Joachim Meyerhoff Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

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Inhaltsangabe zu „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Joachim Meyerhoff

Von einem, der auszog, Schauspieler zu werden – und bei den Großeltern einzieht Mit Anfang zwanzig geschieht dem Erzähler in Joachim Meyerhoffs drittem Roman das Unerwartete: Er wird auf der Schauspielschule in München angenommen und zieht in die großbürgerliche Villa seiner Großeltern. Die Tage der ehemaligen Schauspielerin und des emeritierten Professors für Philosophie sind durch abenteuerliche Rituale strukturiert, bei denen Alkohol eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Der Erzähler wird zum Wanderer zwischen den Welten. Tagsüber an der Schauspielschule systematisch in seine Einzelteile zerlegt, ertränkt er abends seine Verwirrung auf dem opulenten Sofa in Rotwein. Doch ihm entgeht nicht, dass auch die Großeltern gegen eine große Leere ankämpfen, während er auf der Bühne sein Innerstes nach außen kehren soll und dabei fast immer grandios versagt.

Ich freue mich schon auf sein nächstes Buch

— Campe

Wie die vorherigen Bücher ist auch dieses ein sehr persönliches Buch. Berührend, sensibel, humorvoll und wertschätzend geschrieben.

— Kolibri01

Theater vom Feinsten

— Alira

Im typischen Meyerhoff-Sound erzählt der Autor von Freud und Leid - doch sein Protagonist wurde mir hier ein wenig fremd.

— leselea

Witzig und gut geschrieben.

— LeBoudoir

Amüsant und berührend erzählt!

— Alina97

Mal wieder - wie die zwei vorhergehenden schon - ein Meisterwerk!

— PaulaAbigail

Eine Hommage an die Großeltern! Teil 3 der Trilogie "Alle Toten fliegen hoch" hat mir besonders gefallen! Ein sehr persönliches Buch.

— Birkhenne

Sehr unterhaltsam!

— lovelylibrarian

Fabelhaft! Wunderbar! Zum Niederknien! Bitte sehr viel mehr davon!

— Rocket_Launch

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  • Über die Qualen eines Schauspielschülers

    Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

    Alira

    01. September 2017 um 10:14

    Joachim studiert in München an der Otto-Falckenberg-Schauspielschule und wohnt während des Studiums im „rosa Zimmer“ der Villa seiner Großeltern, vis-à-vis dem Nymphenburger Schloss. Der Großvater, ein pensionierter Philosophieprofessor und die Großmutter, eine ehemalige Schauspielerin, sind nicht nur Exzentriker, sondern auch „zelebrierende Alkoholiker“. Und wenn „Lieberling“ das volle Programm mitmacht, kann es vorkommen, dass er abends nur noch mit dem Treppenlift in sein Bett findet. Der Kontrast zwischen der unbedingten Zuneigung der Großeltern und der Brutalität des Schauspielstudiums ist groß. Aber obwohl sich Meyerhoff in seiner Rolle als Student als absoluter Loser fühlt, spielt er als Erster seiner Klasse eine Rolle in einem Film ... „Ach, diese Lücke, ...“ hat das gleiche literarische Genre wie Knausgards „Träumen“ - allerdings mit dem himmelhohen Unterschied, dass Meyerhoff witzig und geistreich schreibt.

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  • Das ganze Leben ist Theater

    Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

    leselea

    26. August 2017 um 11:38

    In Meyerhoffs autobiographisch geprägten Romanen spielen der Tod, der Verlust geliebter Menschen und das Leben mit den Erinnerungen an die geliebten Geister die eigentliche Hauptrolle. Da war so im ersten Band, Alle Toten fliegen hoch, in dem neben dem Amerikaaufenthalt des Protagonisten eigentlich vom Umfalltod des Bruders erzählt wird; das war so im zweiten Band, Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war, ein Familienbuch, vor allem aber ein Buch über den Vater, den der Protagonist ebenfalls verliert. Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke schließt wenig überraschend an dieses Konzept an: In Band 3 seiner Lebensgeschichte setzt Meyerhoff nun schließlich seinen Großeltern ein literarisches Denkmal. Und diese Großeltern hatten es in sich! Die Großmutter Schauspielerin, die einst im Fernsehen gern die große Diva gab, einfach deshalb weil sie diese Rolle auch im kleinen alltäglichen Leben mit Freude spielt. Der Großvater, eigentlich Stief-Großvater, ein Intellektueller, ein Philosoph, der große, bedeutungsschwere Worte in seinem Kopf hin- und herwendet. Beide lieben die Struktur, das Bekannte, folgen einem festen Tagesablauf (bei dem Alkohol eine nicht zu unterschätze Rolle spielt), ja sogar Lebensablauf. Alles hat seinen bestimmten Platz im Zusammenspiel dieses Paares: die Möbelstücke, die Familienmitglieder, die Erinnerungen. Eine Welt zwischen Verkrustung und Extravaganz, die zugleich mit der neuen Welt des Protagonisten – die Welt des Schauspiels – kontrastiert und korrespondiert. Denn während Meyerhoff von seinen Großeltern erzählt, schreitet er zugleich zielsicher in der Chronik seines Lebens fort und berichtet von den Anfängen seiner Theaterkarriere, die ihren Ursprung in der Aufnahme an die Otto-Falckenberg-Schule nimmt. Meyerhoffs Protagonist, unschwer als sein Alter Ego zu erkennen, ist mir im Laufe der einzelnen Bände sehr ans Herz gewachsen. Kaum einer zeigt die Kunst des grandiosen Scheiterns, das Dabeisein und doch nicht Dazugehören so schmerzhaft-schön auf wie diese Figur. Seine Gedankenwelt ist mir vertraut, seine Handlungen fast schon vorhersehbar – und doch beginnt mir seine Lebenswelt in diesem Band fremd zu werden. Habe ich mich in den Darstellungen der Pubertät und des verrückten Familienalltags der ersten beiden Bände noch sehr gut wiedergefunden, finde ich mich in seinem neuen Zuhause – der Großelternvilla und der Schauspielschule –, wenn auch wunderbar beschrieben, nicht vollkommen zurecht. Zwar hatte Meyerhoff von Beginn an eine Neigung zur Übertreibung und Skurrilität, die Fähigkeit, kleine Dinge überproportional groß zu erzählen. Doch dieser hier beschriebene Alltag ist mir schon von seinen Wurzeln her zu überdreht, zu hochgeschraubt, zu dramatisch. Eine Veränderung hat sich meiner Meinung nach auch im Stil eingeschlichen: Natürlich erzählt der Autor wie gewohnt souverän und hervorragend, der vertraute Meyerhoff-Sound stellt sich schnell ein und summt einem im Kopf. Doch auch hier vermag ich eine leichte Verschiebung wahrzunehmen: Meyerhoff erzählt stringenter, weniger assoziativ (obwohl er sich fast markenzeichenmäßig immer noch in seinen Darstellung verlieren kann), dafür analysierender. Sein Protagonist wird erwachsen und wehmütig vermisse ich ein wenig das Staunende, Naive, Fragende. Obwohl es eine natürliche Entwicklung ist, ist mir diese liebgewonnene Figur fast zu fixierend, hinblickend und konfrontierend. In gewisser Weise hat sich also eine Entfremdung eingestellt, dennoch hat mich auch dieses Buch wieder begeistern können. Und jetzt bin ich nicht nur gespannt auf den nächsten Band, sondern vor allem auf die weitere Entwicklung, die sowohl der Autor in seiner Erzählkunst als auch seine Figur im Heranwachsen durchmachen wird.  Wie werde ich mich als Leser dazu positionieren? Gut, dass der vierte Band schon in den Startlöchern steht und mir recht bald eine Antwort liefern wird!

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  • Mitten im Leben, die Toten allgegenwärtig

    Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

    serendipity3012

    06. August 2017 um 12:53

    Mitten im Leben, die Toten allgegenwärtig Nach bestandenem Abitur will der junge Joachim eigentlich seinen Zivildienst ableisten, wird dann aber zu einem eigenen Erstaunen an der renommierten Otto-Falckenberg-Schauspielschule aufgenommen. Ob seine Großmutter, die eine erfolgreiche Schauspielerin war, dabei nachgeholfen hat, das will er gar nicht so genau wissen. Bis er etwas Eigenes gefunden hat, so der Plan, zieht er in das Haus seiner Großeltern, wo er schließlich die kompletten drei Jahre verbringt, die seine Schauspielausbildung dauern soll. Fortan bewegt er sich zwischen zwei Welten: Tagsüber quält er sich auf der Schauspielschule, wenn er beispielsweise eine Passage aus Effi Briest wie ein Nilpferd vortragen soll – durchweg scheint er an den ihm gestellten Aufgaben zu scheitern. Er zweifelt oft daran, ob er den richtigen Weg eingeschlagen hat. In der übrigen Zeit bei seinen Großeltern erlebt er deren strikt durchgetakteten Tagesablauf, dessen Eckpunkte der zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Formen zu trinkende Alkohol ist. Die Großeltern sind den Konsum gewöhnt, während Joachim an Tagen, an denen er jede einzelne Etappe mit den Großeltern zusammen meistert und sich mit ihnen durch die Alkoholvorräte trinkt, nur noch berauscht ins Bett fällt und morgens schwer heraus kommt, während den Großeltern der Konsum nichts auszumachen scheint und sie im Gegenteil gleich wieder von vorn mit ihm beginnen.Er lebt im „rosa Zimmer“. Ein junger, großer, schlaksiger Mann in dieser Umgebung, die Vorstellung ist komisch. Nichts darf hier verrückt oder verändert werden, doch Joachim fühlt sich wohl. Bei allen Regeln, die im Haus der Großeltern gelten, wo Wert auf gute Umgangsformen und Benehmen gelegt wird, wo man, wenn es schon sein muss, in Würde altern möchte, sind die Großeltern auch sehr liebevoll, nennt die Großmutter (niemals hätte die alte Dame sich Oma nennen lassen) den Enkel „Lieberling“ und denkt niemand mehr daran, dass der Großvater der zweite Mann der Großmutter ist und somit eigentlich kein Blutsverwandter Joachims. Diese beiden etwas schrulligen alten Leute mit ihrem großbürgerlichen Lebensstil schließt man beim Lesen schnell ins Herz, und versteht sogleich, wieso der junge Joachim sie so geliebt hat.„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ ist der dritte Band in Joachim Meyerhoffs autobiographischen Zyklus nach „Amerika“ (2011) und „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ (2013). Wobei die Bücher als Romane vertrieben werden, was die Frage aufwirft, wie viel hier wirklich so passiert ist, was hinzugedichtet, verändert wurde. Allerdings verweilt man nicht lange bei dieser Frage, da der Roman so in seinen Bann zieht.Nachdem der Vorgänger, der von der Kindheit und Jugend des Protagonisten auf dem Gelände eines psychiatrischen Krankenhauses erzählt (sein Vater war dort der Direktor), bei mir nur verhalten gezündet hat, ging es mir hier anders. Meyerhoff erzählt diese Jahre ungeheuer warmherzig und launig, er beobachtet genau und legt Gedanken und Gefühle seines Alter Egos sowie der anderen Personen mit schonungsloser Offenheit bloß, spart nicht an Selbstironie und gewinnt auch seinem wiederholten Scheitern immer wieder humorvoll etwas ab. Niemals führt er sich oder andere vor, stets erinnert er daran, wie unperfekt er, sie, wir alle miteinander sind, fordert so dazu auf, nicht alles immer zu ernst zu nehmen. Dabei gibt es sie, die schlimmen Schläge, die er schon einstecken musste. Einer seiner beiden Brüder starb bei einem Unfall, ein Verlust, den sowohl Joachim als auch die Großeltern stets mit sich tragen, der ihnen immer bewusst ist, der eine schmerzende Leere hinterlassen hat. Und zum Zeitpunkt, als uns diese Geschichte aus den Jahren bei den Großeltern erzählt wird, sind auch sie nicht mehr am Leben, hat Joachim weitere Verluste erlitten.So ist die „entsetzliche Lücke“ zwar einerseits ein Zitat aus dem Werther, mit dem Joachim nach seiner Ausbildung jeden Abend aufs Neue sterbend durch die Städte zieht, andererseits liegt der Gedanke nahe, dass es die Verluste seiner Lieben sind, die bei ihm genau das hinterlassen haben: eine entsetzliche Lücke. Der Roman lässt sich als Erinnerung an die Toten seines Lebens lesen.Was schwer und tragisch klingen mag, ist aber alles andere als das. Ein bisschen Wehmut und Trauer macht sich zwar breit, wenn Joachim sich bewusst macht, von wem er sich in recht frühen Jahren schon alles verabschieden musste, doch ist der Ton in seinem Roman von solch großer Warmherzigkeit, dass das Schöne stets überwiegt. „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ erzählt vom Alltag, von unspektakulären Begebenheiten, von Kleinigkeiten, vor allem aber von Liebe und Zuneigung. Im Herbst erscheint mit „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ ein neuer Roman in Meyerhoffs Zyklus, in dem es um erste Liebeserfahrungen des Protagonisten gehen soll.

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  • Ach diese Lücke

    Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

    jackdeck

    12. July 2017 um 17:34

    Der letzte Band der Trilogie gelingt Joachim Meyerhoff wieder hervorragend. Er stellt den letzten Teil des Erwachsenwerdens lebendig und eindrucksvoll dar.Der Autor erzählt von drei Jahren, die er in München als Schauspielschüler verbringt. Während dieser Zeit lebt er bei seinen Großeltern, einem glamourösem und auffälligem Paar. Joachim Mayerhoff lebt damit in zwei etwas skurrilen Welten, die ihm seine letzten Kräfte abverlangen. Er stellt sich den Herausforderungen und wächst daran. Wie auch in den beiden anderen Büchern erzählt Meyerhoff viele Anekdoten und Geschichten mit viel Humor. Die sehr besonderen Großeltern mit ihrem fröhlichem Alkoholkonsum und ihrem aus der Zeit gefallenen Gewohnheiten und die absurden Übungen in der Schauspielschule unterhalten sehr gut und tragen das gesamte Buch hindurch. Trotzdem ist das Buch sehr tiefgründig und persönlich.Ein gut zu lesendes und spannendes Buch, dem das große Sprachtalent des Autors eine hohe literarische Qualität gibt. Man merkt an allen Stellen wie ernst es Meyerhoff mit der Schilderung der Persönlichkeiten und seiner Entwicklung ist und dass er diese Entwicklungen in einen großen Zusammenhang stellen möchte.

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  • Schauspielschule und Großeltern

    Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

    UteSeiberth

    28. June 2017 um 16:42

    Der Erzähler wird zu seiner großen Überraschung  in München auf einer Schaupspielschule angenommen.Da er kein günstiges Zimmer findet, zieht er bei seinen Großeltern ein.Er beschreibt in diesem Band  sein Leben als Schaupielschüler und als Mitbewohner bei seinen Großelte und das sind total verschiedene Welten.Mit viel Humor und einer Portion Nachdenklichkeitwerden diese z.Tl. aberwitzigen Erlebnisse erzählt.Dass ergibtergibt wirklich eine kleine Tragikkomödie,die sehr unterhaltsam ist.

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  • Tränen der Freude beim Lesen....tolles Buch

    Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

    jackdeck

    19. June 2017 um 18:01

    Ich kannte Meyerhoff noch vor kurzem überhaupt nicht, weder als Schauspieler noch als Buchautor. Aufmerksam wurde ich auf ihn in den TV-Sendungen "Ina's' Nacht" und der NDR-Talkshow, wo er über das Buch bzw. über seine Großeltern und seine Zeit auf der Schauspielschule zum Brüllen komische Episoden zum Besten gab. Nach diesen Erzählungen war klar, dass ich das Buch haben muss. Es liest sich wunderbar leicht, seine Sprache gefällt mir.Er beschreibt darin, bemüht liebevoll, sein Verhältnis zu seinen Großeltern, bei denen er so ab 1986 für drei Jahre in München wohnte, während er die Otto Falckenberg Schule für Schauspiel besuchte. Zeitangaben werden im Buch keine gemacht. Es folgt am Schluss ein Sprung von rund 15 Jahren, wo sich Meyerhoff dann noch mit dem Tod seiner Großeltern auseinandersetzt, die Jahrgang 1915 und 1913 waren und erst 2004 verstarben. Fiktion und biografisches lassen sich nicht trennen und man fragt sich, wo (warum) überhaupt fiktionales eingefügt wurde? Man kann dieses Buch gar nicht oft genug loben. Es ist einfach toll und man schlingt es regelrecht. Seien Sie zu Gast bei Meyerhof's Großeltern und lassen Sie sich gut unterhalten.

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  • Band 3 dieser toller Reihe

    Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

    Lesefuchs09

    18. January 2017 um 10:28

    Ich habe mir Band 3 einfach kaufen müssen, weil schon 1 & 2 genau meinen Geschmack getroffen haben. Auch Band 3 enttäuscht nicht. Band 1 ist für mich zwar immer noch der Beste, aber trotzdem besticht "Ach, diese Lücke..." immer noch mit Witz und toller Erzählung.

  • Ein Prosit auf das Leben …

    Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

    Herbstrose

    31. October 2016 um 00:47

    Joachim ist jetzt zwanzig Jahre alt, Abitur und Austauschjahr in Amerika liegen hinter ihm. Nun freut er sich auf seine Zivildienststelle, die er im Münchner Krankenhaus Rechts der Isar absolvieren soll. Besonders die Unterkunft im Schwesternwohnheim weckt in ihm so manche Hoffnungen auf amouröse Abenteuer. Doch dann bekommt er, völlig unerwartet, die Zusage, dass er an der Münchner Schauspielschule aufgenommen wurde. Aus einer Laune heraus hatte er bei der Aufnahmeprüfung mitgemacht, aber nur einen Monolog aus ‚Dantons Tod‘, statt der geforderten drei Rollen, zum Besten gegeben. So zieht er also mit gemischten Gefühlen zu seinen Großeltern in die Villa am Nymphenburger Park, ins ganz in rosa gehaltene Gästezimmer. Vorübergehend, wie er glaubt, bis er eine eigene Bleibe gefunden hat – doch daraus sollten dreieinhalb Jahre werden … Der Autor Joachim Meyerhoff ist Schauspieler am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Nach seinen autobiographischen Romanen „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“, in dem er über seine Kindheit und Jugend auf dem Gelände der von seinem Vater geleiteten Psychiatrie erzählt, und „Alle Toten fliegen hoch“, in welchem er über seine Erlebnisse als Austauschschüler in den USA berichtet, schildert er in dem vorliegenden Buch „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ seine Zeit an der Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München und seinen Aufenthalt in der noblen Villa seiner Großeltern, der ehemaligen Schauspielerin Inge Birkmann und des pensionierten Philosophieprofessors Hermann Krings, in der die Zeit stillzustehen scheint. Sein Schreibstil ist sehr ausdrucksstark und ausgereift, die Handlung eine gekonnte Mischung zwischen Ironie und Tragik. Schonungslos offen, anrührend und voller Liebe und Zuneigung, beobachtet Meyerhoff seine Großeltern, berichtet über komische und tragische Geschehnisse und erzählt von ihren irrwitzigen Ritualen. Sie waren wohl dem Alkohol nicht abgeneigt und begannen den Tag bereits mit einer hochprozentigen Mundspülung aus Enzianschnaps. Danach gab’s zum Frühstück ein Glas Champagner, zum Mittagessen wurde Weißwein serviert, punkt sechs Uhr war „Whisky-Time“, das Abendessen wurde dann von Rotwein begleitet und zur guten Nacht gegen elf Uhr trank man noch einen Cointreau. Während die Großeltern dann leicht angesäuselt waren, musste Joachim oftmals den Treppenlift benutzen, um noch nach oben in sein rosarotes Zimmer zu kommen. Allein schon der Gedanke, dass ein erwachsener junger Mann sich in einem rosafarbenen Mädchentraum-Zimmer einrichten muss, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Echt komisch wird es aber, wenn Meyerhoff über seine Ausbildung als Schauspieler schreibt. Er fühlt sich völlig überfordert, ist frustriert, nichts will ihm gelingen. Schon in der ersten Stunde verkrampft er, als sich die Schüler eine Stunde lang wortlos anstarren sollen. Als er dann die Aufgabe bekommt, eine Szene aus Effi Briest als Nilpferd zu spielen, geht es dem Leser an die Lachmuskeln. Er selbst konnte damals auf der Bühne weder lachen noch weinen, so dass er sich bei solchen Szenen zur Wand drehen musste. Doch Meyerhoff berichtet nicht nur über heitere und komische Begebenheiten, es gibt auch besinnliche und traurige Momente in diesem Buch, für das ein Zitat aus Goethes „Werther“ titelgebend war: „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke, die ich hier in meinem Busen fühle.“ Diese Lücke hinterlassen in ihm geliebte Menschen. Er muss sowohl den frühen Unfalltod seines Bruders, als auch den Tod seines Vaters verarbeiten und erlebt den langsamen Verfall der betagten Großeltern. So ist die Geschichte auch eine Hommage an die geliebten Verstorbenen. Fazit: Ein großartiges, sehr menschliches Buch – authentisch, komisch und tragisch – dabei höchst unterhaltsam.

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    • 3
  • Das Leben eines Neandertalers ...

    Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

    X-tine

    27. October 2016 um 11:21

    Inhalt:Joachim zieht von Schleswig nach München in das Haus seiner Großeltern, da er eine Ausbildung an der Schauspielschule macht, an der auch seine Großmutter Dozentin war. Er beschreibt den Tagesablauf in der Schule und auch bei den Großeltern, von ihren Gewohnheiten, Riten, aber auch von seinen Erlebnissen in seiner Kindheit, die in Zusammenhang mit seinen Großeltern stehen. Ausführlich werden die Ausbildung, die gestellten Aufgaben und die Karriereentwicklungen betrachtet. Seine getrennt lebenden Eltern und die Gesundheit mehrerer Familienangehörigen prägen sein Leben genauso, wie die Bekanntschaft mit anderen angehenden Schauspielern. Was wird aus dem Jungen, der in die bayrische Metropole zog, um Karriere zu machen?Fazit:Das Buch ist bereits das dritte Werk einer Reihe um Joachim. Ohne dass ich die Vorgängerwerke kenne, habe ich sehr gut in die Geschichte gefunden. Ich bin von dem Schreibstil und den Schilderungen einfach nur beeindruckt. Das Leben bei den Großeltern hat mich auch an meine Kindheit erinnert. Erschreckend sind manche Verhaltensweisen der Großeltern, wie der Umgang mit Alkohol. Es ist jedoch durchwegs amüsant. Um nicht zu viel zu verraten, sind beispielsweise die Beschreibung des Dante-Auftritts, die Modenschau, die erste Aufgabe oder auch der erste Filmversuch zu nennen. Es ist eine wunderbare Wortwahl vorzufinden. So werden aus 3 Jungs, noch "2 Neandertaler hier an unserer Tafel" als der älteste Bruder "aufgewertet wurde. Oder auch Omas Bezeichnung Joachims als "Kerl" als sie mitten in ihrem Element - der Schauspielerei - ist. Dennoch ist es keine Komödie. So ist es auch geprägt von Tod, Krankheit, Trennung, zerrütteten Familienverhältnissen, Einsamkeit und dem Altwerden. Ich war durchwegs ergriffen. Ich habe auch eine Schauspielausbildung durch das Buch erfahren :-) so detailliert ist es beschrieben. Abzug gibt es leider für das Ende. Es war mir alles zu kurz. Der Aufbau war so gut, jedoch plötzlich werden Entwicklungen von Protagonisten und Schauspielkollegen nur kurz angerissen, das Altwerden und die Pflege der Großeltern kommt für mich auch viel zu kurz. Aber das ist vielleicht auch eine persönliche Meinung, da ich selbst meine Großmutter pflegte. Da wäre noch Potenzial gewesen. Dennoch bin ich überaus glücklich und froh, dieses Buch gelesen zu haben und kann es nur jedem weiterempfehlen.

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  • „Ich wollte inkognito ich sein“

    Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

    StefanieFreigericht

    28. September 2016 um 21:28

    Autor Meyerhoff ist ausgebildeter Schauspieler, in diesem Beruf erfolgreich tätig – und ich las hier mit Genuss etwas, das ich weniger einen klassischen Roman nennen würde – die Erzählung ist autobiographisch. Meyerhoff schreibt von seiner Ausbildung zum Schauspieler in München, während der er, aus Norddeutschland kommend, im Haus seiner Großeltern lebte, und verknüpft diese Erzählung mit Anekdoten über seine Großeltern; meist erfolgt der Wechsel kapitelweise, häufig mit Rückblenden in die Vergangenheit. Dieser Schreibstil wirkt sehr natürlich, fast wie ein Plauderton:  Thema soll die Ausbildung sein – ganz natürlich mischen sich damit die Anekdoten. Oder sind die Großeltern das eigentliche Thema? Man liest hier über das groß- und bildungsbürgerliche Milieu; die Großeltern wohnen nicht, sie residieren eher in München in einer Villa direkt neben dem Nymphenburger Schloss. „Viele Male sah ich von hier, wie Gäste nicht einfach den Weg auf das Haus zugingen und dann, sobald sie es erreichten, klingelten, sondern vor der Tür, den Finger schon auf dem Klingelknopf, innehielten. Es war offensichtlich, dass diesen erstarrten Besuchern klar wurde, dass sie sich mit dem Eintreten in das großelterliche Haus für die nächsten Stunden deren Welt unterzuordnen hatten.“ S. 17 Das Renommée der Großeltern ist groß: Die Großmutter war Schauspielerin und Schauspiellehrerin, der Großvater Philosoph; der Vater Meyerhoffs war Direktor einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, wodurch der Autor und seine zwei Brüder auf dem Anstaltsgelände heranwuchsen. Überschattet wird der Einstieg ins Erwachsenenleben vom vorangegangenen Unfalltod des mittleren Bruders des Autors – der Text stellt klar, dass er der Trauer daheim durch den Wegzug zu entgehen trachtete. „Ich wollte kein Leben, in dem mein Schmerz rücksichtslos jeden Winkel ausleuchtet, ich wollte jugendlichen Leichtsinn.“ S. 32 Tod und Krankheit bleiben, so ist nun einmal das Leben, trotzdem Begleiter, der Autor kommentiert nüchtern, fängt das Kuriose in der Tragik ein. Der Text ist für mich angenehm, im Plauderton – es gibt viele Stellen, gerade in den Anekdoten über die Großeltern, über die ich, die ich selbst eng mit meinen aufgewachsen bin, schmunzeln oder lächeln kann, so der etwas, hm, höhertourige Getränkekonsum bis hinunter zum Gurgelmittel (mit Enzianschnaps), das letztlich getrunken zur frühmorgendlichen Start-Beschwingtheit führt, oder die ignorierte Schwerhörigkeit. „Der Gipfel der Absurdität war erreicht, wenn ich mit meinem Großvater telefonierte und meine Großmutter von weit weg etwas rief, was er falsch an mich weitergab. Ich hörte meine Großmutter rufen: ‚Herrmann, bitte frag ihn doch, ob er noch Kerzen hat!‘ Und daraufhin sagte mein Großvater zu mir: ‚Ich soll dir sagen, dass sie noch Schmerzen hat!‘ Ich antwortete: ‚Ja, ich glaube oben im Sekretär.‘ Und mein Großvater nach einer Pause mit leicht besorgter Stimme: ‚Junge, wovon sprichst du?‘ S. 52 Auch die Ausbildung an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule bietet wenig Erholung von Skurrilitäten. „Folgender Reim sollte meine Lippen beweglicher machen und mit Blut füllen: ‚Bald balgen sich die beiden blonden Buben, bald bauen prächtige Burgen sie beim Bach, bald baumeln ihre braun gebrannten Beine vom Blätterbau des Birnenbaums heran.‘ Am Ende der Stunde hatte ich das Gefühl, mein vegetatives Nervensystem für immer zerschossen zu haben.“ S. 93 Dazu kommen Aufgaben wie eine Szene aus Effi Briest als Nilpferd darzustellen oder Spaghetti im kochenden Wasser. Gleichzeitig erfährt der Schauspielschüler einen Mangel an echter Nähe bei permanentem Körper- und Blickkontakt. „Nur bei meinen Großeltern schloss sich allabendlich die Lücke und ihre Vertrautheit und Zugewandtheit, ihr aus Hochprozentigem geknüpftes Netz fingen mich sicher auf.“ S. 111 Das Gefühl des Versagens, der Zerrissenheit hält lange an, bis aus dem Schauspieler auch der Autor Meyerhoff wird, zunächst für eine Bühnenadaption von Goethes Werther (daher der Titel des Buches). Ich habe die Lektüre wirklich genossen – mir bleibt nur ein kleines Manko, das ich aber nicht dem Autor anlasten könnte: Das Buch steht auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2016, dem Preis, mit dem der „Roman des Jahres“ ausgezeichnet wird. Für die Nominierung ist mir das Werk einfach „zu viel“ Autobiographie und „zu wenig“ Roman. Das tut aber dem Lesevergnügen keinen Abbruch – dazu plaudert Meyerhoff schlicht zu angenehm selbst über die traurigeren Aspekte seines Lebens mit einem leicht selbstironischen Blick auf sich selbst und schlägt damit letztlich eine Brücke zu MEINER geliebten Großmutter: wenn die hinfiel und selbst nicht wieder aufstehen konnte, fing sie stets furchtbar an zu lachen darüber, wie hilflos das wohl aussehen möge. Nicht die schlechteste Einstellung im Leben. https://de.wikipedia.org/wiki/Inge_Birkmannhttps://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_KringsFolgebuch: natürlich: Theodor Fontane: „Effi Briest“Frederik Backman: „Britt-Marie war hier“ (S. 113 bei Meyerhoff „Was, überlegte ich, braucht eigentlich mehr Kraft, mehr Mut: etwas durchzuhalten oder etwas abzubrechen?“)

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  • Selbstkritik eines Burgschauspielers

    Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

    Elsa_Rieger

    08. May 2016 um 10:07

    Joachim Meyerhoff ist Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Heute. Das Buch erzählt über den jungen Mann, der in München die Schauspielschule besucht, sich selbst grauenhaft findet, was unterstützt wird von seinen Lehrern. Er beisst sich aber durch, denn er will unbedingt ans Theater (was ihm ja auch gelungen ist, heute ist er ein begehrter und großartiger Darsteller). Dazu beschreibt er den herrlichen Haushalt seiner Großeltern, in dem er nun lebt, da er als Nordlicht in München die Schule besucht. Seine Oma, ganz wunderbar, war einst ebenfalls Schauspielerin und ist es heute noch im ganz verrückten Alltag. Sie ist Dramatik pur. Lesen Sie!

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  • Was würde dieses Buch nur ohne die ungewollt komischen Großeltern machen?!

    Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

    Popsicle

    31. March 2016 um 14:15

    "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" ist also der dritte Teil der Biographie von Joachim Meyerhoff. Ich hatte es direkt zusammen mit dem zweiten Teil gekauft. Wäre das nicht der Fall gewesen, wäre es wohl (zu Unrecht) nie in meinem Bücherregal gelandet, da ich von "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war" nicht wirklich begeistert war. Im dritten und letzten Teil seiner Biographie berichtet Joachim Meyerhoff nun also von seinem Schauspielstudium in München. Eigentlich wollte er gar nicht Schauspiel studieren, sondern den Zivildienst in einem Krankenhaus antreten und sich dann im Schwesternheim eine hübsche, junge Dame aufreißen. Als er dann aber an der Schauspielschule angenommen wird, entscheidet er sich doch dafür. Da er allerdings kein Zimmer in einem Studentenwohnheim findet, zieht er vorläufig zu seinen Großeltern. Joachims Großeltern sind sehr aparte Personen, die in einer großen Villa gegenüber des Parks des Schloss Nymphenburg wohnen. Der Tag beginnt mit Champagner zum Frühstück und endet mit dem 18Uhr Whiskey. Man hat immerzu das Gefühl, dass Joachim in diese Welt so gar nicht hinein passt und trotzdem arrangieren sie sich gut miteinander. Dazu trägt sicher auch sein Studium bei, denn seine Großmutter war selbst Schauspielerin und lebt alles als wäre es eine Bühne. Ihr theatralisches Lob für den Weichkäse beim Frühstück, gibt sie also auch erst dann von sich, wenn alle ihr dabei zusehen. Auf der Schauspielschule fühlt sich Joachim dann alles andere als wohl und ist eigentlich immer überfordert. Als Leser fragt man sich immer, wie er es eigentlich geschafft hat, nicht von der Schule zu fliegen. Er selbst betont immer wieder, dass die Lehrer wohl irgendetwas in ihm gesehen haben, das er aber nicht hat aus sich heraus holen können. Wie auch schon bei "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war" lässt sich "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" einwandfrei lesen, ohne die anderen Teile zu kennen. Meyerhoffs Schreibstil spricht mich aber - Überraschung - leider immer noch nicht an, das hat sich nicht verändert. Auch seine Art zu erzählen, will mich einfach nicht gefangen nehmen. Für mich hat dieses Buch, durch die Erzählungen über die Großeltern, seine Rettung gefunden, denn dieses Ehepaar verschafft einem so einige amüsante Momente.

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  • Krönender Abschluss einer absolut gelungene Reihe!

    Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

    LibriHolly

    09. March 2016 um 14:35

    Mit einem Werther-Zitat als Titel ist nun auch der von mir lang ersehnte Teil 3 von Joachim Meyerhoffs Lebenserinnerungen erschienen. „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke, die ich hier in meinem Busen fühle.“ Es ist eine Liebeserklärung an seine Großeltern. Ein in jeder Hinsicht ungewöhnliches Paar. Sie eine berühmte, erfolgreiche ehemalige Schauspielerin, durch und durch Diva und er emeritierter Professor der Philosophie. Sie bewohnen eine stattliche Villa im Münchner Stadtteil Nymphenburg und ihr Tagesablauf ist geprägt von festen Ritualen, die man nun nicht gerade als ganz gewöhnlich bezeichnen dürfte. Dazu gehören auch die fünf Etappen der Flüssigkeitsaufnahme: 1. Etappe: Champagner am Morgen 2. Etappe: Weißwein zum Mittagessen 3. Etappe: Der Sechs-Uhr-Whisky 4. Etappe: Rotwein zum Abendbrot 5. Etappe: Cointreau läutet das Ende des Tages ein Einem Ritual, dem sich jeder der im Haus lebt unterziehen muss so auch der gerade einmal zwanzigjährige Joachim Meyerhoff. Frisch an der Otto Falkenberg Schauspielschule in München aufgenommen, hat er bei seinen Großeltern eine „vorübergehende“ Bleibe gefunden. Und so bescheren ihm die „fünf Tagesetappen“ so manch Fahrt mit „Lifta-Dem Treppenlift“ und dem Leser unvergessliche Lesemomente. Lange kamen mir keine Tränen mehr vor Lachen beim Lesen, dieses Buch hat es geschafft. Und es ist nicht die einzige unglaublich komische Szene des Buches, denn mit der Welt der Schauspielschule und der Welt der Großeltern prallen zwei Universen aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Und so hat Meyerhoff mit diesem Buch nicht nur seine ganz persönlichen Lebenserinnerungen niedergeschrieben, sondern auch seinen Großeltern ein literarisches Denkmal gesetzt, insbesondere seiner Großmutter: „Sie war eben nicht nur eine Meisterin darin, das Profane mit Pathos zum Ereignis zu erhöhen, genauso gut konnte sie ein wirkliches Ereignis durch Beiläufigkeit zum Funkeln bringen.“ (S. 223) Was kann man schöneres über einen Menschen sagen! Mehr dazu auf meinem Block: http://buchlotsin.de

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  • Alle Toten fliegen hoch III

    Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

    Buecherschmaus

    Ein drittes Mal lässt der Schauspieler Joachim Meyerhoff seine Toten hoch fliegen und erzählt aus seinen Jugendjahren.  Nach seinem Schüleraustausch-Jahr in Amerika und seiner Kindheit in der Psychiatrie - als Sohn des leitenden Arztes -, ist nun die Zeit auf der Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München an der Reihe.  Eigentlich war ein Zivildienstjahr in München geplant, weit weg von der Heimat Schleswig, das vielversprechende Zimmer im Schwesternwohnheim bereits zugesagt, da bekam Meyerhoff völlig unerwartet einen der wenigen begehrten Plätze.  Einiges, vornehmlich Merkwürdiges weiß der Autor nun von seiner Ausbildung zu berichten. So z.B. von der Übung Fontanes "Effie Briest" als Nilpferd vorzutragen, stundenlange Schweigeübungen und absonderliche Bewegungsübungen.  Dabei liegt es ihm aber fern, nur über seine Entwicklung oder gar über seine herausragende Begabung zu berichten. Wie schon in den Vorgängerbänden bewahrt er zu den Geschehnissen sowohl wie zu der eigenen Person eine selbstironische, liebevoll-kritische Distanz, ein staunendes Betrachten.  Er erzählt humorvoll und assoziativ Anekdoten aus dieser Zeit, die sich aber in ihrer Gänze zu einem stimmungsvollen Gesamtbild fügen.  Dabei ist der zweite Erzählschwerpunkt mindestens genauso wichtig wie die Zeit an der Schule, nämlich die drei Jahre, die Meyerhoff während seiner Ausbildung im Haus seiner großbürgerlichen Großeltern verlebte. Er, emeritierter Philosophieprofessor, und sie, einst sehr erfolgreiche, divenhafte Ex-Schauspielerin geben ein reichlich exzentrisches Paar ab. Dazu gehört eine gehörige Portion Luxus genauso wie strikt befolgte Tagesabläufe, ritualisierte Alkoholexzesse, aus denen die Hochbetagten via Treppenlift in die Schlafgemächer entschwinden, den auch reichlich alkoholisierten Enkel zurücklassend ebenso wie "Wanderungen" in Minutenlänge. Die Kräfte schwinden, aber man wahrt das selbstbestimmte Leben in Würde.  Ein Hort der Sicherheit und des Beständigen, der für Joachim Meyerhoff lebensnotwendig erschien. War er doch durch den plötzlichen Tod seines Bruders und dem darauffolgenden des Vaters ziemlich aus der Bahn geworfen, und forderte die Schaupielschule ganz gegen seine Bedürfnisse ein stetes "Beisichsein", ein permanentes Selbstentblößen, wo er sich doch lieber verkriechen und verstecken wollte.  "Diese Lücke, diese entsetzliche Lücke", ein Zitat, entlehnt aus Goethes Werther, bei dessen Inszenierung Meyerhoff endlich zu sich als Schauspieler fand, bezeichnet auch diese Lücke neben sich selbst.  Wie in den beiden vorherigen Bänden beschreibt der Autor damit aber auch die Leerstellen, die durch den Verlust geliebter Menschen entstehen. Waren es zuvor Bruder und Vater, ist dieses Buch der Versuch, die Großeltern dem Vergessen zu entreißen.  Einmal ist von einem "Gedankenbesuch" bei ihnen die Rede. "Es ist vor allen Dingen ein vehementes Sich-Wehren gegen eine Forderung der Gesellschaft, dass man Dinge hinter sich lässt." sagt Joachim Meyerhoff selbst und meint damit vor allem Menschen, die man verliert.  Und so ist auch "Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" vor allem eine große zärtliche, so witzig wie melancholische Liebeserklärung an verlorene Familienmitglieder, diesmal die Großeltern, von deren Leben,  Verlöschen und Sterben mit Behutsamkeit, Humor und viel Liebe erzählt wird.

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    • 6
  • Komisch und tiefgründig, klasse!

    Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

    FrolleinJott

    Inhalt / Klappentext: Die Kindheit auf dem Gelände einer riesigen Psychiatrie und das Austauschjahr in Amerika liegen hinter ihm, der gerade zwanzig gewordene Erzähler bereitet sich auf den Antritt des Zivildienstes vor, als das Unerwartete geschieht: Er wird auf der Schauspielschule in München angenommen und zieht in die großbürgerliche Villa seiner Großeltern in Nymphenburg.Seine Großmutter ist eine schillernde Diva und selbst ehemalige Schauspielerin, sein Großvater emeritierter Professor der Philosophie, eine strenge und ehrwürdige Erscheinung. Ihre Tage sind durch abenteuerliche Rituale strukturiert, bei denen Alkohol eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Unter ihrem Einfluss wird der Erzähler zum Wanderer zwischen den Welten. Tagsüber an der Schauspielschule systematisch in seine Einzelteile zerlegt, ertränkt er abends seine Verwirrung auf dem opulenten Sofa in Rotwein und anderen Getränken. Aus dem Kontrast zwischen großelterlichem Irrsinn und ausbildungsbedingtem Ich-Zerfall entstehen die ihnvöllig überfordernden Ereignisse. Zugleich entgeht ihm nicht, dass auch die Großeltern gegen eine große Leere ankämpfen, während er auf der Bühne sein Innerstes nach außen kehren soll und dabei fast immer grandios versagt. Meine Meinung: Joachim Meyerhoff habe ich in letzter Zeit mehrfach in TV-Talk-Shows gesehen, wo er einige Anekdoten aus seinem Leben erzählt hat. Einige davon habe ich im Buch wiedergefunden und muss feststellen, dass er genauso wunderbar, interessant und amüsant schreibt, wie er erzählt! Seine vorherigen Bücher habe ich nicht gelesen, aber ich habe den Eindruck, dass man diese nicht kennen muss, wenn man dieses neue Buch liest. Während er in München eine Schauspielschule besucht, wohnt er über drei Jahre bei seinen Großeltern. Er erzählt aus dieser Zeit einerseits, wie das Leben bei den Großeltern war, was er mit ihnen erlebt hat und andererseits, was er in der Schauspielschule für Erfahrungen gemacht hat, die stark von seinen Selbstzweifeln geprägt waren. Die Beschreibung seiner Großeltern finde ich herrlich und ein bißchen skurril sind sie auch, was ich sehr mag. Da gibt es viel zu Schmunzeln, wie über den Großvater, der mehr "innerlich turnte". Die Dialoge zwischen den beiden Großeltern erinnern mich stark an Loriot, worüber ich mich köstlich amüsieren kann! Dabei ist es aber nie oberflächlich witzig, sondern es gibt auch ernste Momente, die er sehr feinfühlig und intensiv beschreibt. Wie den frühen Tod seines Bruders und wie er diesen zu verarbeiten versucht. Meyerhoff versteht es wirklich hervorragend, nicht nur lustige Anekdötchen über seine Großeltern zu erzählen oder witzige Geschichten aus der Schauspielschule, sondern er geht weiter und gewährt dem Leser Einblick in sein Innenleben. An manchen Stellen wird er auch ein bißchen philosophisch, was mir ebenfalls gut gefallen hat. Insgesamt ein wirklich gutes, interessantes Buch, was ich nur empfehlen kann. Die beiden Vorgänger-Bücher werde ich sicher auch noch lesen oder mir als Hörbücher anhören.

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