Auch wenn die Fotos alle relativ neu sind gelingt die Zeitreise ins Dampfzeitalter hier besser als in vielen anderen Bildbänden, die sich ähnliches vornehmen. Der Grund dafür ist die ganz eigene Ästhetik der durchweg schwarzweißen Aufnahmen, auf denen nur wenige moderne Bauelemente oder ungewöhnliche Wagenkombinationen subtil auf die heutige Zeit verweisen.
In einem sachkundig und differenziert verfassten Vorwort geht der (Bild-)Autor zunächst auf die nicht immer einfache Situation der Veranstalter von Dampfsonderfahrten ein und gibt eine realistische Einschätzung der Lage ab. Ähnlich fällt auch die Begründung zur Auswahl des Fotomaterials aus, das ebenfalls mehr Neugier weckt als das eine gegen das andere auszuspielen. Respekt für diese vermittelnden Worte, denn auch abgebrühte Eisenbahnfans haben sich darüber schon die Köpfe heißdiskutiert.
Dann geht es endlich los. Aufgeteilt sind die Fotos nach Traktionsarten: Dampf, Diesel und Strom. Als besonderes Bonbon folgt noch ein zusätzliches Kapitel über tschechische Museumsloks, unter anderem aus dem legendären Bw Luzná. Obwohl die Fotos größtenteils nicht älter als dreißig Jahre sind, stellen sie aufgrund diverser Streckenumbauten und der Ablichtung mancher längst abgestellten oder verschrotteten Museumslok historische Dokumente dar. Häufigste Beispiele: Der Bau des Erlanger Burgbergtunnels zur Erweiterung der ICE-Strecke Nürnberg-Ebensfeld und durch den Brand im DB Museum Nürnberg zerstörte Fahrzeuge.
Ohnehin wurden viele der im Buch enthaltenen Motive eher in Süddeutschland und Umgebung abgelichtet, dennoch findet sich eine gute Mischung aller möglicher Loks, ob DR oder DB. Die gestochen scharfen Fotos weisen trotz des analogen Materials kaum Filmkorn auf, die Reproduktion im Buch darf damit als gelungen gelten. Schade nur, dass ganzseitige Fotografien wie auf Seite 86/87 eher selter sind und immer wieder eigentlich fürs Großformat geeignete Aufnahmen mit viel Landschaft zu zweit auf eine Doppelseite gequetscht wurden.
klassisch und modern zugleich


