Joachim Meyerhoff Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

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Inhaltsangabe zu „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ von Joachim Meyerhoff

Zu Hause in der Psychiatrie - das kommt davon
Der junge Held in Meyerhoffs zweitem Roman wächst zwischen Hunderten von Verrückten als jüngster Sohn des Direktors einer Kinder- und Jugendpsychiatrie auf - und mag es sogar sehr. Mit zwei Brüdern und einer Mutter, die den Alltag stemmt - und einem Vater, der in der Theorie glänzt, in der Praxis aber stets versagt. Wer schafft es sonst, den Vorsatz, sich mehr zu bewegen, gleich mit einer Bänderdehnung zu bezahlen und die teuren Laufschuhe nie wieder anzuziehen? Oder bei Flaute mit dem Segelboot in Seenot zu geraten und vorher noch den Sohn über Bord zu werfen?
Am Ende ist es aber wieder der Tod, der den Glutkern dieses Romans bildet, der Verlust, der nicht wieder gutzumachen ist, die Sehnsucht, die bleibt - und die Erinnerung, die zum Glück unfassbar pralle, lebendige und komische Geschichten hervorbringt.

Irgendwie hat mich die Erzählweise nicht so richtig gefesselt, die Geschichte hat mir dennoch gefallen!

— missricki

Auch Teil 2 erzählt J. Meyerhoffs Geschichte herz- und Lachmuskelergreifend weiter.

— DJane73

Der Titel sagt schon den Inhalt

— anena

Der äußere Schein trügt. Es ist eine unvollkommene Familie.

— Waschbaerin

Emotional, lustig und traurig zugleich. Er schreibt so authentisch über seine Vergangenheit, dabei fühlt man sich fast selbst wie ein Kind.

— LittleBee1990

Wunderbarer Wechsel zwischen komisch, lustig und traurig. Tolles Buch über eine Kindheit in einem nicht ganz gewöhnlichen Umfeld.

— yvonne13

Ein ungewöhnlicher Roman über eine ungewöhnliche Kindheit

— Yolande

Eine Familien-, vor allem aber eine Vatergeschichte. So leicht wie der erste Band, doch pointierter, fokussierter - und besser!

— leselea

Toll! Erinnert an Knausgard, aber ohne die Ausschweifungen (die ich allerdings mag) =)

— Bibliomania

Wenn ein Buch es schafft, den Leser zum lachen (laut) und zum Weinen zu bringen, dann muss es ein gutes Buch sein.

— TanyBee

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Die Farbe von Milch

Großartiges Buch, in einfacher und eindringlicher Sprache geschrieben, passend zur Protagonistin Mary.

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  • Gut erzählter, aber teilweise etwas zu langatmiger episodenhafter Roman

    Alle Toten fliegen hoch - Amerika

    Federfee

    02. November 2017 um 15:10

    "Für mich sollte es ein Weltenwechsel werden, der totale Bruch, die Flucht nach vorne." (41)So sieht der junge Joachim sein Schülerjahr in Amerika und dies ist das Hauptthema des Romans. Am Anfang begleiten wir ihn zum Auswahlverfahren und auf die große Reise in ein unbekanntes Land, immer wieder unterbrochen durch Episoden der Erinnerung, kurzweilig und humorvoll erzählt.Eine ganz neue Welt ist es, in die der behütete Junge aus einer Kleinstadt im Norden Deutschlands geworfen wird, eine ganz andere Lebensart dort in Laramie, Wyoming. Mit seinen Gasteltern hat er Glück, mit deren einem Sohn weniger. Bis zuletzt lässt er Joachim spüren, dass er nicht willkommen ist. Aber daran kann man nur wachsen. Dieser Aufenthalt in den USA hilft ihm auch, einen Schicksalsschlag zu überwinden, der die Familie in Deutschland trifft: den tödlichen Autounfall eines Bruders.Die Episoden, in denen die Landschaft und die andere Lebensart in Wyoming fein beobachtet und beschrieben werden, haben mir gut gefallen. Die Basketball-Sache fand ich zu ausführlich und langatmig und auch das Ende war etwas abrupt, selbst, wenn man in Betracht zieht, dass dies der Debutroman des Burgschauspielers Joachim Meyerhoff war, der noch einige Fortsetzungen finden soll. Ich habe den zweiten Roman der Reihe vorgezogen, weil er von der Kindheit und Jugend handelt:https://www.lovelybooks.de/autor/Joachim-Meyerhoff/Wann-wird-es-endlich-wieder-so-wie-es-nie-war-1009479813-w/rezension/1500007365/Alles in allem ein stimmungsvoller, gut erzählter, vielleicht an einigen Stellen etwas zu langatmig erzählter Episodenroman.

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  • Familiengeschichte aus Schleswig

    Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

    anena

    31. October 2017 um 17:51

    Meyerhoff schreibt unterhaltsam und teilweise sogar spannend seine Familiengeschichte aus Schleswig. Er wächst auf dem Hesterberg auf, einem Heim für psychisch Kranke.

  • Humorvolle, melancholische Kindheitserinnerungen

    Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

    Federfee

    25. October 2017 um 10:35

    Zuerst dachte ich: es ist einfach, humorvoll von einer Kindheit zu erzählen, die man auf dem Gelände einer psychiatrischen Klinik verbracht hat mit dem Vater als Direktor. Nette einzelne Episoden, gut geschrieben.Doch dann offenbart sich nach und nach, dass in dieser Familie trotz eines liebevollen Vaters einiges nicht in Ordnung ist und das Lachen bleibt einem an einigen Stellen im Halse stecken. Und trotz aller Fehler und Äußerlichkeiten ist es eine Hommage an den früh verstorbenen Vater.Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und habe die beiden anderen Bände schon im Regal stehen. Eigentlich ist dieses der 2. erschienene Band, aber weil er die Kindheit zum Thema hat, fand ich es besser, ihn zuerst zu lesen.

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  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 20.10.2017: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   259 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  691 Punkte Beust                                          ---   352 Punkte Bibliomania                               ---   233 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  444,5 Punkte ChattysBuecherblog                --- 285 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   154,5 Punkte Code-between-lines                ---  154 Punkte DieBerta                                    ---   ?  Punkteeilatan123                                 ---   80 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   216 Punkte Frenx51                                     ---  103 Punkte glanzente                                  ---   94 Punkte GrOtEsQuE                               ---   84 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   181 Punkte Hortensia13                             ---   148 Punkte Igelchen                                    ---   26 Punkte Igelmanu66                              ---  191 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    95 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   135 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte Kattii                                         ---   88 Punkte Katykate                                  ---   121 Punkte Kerdie                                      ---   239 Punkte Kleine1984                              ---   145 Punkte Kuhni77                                   ---   129 Punkte KymLuca                                  ---   110 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   285 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   257 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   94 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  55 Punkte mistellor                                   ---   181 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktemy_own_melody                     ---   18 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  148 Punkte Nelebooks                               ---  245 Punkte niknak                                       ----  313 Punkte nordfrau                                   ---   143 Punkte PMelittaM                                 ---   242 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   132 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   67 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 76 PunkteSandkuchen                              ---   241 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   195 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   315 Punkte SomeBody                                ---   189,5 Punkte Sommerleser                           ---   215 Punkte StefanieFreigericht                  ---   236,5 Punkte tlow                                            ---   165 Punkte Veritas666                                 ---   151 Punkteverruecktnachbuechern         ---   97 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   69 Punkte Wolly                                          ---   184 Punkte Yolande                                       --   189 Punkte

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  • Die Liebeserklärung eines erwachsenen Sohnes an seinen unvollkommenen Vater

    Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

    Waschbaerin

    18. October 2017 um 21:39

    Dieses Buch "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war" von Joachim Meyerhoff empfand ich wie eine Liebeserklärung eines längst erwachsenen Sohnes an seinen unvollkommenen und bereits verstorbenen Vater. Aufgewachsen auf dem Gelände einer psychiatrischen Klinik, deren Leiter sein Vater war, ist es für J. M. völlig normal, als Kind mit geistig behinderten Menschen seine Zeit zu verbringen. Deformierte Gesichter, nächtliche Schreie und all die Absonderlichkeiten mit denen er bereits in jungen Jahren konfrontiert wird, machen ihm nichts aus. Im Gegenteil. Er mag diese Menschen, die ansonsten am liebsten übersehen werden. Egal ob er seinen Vater in der Klinik besucht, auf dem Gelände ein Sommerfest veranstaltet wird - für Joachim ist der Umgang mit diesen Patienten seines Vater völlig normal. Selbst zum Geburtstag des Doktors werden lediglich bestimmte Patienten geladen. Später, der Vater ist schon todkrank, wird dieser seinem Sohn sagen, dass es ihm leid tue, dass er mit seiner Familie nie große Reisen unternommen oder in ihr Zuhause Gäste eingeladen hätte. Mit den "normalen" Menschen habe er immer wenig anfangen können. Mit seinen Patienten sei er immer viel mehr verbunden gewesen. Das war seine Welt. Doch das Buch zeigt nicht nur solche ernsten Seiten des Lebens. Es ist in einem beschwingten Ton geschrieben und liest sich sehr gut. An vielen Stellen musste ich laut lachen. Z. B. mit der Blutsbrüderschaft zwischen J. M und dem armen Hund oder als der Ministerpräsident die neu erbaute Vorzeigeklinik besucht, es zuvor aber in Strömen regnete. Als endlich die Limousine vorfährt, steigen zuerst die beiden Bodyguards aus, sondieren das Umfeld und öffnen erst dann dem Ministerpräsidenten die rückwärtige Tür. Kaum hat dieser das Auto verlassen, schreit hinten ganz laut eine Stimme "Hände hoch, oder ich schieße!". Und schon werfen sich die Bodyguards über den noblen Herren im eleganten Anzug mit Seidenkrawatte, reißen ihn nieder und alle drei Männer liegen der Länge nach im Matsch. Erst als der Junge, Patient dieser Vorzeigeklinik, seine Pistole wegwirft und man hört, dass diese aus Plastik ist, entschäft sich die Situation. Diese Anekdote ist so lebendig dargestellt, dass man glaubt, als Zuschauer daneben zu stehen und dem Ministerpräsidenten beim Aufstehen behilflich sein zu müssen. Am Ende sind der Psychiater und der Ministerpräsident per du.Dieser "Lexikonvater", der Wissen, wie ein Schwamm das Wasser, in sich aufsaugt, ist jedoch alles andere als vollkommen.  Das bekommt insbesondere Joachims Mutter zu spüren. Nicht genug damit, das größte Leid erfährt die Familie durch den Unfalltod des mittleren Sohnes/Bruders. Es würde jetzt zu weit führen, wollte ich jede einzelne Episode dieses Buches aufzählen, die mir wichtig und bemerkenswert erscheint. Auf dieses biographisch durchdrungene Buch muss man sich einlassen. Obwohl das Leben in dieser Familie alles andere als einfach gewesen sein dürfte, so ist dieses Buch voll von gegenseitiger Liebe und Wertschätzung - auch wenn die handelnden Menschen ihre persönlichen Unvollkommenheiten und Schwächen haben.

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  • Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

    Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

    Yolande

    22. July 2017 um 17:58

    Der Autor (Klappentext):Joachim Meyerhoff, geboren 1967 in Homburg/Saar, aufgewachsen in Schleswig, ist seit 2005 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. In seinem sechsteiligen Zyklus "Alle Toten fliegen hoch" trat er als Erzähler auf die Bühne und wurde zum Theatertreffen 2009 eingeladen. 2007 wurde er zum Schauspieler des Jahres gewählt. Für seinen Debütroman wurde er mit dem Franz-Tumler-Literaturpreis 2011 und dem Förderpreis zum Bremer Literaturpreis ausgezeichnet.Das Buch (Klappentext):Ist das normal? Zwischen Hunderten von körperlich und geistig Behinderten als jüngster Sohn des Direktors einer Kinder- und Jugendpsychiatrie aufzuwachsen? Der junge Held in Joachim Meyerhoffs zweitem Roman kennt es nicht anders - und mag es sogar sehr. Sein Vater herrscht über 1200 Patienten, verschwindet zu Hause aber in seinem Lesesessel. Seine Mutter organisiert den Alltag, hadert aber mit ihrer Rolle. Seine Brüder widmen sich hingebungsvoll ihren Hobbys, haben für ihn aber nur Häme übrig. Und er selbst tut sich schwer mit den Buchstaben und wird immer wieder von diesem großen Zorn gepackt. Glücklich ist er, wenn er auf den Schultern eines glockenschwingenden, riesenhaften Insassen übers Anstaltsgelände reitet.(...).Das Buch hat keine eigentliche Handlung , sondern besteht aus vielen einzelnen Geschichten. Es gibt einige sehr komische, ein paar belanglose, viele äußerst ungewöhnliche und gerade zum Ende hin sehr berührende Geschichten. Wenn diese Geschichten alle autobiographisch sind, wovon ich ausgehe, hat Joachim Meyerhoff auf jeden Fall eine ziemlich ungewöhnliche Kindheit gehabt.Erzählt wird alles in einem leichten Plauderton, der sich schnell und gut lesen lässt. Zum Ende des Buches wird die große emotionale Bindung zu seinem Vater sehr deutlich und das macht dieses Buch auch sehr persönlich.Fazit: Ein ungewöhnlicher Roman über eine ungewöhnliche Kindheit. Sehr unterhaltsam.

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  • Vaterbuch

    Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

    leselea

    21. July 2017 um 17:37

    „Erfinden heißt Erinnern.“ (S. 21) – Diese Worte legt Joachim Meyerhoff seinem Protagonisten in Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war sicherlich nicht zufällig in den Mund. Vielmehr lässt sich dieser Satz als deutlicher Hinweis zur Programmatik seines sechszyklischen Werkes lesen, in dem Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war die Funktion des zweiten Bandes nach dem Debüt Alle Toten fliegen hoch zukommt. Meyerhoff setzt hier (wie in allen anderen Bänden) dazu an, seine Lebensgeschichte zu erzählen oder zumindest das, was er den Lesern als solche verkaufen möchte. Seine Geschichte ist autobiographisch geprägt, versteht sich aber als Roman und pendelt so kontinuierlich zwischen Wahrheit und Fiktion. Meyerhoff erzählt – in freier Anlehnung an den Titel – das, was so nicht unbedingt war, aber sicherlich so hätte sein können. Handelte der erste Band noch von Meyerhoffs Austauschjahr in Amerika, so ist Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war zeitlich deutlich breiter aufgestellt und schildert seine Kindheit und Jugend, das Familienleben und das Aufwachsen an einem ungewöhnlichen Ort: der Psychiatrie. Denn Meyerhoffs Vater war bis zu seinem Tod Leiter der schleswiger Kinder- und Jugendpsychatrie und lebte mit Frau und Kindern auf dem Anstaltsgelände. Hier inmitten von Andersartigen, Verrückten und Behinderten wächst der kleine Joachim auf, in einer Welt mit eigenen Regeln und Gesetzmäßigkeiten, die manchmal wie aus der Zeit gefallen erscheint und doch trotz aller Merkwürdigkeiten und nicht zu leugnenden Leiden manchmal die bessere, ja heilere Welt zu sein scheint. Denn dass der „normale“, nach außen hin perfekt funktionierende Alltag, wie ihn seine Familie zelebriert, mehr Schein als Sein ist, merkt der Protagonist schon nach wenigen Seiten – was vor allem an der Figur des Vaters liegt, einem Mann des Geistes und der kühnen Ideen, der zugleich in seinem Handeln gehemmt bleibt. Und so ist Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war zwar ein Familien-, vor allem aber ein Vaterbuch und schließt damit wunderbar an den ersten Teil des Zyklus an, der durchaus als Bruderbuch gelesen werden kann. In beiden Bänden brilliert Meyerhoff durch seinen herausragenden Erzählstil: Leichtfüßig, humorvoll, mit einem guten Blick für Details und einem Händchen, um diese große Geschichten zu bauen, führt er durch seine eigene Vergangenheit. Er weiß es, den Leser zu unterhalten, zum Schmunzeln zu bringen und ihn gleichzeitig mit seinen Anekdoten im Inneren zu treffen. Meyerhoff zeigt das Leben, wie es ist und wie es ein jeder Leser kennt und erzeugt somit eine Nähe zwischen Publikum und der erzählten Welt, in der man sich bald wie der Protagonist ganz Zuhause fühlt. Erzähltechnisch ist Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war – ähnlich wie Alle Toten fliegen hoch – nicht perfekt: Meyerhoff liebt das episodenartige Erzählen zu sehr und ist daher nicht davon gefeit, sich in seinen Geschichtchen manchmal zu verlieren. Nichtsdestotrotz kommt mir die Geschichte hier stringenter und fokussierter, ja erzählerisch reifer und besonnener vor. Das war auch mein großer Wunsch nach der Lektüre des ersten Teils! Daher – und weil Meyerhoffs unbedarfte, dabei jedoch nicht von Schwächen freie Erzählweise gekonnt mit dem Inhalt des nicht-perfekten Lebens korrespondiert – gebe ich dem zweiten Band volle 5 Sterne und freue mich sehr auf die weiteren Teile des Zyklus.

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  • Es war einmal in der Psychiatrie

    Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

    Bibliomania

    11. July 2017 um 22:20

    Joachim Meyerhoff hat, ähnlich wie Karl Ove Knausgard, sein Leben in einem Romanzyklus beschrieben. Chronologisch gesehen ist "Wann wird es endlich wieder so wie es nie war" der zweite Teil der Reihe "Alle Toten fliegen hoch". Da ich jedoch gern vorne anfange, habe ich als erstes Joachim Meyerhoffs Kindheit gelesen. Er hatte eine sehr interessante, skurrile und bewegende Kindheit. Seine Erinnerungen sind nicht nur durch genaue Beschreibungen und Gefühle, sondern auch entwaffnende Offenheit geprägt. Eine zentrale Rolle spielt dabei sein "überpräsenter" Vater (auch dies ähnlich wie bei Knausgard), doch war das Verhältnis zu ihm nicht von Angst und fehlender Anerkennung geprägt. Meyerhoffs Vater hat sich durchaus um ihn gekümmert, Zeit mit ihm verbracht, Vater-Sohn-Unternehmungen durchgeführt. Erst viel später wurde Joachim bewusst, wer und was sein Vater wirklich war. Zumindest hatten Vater und Sohn eine Beziehung, anders als bei Knausgard.Mir hat das Buch wirklich gut gefallen und trotz einiger Parallelen zu Karl Ove Knausgard gibt es auch einige Unterschiede. Allen voran die Art des Schreibens. Knausard gefällt mir wirklich gut, aber Meyerhoff lässt sich deutlich einfacher und leichter lesen. Auch enthält er nicht so viele Ausschweifungen wie Knausgard. Meyerhoff hat eine interessante Familie, etliche Schicksalsschläge schon in Kindheit und Jugend erlebt, sowie eine besondere Beziehung zu den Patienten seines Vaters, den Leiter einer Psychiatrie. Absolut lesenswert!

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  • Eine ganz normale Familie

    Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

    Rabentochter

    07. June 2017 um 12:07

    Der Ich-Erzähler berichtet hier von seiner Kindheit. Wie es ist, wenn der Vater Arzt in einer Irrenanstalt ist, man auf dem Anstaltsgelände wohnt und zwischen zwei Brüdern, einem Hund, Vater, Mutter und den Bewohner der Anstalt aufwächst. Meyerhoff erzählt in gewohnter Weise mit viel Humor, aber auch in leiseren, ernsten Tönen. So schwankt das Buch zwischen Trauer und Heiterkeit, wobei sich in die Trauer auch immer ein Funke Witz und in die Heiterkeit ein Tropfen Wehmut verirrt. Man erlebt den Alltag in dieser herrlich außergewöhnllichen, normalen Familie mit deren Mutter teilweise zur Hysterie neigt, der Vater mit den Patienten besser zurecht kommt als mit „normalen“ Menschen und der Ich-Erzähler gerne mal im Jähzorn seine berühmten Wutattacken bekommt. Man fühlt sich in dieser Familie seltsam zu Hause, bleibt aber doch ein Fremder. Meyerhoffs Buch scheint die widersprüchlichsten Gefühle hervorzurufen, schafft es dabei aber ein insgesamt wohliges, behagliches Gefühl, begleitet von einem kleinen Lächeln zu hinterlassen, wenn man es weg legt. Fazit: tief berührend ohne dabei kitschig zu sein.

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  • Aufgeschnürte Erinnerungspäckchen

    Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

    Mrs_Nanny_Ogg

    16. April 2017 um 18:01

    Joachim Meyerhoff hat mit diesem Roman den zweiten Teil seiner Alle Toten fliegen hoch-Reihe geschrieben, in der er seine Vergangenheit in kleinen "Erinnerungspäckchen" aufschnürt und auspackt: "Ja, daran glaube ich: Erst wenn ich es geschafft haben werde, all diese abgelegten Erinnerungs-Päckchen wieder aufzuschnüren und auszupacken, erst wenn ich mich traue, die scheinbare Verlässlichkeit der Vergangenheit aufzugeben, sie als Chaos anzunehmen, sie als  Chaos zu gestalten, sie auszuschmücken, sie zu feiern, erst wenn alle meine Toten wieder lebendig werden, vertraut, aber eben auch viel fremder, eigenständiger, als ich mir das jemals eingestanden habe, erst dann werde ich Entscheidungen treffen können, wird die  Zukunft ihr ewiges Versprechen einlösen und ungewiss sein, wird sich die Linie zu einer Fläche weiten."Wer diesen Roman gelesen hat, wird feststellen, dass Joachim Meyerhoff da noch ein gutes Stück Arbeit vor sich haben wird.Aufgewachsen als jüngster Sohn eines Direktors einer Heil- und Pflegeanstalt für Jugendliche und Kinder, einer Kinder- und Jugendpsychiatrie führt er wohl ein Leben, das sowohl "normal" als verrückt erscheint. Ohne etwas zu beschönigen erzählt er von seinen emotionalen Ausbrüchen, wenn ihn die zwei älteren Brüder wieder einmal als "Wasserkopf" bezeichnet haben oder wenn die Mutter die Marzipankartoffeln beendet, die er mühevoll selbst für den 40sten Geburtstag seines Vaters hergestellt hat. Er erzählt vom Fund seines ersten Toten auf dem Schulweg, von seinem hochgebildeten Vater, dessen Wissen in so vielen Bereichen unermesslich groß war, dessen Pläne (wie das Segeln, das Selbstversorgerleben auf dem Land) aber immer von seiner Frau praktisch umgesetzt werden musste, weil er eben nur ein genialer Theoretiker war. Er erzählt vom Älterwerden, von den Schwierigkeiten der Pubertät, von Verlusten und Trauer - eben vom realen Leben. Dies alles aber in einer unverblümten Art, ohne rührselig zu werden, und doch rührt es ans Herz, regt zum Nachdenken über das eigene Leben an. Es ist ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte. Ich freue mich auf weitere Bücher von Joachim Meyerhoff,

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  • Tolle Biographie

    Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

    CorinaPf

    09. December 2016 um 09:28

    Inhalt: Es ist der zweite Teil seiner Biographie,doch man kann ihn ohne, den anderen gelesen zu haben beginnen. Joachim Meyerhoff beschreibt in diesem Buch seine Kindheit, in einer Psychiatrie nicht als Patient, sondern sein Vater ist der Leiter und seine Familie lebt in einem separaten Haus auf diesen Gelände. Er beschreibt in diesem Buch wie gut er sich mit einige dieser Patienten versteht und welche Eigenheiten diese haben. Er liebt seine Familie und auch das er an diesem Ort auf dem Psychiatrie Gelände leben kann. Er liebt es zu hören wie manche Patienten am Abend schreien, denn so kann Joachim am besten einschlafen. Doch auch Joachim hat mit etwas zu kämpfen, seiner inneren Wut die immer wieder zum Vorschein kommt. Schreibstil/Protagonist Es ist eine Biographie und mir gefällt wie Joachim Meyerhoff ohne ein Blatt vor dem Mund dies geschrieben hat. Auch hat er das geschrieben was sich er als kleines Kind gedacht hat und dann kommt manchmal das Wort Idiot vor, denn das denken sich Kinder. Auch wenn man eigentlich dies nicht sagen durfte, denn die Menschen haben eine Behinderung oder eine psychische Krankheit, doch das versteht ein Kind nicht von heute auf morgen. Der Schreibstil war gut und ich konnte das Buch schnell lesen. Mir hat es gut gefallen, da ich auch viel mit solchen Menschen zu tun hab, gefiel mir die Sicht von einem kleinen Kind, was sich diese für Gedanken über die Bewohner einer Psychiatrie macht. 4 Sterne für dieses Buch, da mir an manchen Stellen es für mich zu schnell ging und mir bei manchen Szene die Gefühle gefehlt haben

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    • 3
  • Interessant, aber mit zu vielen Längen.

    Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

    Popsicle

    31. March 2016 um 11:33

    Von Joachim Meyerhoff hatte ich schon gehört, als ich das Buch (samt seinem Nachfolger) in den Händen hielt. Ich wusste, dass seine Bücher geliebt wurden, aber ich war skeptisch. Da es laut Verkäuferin gut lesbar ist, ohne "Alle Toten fliegen hoch" gelesen zu haben, sparte ich mir den ersten Teil und begann direkt hier bei Nummer zwei. Gut lesbar ist es tatsächlich. Während Joachim Meyerhoff in "Alle Toten fliegen hoch" Teil Eins von seinem Auslandsjahr in Amerika erzählt, zeichnet er in "Wann wird es endlich wieder so wie es nie war" ein Bild von seiner Kindheit. Diese Kindheit hat er nicht etwa in einem aparten Vorstadt-Häuschen verbracht, sondern in einem Haus mitten auf dem Gelände einer großen Kinder- und Jugendpsychatrie, wo sein Vater viele Jahre lang der Direktor ist. Der kleine Joachim wächst also auf in einer Umgebung voller Abormitäten und mit Menschen, deren Eigenarten befremdlicher kaum sein könnten. Daneben spielt seine Familie eine zentrale Rolle. Während sein Vater es sich zum Hobby gemacht hat möglichst viel über möglichst viele verschiedene Themengebiete zu wissen (Meyerhoff nennt ihn liebevoll einen Bildungsnomaden), sind seine Brüder hauptsächlich damit beschätigt Joachim zu ärgern. Seine Familie ist für Joachim seine kleine, heile Welt. Diese hat schon Risse, das lässt sich gut an den Betten seiner Eltern ablesen. Stehen sie getrennt an gegenüberliegenen Wänden, ist es gerade nicht so gut um die Ehe bestellt. Endgültig bricht die Familie allerdings erst auseinander, als Joachim schon in Amerika ist und einer seiner Brüder in einem Unfall umkommt. Joachim Meyerhoff schreibt seine Biographie auf eine interessante Art und Weise. Mit dem ersten Teil hat er in der Mitte begonnen und hier erzählt er von seiner Kindheit. Sein Schreibstil hat mich aber leider (entgegen der sonstigen Meinungen) überhaupt nicht mit in seine Geschichte nehmen können. Die Teils abstrusen Beschreibungen der Psychatrie und den Patienten, die diese beherbergt, hat mich sogar eher abgeschreckt. Insgesamt hat mich das Buch gelangweilt und es fiel mir manches Mal schwer es wieder in die Hand zu nehmen, um es zu Ende zu lesen.

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  • Humorvoll, Berührend und auch sehr traurig

    Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

    Anni04

    13. March 2016 um 21:19

    Ich habe das Buch gelesen, da ich selbst für eine zeit in einer Psychiatrie gearbeitet habe und mich der Klappentext sehr interessiert hat. Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten mich in die Geschichten reinzufinden, aber ab der Hälfte konnte ich es kaum noch aus der Hand legen. Jedes Kapitel handelt von anderen Lebensereignissen des Protagonisten und wurden zum größten Teil humorvoll erzählt. Zum Ende hin spielt der Tod eine große Rolle und ich hatte die ganze Zeit tränen in den Augen. Als ich das Buch beendet habe, hatte ich ein bedrückendes Gefühl. Trotzdem hat mir das Buch gut gefallen und ich kann es weiter empfehlen.

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  • Bericht aus der Anstalt - Joachim Meyerhoff Teil 2

    Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

    LibriHolly

    09. March 2016 um 14:26

    Joachim Meyerhoffs Reise geht weiter. Führte uns der erste Teil nach Amerika, geht Meyerhoffs Blick dieses Mal weiter zurück, in die Welt seiner Kindheit. Der Vater Psychiatriedirektor, das Elternhaus mitten auf dem Anstaltsgelände liegend, wuchs Meyerhoff umgeben von geistig Behinderten auf. Eine Kindheit, die man alles andere als „normal“ bezeichnen kann. Doch was ist schon „normal“ in dieser Welt und so erscheint einem so manches Mal während der Lektüre dieses Buches die scheinbar „normale“ äußere Welt viel verrückter, als die Welt innerhalb der Anstaltsmauern. Joachim Meyerhoff gelingt es auch dieses Mal wieder den Leser mitzureißen. Manchmal zum Schreien komisch, dann wieder zutiefst traurig erzählt er uns von einer nicht ganz gewöhnliche Kindheit an einem ebenso ungewöhnlichen Ort, von einem Vater, der sich in Bücher flüchtet und einer Mutter, die scheinbar alles zusammenhält und von dem Umgang einer Familie mit Tod, Trauer und Verlust. Und wenn man eines aus Meyerhoffs Roman mitnehmen kann, dann die Tatsache, dass auch Eltern nur Menschen sind, mit all ihren Stärken und Schwächen oder wie Joachim Meyerhoffs Vater es an einer Stelle des Buches ausdrückt: „Es gibt Dinge, die du tust, die mich nichts angehen, und es gibt Dinge, die ich tue, die dich nichts angehen.“- Auch Eltern haben durchaus ihr eigenes Leben! Ein unglaublich dichter und praller Roman, voller Lebenslust aber eben auch manchmal –frust. Wie Nikolaus Merck so treffend über Meyerhoffs gleichnamiges Theaterstück schrieb:  „Er schaut zurück, erzählt und erfindet dabei die Wahrheit.“ Das trifft sozusagen des Pudels Kern oder anders gesagt des Buches Herz und zwar genau in der Mitte. Dieses Buch ist keine Autobiographie, nein, es ist eigene Lebenserfahrung in Romanform gegossen.

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  • Irre gut!

    Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

    thesmallnoble

    08. February 2016 um 22:16

    Was kann es Spannenderes geben als auf dem Gelände einer riesigen Jugendpsychiatrie aufzuwachsen, nicht als Patient, sondern als Sohn des Direktors? Von klein auf lernt man, die Abweichung von der Norm als ganz normal zu empfinden, zumal dann, wenn auch in der eigenen Familie einiges aus dem gutbürgerlichen Ruder läuft. Und auch der Erzähler war ein Intensivkind, das weder stillsitzen noch seine Emotionen kontrollieren konnte und damit heute ein heißer Ritalinkandidat wäre. Joachim Meyerhoffs sprachgewaltiger Roman steht unter dem Motto "Erfinden heißt Erinnern". Der kleine Joachim begreift schon sehr früh, dass ein Erlebnis beim Erzählen immer neue Formen annimmt und dass dabei manchmal auch längst Verschüttetes wieder zum Vorschein kommt, und so ist auch eine Autobiographie durchaus formbar. Es gelingt dem Autor mit genialer Leichtigkeit, in die Rolle des Kindes zurückzuschlüpfen und uns an seinem Vergnügen und seinen Ängsten teilhaben zu lassen. Wir leiden mit ihm, wenn er von seinen großen Brüdern drangsaliert wird, und wundern uns, dass die Eltern dies einfach geschehen lassen, und trotzdem müssen wir immer wieder laut lachen. Nicht nur die Irren können rasend komisch sein (wie anders als respektlos kann man das aus Kindersicht auch beschreiben?), auch die Nichtirren haben ihre Eigenheiten. Und manches geht derart unter die Haut, dass es eigentlich weder erfunden (wie kann man jemandem sowas andichten??) noch wahr sein kann (wie kann man sowas ausplaudern??). Zwischen all der spielerischen Heiterkeit deutet sich schon bald eine tragische Entwicklung an. Erst trifft es andere wie die asoziale Nachbarsfamilie, die jämmerlich zugrunde geht, dann die eigene Familie. Die Ehe der Eltern zerbricht, was die Kinder nur als hilf- und fassungslose Zeugen erleben, und am Ende "fliegen alle Toten hoch". (So wie Joachim Meyerhoff das Sterben seines Vaters beschreibt, ist dringend davon abzuraten, das Buch jemals einem Krebskranken in die Hände zu geben.) Trotzdem ist das Ende eher versöhnlich. Die tragischen Ereignisse führen zu einer vorsichtigen Annäherung innerhalb der Familie, und wir legen das Buch in der Hoffnung aus der Hand, dass alles wieder so werden könnte, wie es nie war. P.S. Ich habe übrigens "Alle Toten fliegen hoch: Amerika" noch nicht gelesen, hatte aber bei der Lektüre von "Wann wird es endlich..." nicht das Gefühl, dass das zum Verständnis nötig gewesen wäre.

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