Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

von Joachim Meyerhoff 
4,2 Sterne bei271 Bewertungen
Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (221):
M

Meiner Meinung nach das Beste der Meyerhoff-Bücher.

Kritisch (10):
Jens1904s avatar

Hat mich eher nicht berührt! :-( Konnte mich einfach nicht so gut in die Protagonisten einfühlen!

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Inhaltsangabe zu "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war"

Zu Hause in der Psychiatrie - das kommt davon
Der junge Held in Meyerhoffs zweitem Roman wächst zwischen Hunderten von Verrückten als jüngster Sohn des Direktors einer Kinder- und Jugendpsychiatrie auf - und mag es sogar sehr. Mit zwei Brüdern und einer Mutter, die den Alltag stemmt - und einem Vater, der in der Theorie glänzt, in der Praxis aber stets versagt. Wer schafft es sonst, den Vorsatz, sich mehr zu bewegen, gleich mit einer Bänderdehnung zu bezahlen und die teuren Laufschuhe nie wieder anzuziehen? Oder bei Flaute mit dem Segelboot in Seenot zu geraten und vorher noch den Sohn über Bord zu werfen?
Am Ende ist es aber wieder der Tod, der den Glutkern dieses Romans bildet, der Verlust, der nicht wieder gutzumachen ist, die Sehnsucht, die bleibt - und die Erinnerung, die zum Glück unfassbar pralle, lebendige und komische Geschichten hervorbringt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783462046816
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:352 Seiten
Verlag:Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:08.01.2015
Das aktuelle Hörbuch ist am 24.11.2014 bei Random House Audio erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    Lesenodernichts avatar
    Lesenodernichtvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: anstrengend zu lesen, ergreifend und erschreckend ehrlich...
    über eine Kindheit und Jugend in der Psychiatrie, oder?

    die ganze Rezension findet ihr auf meinem Blog unter http://lesenodernicht.de/2018/05/20/ueber-eine-kindheit-und-jugend-in-der-psychiatrie-und-doch-nicht/
    Eine sehr klare und ehrliche Erzählung einer Jugend auf einem Psychiatriegelände. Ein Buch über die Beziehung zwischen Vater und Sohn, traurig-schön und tragisch.
    [...]
    Mit war zu Beginn der autobiografische Gehalt des Buches nicht bewusst ^^ Obwohl natürlich klar sein muss, dass es eine Fiktion ist. Das Buch ist in verschiedene Lebensereignisse, denen sich die Kapitel widmen, aufgeteilt. Das Kapitel kann sich jeweils über verschiedene Zeiträume ziehen, von ein paar Stunden über ein paar Tage. Die Kapitel sind chronologisch aufgebaut, beginnend am ersten Schultag von Josse bis hin zu seinem Erwachsenenalter.

    Die Kapitel sind sehr anschaulich geschrieben und ermöglichen dem Leser ganz in Josses Gedankenwelt einzutauchen. Teilweise wirkt die Beschreibung aber sehr umemotional, ja bizarr. In der Jugend werden Aggressionszustände beschrieben, die der Junge selbst als fremdartig bewertet, was ich etwas komisch fand und mich beim Lesen doch gefragt habe, ob ein Jugendlicher so eine Introspektionsfähigkeit besitzt. 

    Einige Kapitel widmen sich verschiedenen Bewohnern der Psychiatrie. Josses Eindrücke zu den Personen werden kurz angerissen, deren Verhalten kurz beschrieben. Hier hätte ich mir allerdings etwas mehr Tiefe gewünscht, vielleicht eine genauere Beschreibung der Lebensumstände. Es wäre schön gewesen, wenn die Erzählung hier über Jugend-Eindrücke und Erinnerungsfetzen hinausginge und mit recherchierten Inhalten unterfüttert worden wäre.
    [...]

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    Schelmuffskys avatar
    Schelmuffskyvor 6 Monaten
    Kindheit und Jugend in einer sonderbaren Umgebung

    Anfangs war ich etwas skeptisch. Ich brauchte eine Weile, um in den Lesefluss zu kommen, mich einzulassen auf eine Erzählweise, die mir im Vergleich zu Erinnerungsbüchern wie die Grover-Serie von Andreas Mand oder „Die letzten großen Ferien“ von Günter Ohnemus etwas sehr schlicht schien. Doch dann hat mich die Geschichte doch gefesselt, Meyerhoffs anekdotenreicher Bericht seiner Kindheit und Jugend. Aufgewachsen in der Direktorenvilla der Anstalt für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Schleswig, erzählt Meyerhoff zunächst von dieser sehr besonderen Umgebung, den Patienten, unter denen sich sehr viele ausgesprochene Sonderlinge finden, z. B. der Glöckner, der den ganzen Tag über das weitläufige Anstaltsgelände läuft und dabei mit beiden Händen riesige Glocken läutet, so dass man deren Schallen ständig in den Ohren hat.  Vor dem Glöckner fürchtet sich der Erzähler zunächst, später aber freundet er sich mit ihm an, hat ein geradezu inniges Verhältnis, das abrupt endet, als der als sehr gutmütig geltende Glöckner eines Tages einen Pfleger angreift und dann immer aus dem Blickfeld verschwindet. Die Glocken schimmern vom Grund des Sees.

    Meyerhoffs Familie scheint intakt, allmählich aber werden Risse in der Idylle sichtbar, der Vater geht fremd, der momentane Stand der Beziehung der Eltern spiegelt sich in den Konstellationen, in denen die Ehebetten in ihrem Schlafzimmer gruppiert sind: mal direkt nebeneinander, dann mit Abstand, dann an den jeweiligen Außenwänden, schließlich über Eck postiert. Es sind diese kleinen Beobachtungen, die das Buch von Meyerhoff interessant machen, auch Berichte wie der von der seltsamen Idee, mit dem Familienhund Blutsbrüderschaft zu schließen, ein für den Erzähler wie den Hund schmerzhaftes Ereignis.

    In den Familienbericht sind auch Ereignisse wie der Jahrhundertwinter eingewoben, der als eine der größten Naturkatastrophen in die Annalen von Schleswig-Holstein einging.

    Gegen Ende des Buches wird es immer trauriger, der mittlere Bruder kommt mit seiner Freundin bei einem tragischen Autounfall ums Leben, als der Erzähler gerade ein Auslandsjahr in den USA verbringt. Dann muss der Familienhund eingeschläfert werden, nach und nach fällt die Familie vollends auseinander, der Vater zieht zu einer neuen Geliebten, die Mutter nach Italien. Das Ende könnte man fast als „Happy End“ in jedem Sinn des Wortes bezeichnen, auch wenn der Vater an Krebs erkrankt und daran schließlich stirbt, der Schluss hat etwas Versöhnliches.

    Fazit: Ich werde auch die anderen Teile der Serie lesen und freue mich darauf.

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    Nicole_Lauravor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Buch, das unterhaltsam ist, zum Lachen bringt - aber auch berührt.
    Tolle Unterhaltung

    Der Schreibstil ist lebendig, witzig und gleichzeitig hat es mich wirklich berührt. Es ist so ehrlich und tieftraurig und trotzdem eine leichte Lektüre. 

    Ich habe diesen Band (2.) zuerst gelesen und mir persönlich hat er auch besser gefallen, als der erste, was allerdings auch am Thema liegen könnte.

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    W
    wasichgelesenhabevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr amüsant, sehr traurig, sehr tragisch...das Buch einer außergewöhnlichen und doch normalen Kindheit.
    Amüsant, traurig, tragisch...eine außergewöhnliche und doch normale Kindheit

    Der zweite Band von Meyerhoffs "Alle Toten fliegen hoch"-Reihe geht zurück in seine Kindheit und schildert seine Kinder- und Jugendtage in Schleswig-Holstein. Sein Vater war der Direktor einer psychiatrischen Klinik für Kinder und Jugendliche und so wohnte die Familie mitten auf dem Klinikgelände inmitten der dort lebenenden Patienten. Dies führt zu manch skurrilen Umständen, unter denen Meyerhoff aufwächst aber auch vielen Episoden, die Meyerhoff in lockerem Ton und äußerst amüsant erzählt.

    Das Buch setzt sich zum größten Teil aus der Erzählung unchronologischer Episoden aus Meyerhoffs Kindheit zusammen. Dabei ist der Ton stets locker und ironisch, auch wenn die Umgebung, in der Meyerhoff aufgewachsen ist, für einen kleinen Jungen gewiss nicht immer leicht ist. Dabei wurde es zeitweise richtig lustig...meine Lieblingsstelle war die, wo er mit dem Familienhund die Blutsbruderschaft eingehen wollte. Auch an späterer Stelle im Buch, als es stellenweise sehr tragisch und traurig wird und die familiäre Idylle zu bröckeln beginnt, verliert die Erzählung nicht ihre lockere Tonart.

    Ein hervorragendes Buch, das unterhält und doch auch sehr nachdenklich macht. Ein Stern Abzug für die Aneinanderreihung von Anekdoten, die über weite Stellen des Buches keinen rechten Erzählstrang ergeben haben und damit das "Eintauchen" in die Erzählung etwas erschwert haben.

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    L
    Lesebegeistertevor 8 Monaten
    ...Lachgarantie...

    Ein Bestseller schon seit Monaten. Habe diesen Autor zufällig in einer TV-Sendung gesehen, fand ihn sehr witzig und habe deshalb dieses Buch gelesen. Joachim erzählt wie er als Jugendlicher seinen Bruder verloren hat und sein Austauschjahr in Wyoming. Witzig, schräg, absolut lesenwert.


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    Bookster_HROs avatar
    Bookster_HROvor 9 Monaten
    Joachim Meyerhoff | WANN WIRD ES ENDLICH WIEDER SO, WIE ES NIE WAR

    INHALT: Joachim wächst als jüngster von drei Söhnen in einer Nervenheilanstalt für Kinder und Jugendliche auf, in der sein Vater der Direktor ist. Das Wohnhaus der Familie Meyerhoff steht mitten auf dem Anstaltsgelände, umgeben von Plattenbauten voller psychisch Kranker – ein ganz besonderer Ort zum Heranwachsen. Hinzu kommen die nicht enden wollenden Schikanen der älteren Brüder, das eher kalte Eheleben der Eltern und nicht zuletzt Joachims eigene Schwierigkeiten beim Bewahren von Konzentration und dem maßvollen Einsatz von Aggressionen. Joachim ist kein leichtes Kind, umgeben von Krankheit und Tod, doch er meistert sein Leben und trotzt dem norddeutschen Gegenwind.

    FORM: Der eigenen Jugend hat sich Joachim Meyerhoff (*1967) im zweiten Band seiner Romanreihe ALLE TOTEN FLIEGEN HOCH gewidmet, wobei er im Text auch ganz bewusst auf die Romanform pocht. »Erfinden heißt Erinnern«, so seine Erkenntnis gleich zu Beginn auf Seite 22, als er als Siebenjähriger den Fund einer Leiche vor seiner gebannten Zuhörerschaft immer abenteuerlicher ausschmückt, bis er dem Toten etwas andichtet, das auch in Wirklichkeit da war. Und wie in diesem ersten Kapitel, so bleibt auch das ganze Buch in einem Schwebezustand zwischen Biografie und Fiktion – so erklärt sich auch der scheinbar paradoxe Titel. Seinem Motto folgend führt uns Meyerhoff durch eine turbulente Zeit, die von den Mittsiebzigern bis in die frühen Neunziger reicht.

    Neben einem witzig aber immer respektvoll beschrieben Insassen-Panoptikums – hier sind freilich die meisten Lacher versteckt –, ist der Vater in diesem Zeitraum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte und Joachims größte Bezugsperson. Meyerhoff verwendet viel Zeit für die Entwicklung und Zeichnung der Vaterfigur, die voller Geheimnisse steckt, und macht sie zur eigentlichen Hauptfigur. Die Beziehungen des Vaters zu den Patienten, zu seinen Söhnen und zu seiner Frau wird mehrere Male hinterfragt und verändert, dadurch erhält diese Figur – und mit ihr auch der ganze Roman – eine wohltuende Tiefe.

    Meyerhoff schafft es in diesem Band also, nicht nur ein paar lustige Anekdoten aneinanderzureihen, sondern auch, seinem Buch eine Art tiefere Message mitzugeben – eine Kunstfertigkeit, die ich im ersten Band AMERIKA schwer vermisst habe. Im direkten Vergleich der beiden Teile ist mir auch postiv aufgefallen, dass Meyerhoff ein sehr viel besseres Timing hat. Das Tempo der beschriebenen Szenen ist um Einiges ausgeglichener und kann von Anfang bis Ende ein gleichbleibendes Level halten.

    FAZIT: Eine großartige Jugendgeschichte voller skurriler Figuren, unglaublicher Anekdoten von Tod und Trauer, aber auch randvoll mit Lebensfreude. Fünf Sterne.

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich auf Euren Besuch ***

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    Aliras avatar
    Aliravor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Ich habe Tränen gelacht
    Witzig, absurd, irrsinnig und komisch

    Ich kann mich nicht erinnern, mit einem Buch jemals so viel gelacht zu haben.

    Ob das nun die Story mit der Blutsbrüderschaft oder das Ritual mit dem Zubettgehen während eines Fernsehfilmes ist: Der Autor hatte es als Jüngster von drei Brüdern sicher nicht leicht. Was ihn jedoch von anderen Leidensgenossen in dieser Konstellation unterscheidet: Er konnte auf „die Verrückten“ - die Psychiatriepatienten seines Vaters - ausweichen.

    Die Handlung beginnt mit dem 7jährigen Joachim und endet in seinen Zwanzigern, mit dem Tod und der Entzauberung seines Vaters.

    Meyerhoff schreibt so, dass man das Gefühl hat, dabei gewesen zu sein, und auch das ist große Kunst.

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    anenas avatar
    anenavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Der Titel sagt schon den Inhalt
    Familiengeschichte aus Schleswig

    Meyerhoff schreibt unterhaltsam und teilweise sogar spannend seine Familiengeschichte aus Schleswig. Er wächst auf dem Hesterberg auf, einem Heim für psychisch Kranke.

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    Federfees avatar
    Federfeevor einem Jahr
    Humorvolle, melancholische Kindheitserinnerungen

    Zuerst dachte ich: es ist einfach, humorvoll von einer Kindheit zu erzählen, die man auf dem Gelände einer psychiatrischen Klinik verbracht hat mit dem Vater als Direktor. Nette einzelne Episoden, gut geschrieben.

    Doch dann offenbart sich nach und nach, dass in dieser Familie trotz eines liebevollen Vaters einiges nicht in Ordnung ist und das Lachen bleibt einem an einigen Stellen im Halse stecken. Und trotz aller Fehler und Äußerlichkeiten ist es eine Hommage an den früh verstorbenen Vater.

    Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und habe die beiden anderen Bände schon im Regal stehen. Eigentlich ist dieses der 2. erschienene Band, aber weil er die Kindheit zum Thema hat, fand ich es besser, ihn zuerst zu lesen.

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    Waschbaerinvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Der äußere Schein trügt. Es ist eine unvollkommene Familie.
    Die Liebeserklärung eines erwachsenen Sohnes an seinen unvollkommenen Vater

    Dieses Buch "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war" von Joachim Meyerhoff empfand ich wie eine Liebeserklärung eines längst erwachsenen Sohnes an seinen unvollkommenen und bereits verstorbenen Vater.

    Aufgewachsen auf dem Gelände einer psychiatrischen Klinik, deren Leiter sein Vater war, ist es für J. M. völlig normal, als Kind mit geistig behinderten Menschen seine Zeit zu verbringen. Deformierte Gesichter, nächtliche Schreie und all die Absonderlichkeiten mit denen er bereits in jungen Jahren konfrontiert wird, machen ihm nichts aus. Im Gegenteil. Er mag diese Menschen, die ansonsten am liebsten übersehen werden. Egal ob er seinen Vater in der Klinik besucht, auf dem Gelände ein Sommerfest veranstaltet wird - für Joachim ist der Umgang mit diesen Patienten seines Vater völlig normal. Selbst zum Geburtstag des Doktors werden lediglich bestimmte Patienten geladen.

    Später, der Vater ist schon todkrank, wird dieser seinem Sohn sagen, dass es ihm leid tue, dass er mit seiner Familie nie große Reisen unternommen oder in ihr Zuhause Gäste eingeladen hätte. Mit den "normalen" Menschen habe er immer wenig anfangen können. Mit seinen Patienten sei er immer viel mehr verbunden gewesen. Das war seine Welt.

    Doch das Buch zeigt nicht nur solche ernsten Seiten des Lebens. Es ist in einem beschwingten Ton geschrieben und liest sich sehr gut. An vielen Stellen musste ich laut lachen. Z. B. mit der Blutsbrüderschaft zwischen J. M und dem armen Hund oder als der Ministerpräsident die neu erbaute Vorzeigeklinik besucht, es zuvor aber in Strömen regnete. Als endlich die Limousine vorfährt, steigen zuerst die beiden Bodyguards aus, sondieren das Umfeld und öffnen erst dann dem Ministerpräsidenten die rückwärtige Tür. Kaum hat dieser das Auto verlassen, schreit hinten ganz laut eine Stimme "Hände hoch, oder ich schieße!". Und schon werfen sich die Bodyguards über den noblen Herren im eleganten Anzug mit Seidenkrawatte, reißen ihn nieder und alle drei Männer liegen der Länge nach im Matsch. Erst als der Junge, Patient dieser Vorzeigeklinik, seine Pistole wegwirft und man hört, dass diese aus Plastik ist, entschäft sich die Situation. Diese Anekdote ist so lebendig dargestellt, dass man glaubt, als Zuschauer daneben zu stehen und dem Ministerpräsidenten beim Aufstehen behilflich sein zu müssen. Am Ende sind der Psychiater und der Ministerpräsident per du.

    Dieser "Lexikonvater", der Wissen, wie ein Schwamm das Wasser, in sich aufsaugt, ist jedoch alles andere als vollkommen.  Das bekommt insbesondere Joachims Mutter zu spüren. Nicht genug damit, das größte Leid erfährt die Familie durch den Unfalltod des mittleren Sohnes/Bruders.

    Es würde jetzt zu weit führen, wollte ich jede einzelne Episode dieses Buches aufzählen, die mir wichtig und bemerkenswert erscheint. Auf dieses biographisch durchdrungene Buch muss man sich einlassen. Obwohl das Leben in dieser Familie alles andere als einfach gewesen sein dürfte, so ist dieses Buch voll von gegenseitiger Liebe und Wertschätzung - auch wenn die handelnden Menschen ihre persönlichen Unvollkommenheiten und Schwächen haben.


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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    sarah_elises avatar
    Am 7. Oktober 2013 wird der Deutsche Buchpreis im Rahmen einer Gala zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse verliehen.

    Die 5 Bücher umfassende Shortlist für den Preis der Stiftung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der mit 25.000 Euro dotiert ist, wird am 11. September bekannt gegeben. 

    Doch nun zu den 20 Kandidaten auf der Longlist, die in dieser Woche bekannt gegeben wurde, und die alljährliche Frage: Habt ihr einen Favoriten? Und welche der Bücher habt ihr gelesen? Wen vermisst ihr auf der Liste und welche Neuerscheinungen zwischen Oktober 2012 und September 2013 sind auf eurer ganz persönlichen Longlist für den deutschen Buchpreis?

    • Mirko Bonné: Nie mehr Nacht (Schöffling & Co., August 2013)

    • Ralph Dutli: Soutines letzte Fahrt (Wallstein, März 2013) 

    • Thomas Glavinic: Das größere Wunder (Hanser, August 2013) 

    • Norbert Gstrein: Eine Ahnung vom Anfang (Hanser, Mai 2013) 

    • Reinhard Jirgl: Nichts von euch auf Erden (Hanser, Februar 2013) 

    • Daniel Kehlmann: F (Rowohlt, September 2013) 

    • Judith Kuckart: Wünsche (DuMont, März 2013) 

    • Olaf Kühl: Der wahre Sohn (Rowohlt.Berlin, September 2013) 

    • Dagmar Leupold: Unter der Hand (Jung und Jung, Juli 2013) 

    • Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren (C. H. Beck, Januar 2013) 

    • Clemens Meyer: Im Stein (S. Fischer, August 2013) 

    • Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2013) 

    • Terézia Mora: Das Ungeheuer (Luchterhand, September 2013) 

    • Marion Poschmann: Die Sonnenposition (Suhrkamp, August 2013) 

    • Thomas Stangl: Regeln des Tanzes (Droschl, September 2013) 

    • Jens Steiner: Carambole (Dörlemann, August 2013) 

    • Uwe Timm: Vogelweide (Kiepenheuer & Witsch, August 2013) 

    • Nellja Veremej: Berlin liegt im Osten (Jung und Jung, Februar 2013) 

    • Urs Widmer: Reise an den Rand des Universums (Diogenes, August 2013) 

    • Monika Zeiner: Die Ordnung der Sterne über Como (Blumenbar, März 2013) 

    Zum Thema

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