Alle Toten fliegen hoch - Amerika

von Joachim Meyerhoff 
4,1 Sterne bei231 Bewertungen
Alle Toten fliegen hoch - Amerika
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Positiv (177):
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Wunderbare Mischung aus Humor, Traurigkeit und den "Fragen des Lebens".

Kritisch (8):
W

Banal und langweilig - aber: die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

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Inhaltsangabe zu "Alle Toten fliegen hoch - Amerika"

Joachim Meyerhoff erzählt von der Sehn-sucht eines Teenagers nach einem Neuanfang, ganz weit weg und auf sich gestellt, und von einem Verlust, der das alles zunichtezumachen droht. Die amerikanische Provinz Mitte der Achtzigerjahre, fremd, schillernd, fordernd, wird zu einem Refugium.
Entscheidend ist der selbstironische, empfindsame, pointiert-witzige Ton: Der Leser ist sofort an der Seite des jugendlichen Helden, der sich aufmacht, einen der begehrten Plätze in einer amerikanischen Gastfamilie zu ergattern. Aber schon beim Auswahlgespräch in Hamburg werden ihm die Unterschiede zu den weltläufigen Großstadtjugendlichen schmerzlich bewusst. Konsequent gibt er sich im alles entscheidenden Fragebogen als genügsamer, naturbegeisterter und streng religiöser Kleinstädter aus – und findet sich bald darauf in Laramie, Wyoming, wieder, mit Blick auf die Prärie, Pferde und die Rocky Mountains.
Der drohende 'Kulturschock' bleibt erst mal aus, der Stundenplan ist abwechslungsreich, die Basketballsaison steht bevor, doch dann reißt ein Anruf aus der Heimat ihn wieder zurück in seine Familie nach Norddeutschland – und in eine Trauer, der er nur mit einem erneuten Aufbruch nach Amerika begegnen kann.
Dieser mitreißende Entwicklungsroman erzählt von Liebe, Fremde, Verlust und Selbstbehauptung und begeistert durch Sensibilität, Selbstironie und Witz.
Auf der Bühne hat 'Alle Toten fliegen hoch' bereits Furore gemacht.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783462049671
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:23.12.2015
Das aktuelle Hörbuch ist am 12.09.2016 bei Random House Audio erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    kingofmusics avatar
    kingofmusicvor einem Monat
    Kurzmeinung: Wunderbare Mischung aus Humor, Traurigkeit und den "Fragen des Lebens".
    Intelligent, lustig, traurig

    Das Leben spielt einem ja gerne mal den ein oder anderen Streich, lacht sich dabei ins Fäustchen und denkt „Mal schauen, wie er (respektive sie), die Krise oder ähnliches meistert.“ Mein Leben lacht immer noch und damit das langsam mal aufhört, schreibe ich heute nach fast 3 Monaten mal wieder eine Rezension, um zu zeigen „Ja, mich gibt´s noch und ich lass mich nicht unterkriegen!“


    Ähnlich geht es auch dem Ich-Erzähler in Joachim Meyerhoff´s Debütroman „Alle Toten fliegen hoch – Amerika“, welches ich dank eines sehr lieben Menschen (♥) lesen durfte.
    Ich muss sagen, es war nicht unbedingt „Liebe auf die ersten Seiten“ zwischen dem Roman und mir. Der Schreib- und Erzählstil war mir anfangs etwas suspekt, einige Details wurden episch ausgebreitet, während anderes gerne ausführlicher hätte sein können. Aber das liegt immer im Auge des Betrachters und hat (im Nachhinein gesehen) auch nichts mit der Qualität des „Gesamtpakets“ zu tun. Vielleicht lag es daran, dass ich vorher versucht habe, Kafka´s Amerika-Roman zu lesen und (zunächst, aber die Hoffnung stirbt zuletzt, dass ich´s doch noch schaffe *g*) gescheitert bin bzw. ich mich generell momentan schwer tue mit allzu „ernster“ Literatur (denn das ist Kafka zweifelsohne!).


    Lange Rede, (k)ein Sinn: ich war kurz davor, das Buch von Joachim Meyerhoff wieder wegzulegen. Aber dank des oben erwähnten lieben Menschen und meinem eigenen Ehrgeiz, dem Buch eine (weitere) Chance zu geben, habe ich dann doch weitergelesen und siehe da: es öffnete sich mir zusehends und nun bin ich froh, es gelesen zu haben!


    In teils heiteren und brüllend komischen Anekdoten über seinen Aufenthalt als Austauschschüler in Laramie (Wyoming), aber auch in sehr feinfühligen und traurigen Episoden erzählt Joachim Meyerhoff von seinem „Erwachsenwerden“, die damit verbundenen Probleme und Sorgen und über das Leben im Allgemeinen. Er stellt nicht alles als Gold dar, was glänzt, ist mitunter selbstkritisch mit sich und den amerikanischen und deutschen Lebensweisen und macht dem Leser zwischen den Zeilen Mut, etwas zu probieren, offen für neues zu sein…


    Und so endet nach etwas über 300 Seiten ein Potpourri an Skurrilität, Lebensweisheit, Selbstkritik und Roadmovie, das ich zum Schluss gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. Jetzt freue ich mich auf die Fortsetzung :-).

    Kommentare: 4
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    CocuriRubys avatar
    CocuriRubyvor 2 Monaten
    Nicht wie erhofft

    Ich fand, das Buch war gut geschrieben – es gab keine „Eingewöhnungsphase“, man steckte sofort in dem Leben und Wünsche des Protagonisten – dessen Namen man übrigens erst recht spät erfährt.


    Das Buch ist eher ruhig, es kommt ohne große Dramen oder Effekthascherei aus. Es erzählt einfach und dabei schweift es auch immer wieder gerne ab und wirft eine Ergänzung, Anekdote, Erinnerung o.ä. ein – dabei macht das Erzählte auch gerne mal einen kleinen Abstecher in die Vergangenheit oder auch Zukunft– das sorgt durchaus für eine gewisse wohlige Stimmung beim Lesen, wirkte auf mich hier und da aber auch etwas gestreckt.


    Es erzählt von dem Lebensabschnitt des noch jungen Protagonisten. Den Ankerpunkt bildet dabei die Reise nach Amerika.

    Man erfährt von seiner Familie, seiner Gastfamilie und die Beziehungen zu ihnen. Man liest von den Unterschieden zwischen dem Leben und Umständen in Deutschland und Amerika und auch von den Gemeinsamkeiten.


    Im Laufe der Geschichte trifft der Protagonist auf die verschiedensten Menschen, mit verschiedenen Charakterzügen, Lebensstile und Geschichten – nichts davon jedoch wirklich vertieft. Auch Verlust und Schicksale spielen eine Rolle.


    Die Geschichte ist trotz der auch ernsteren Themen nicht deprimierend – von dem versprochenen „selbstironischen Witz“ habe ich jedoch nicht so viel mitbekommen.

    Ich würde es auch nicht als „Entwicklungsroman“ bezeichnen, weil ich keine nennenswerte (Charakter-)Entwicklung sehe.


    Alles was beschrieben wird, ist auch wirklich gut erzählt – es herrscht auch keinen nennenswerten Abstand zu mir und der Geschichte, aber so richtig gepackt hat sie mich auch nicht.


    Fazit

    Ich habe das Buch durchaus gerne gelesen, es hat mich durchaus unterhalten. Aber wirklich gepackt oder gar etwas mitgegeben hat es mir nicht.

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    Daphne1962s avatar
    Daphne1962vor 6 Monaten
    Erfahrungen fürs Leben

    Joachim Meyerhoff ist vielleicht dem einen oder anderen als Schauspieler  bekannt. Mir war er es nicht. Ich lerne ihn als Schriftsteller schätzen.  Er ist auch mehr auf Theaterbühnen
    unterwegs.

    Der Titel seiner Autobiografie, die in seiner Jugendzeit angesiedelt ist,
    klingt schon etwas sonderbar. Alle Toten fliegen hoch - Amerika.
    Joachim ist Jahrgang 1968, aufgewachsen in einem kleinen Ort in
    Schleswig Holstein. Sein Vater arbeitet als Psychiatriedirektor in
    einer Klinik für psychisch kranke Patienten und sie wohnen wohl auch  auf dem Krankenhausgelände. Er hat noch 2 ältere Brüder, die kurz 
    vor dem Studium zum Arzt stehen.

    Sein sehnlichster Wunsch als Teenager war, einmal als Austauschschüler  nach Amerika zu fliegen für 1 Jahr. Dank seiner Großeltern wird sein  Traum wahr. Nur, was er dort erlebt sind nicht die typischen Erfahrungen,  die man dort macht. Es wird ein sehr spannendes und reich an  Erlebtem fürs Leben im Staate Wyoming. 

    Joachim Meyerhoff hat ein erzählerisches Talent, mit einer humorvollen,  aber auch melancholischen Erzählweise. Stellenweise hab ich lauthals  lachen müssen, dann aber war ich gerührt bis ins Mark. Auch war ich mir  manchmal nicht sicher, ob es so ganz der Wahrheit entsprach oder  die Phantasie etwas zugedichtet haben könnte. Egal, ich fühlte mich
    wunderbar unterhalten und es ist auch ein Buch, welches zum Diskutieren  anregt. Gespannt bin ich auf den nächsten Band, der das Aufwachsen  mit seinen Brüdern erzählt und wie es sich auf dem Gelände einer  Anstalt so lebte. 



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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine tolle Amerika-Erfahrung!
    Ein Jahr in Wyoming

    Im zweiten Buch, das ich von Joachim Meyerhoff gelesen habe, verbringt "Josse" ein Jahr als Austauschschüler in Amerika. Was hat er sich vorgestellt! Ein Jahr New York, die Straßen unsicher machen, hervorragendes Englisch am Ende sprechen, Partys besuchen, heiße Mädchen abschleppen und einfach nur ein amerikanisches Leben ein Jahr lang genießen. Doch wer sich im Fragebogen absichtlich blöd anstellt, nur weil man denkt, das wäre ein Test, der landet statt in pulsierenden New York im abgeschiedenen Laramie mitten in Wyoming. Was er da erlebt, hat zwar nichts mit New Yorker Stadtleben zu tun, ist aber mindestens genauso spannend, neu und großartig. Ein blutiges Erwachen in seiner ersten Nacht, ein sehr exzentrischer, unangenehmer Gastbruder und ein Hund, der ihm hilft, den eigenen nicht so sehr zu vermissen. Er will unbedingt in die erste Basketballmannschaft und nur sportliche Aktivitäten an der Schule absolvieren, die ihm Spaß machen. Was anfänglich in der Sprache noch ein paar Probleme bereitet, ist bald schon Schnee von gestern. Solche Erfahrungen hätte ich auch gerne gemacht, ein toller Erfahrungsbericht!

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    Federfeevor einem Jahr
    Gut erzählter, aber teilweise etwas zu langatmiger episodenhafter Roman

    "Für mich sollte es ein Weltenwechsel werden, der totale Bruch, die Flucht nach vorne." (41)

    So sieht der junge Joachim sein Schülerjahr in Amerika und dies ist das Hauptthema des Romans. Am Anfang begleiten wir ihn zum Auswahlverfahren und auf die große Reise in ein unbekanntes Land, immer wieder unterbrochen durch Episoden der Erinnerung, kurzweilig und humorvoll erzählt.

    Eine ganz neue Welt ist es, in die der behütete Junge aus einer Kleinstadt im Norden Deutschlands geworfen wird, eine ganz andere Lebensart dort in Laramie, Wyoming. Mit seinen Gasteltern hat er Glück, mit deren einem Sohn weniger. Bis zuletzt lässt er Joachim spüren, dass er nicht willkommen ist. Aber daran kann man nur wachsen. Dieser Aufenthalt in den USA hilft ihm auch, einen Schicksalsschlag zu überwinden, der die Familie in Deutschland trifft: den tödlichen Autounfall eines Bruders.

    Die Episoden, in denen die Landschaft und die andere Lebensart in Wyoming fein beobachtet und beschrieben werden, haben mir gut gefallen. Die Basketball-Sache fand ich zu ausführlich und langatmig und auch das Ende war etwas abrupt, selbst, wenn man in Betracht zieht, dass dies der Debutroman des Burgschauspielers Joachim Meyerhoff war, der noch einige Fortsetzungen finden soll. Ich habe den zweiten Roman der Reihe vorgezogen, weil er von der Kindheit und Jugend handelt:
    https://www.lovelybooks.de/autor/Joachim-Meyerhoff/Wann-wird-es-endlich-wieder-so-wie-es-nie-war-1009479813-w/rezension/1500007365/

    Alles in allem ein stimmungsvoller, gut erzählter, vielleicht an einigen Stellen etwas zu langatmig erzählter Episodenroman.

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    Waschbaerinvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Traum geht in Erfüllung - ein Jahr an einer amerikansiche Highschool. Doch das Schicksal ist manchmal unbarmherzig.
    Von der Psychiatrie auf dem Lande in die Weite der amerikanischen Prairie

    Joachim Meyerhoff lässt den Leser in dem Buch "Alle Toten fliegen hoch" an seiner Jungend teilnehmen.

    Sein Vater leitete eine psychiatrische Klinik auf dem flachen Land in Norddeutschland. Für die Familie ist es selbstverständlich auf dem Klinikgelände zu wohnen. So wächst Joachim Meyerhoff mit Menschen auf, denen andere Bürger eher selten begegnen, wohl auch aus dem Weg gehen, wenn es irgendwie geht. Es ist ganz normal, dass er morgens über das eingezäunte Klinikgelände zum Pförtnerhäuschen geht um seinen Schulweg anzutreten. Sein Vater liebt seinen Beruf über alles, weshalb er auch seiner Familie so ein abgeschottetes Leben zumutet. Es gibt keine Einladungen, keine Gäste oder große Urlaubsreisen. Die Patienten sind die Menschen, die für den Vater Lebensinhalt darstellen.

    Für Joachim bietet sich die Gelegenheit, ein Jahr an einer amerikanischen Highschool zu verbringen. Doch dafür muss er nach Hamburg zu Bewerbungsgesprächen. So wie er die anderen Bewerber aus der Großstadt in ihrem Snobismus, ihrem affektierten Getue und ihrer Selbstüberschätzung beschreibt, ist anzunehmen, dass  ihm damals auch Menschen mit Beeinträchtigungen näher standen, als diese Prinzen und Prinzessinnen aus höherem Haus.

    Zu seiner eigenen Verwunderung wird er tatsächlich ausgewählt und kommt nach Laramie/Wyoming zu einer liebenswerten Familie - wenn da nicht ein Sohn wäre, der über diesen neuen Familienzuwachs nicht erfreut ist und ihm das Leben schwer macht.

    Jeder, der selbst schon einmal für einen längern Aufenthalt - kein Urlaub sondern Alltag - in einem fremden Land war, wird Parallelen zu seinen eigenen Erfahrungen finden. Ich konnte gar nicht aufhören zu lesen, so wie Joachim Meyerhoff sein neues, amerikanisches Leben, beschreibt. In diese Zeit fallen nicht nur seine ersten erfolgreichen sexuellen Erfahrungen, sondern auch der Unfalltod seines Bruders. Er fliegt zur Beerdigung nach Hause, doch ansonsten weigert er sich, diesen toten Bruder zu betrauern. Es ist, als wäre zwischen diesem Verlust und seinem eigenen Leben eine undurchdringliche Wand gezogen. Wie kann man es in so jungen Jahren auch akzeptieren, dass der Bruder, von dem man sich auf dem Flughafen freudig verabschiedete, von einem zum nächsten Moment nicht mehr lebt?

    Erst als ein Kandidat aus dem US-Hochsicherheitsgefängnis, mit dem er ohne es beabsichtigt zu haben einen Briefkontakt unterhielt ihn nach seiner Entlassung in Deutschland aufsucht und eines Tages sagt, jetzt fahren wir zu deinem Bruder auf den Friedhof, für Joachim das erste Mal seit der Beerdigung, lässt er die Trauer und den Schmerz über das Geschehene zu. Obwohl diese Szene auf dem Freidhof in nur wenigen Sätzen beschrieben wird, hat mich dieser Abschnitt sehr berührt.

    Anfangs klingt dieses Buch sehr heiter und an vielen Stellen musste ich richtig lachen. Doch nach und nach wird es ernster, man merkt, Joachim wird erwachsen und die unbekümmerte Beschwingtheit verliert sich mit der Zeit. Aber mir gefällt diese Entwicklung.

    In unserer Bücherei lieh ich dieses Buch einer älteren Dame aus, die mit diesem biographischen Roman aber nichts anfangen konnte. Deshalb glaube ich, es ist ein Buch, dass wohl eher bei jüngeren Leuten Anklang finden wird.

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    Bookster_HROs avatar
    Bookster_HROvor einem Jahr
    Joachim Meyerhoff | ALLE TOTEN FLIEGEN HOCH Teil 1: AMERIKA

    INHALT: Der junge Joachim fährt nach Hamburg, um sich für ein Basketballstipendium zu bewerben. Wider alle Hoffnung erhält er den Zuschlag, nimmt für ein Jahr Abschied von der norddeutschen Idylle und fliegt ins große Abenteuer namens Amerika. Doch er landet in Laramie, Wyoming, einem Ort, der es in puncto Verschlafenheit locker mit Schleswig aufnehmen kann.

    Nach den üblichen Startschwierigkeiten (besonders mit dem Sohn der Gastgeberfamilie, mit dessen Zimmer er wohnt), und einem ungeplanten Aufenthalt in Deutschland (ein Trauerfall in der Familie), macht Joachim doch noch seinen Frieden mit dem tristen Land und seinen seltsamen Einwohnern. Er feiert Erfolge im Basketballteam, gewinnt Freunde und am Ende gibt es sogar so etwas wie Abschiedsschmerz.

    FORM: Der erste Teil der meyerhoffschen ALLE TOTEN FLIEGEN HOCH-Trilogie ging bei der Veröffentlichung 2011 etwas unter und erfuhr erst nach den Erfolgen von WANN WIRD ES ENDLICH WIEDER SO, WIE ES NIE WAR und ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE soviel Aufmerksamkeit, dass es Ende 2015 sogar für eine Hardcover-Neuausgabe reichte, was nun wirklich selten ist.

    Meyerhoff lässt es zu Beginn seines Buches ordentlich krachen: Eine skurrile Szene jagt die nächste, und mit den grandios pointierten Sätzen, die zum Schreien komisch sind, zeigt er eine große Könnerschaft in Sachen Humor. Die Lederhosen-Rutschfahrt, der Scheißeregen in Flensburg, die Nutten-Episode mit dem gesammelten Klimpergeld im haarigen Bullensack, Nasenbluten um Mitternacht… Ungelogen: Im ersten Drittel habe ich mehrmals schallend gelacht. (Auch in einem Fischrestaurant bei einem schnellen Abendessen unter den ratlosen Blicken dutzender Gäste. Ich konnte nicht aufhören ... hochgradig unangenehm … aber das gehört hier nicht her.)

    Doch dann schleicht sich irgendwo auf der Hälfte der Wurm ein. Die Lacher bleiben aus, der Text wird ernster, die Szenen belangloser. Was wirklich schade ist, denn bis dahin ist das Buch großartig und erfüllt alle Erwartungen. Ab der Hälfte merkt man leider auch, dass Meyerhoffs Schreibkünste diese Durststrecken nicht überbrücken können, dazu ist er einfach nicht versiert genug. Der Dämpfer mit dem Trauerfall ist als Tiefgang zu flach und die Beschreibungen der Trauer und den emotionalen Folgen zu allgemein gehalten; da fehlen die Aspekte, die man eben noch nicht kennt, die man eben nicht schon in zwanzig anderen Büchern gelesen hat.

    FAZIT: Stark zu Beginn, mit großen Durchhängern in der zweiten Hälfte – drei Sterne.

    Dennoch: Ich konnte mir in den letzten Jahren ein Bild von Joachim Meyerhoff machen (er wurde ja monatelang von Talk-Show zu Talk-Show gereicht) und kann sagen, dass er mir sehr sympathisch ist. Und wenn ich mich so durch die Jubelrezensionen lese, hat er bei den Folgeromanen wohl vieles richtig gemacht. Lirum larum: Alle drei Teile stehen bei mir im Regal und ich freue mich trotz des mäßigen Starts auf die Fortsetzungen.

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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    Naibenaks avatar
    Naibenakvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Einfach hinreißend!!! ♥
    Klug, bewegend, witzig - einfach hinreißend!

    Der Ich-Erzähler (wohl Joachim Meyerhoff höchstselbst) erzählt aus seiner Jugend Mitte der Achtziger Jahre. Damals nämlich hat er aus seinem gut behüteten, aber recht eintönigen Leben im hohen Norden Deutschlands ausbrechen wollen und hat sich deshalb für ein Austauschjahr in Amerika beworben. Und es hat geklappt. Nach Laramie, Wyoming hat es ihn verschlagen – in ein kleines Städtchen mitten in der Prärie. Während dieser Zeit in Amerika passieren viele schöne, aufregende, aber auch unschöne Dinge. Zwischendurch muss er aus traurigem Anlass zurück in die Heimat, flieht dann vor seiner Trauer erneut nach Laramie. Außerdem beginnt die Basketballsaison – ein weiterer Höhepunkt des Austauschjahres...

    Joachim Meyerhoff hat mit seinem Debütroman einen wundervoll feinfühligen, charmanten, humorvollen – ja hinreißenden Entwicklungsroman vorgelegt. Er versteht es fantastisch, so zu erzählen, dass alles lebendig wird. Dass ich mich als Leser voll und ganz in den Erzähler hineinversetzen kann – dass wir quasi „Eins“ werden. Er beschreibt die Gefühle und Gedanken des Erzählers, all seine positiven wie negativen Eindrücke und Ängste sehr eindrücklich und berührend einerseits, andererseits mit so viel Ironie und Witz, dass es einfach herrlich amüsant ist. Wie er mit der tiefen Trauer umgeht beispielsweise, das ist unglaublich nahegehend geschrieben. Oder wie er die Basketballsaison hautnah und aktiv miterlebt. Für herrliche Lacher wiederum sorgen die anfänglichen Probleme mit der Sprache. Während des Austauschjahres nutzt Meyerhoff für die direkte Rede mit der Gastfamilie und den anderen Einheimischen die englische Sprache. Die ist aber extrem gut verständlich und macht diesen Roman noch um einiges lebendiger. Auch geht man auf diese Weise die etwas holprigen sprachlichen Hürden des Erzählers und lernt gemeinsam mit ihm, sich auch in dieser Hinsicht immer besser zurechtzufinden.

    Ein kleines bisschen allerdings zieht es sich zwischendurch, das will ich ehrlicherweise zugeben und deshalb gibt es auch einen klitzekleinen (halben) Punkteabzug. Aufgerundet sind es dann aber trotzdem 5 Sterne ;-)

    Fazit: Ich möchte hier mit einem Zitat der Frankfurter Rundschau enden, weil es genau das auf den Punkt bringt, was mir an diesem Entwicklungsroman so unheimlich gut gefallen hat. Ich werde noch alles andere von Meyerhoff lesen (müssen). Eine tolle Entdeckung!

    „Eines der lustigsten und schlauesten Bücher […]. Mit unbefangenem, staunendem Blick, einer subtilen Komik und in ironischer Distanz betrachtet Meyerhoff den modernen Taugenichts, der er war.“

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    leseleas avatar
    leseleavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein hervorragender Erzählstil, kurzweilig und amüsant, inhaltlich jedoch mit Längen und Hängern. Steigerung in den Folgebänden erwünscht!
    Wild Wild West

    Die lebensgeschichtlichen Hintergründe eines Autors können vielfach interessant und aufschlussreich für sein Werk sein. Das gilt auch für Joachim Meyerhoff: Nicht nur, weil er in seinem Debütroman Alle Toten fliegen hoch – wie auch in den Folgebänden – seine eigene Lebensgeschichte zur Handlung macht und seine Bücher damit eindeutig autobiografisch geprägt sind. Sondern vor allem weil Meyerhoff von Haus aus Theaterschauspieler ist und auch Alle Toten fliegen hoch ursprünglich als Erzählprogramm vor Publikum konzipiert wurde.

    Dies sollte man im Hinterkopf haben – oder eigentlich auch nicht: Denn der mündliche Charakter der Geschichte (wenn auch wohl inszeniert) sticht von der ersten Seite der Lektüre eindeutig hervor. Meyerhoff hat eine Lust am Erzählen und demonstriert das an den vielen kleinen Episoden, aus denen sein Roman beim genauen Hinsehen zusammengesetzt ist: Diese Abschnitte bewegen sich zwar in einem gesetzten Rahmen, folgen aber nicht immer einem roten Faden, sondern ergeben sich aus der Assoziation und dem Erinnern. Denn Meyerhoff blickt in seinem Debüt weit zurück, in seine Jugend, als er mit 17 Jahren für einen Schüleraustausch nach Amerika ging: Geträumt hatte er von New York oder Los Angeles, doch stattdessen landet er in Wyoming, in der Ödnis, bei tiefgläubigen Gasteltern und einem verschrobenen Gastbruder. Doch was auf den ersten Blick abschreckend zu lesen ist, entpuppt sich schnell als Glücksgriff: Seine Gasteltern sind liebevoll zu ihm, er wird ins Basketballteam gewählt, findet eine amerikanische Freundin, führt eine Gefägnisbrieffreundschaft und erweist sich als begnadeter Pferdeflüsterer. In diese amerikanische Westernidylle bricht jedoch urplötzlich der Tod – und so wird das Jahr in Amerika nicht nur ein Jahr der Selbstfindung und der Selbständigkeit, sondern auch des Erwachsenwerdens und der Trauerverarbeitung…

    Alle Toten fliegen hoch besticht vor allem durch eins: Meyerhoffs unglaubliches Erzähltalent. Amüsant und kurzweilig führt er durch die Szenen seines Lebens und beweist einen hervorragenden Blick fürs Detail und für das Abstruse. Seinen Roman zu lesen, macht Spaß, unterhält, stimmt einen ob des Themas aber auch melancholisch. Meyerhoff schafft es leichtfüßig, die Atmosphäre des Lebens mit 17 einzufangen, ja heraufzubeschwören und jeden Leser an die eigenen einstigen und beinah vergessenen Träume nach Freiheit, Abenteuer und Erwachsensein zu erinnern. Alle Toten fliegen hoch ist eine rundum schöne Lektüre, zum Genießen, zum Endschleunigen, jedoch ohne viel Spannung oder – wie ich finde – großen, nennenswerten Gedanken. Das ist nicht unbedingt negativ, denn Meyerhoffs Erzählkunst trägt über einen Großteil der Seiten – jedoch nicht über die vollen 320 Seiten. Hin und wieder kommt die Geschichte sehr ins Plätschern, folgt Anekdote auf Anekdote um der Anekdoten Willen, verliert sich Meyerhoff zu sehr in seiner episodenhaften Darstellung. In den Folgebänden, die schon bei mir bereitliegen und auf die ich mich schon freue, erwarte ich diesbezüglich eine eindeutige Steigerung: Bleibende Fabulierlust bei konzentrierter Darstellung ohne unnötig viele Längen und Hänger! Auch die Thematik der Trauerverarbeitung (die in Rezensionen – sei es hier oder im Feuilleton – häufig besonders positiv hervorgehoben wurde) wünsche ich mir, wenn sie wieder Gegenstand der Handlung wird, pointierter: Verdrängung ist nämlich nur ein Schritt der Verarbeitung.

    Nichtsdestotrotz ist Alle Toten fliegen hoch der gelungene Auftakt einer Reihe, die Lesespaß und beste Unterhaltung auf literarischem Niveau verspricht. Dafür 4 Sterne!

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    Rabentochters avatar
    Rabentochtervor einem Jahr
    Fesselnd und berührend


    Der 17-jährige Protagonist dieser Trilogie reist für ein Austauschjahr nach Amerika, genauer nach Laramie, Wyoming. Der Leser reist mit ihm, erlebt seine Entwicklungen mit. Die Hochs und Tiefs, die positiven Seiten, aber auch die Tiefschläge erfährt man. Der Roman ist dabei witzig und traurig zugleich, schafft aber gleichzeitig eine Atmosphäre, in der man sich seltsam wohl fühlt, als wäre man Teil der erzählten Welt, gleichzeitig aber auch nur ein Beobachter von außen.

    Man lernt eine Familie kennen, ohne die Namen wirklich einmal genannt zu bekommen, was aber auch nicht wichtig ist. Man vermisst die Namen nicht.

    Die Beschreibungen, der ganze Ton der Erzählung, sit schlicht gehalten und in seiner Schlichtheit doch ausdrucksstark. Gerade das macht das Buch so fesselnd. Es liest sich schnell und unkompliziert. In vielen Erwartungen, Erfahrungen, Enttäuschungen des Protagonisten erkennt man sich wieder.

    Fazit: Ein wundervolles Buch über das Erwachsenwerden und alle positiven und negativen Erfahrungen, die damit verbunden sind.

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