratte kämpft, die alle nur den Fluch nennen. Der gelbe Titel hebt sich gelungen vom dunkelvioletten Grund ab und passt auch inhaltlich so gut zur Handlung, dass er mir fast besser gefällt als der Originaltitel. An der gesamten Gestaltung merkt man also auch hier wieder sofort, dass das Cover extra für die Geschichte kreiert wurde und nicht auf einem Stockbild beruht. Die Illustration stammt von Joachim Knappe, der auch die Vignetten an den Kapitelanfängen erstellt und die Gestaltung der Titelblätter der drei Teile übernommen hat. Eine so runde und der Zielgruppe entsprechende Gestaltung gibt es einfach nur bei Kinderbüchern!


Erster Satz: "Gregor drückte den Rücken auf den kalten Steinfußboden, als er zu den Worten an der Decke hinaufstarrte."


Anders als Band 1 bis 4 setzt "Gregor und das Schwert des Krieges" ohne Zeitsprung direkt an den Geschehnissen des letzten Bandes an. Gregor konnte mit seiner kleinen Schwester Boots, Luxas jungem Cousin Hazard, der verletzten Maus Cartesian und seiner Fledermaus Ares nur knapp den Schrecken der Feuerländer entkommen, während Luxa, Howard und Ripred immer noch im Schatten des Vulkans versuchen, die restlichen Huscher vor den Ratten zu retten. Auch zurück in Regalia ist Gregor nicht viel Zeit zum Verschnaufen gegönnt. Denn nicht nur die Rattenarmee vor den Toren der Stadt nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an, er muss sich auch noch endlich mit der "Prophezeiung der Zeit" auseinandersetzen, über die all seine Freunde bislang Stillschweigen bewahrt haben. Verständlich, denn der Inhalt deutet nicht nur an, dass die Menschen dringend den Krallencode der Ratten knacken müssen, da die verschlüsselten Inhalte ausschlaggebend für Sieg oder Niederlage sein werden, sondern auch, dass Gregor den Endkampf gegen den Fluch nicht überleben wird... 


Schon in Band 4, "Gregor und der Fluch des Unterlandes" wurden die Atmosphäre deutlich düsterer, die angesprochenen Themen ernster und die Grundsteine für den Endkampf gelegt, sodass ich die Geschichte nicht mehr uneingeschränkt für 10-12jährige empfehlen konnte. In "Gregor und das Schwert des Kriegers" wird die kindliche Sicht nun aber endgültig abgelöst durch eine abgeklärte Schilderung der Vorkommnisse. Wir begleiten unsere Figuren in kein Abenteuer mehr, in dem gelegentlich gekämpft wird. Was hier gezeigt wird ist nichts anderes als Krieg inklusive abgerissener Köpfe, abgetrennter Gliedmaßen, verbrennenden Armeen, Verstümmelung und Tod. Positiv anzumerken ist, dass Suzanne Collins neben der blutigen Schilderung von Grausamkeiten auch ihrem moralischen Kurs treu bleibt und genau wie in Band 1 bis 4 ihren Finalband dazu nutzt, um einige Botschaften zu vermitteln. 


"Von seiner sicheren Position hoch oben konnte Gregor das, was er sah, kaum begreifen. Es schien unwirklich, als sähe er einen Film im Fernsehen und könnte jederzeit umschalten. Es konnte nicht sein, dass das wirklich geschah, ein solches Blutbad, solch eine Verschwendung von wertvollem Leben. Wer tot so etwas? Und wozu? Was sollte das bringen? Sie töteten einander, immer mehr, immer mehr, und am Ende gab es gewaltige Verluste auf beiden Seiten... Aber was hätte sich verändert? Das Ganze kam ihm plötzlich vor wie ein absurdes Spiel, das ohne Weiteres durch ein anderes ersetzt werden könnte, ein Kartenspiel, eine Schachpartie, ein Würfelspiel. Eines, nach dem alle lebend nach Hause gehen könnten."


Anders als viele Fantasyromane mit epischer Endschlacht wird Krieg hier nicht als Möglichkeit für den Helden, über sich hinauszuwachsen und Ruhm und Ehre zu erlangen glorifiziert. Stattdessen wird Gewalt durchweg als vermeidbare Eskalation geschildert, die Leben kostet und für Zerstörung sorgt. Diese Botschaft ist zwar weder neu noch besonders subtil eingefädelt, mir imponiert aber sehr, mit wie viel Hingabe sich die Autorin mit diesem Thema auseinandergesetzt und es als roten Faden für ihre gesamte Reihe genutzt hat. Trotz dieser Kontextualisierung von Gewalt, würde ich aber eindeutig empfehlen, dass jüngere Kinder die Reihe ab Band 4 in Begleitung lesen. Das sorgt dann auch für doppelten Spaß: denn wie bereits schon öfter erwähnt, können durch die vielen Wendungen, guten Ideen, überraschend komplexen Zusammenhänge sowie regelmäßige realgeschichtliche Anspielungen auch ältere LeserInnen viel Spaß mit der Geschichte haben.


Auch in anderen Belangen weicht die Autorin in ihrem Abschlussband geschickt typischen Fantasy-Klischees aus. So wird die Hauptentscheidung der Schlacht nicht im Kampf selbst getroffen, sondern durch die Zusammenarbeit verschiedener Spezies in einem geheimen Codezimmer. Die Idee, der Entschlüsselung des Krallencodes eine so große Rolle zuzugestehen, fand ich ganz hervorragend, da so verdeutlicht wird, dass Stärke nicht unbedingt etwas mit der Fähigkeit ein Schwert zu schwingen zu tun hat. Außerdem ist das Rätselraten rund um den Code eine gelungene Abwechslung zum kriegerischen Rest der Handlung. Damit die LeserInnen aktiv miträtseln können, ist der sogenannte Übertragungsbaum, in dem verzeichnet ist, welches Zeichen welchem Buchstaben entspricht, im Buch an mehreren Stellen mitabgedruckt und einige Briefe und Botschaften werden auch nicht für uns Lesende "übersetzt", sondern müssen von uns in Eigenarbeit entschlüsselt werden. Gerade vor dem Hintergrund, dass hier eine jüngere Zielgruppe angesprochen wird, finde ich diese interaktiven Elemente großartig!


"Den Krieg habt Ihr begonnen,
Verbündete gewonnen.
Den Schlüssel findet nun zum Code,
sonst ist es Euer sicherer Tod.


Die Zeit ist bald um
ist bald um
ist bald um.


Mein Schwert muss bei dem Krieger sein,
nur so könnt Ihr die Sieger sein.
Doch vergesst niemals das Tick,
und das Klick-Klick-Klick.
Gebt auf die Rattenpfote acht,
mit Ihr halten sie die Macht.
Denn die Pfote ist der Bote,
in dem Krallencode.


Die Zeit steht still
steht still
steht still.


Der Prinzessin kann´s gelingen,
dieses Rätsel zu bezwingen.
Studieren muss sie und vergleichen,
das Kratzen, Kratzen, Kratzen,
hinterlistiger Rattentatzen,
denn der Name stellt die Weichen.
Mit einem Blick sah sieh den Trick,
in dem Klick-Klick-Klick.


Die Zeit läuft zurück
läuft zurück
läuft zurück.


Fließt das Blut des Monsters rot
ist der Krieger endlich tot.
So hört auf das Pock,
und das Tick-Tack-Tock.
Wollt Ihr schlafen, wollt Ihr warten,
haben die Nager die besseren Karten.
Dann sind sie die Herrscher im Land
und Ihr für alle Zeit verbannt."


Ebenfalls gut gefallen hat mir, dass die Autorin hier nicht dem üblich linearen Handlungsverlauf folgt, in dem sich die Figuren auf die Schlacht vorbereiten, bevor diese sich dann ewig hinzieht und zum Ende steigert. In "Gregor und das Schwert des Kriegers" gibt es zwar einige kurze Kampfszenen, diese werden aber immer wieder durch Training, dem Aufenthalt im Krankenhaus, bei taktischen Besprechungen, im Coderaum und durch gaaaaanz viel Warten unterbrochen. Auch wenn es weniger konkrete Handlung gibt als in den vorherigen Bänden, zieht der Krieg rasend schnell an einem vorbei und man kann die Geschichte nicht aus der Hand legen. Das liegt vor allem daran, dass diese Abschnitte des Wartens mit Gedanken über den Tod, den freien Willen und dem Hinterfragen der Prophezeiungen genutzt wird. Auch in Band 5 wird die Rahmenhandlung durch eine solche Prophezeiung vorgegeben, anders als zuvor ist Gregor aber nicht mehr gewillt, diese als Realität hinzunehmen und beginnt sich zu fragen, ob die Prophezeiungen tatsächlich die Zukunft vorhersagen, oder ob die Zukunft so eintrifft, weil alle davon ausgehen, dass die Prophezeiung sich erfüllt. Ausgelöst wird dieser interessante Gedankengang natürlich durch Gregors Konfrontation mit dem eigenen Tod, aber auch dadurch, dass wir neue Informationen erhalten, die ein anderes Licht auf den Ersteller der Prophezeiungen werfen. Gregors Entwicklung weicht also ebenfalls von der typischen Heldenreise ab, da er an moralischer Souveränität gewinnt, seine vermeintlichen Schwächen als Stärken anerkennt, statt diese zu überwinden und beginnt, Autoritäten zu hinterfragen.


"Allmählich glaube ich, wir sollten uns vor allem vorwerfen, dass wir uns von Sandwich leiten lassen, anstatt einfach das zu tun, was wir für richtig halten.", sagte Gregor. "Wir benutzen ihn als Vorwand, um uns gegenseitig umzubringen. Letzten Endes sind wir diejenigen, die mit dem Schwert in der Hand dastehen."


Zum Leben erweckt wird diese elektrisierende Mischung aus Kampf, Rätsel, Schmerz und Angst mal wieder durch die bildhafte, aber einfach gehaltene Sprache der Autorin. Mit lebensnahen Vergleichen, vielen Dialogen, mitreißenden Minicliffhangern am Ende eines jeden Kapitels und wunderbar übersetzten Prophezeiungen und Lieder konnte mich Suzanne Collins auch hier wieder erreichen und mir die Geschehnisse vor Augen führen. Bei der ein oder anderen Szene hätte ich aber lieber nicht so genau hingesehen und habe meine bildhafte Fantasie verflucht... Besonders schmerzhaft war für mich die Beobachtung, wie sehr sich Gregor durch die Abenteuer der letzten Bände verändert hat. Er hat nicht nur körperliche Narben davongetragen, die er durch lange Kleidung im Überland verstecken muss, sondern kämpft auch mit seelischen und psychischen Nachwirkungen dessen, was er miterleben musste. Und das ist ein weiterer Punkt, den die Reihe wunderbar meistert (und der auch in allen anderen Romanen der Autorin immer berücksichtigt wird, ich sage da nur "Ende der Panem-Reihe"...): Schreckliches bleibt nie ohne Folgen. Die Geschichte nimmt sich genügend Zeit, um auszuloten, was die Geschehnisse mit den Figuren machen und ist sich dabei nicht zu schade, den Finger in die Wunde zu legen. Das bedeutet natürlich ein großer Zugewinn an Glaubwürdigkeit und Figurentiefe, leider aber auch jede Menge Schmerz beim Lesen, da man nur schwer verwinden kann, wenn ein mittlerweile 12jähriger in Gedanken Trost bei einem steinernen Ritter im Museum sucht, da dieser alles Schlimme überstanden hat und nun in Frieden ruhen kann. AUTSCH!


"Sie ist gestorben." "Ja", sagte Gregor und dachte sich, dass es einfacher war, als Boots noch nicht wusste, was Sterben bedeutet."


Für etwas mehr Heiterkeit sorgt da die neu aufblühende Liebesgeschichte zwischen Luxa und Gregor, die ja schon in Band 4 subtil angedeutet und vorbereitet wurde. Zwar verändern sich die Dinge zwischen den beiden recht schnell, da ihre Beziehung aber dennoch im Hintergrund bleibt und die Autorin selbst darauf eingeht, dass die Dringlichkeit angesichts des Kriegs und Gregors bevorstehendem Tod die Dinge zwischen ihnen beschleunigt, stört mich das nicht. Besonders herzergreifend fand ich die sich entwickelnde enge Beziehung zwischen Gregors zweiter Schwester Lizzy und der Ratte Ripred, über den wir noch einige überraschende Informationen erhalten, die das Bild von ihm abermals wandeln. Letzterer hat sich mit seinen schneidenden Sarkasmus, der aber nicht über sein Feingefühl und seine Prinzipientreue hinwegtäuschen kann, im Laufe der Reihe zu meinem absoluten Lieblingsprotagonist entwickelt. Abseits von Luxas und Gregors Romanze und Lizzys und Ripreds überraschender Freundschaft treten die Beziehungen der anderen Figuren aber leider ein wenig in den Hintergrund. Besonders an zwei Stellen fand ich das sehr schade. Zum einen hätte ich gerne noch mehr über die Ehe von Vikus und Solovet erfahren, die hier ja oft als Gegenüberstellung von Kriegstreiberei und dem Streben nach Frieden gedient hat. Zum anderen hätte vor allem die Verbindung von Ares und Gregor angesichts des Endes gerne noch eine größere Rolle spielen dürfen.


Wo wir schon beim Ende sind: diesem stehe ich sehr zwiegespalten gegenüber. Die große Stärke des Finales ist dessen sensible Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod, Abschied, Trauma und der Schwierigkeit, wieder zurück ins Leben zu finden, nachdem man damit abgeschlossen hat. Was sich Suzanne Collins hier ausgedacht hat ist nicht das, was man sich für die Figuren nach 5 Bänden voller Hoffnung, Liebe, Mut und Leid wünscht, aber realistisch. Genau wie das Ende des letzten Bandes von "Die Tribute von Panem" zeigt die Autorin, dass der Weg zur Normalität nach einem gewonnenen Krieg endlos lang ist und es nach einigen Taten kein Zurück mehr gibt. Auch die Message des Endes, die sich nochmal klar gegen Krieg und für Verständigung ausspricht, mag nun vielleicht offensichtlich und trivial wirken, ist aber auf so herzzerreißende und eindringliche Art und Weise in die Geschichte miteingebaut, dass man das Gefühl hat, die Autorin habe gerade ein globales Problem gelöst. 


"Die Fernsehnachrichten hatten ihn nachdenklich gemacht. Im Augenblick konnte ihm nicht passieren, aber überall auf der Welt gab es Menschen, die leiden mussten, die hungerten, flohen, einander im Krieg töteten. Wie viel Energie sie darauf verschwendeten, einander zu schaden. Wie wenig darauf, sich gegenseitig zu beschützen. Würde sich das je ändern? Wie könnte man es ändern? Er dachte an Luxas Hand in Ripreds Pfote. (...) Vielleicht war es unmöglich. Aber vielleicht auch nicht. Wie Vikus gesagt hatte, wenn man keine Hoffnung hatte, würde auch nichts passieren. Wenn man Hoffnung hatte, konnte man vielleicht einen Weg finden, um etwas zu verändern."


Schade ist am Ende nur, dass mir Vieles viel zu schnell geht und einige Fragen offenbleiben (Spoiler: Das viel zu hohe Erzähltempo des Endes beginnt schon beim Endkampf mit dem Fluch, der auf der einen Seite beginnt, auf der nächsten schon vorbei ist und es verpasst, Ares´ Tod vorzubereiten und wirklich für die Handlung zu nutzen. Ich war natürlich sehr traurig, als er gestorben ist, sein Ende hätte man emotional aber noch besser begleiten können, um dessen volles Potential auszuschöpfen. Direkt nach dem finalen Kampf zwischen Gregor und dem Fluch unternimmt die Autorin dann auch noch einen Zeitsprung von mehreren Wochen, sodass das Kriegsende sehr abrupt wirkt. Die Szene im Stadion, die der Beginn der Friedensverhandlungen markiert, ist zwar eine der schönsten, die ich im Fantasy-Genre jemals gelesen habe, dass Gregor nach den Verhandlungen aber so schnell ins Überland abreist, hinterlässt aber einen bitteren Nachgeschmack. Die Verabschiedung von seinen Freunden wird in wenigen Sätzen abgehandelt und eine Zukunftsperspektive erhalten wir auch nicht. Das ist in Anbetracht der Tatsache, dass er nach den Geschehnissen emotional taub ist und sich keinerlei Gedanken an die Zukunft erlauben kann, nur logisch, für uns Leser, die die liebgewonnenen Figuren über 5 Bände hinweg begleitet haben, ist das aber höchst unbefriedigend). Ich kann also nur festhalten, dass ich das Ende wegen seiner Offenheit und Bitterkeit liebe, es aus denselben Gründe aber auch hasse.


Zum Abschluss möchte ich noch Suzanne Collins meinen Dank dafür aussprechen, dass sie mein 10jähriges Ich mit ihrer "Gregor"-Reihe förmlich weggepustet und für alle Zeit eng mit dem Fantasy-Genre verbunden hat! Ich bin mir sehr sicher, dass ich die Reihe nicht zum letzten Mal gerereadet habe und kann allen großen und kleinen Fans von abenteuerlichen Geschichten nur eine ausdrückliche Leseempfehlung aussprechen. Um es im Ticken, Kratzen und Klopfen des Unterlands auszudrücken (Viel Spaß beim Entschlüsseln! 😉):

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Fazit

"Gregor und das Schwert des Kriegers" umgeht gekonnt einige Fantasy-Klischees und besticht vor allem durch eine geballte Ladung Gesellschaftskritik, Moral und Nachdenklichkeit, ohne dass dies die Spannung mindern würde. Dieser Finalband bringt fantasievoll, mitreißend und tiefsinnig eine meiner absoluten All-Time-Favorite-Reihen zu einem Ende.

 

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Cover des Buches Gregor 4. Gregor und der Fluch des Unterlandes (ISBN: 9783751200837)W

Rezension zu "Gregor 4. Gregor und der Fluch des Unterlandes" von Suzanne Collins

Tolle Geschichte, aber Kinder bitte nicht ohne Begleitung lesen lassen!
wordworldvor 3 Monaten

 Wie bereits in meiner Rezension zu den ersten drei Bänden der "Gregor"-Reihe erwähnt, verbindet mich mit dieser Serie aus der Feder von Suzanne Collins eine längere Reise voller guter Erinnerungen und begeisterter Rereads.  Zum ersten Mal gelesen habe ich sie 2011 im Alter von 10 Jahren und war so hin und weg von dieser originellen und hochspannenden Abenteuergeschichte, dass ich mir sofort alle Teile angeschafft habe. Im Laufe der Jahre wurde die Serie dann so etwas wie ein Comfort-Read für mich, auf den ich immer wieder in stressigen Situationen zurückgreifen konnte. Denn statt mich mit der Zeit zu langweilen, fielen mir mit jedem neuen Lesedurchgang neue Details auf, an denen ich mich erfreuen konnte und auch wenn ich der Zielgruppe mittlerweile deutlich entwachsen bin, reise ich jedes Mal mit großer Freude ins Unterland. Zu allen fünf Bänden der Reihe habe ich schon 2016 in den Anfängen meines Blogs eine Rezension geschrieben. Da diese jedoch recht kurz und oberflächlich ausfiel, habe ich nach einem weiteren Reread beschlossen, dass die Reihe es verdient, dass ich sie nochmal mit einer neuen Rezension ehre. Band 4, "Gregor und der Fluch des Unterlandes" macht in vielerlei Hinsicht einiges besser als die Vorgänger, ist jedoch trotzdem der Teil, den ich jedes Mal am wenigsten gern lese.


Bevor meine Rezension startet, will ich erstmal wie immer noch einige Worte zur Gestaltung loswerden. Die alten Cover meiner gebundenen Ausgaben sind von Band zu Band in unterschiedlichen Farben gehalten und zeigen jeweils Schlüsselszenen der Handlung in detailverliebter Illustration. Auf dem Cover von Band 1 ist unser junger Protagonist Gregor zu sehen, welcher auf dem Rücken seiner Fledermaus Ares über eine öde Wüstenlandschaft voll rauchender Vulkane fliegt. Der gelbe Titel hebt sich gelungen vom dunkelgrünen Grund ab und passt auch inhaltlich so gut zur Handlung, dass er mir fast besser gefällt als der Originaltitel. An der gesamten Gestaltung merkt man also auch hier wieder sofort, dass das Cover extra für die Geschichte kreiert wurde und nicht auf einem Stockbild beruht. Die Illustration stammt von Joachim Knappe, der auch die Vignetten an den Kapitelanfängen erstellt und die Gestaltung der Titelblätter der drei Teile übernommen hat. Eine so runde und der Zielgruppe entsprechende Gestaltung gibt es einfach nur bei Kinderbüchern!


Erster Satz: "Gregor saß auf dem Bett und fuhr mit den Fingerspitzen über die Narben."


Band 4 startet etwa ein halbes Jahr nachdem Gregor am Ende von Band 3 seine freundliche Nachbarin Mrs Cormaci über alles eingeweiht hat, nachdem er und seine Freunde entdeckt haben, dass die Pest direkt aus den Laboren der Menschen kam, die die Bazillen als biologische Waffen im Kampf gegen die Ratten einsetzen wollten. Auch wenn die Heerführerin Solovet und die leitende Wissenschaftlerin daraufhin verurteilt wurden und den Nagern als Wiedergutmachung Land und das Heilmittel geschickt wurde, spitzt sich die Lage im Unterland weiter zu. Diesmal ist Gregor über die Vorkommnisse auch vollkommen im Bilde, da er beinahe seine gesamten Sommerferien mit regelmäßigen Besuchen im Unterland verbracht hat. Seine Mutter liegt noch auf der Krankenstation und genest von der Pest, Gregor und seine Fledermaus Ares trainieren zusammen und Boots hat mit Hazard einen neuen Spielkameraden gefunden. Da also alles erstmal ruhig erscheint und sich der Rat von Regalia noch vom schlimmen Verrat Solovets erholt, möchte keiner die Zeichen deuten, die vermehrt auftauchen. Eine verschlüsselte Nachricht an Luca, ein toter Huscher, leere Kolonien und ein Korb Mäusebabys auf dem Fluss sind nur der Anfang. Da ihnen niemand glaubt, dass etwas Schlimmes im Verborgenen im Gang ist, beschließen Luxa und Gregor kurzerhand selbst loszuziehen und den Verbleib der Huscher zu überprüfen. Unwissentlich manövrieren sie sich in ein neues Abenteuer und geraten in die Fänge des nun herangewachsenen, weißen Fluchs...


Mit diesem vierten Band der Reihe weicht Suzanne Collins erstmal deutlich vom typischen Ablauf ab. In den anderen Bänden wurde Gregor jedes Mal unter irgendeinem Vorwand zurück ins Unterland gelockt, mit einer neuen Prophezeiung konfrontiert und zog dann mit einer buntgemischten Gruppe los, um diese zu erfüllen. In "Gregor und der Fluch des Unterlandes" wird die Handlung zwar auch durch eine Reise mit klarem Ziel strukturiert, die Vorlaufzeit, bevor diese Reise startet, ist jedoch viel länger und es gibt zum ersten Mal keine auf den ersten Blick ersichtliche Prophezeiung. Auf diese Weise bleibt viel unklarer, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Zudem kann die Autorin das erste Drittel der Geschichte für Erklärungen nutzen und zusätzlich Grundsteine für den großen Endkampf in Band 5 legen. Wurden zuvor noch regelmäßig Bestrebungen zum Erhalten des Friedens unternommen und die Fronten hinterfragt, scheinen die sich gegenüberstehenden Seiten nun klarer und von gemeinsamer Zusammenarbeit ist nur noch wenig zu spüren. Die Spannung spitzt sich zu, die Atmosphäre verdichtet sich und die vorherigen Ambivalenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen - nun stehen Kriegserklärungen statt Diplomatik auf dem Plan. 


"Beim Feuertanz nimm dich in Acht,
Sieh die Königin der Nacht.
Gold verströmt sie, heiße Pracht.
Vater, Mutter, Schwester Bruder
Fort. Und wer weiß, ob wir uns sehen
an einem anderen Ort.


Fang die Huscher in dem Loch,
sieh sie blitzschnell wirbeln noch.
Dann ganz still, sie schlafen doch.
Vater, Mutter, Schwester Bruder
Fort. Und wer weiß, ob wir uns sehen
an einem anderen Ort.


Jetzt kommen alle Gäste rein.
Wir grüßen sie, so soll es sein.
Wir schneiden ab, wir gießen ein.
Vater, Mutter, Schwester Bruder
Fort. Und wer weiß, ob wir uns sehen
an einem anderen Ort."


Passend dazu werden auch die behandelten Themen nochmals deutlich düsterer. Schon in den ersten drei Bänden geht es für eine 10jährige Zielgruppe recht blutrünstig zu, da viel gekämpft und auch getötet wird. Mit Themen wie Genozid, Faschismus, Todesstrafe, Krieg, Rache oder Kannibalismus dringt Suzanne Collins nun aber in ein Gebiet vor, das mit einem Kinderbuch wirklich nicht mehr viel gemein hat. Gräueltaten mit auf der Hand liegende geschichtlichen Referenzen werden hier so erschreckend real und detailliert umgesetzt, sodass beim Lesen die dringende Begleitung durch Erwachsene nötig ist. Zusätzlich sorgen auch Bedrohungen wie Riesenskorpione, Monsterwellen, Erdbeben, Vulkane oder getarnte Schlangenarmeen für spannende, dramatische und blutige Szenen. Ab dem vierten Band kann ich die Reihe also nur noch bedingt für die 10-12jährige Zielgruppe empfehlen und möchte nochmal betonen, dass die vielen Wendungen, guten Ideen, überraschend komplexen Zusammenhänge sowie die realgeschichtlichen Anspielungen die "Gregor" Reihe auch für ältere LeserInnen attraktiv macht.


Nachdem wir in den letzten Bänden schon im Land des Todes, auf dem Wasserweg, im Labyrinth der Ratten und im Dschungel unterwegs waren, unternehmen wir nun eine Reise zum Quell, der anderen Menschenkolonie im Unterland und entdecken die Feuerländer. Zusätzlich zu den neuen Informationen, die das Bild des Unterlands komplettierten, hat sich beim Lesen auch mein grundlegendes Verständnis des Schauplatzes nochmals verändert. Stellte ich mir zuvor alles als eine mit Tunnel verbundene, unterirdische Ebene vor, wurde mir beim Lesen immer mehr klar, dass es sich eigentlich mehr um eine dreidimensionale Kugel handelt und sich die einzelnen Orte auch auf unterschiedlichen Höhenebenen befinden. Und das ist in meinen Augen auch eine große Stärke der Reihe: Viele der Regeln der Welt, Details des Lebens unter Tage, die Entstehung der Menschenstadt Regalia oder die Vorstellung der verschiedenen Territorien werden erst nach und nach im Verlauf der Bände erklärt. Auf diese Weise wird man beim Lesen nicht mit Informationen erschlagen, kann sich aber von Kapitel zu Kapitel ein besseres Bild des Schauplatzes machen und das Unterland in der eigenen Fantasie aktiv mitgestalten.


Zum Leben erweckt wird das Setting wieder durch die bildhafte, aber einfach gehaltene Sprache der Autorin. Mit lebensnahen Vergleichen, vielen Dialogen, mitreißenden Minicliffhangern am Ende eines jeden Kapitels und den wunderbar übersetzten Prophezeiungen und Lieder konnte mich Suzanne Collins auch hier wieder erreichen und mir die Geschehnisse vor Augen führen. Bei der ein oder anderen Szene hätte ich aber lieber nicht so genau hingesehen und habe meine bildhafte Fantasie verflucht... Dass die Autorin auch hier ernste Themen anspricht und Botschaften sendet, liegt denke ich auf der Hand. Leider funktionierte aber ihre zuvor bewährte Taktik, um die gedrückte Stimmung aufzulockern nicht mehr, sodass die Atmosphäre hier für ein Kinderbuch ein deutlich zu starken Überhang zum Düsteren erhält. Ein Beispiel dafür ist zum Beispiel die Anwesenheit von Boots und anderen Kindern. Während die Fröhlichkeit und Unbeschwertheit von Boots und Hazard in Band 3 für eine gelungene Auflockerung sorgte, konnte ich in Band 4 nun wirklich nicht mehr nachvollziehen, warum die beiden auf die gefährliche Reise mitkommen mussten. Die beiden tragen nicht wirklich etwas Produktives bei und bilden mit ihrem fröhlichen Geplapper und den ständigen Liedern eher ein störender Kontrast zu den sehr ernsten Themen. Viel mehr als die dissonanten Kinderstimmen habe ich hier die Anwesenheit der zynischen Ratte Ripred geschätzt, die die Dinge mit schneidendem Sarkasmus aber auch immer der richtigen Portion Feingefühl anpackt.


Sehr gelungen fand ich wiederum die Entwicklungen zwischen Luxa und Gregor, die ihren natürlichen Umgang miteinander verlernt haben und sich wundern, woher die Spannung zwischen ihnen kommt. Für ältere LeserInnen (genau wie für den amüsierten Ripred) ist natürlich sofort offensichtlich, was sich zwischen den beiden verändert hat, aber Luxa und Gregor dabei zuzusehen, wie sie das selbst herausfinden ist einfach köstlich. Eher schmerzhaft ist dagegen die Beobachtung, wie sehr sich Gregor durch die Abenteuer der letzten Bände verändert hat. Er hat nicht nur körperliche Narben davongetragen, die er durch lange Kleidung im Überland verstecken muss, sondern kämpft auch mit seelischen und psychischen Nachwirkungen dessen, was er miterleben musste. Und das ist ein weiterer Punkt, den die Reihe wunderbar meistert (und der auch in allen anderen Romanen der Autorin immer berücksichtigt wird, ich sage da nur "Ende der Panem-Reihe"...): Schreckliches bleibt nie ohne Folgen. Die Geschichte nimmt sich genügend Zeit, um auszuloten, was die Geschehnisse mit den Figuren machen und ist sich dabei nicht zu schade, den Finger in die Wunde zu legen. Das bedeutet natürlich ein großer Zugewinn an Glaubwürdigkeit und Figurentiefe, leider aber auch jede Menge Schmerz beim Lesen, da man nur schwer verwinden kann, wenn ein mittlerweile 12jähriger in Gedanken Trost bei einem steinernen Ritter im Museum sucht, da dieser alles Schlimme überstanden hat und nun in Frieden ruhen kann. AUTSCH!


Zum Ende der Geschichte muss man noch sagen, dass die Handlung hier zum ersten Mal nicht in sich abgeschlossen ist, sondern dass vieles sehr offenbleibt. War zuvor noch ein zeitlicher Abstand zwischen den Geschehnissen der Bände eingeschoben, geht Band 4 direkt in die Handlung von Band 5 über. Ich kann also nur empfehlen, den zeitlichen Abstand so gering wie möglich zu halten!




Fazit

"Gregor und der Fluch des Unterlandes" weicht zum ersten Mal von der inhaltlichen Grundstruktur der Reihe ab und zeigt sowohl im Handlungsverlauf als auch was die Themen angeht eine größere Variabilität und Offenheit. Da es hier um sehr ernste Themen geht und die jungen Protagonisten mehr leiden müssen als je zuvor, kann ich die Geschichte aber nicht mehr uneingeschränkt für die 10-12jährige Zielgruppe empfehlen!

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Cover des Buches Gregor 3. Gregor und der Spiegel der Wahrheit (ISBN: 9783751200820)W

Rezension zu "Gregor 3. Gregor und der Spiegel der Wahrheit" von Suzanne Collins

Viele interessante Gedanken verpackt in einer unvorhersehbaren Dschungelexpedition!
wordworldvor 3 Monaten

Wie bereits in meiner Rezension zum ersten und zweiten Band der "Gregor"-Reihe erwähnt, verbindet mich mit dieser Serie aus der Feder von Suzanne Collins eine längere Reise voller guter Erinnerungen und begeisterter Rereads.  Zum ersten Mal gelesen habe ich sie 2011 im Alter von 10 Jahren und war so hin und weg von dieser originellen und hochspannenden Abenteuergeschichte, dass ich mir sofort alle Teile angeschafft habe. Im Laufe der Jahre wurde die Serie dann so etwas wie ein Comfort-Read für mich, auf den ich immer wieder in stressigen Situationen zurückgreifen konnte. Denn statt mich mit der Zeit zu langweilen, fielen mir mit jedem neuen Lesedurchgang neue Details auf, an denen ich mich erfreuen konnte und auch wenn ich der Zielgruppe mittlerweile deutlich entwachsen bin, reise ich jedes Mal mit großer Freude ins Unterland. Zu allen fünf Bänden der Reihe habe ich schon 2016 in den Anfängen meines Blogs eine Rezension geschrieben. Da diese jedoch recht kurz und oberflächlich ausfiel, habe ich nach einem weiteren Reread beschlossen, dass die Reihe es verdient, dass ich sie nochmal mit einer neuen Rezension ehre. Gestern habe ich also Band 3 der Reihe zum vierten Mal beendet und fand mich mal wieder in der Annahme bestätigt, dass "Gregor und der Spiegel zur Wahrheit" der beste Teil der Reihe ist.


Bevor meine Lobpreisung startet, will ich erstmal wie immer noch einige Worte zur Gestaltung loswerden. Die alten Cover meiner gebundenen Ausgaben sind von Band zu Band in unterschiedlichen Farben gehalten und zeigen jeweils Schlüsselszenen der Handlung in detailverliebter Illustration. Auf dem Cover von Band 3 ist unser junger Protagonist Gregor zu sehen, welcher mit seiner 2jährigen Schwester Boots im Weingarten der Augen in einem grünen Dschungel eine große Echse bestaunt. Der gelbe Titel hebt sich gelungen vom türkisgrünen Grund ab und passt auch inhaltlich so gut zur Handlung, dass er mir fast besser gefällt als der Originaltitel. Insgesamt kann ich nur wieder wiederholen, dass man der Gestaltung schon auf den ersten Blick anmerkt, dass das Cover extra für die Geschichte kreiert wurde und nicht auf einem Stockbild beruht. Die Illustration stammt von Joachim Knappe, der auch die Vignetten an den Kapitelanfängen erstellt und die Gestaltung der Titelblätter der drei Teile übernommen hat. Eine so runde und der Zielgruppe entsprechende Gestaltung gibt es einfach nur bei Kinderbüchern!


Erster Satz: "Gregor starrte einen Augenblick in den Badezimmerspiegel und holte tief Luft."


Nachdem der zweite Band mit einem fiesen Cliffhanger endete, nämlich mit der Tatsache, dass Königin Luxa, deren Fledermaus Aurora und die Ratte Twitchtip im Land des Todes verschollen sind, setzt der dritte Band nur kurze Zeit nach den Ereignissen in Band 2 in New York ein. Gregor hat es zuhause nicht leicht: sein Vater leidet noch immer unter den Nachwirkungen der Gefangenschaft im Unterland, trotz der rund um die Uhr arbeitenden Mutter ist das Geld dauernd knapp und dann fällt auch noch die Heizung mitten im eiskalten Winter New Yorks aus, sodass Gregors demenzkranke Großmutter die meiste Zeit im Bett verbringen muss. Am meisten plagt Gregor allerdings, dass er gar nichts aus dem Unterland, von seinen Freunden, hört. So kommt es, dass ihn die schockierende Neuigkeit überraschend trifft, als er nach Regalia zurückkehrt: eine ansteckende und gefährliche Pest verbreitet sich unter allen Warmblütern und markiert somit den Start einer neuen Prophezeiung. "Prophezeiung des Bluts" heißt sie, ist in Spiegelschrift geschrieben und breitet mit allerlei verwirrenden Wiederholungen nicht nur Gregor, sondern auch all seinen Freunden Kopfzerbrechen. Doch als Gregor dann erfährt, dass seine Mutter und seine Fledermaus Ares mit der Pest infiziert sind, bleibt ihm keine andere Wahl, als dem Ruf der Prophezeiung ein weiteres Mal brav zu folgen...


Gemeinsam mit unseren liebgewonnenen Figuren wagen wir uns hier abermals auf eine gefährliche Expedition, die verschiedene Spezies verbindet und in einen neuen, bisher unbekannten Abschnitt des Unterlands führt: den Dschungel. Bisher kennen wir von der unterirdische Höhlenwelt, die sich blasse Menschen (die Überländer) mit Krabblern (=1,20m großen Kakerlaken), Fliegern (großen Fledermäusen), Nagern (mannshohen Ratten) und allerlei anderen überdimensional großen und sprechenden Lebewesen teilen, nur das Territorium der Ratten, den Wasserweg und die Stadt Regalia. Der feuchtheiße, gefährliche, lebendige Dschungel, durch den wir uns nun auf der Suche nach dem Heilmittel durchschlagen müssen, steht in krassem Gegensatz zu den kahlen, kalten Tunneln, die wir bisher erkundet haben. Die Autorin baut mit diesem Ausflug also auch ihr Setting weiter aus. Passend dazu bekommen wir in diesem Band auch das erste Mal eine Karte des Unterlandes beschrieben und können so die bisherigen zahlreichen Schauplätze der Handlung besser einordnen. 


Zum Leben erweckt wird das Setting wieder durch die bildhafte, aber einfach gehaltene Sprache Suzanne Collins´. Mit lebensnahen Vergleichen, vielen Dialogen, mitreißenden Minicliffhangern am Ende der kurzen Kapitel und den wunderbar übersetzten Prophezeiungen erreicht sie, dass Kinder der Handlung gut folgen können. Rückblickend geht es an einigen Stellen aber recht blutrünstig für eine 10jährige Zielgruppe zu, da viel gekämpft und auch getötet wird. In "Gregor und der Spiegel der Wahrheit" sorgen zum Beispiel neue Bedrohungen wie fleischfressende Pflanzen, giftiges Wasser, halluzinogene Dämpfe, Treibsand oder eine tödliche Epidemie für einige spannende, dramatische und auch blutige Szenen, sodass auch der dritte Teil der Reihe kein harmloses Kinderbuch ist. Ich kann jedoch versichern, dass ich die Geschichte als Kind nicht als zu blutrünstig empfunden habe, da viele der Szenen erst in den Köpfen von Erwachsenen richtig bedrohlich erscheinen und Suzanne Collins darüber hinaus viel Wert darauf legt, die Geschehnisse in Erklärungen und ein moralisches Raster einzubetten. Gewalt wird in den richtigen Kontext gesetzt, falsches Verhalten verurteilt und regelmäßig positive Botschaften genauso mit eingeflochten wie wissenswerte Fakten über die vorkommenden Tiere, sodass Kinder beim Lesen einiges mitnehmen können. Insgesamt würde ich die Reihe ab 10-12 Jahren empfehlen, je nach geistiger Reife der jungen LeserInnen je nachdem ob die Geschichte in Begleitung oder alleine gelesen wird. Ich kann jedoch nur noch einmal betonen, dass die vielen Wendungen, guten Ideen, überraschend komplexen Zusammenhänge sowie regelmäßige realgeschichtliche Anspielungen sicherstellen, dass auch ältere LeserInnen viel Spaß haben können.


Der dritte Teil hält das Niveau der Vorgängerbände, was Handlung, Spannung und Wendungen angeht mit Leichtigkeit und jagt uns zusammen mit Gregor durch ein weiteres haarsträubendes Abenteuer. Die Rahmenhandlung wird dabei abermals durch eine neue Prophezeiung vorgegeben, die es zu enträtseln und entschlüsseln gilt, die aber erst nach der Geschichte ganz klar erscheint. Zwar kennen wir diese äußere Struktur der Handlung nun schon aus den anderen Teilen der Reihe, was bei mir abermals zu einem kleinen Abzug von einem halben Stern führt. Trotz des immergleichen Aufbaus liest sich aber jedes von Gregors Abenteuer komplett unterschiedlich und bietet genügend neue Ideen, um die LeserInnen bei Stange zu halten. Das wird vor allem dadurch gewährleistet, dass Suzanne Collins sich während der beschwerlichen Reise viel Zeit nimmt, die Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Tierarten und Bewohnern des Unterlandes auszuloten. 


Dabei gibt es mehrere Ideen, die hier auf einer Metaebene verfolgt werden und die ich sehr spannend finde. Ein wichtiges Hauptmotiv der Handlung sind die Konflikte zwischen den Ratten und den Menschen. Hier beginnen wir zum ersten Mal zu verstehen, wie sich der Hass zwischen den Ratten und den Menschen über Generationen hinweg aufgebaut hat, in dem wir auch einige Blicke zurück in die Vergangenheit werfen können. Das Thema der übergreifenden Epidemie ist natürlich aktuell wie nie zuvor und die Wichtigkeit, Differenzen beiseitelegen, um die Krise gemeinsam zu überstehen, kann auch nicht nur in der Geschichte, sondern auch in der Realität nicht oft genug betont werden. Zusätzlich gewährt Suzanne Collins hier Einblicke in die komplizierten und spannungsreichen Familienverhältnisse der Königsfamilie der Unterländer, vertieft die Kluft zwischen Krieg und Frieden (repräsentiert durch die rigorose Solovet und deren um Kompromisse bemühten Ehemann Vikus) und stellt die Frage, ob die Menschen in dieser Geschichte tatsächlich die "Guten" sind.


"Von Blut zu Blut gelangt das Leiden,
frisst euch an den Eingeweiden, 
malt euch Flecken purpurrot,
bringt den Warmblütern den Tod.


Dreht euch um und um und um,
Ihr seht das Was, nicht wann, warum.
Wenn Heilung und Böses sich verweben
formt sich eine aus zwei Reben. 


Der Krieger wir bald bei euch sein
ist sein Herz noch nicht aus Stein.
Holt die Prinzessin oder verzagt;
kein Krabbler, der es ohne sie wagt.


Dreht euch um und um und um,
Ihr seht das Was, nicht wann, warum.
Wenn Heilung und Böses sich verweben
formt sich eine aus zwei Reben. 


Jeder aus warmem Fleisch und Blut,
macht sich auf zu dem kostbaren Gut.
Wer die Wiege des Übel sucht,
findet das Mittel gegen den Fluch.


Dreht euch um und um und um,
Ihr seht das Was, nicht wann, warum.
Wenn Heilung und Böses sich verweben
formt sich eine aus zwei Reben. 


Mensch und Nager, lasst beiseit,
euren Hass und euren Streit.
Werden die Flammen des Krieges entfacht,
herrscht im Unterland ewige Nacht.


Dreht euch um und um und um,
Ihr seht das Was, nicht wann, warum.
Wenn Heilung und Böses sich verweben
formt sich eine aus zwei Reben."


Neben dem neuen Setting und den interessanten Ideen werden auch einige neue Figuren eingeführt, um die Expedition zusätzlich spannender zu machen. Und auch von ihnen können wir einiges lernen. Hamnet lehrt uns, dass die allermeisten Lebewesen lieber nicht kämpfen würden, wenn sie nicht müssen. Der kleine Hazard zeigt uns, dass Völkerverständigung und Frieden beim Interesse an der anderen Kultur und mit dem Lernen der Sprache beginnt. Und die Ratte Lapblood macht deutlich, dass jeder zum Monster werden kann, wenn diejenigen, die man liebt, nur lange genug bedroht, unterdrückt und in die Enge getrieben werden. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen auf übertragener Ebene bekommt in diesem Band also mehr Tiefe und konnte mich noch mehr mitreißen als in Band 1 und 2. Auch dort lehrte uns die Autorin anhand der auf den ersten Blick wie Monster aussehenden Kreaturen, hinter denen sich dann doch häufig sympathische und einnehmende Figuren verbergen, Rücksichtnahme und Unvoreingenommenheit gegenüber anderen Völkern und deren Eigenarten. Im direkten Miteinander der Figuren hebt Suzanne Collins während ihrer gesamten Reihe Mut, Freundschaft, Vertrauen und den Wert der Familie hervor - alles Botschaften, die sehr gut in ein Kinderbuch passen und auch erwachsenen LeserInnen das Herz erwärmen. 


Im Mittelpunkt dieses rasanten, hochspannenden Abenteuers stehen jedoch auch in Band 3 ganz klar die Figuren.  In Band 1 "Gregor und die graue Prophezeiung" haben wir den 11jährigen Gregor als sympathische Identifikationsfigur kennengelernt, der vor allem aus der Motivation heraus, seinen verschollenen Vater zu finden, bei den Abenteuern der Unterländer mitspielt, aber nicht wirklich daran glaubt, der prophezeite "Krieger" zu sein, auf den alle seit Jahrhunderten warten. In Band 2, "Gregor und der Schlüssel zur Macht" musste er wieder einiges ertragen und damit umzugehen lernen, dass ein er sogenannter "Wüter" ist, der in Gefahrensituationen in einen rauschartigen Kampfzustand verfällt. Auch in Band 3 hat er noch daran zu knabbern, dass er der geborene Kämpfer zu sein scheint, obwohl er nichts lieber tun würde, als sein Schwert nie wieder anzurühren. Bei diesem Lesedurchgang ist mir zwar an einigen Stellen aufgefallen, wie unrealistisch es ist, dass einem 11jährigen eine so große Verantwortung und Bürde zugemutet wird, insgesamt hat mir aber sehr gut gefallen, dass wir hier keinen Superhelfen, sondern einen ganz durchschnittlichen Jungen begleiten, der ganz zufällig in ein Abenteuer stolpert. Auch wenn er innerhalb der fünf Bände wachsen, lernen, Verantwortung übernehmen und Schritt für Schritt zum Held werden darf, bleibt er immer greifbar und für die jugendliche und die erwachsene Zielgruppe gleichermaßen nachvollziehbar. Mit seinem Gerechtigkeitssinn und seiner Fähigkeit, sich Fehler einzugestehen und zuzugeben, wenn er mal falschgelegen hat, hat er sich sofort in mein Herz geschlichen. 


Auch seine kleine Schwester Boots, die mit ihrem kindlichen Charme sofort die halbe Unterwelt um den Finger wickelt und von den Kakerlaken bald als Prinzessin verehrt wird, muss man einfach lieben. Ob sie und ihr Entwicklungsverlauf altersgerecht und realistisch dargestellt ist - darüber kann man sich streiten, Fakt ist jedoch, dass sie mit ihrer fröhlichen, unvoreingenommenen Art jede Menge Licht in die düstere Geschichte bringt. Ebenfalls sehr ans Herz gewachsen sind mir in den bisherigen Teilen auch die undurchsichtige Ratte Ripred, der loyale Kakerlak Temp, die eingebildete Königin Luxa, die rebellische Fledermaus Ares, der mutige Mareth und der großväterliche Vikus, welche auch hier wieder eine mal größere, mal kleinere Rolle spielen dürfen. In "Gregor und der Spiegel der Wahrheit" nimmt sich die Autorin gute 50 Seiten mehr Zeit als in ihren bisherigen Geschichten und das schlägt sich nicht nur in der Handlung, sondern auch in der Tiefe der Charakterisierung nieder, sodass dieser dritte Teil über die Zeit zu meinem Lieblingsteil der Reihe avanciert ist. 


Besonders gut gefällt mir aber die Auflösung, da sie zeigt, dass Suzanne Collins sich trotz der ähnlichen äußeren Struktur der Bände ihrer Reihe viele Gedanken gemacht hat, wie sie jeden Band individuell gestalten und von der typischen Heldenreise abweichen lassen kann. Erfahrene LeserInnen werden angesichts der gehäuften Hinweise gegen Ende der Geschichte irgendwann selbst auf des Rätsels Lösung zur Heilung der Pest kommen. Als Kind hat mich die Wendung aber sehr beeindruckt und nachhaltig zum Nachdenken gebracht. 



 

Fazit

Viele interessante Gedanken verpackt in einer unvorhersehbaren Dschungelexpedition machen "Gregor und der Spiegel der Wahrheit" zu meinem Lieblingsteil der originellen und hochspannenden Gregor-Saga über Licht, Dunkelheit, Außenseiter, Mut, Freundschaft, Familie und kulturelle Rücksichtnahme! 

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